
Nachdem Gold am Dienstag neue Achtjahreshöchststände erreicht hatte, gab es wieder nach. Im europäischen Vormittagshandel lag Gold heute mit 1.775 $ um 4 $ über dem Wochenstand, nachdem es zuvor bei 1.789 $ gehandelt worden war; Silber legte um 24 Cent auf 17,99 $ zu, nachdem es zuvor bei 18,44 $ gehandelt worden war.
Das oben erwähnte Paradox der Spekulanten ist der Gegensatz zwischen ihren verschiedenen Indikatoren, die ihnen signalisieren, dass alle für Goldminen und den Goldpreis optimistisch sind. Unter diesen Bedingungen lauern die Swaps – die Handelsabteilungen der Edelmetallbanken – gewöhnlich auf ihre Beute: Sie können durch das Auslösen von Stopps eine Kaskade enttäuschter Verkäufer erzeugen.
Das hat jedes Mal funktioniert, seit der Comex-Goldkontrakt nicht mehr bloß eine einfache Absicherung gegen Long-Positionen an der LBMA ist, sondern für Edelmetallbanken eine einfache Möglichkeit, Handelsgewinne zu erzielen. Das Machtungleichgewicht besteht darin, dass Edelmetallbanken ihre Positionen durch Ausweitung der Kreditvergabe stets halten können, die Kategorie „Managed Money“, überwiegend spekulierende Hedgefonds, hingegen nicht. Zudem schwächen diese ihre Position weiter, weil sie nur an kurzfristigen Geschäften interessiert sind und nie durch eine physische Lieferannahme gebunden sind.
Zuletzt begann sich dieses Prognosemodell zu verändern. Ende Juli letzten Jahres erreichte das Open Interest für Gold an der Comex ein neues Hoch. Dies ist in unserer nächsten Grafik durch die erste Pfeilgruppe markiert.
Nach diesem Höchststand beim Open Interest ging es zurück, angetrieben von den Edelmetallbanken, doch der Preis folgte nicht nach unten. Auf der Käuferseite gab es eine Umschichtung: „Managed Money“ reduzierte wie geplant seine Long-Positionen, aber der Goldpreis blieb stabil und stieg im September von 1.420 $ auf einen Test der 1.500 $. Das war das erste Anzeichen dafür, dass die Preiskontrolle an der Comex den Edelmetallbanken entglitt.
Die zweite Pfeilgruppe zeigt, wie das Open Interest zwischen September und Januar auf Rekordniveau stieg, da die Edelmetallbanken, die weiterhin stark short waren und es zunehmend wurden, die Nachfrage aufnahmen und den Goldpreis deckelten, der seitwärts lief, bevor er auf 1.575 $ stieg. An diesem Punkt gerieten die Edelmetallbanken in Panik und gingen in einer gemeinsamen Aktion vor, um dem Goldpreis den Schwung zu nehmen – die dritte Pfeilgruppe. Sie ließen den Markt abstürzen und senkten das Open Interest von knapp 800.000 Kontrakten auf 480.000 Anfang April. Doch obwohl der Goldpreis dieser Kontraktion zunächst folgte, drehte Gold am 19. März bei 1.470 $ und schoss auf über 1.700 $ nach oben. Die Lücke zwischen Comex und dem Londoner Kassapreis weitete sich aus, da der Markt für „Exchange for Physical“, der als Arbitrageur zwischen beiden fungiert, unter dem Druck zusammenbrach.
Die letzte Pfeilgruppe zeigt, dass das Open Interest wieder anzieht, allerdings von niedrigem Niveau aus, während die Preise sich neuen Achtjahreshöchstständen nähern. Die Swaps sind nun mit 28,4 Mrd. $ auf Rekordniveau netto short. Und einige Spekulanten ließen sich beim Auslaufen des Juni-Kontrakts 171 Tonnen liefern.
Offensichtlich hat sich einiges geändert, und die Spekulanten können sich bei ihrem Timing nicht mehr auf die regelmäßigen Kursdrückungen der Edelmetallbanken verlassen. Es wird sehr interessant sein zu sehen, wie sich der Comex-Kontrakt von hier an entwickelt, zumal der August-Kontrakt später in diesem Monat durchaus die Schrecken einer Lieferverpflichtung wiederholen könnte – zumindest für die Edelmetallbanken.
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