
Gold und Silber legten im Wochenverlauf zu: Gold stieg gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag um 21 $ und notierte heute im europäischen Vormittagshandel bei 1.721 $, Silber legte im selben Zeitraum um 70 Cent auf 15,48 $ zu. Bei Gold und Silber begann die Woche nach dem Rückgang der Vorwoche verhalten, zog gestern (Donnerstag) jedoch kräftig an. Silber stieg deutlich, nachdem das Open Interest auf einen sehr niedrigen Stand von 132.725 Kontrakten gefallen war. Vorläufige Zahlen für gestern zeigen einen Anstieg um 4.357 Kontrakte, was bei Silber ein positives Signal ist. Die Lage zeigt unsere nächste Grafik.

Der jüngste Rückgang des Open Interest ist beispiellos, und der damit einhergehende Rückgang des Silberpreises zeigt, dass schwache Marktteilnehmer ausgeschieden sind. Der gestrige Anstieg des Open Interest und die kräftige Preiserholung deuten auf eine ordentliche Rally hin. Wichtig ist, dass die Swap-Händler (die Handelsabteilungen der Edelmetallbanken) ihre Short-Positionen geschlossen haben, wie die nächste Grafik zeigt.

Die Zahlen aus dem Commitment-of-Traders-Bericht, auf denen diese Grafik beruht, wurden zuletzt für den 28. April aktualisiert; seither kam es zu einem weiteren Ausverkauf. Die aktualisierten Zahlen für den 5. Mai, die heute Abend erscheinen, dürften daher zeigen, dass die Swap-Händler netto long sind.
Die aktuelle kräftige Rally zeigt, dass die Swap-Händler keine Short-Positionen eingehen wollen und die Preise lieber nach oben treiben, um Käufer abzuschrecken.
Zu Wochenbeginn sanken bei Gold und Silber die Prämien der aktiven Comex-Kontrakte gegenüber dem Londoner Kassakurs auf nur noch 2 $ bei Gold und wenige Cent bei Silber. Heute Morgen begannen die Comex-Prämien jedoch wieder zu steigen, bei Gold um rund 10 $ und bei Silber um 30 Cent. Es scheint sich ein weiterer Short Squeeze anzubahnen.
Die Lage bei Gold unterscheidet sich von der bei Silber, denn die Swap-Händler sind weiterhin gefährlich stark short, wie die nächste Grafik veranschaulicht.

Von hier an könnte ein weiterer Anstieg des Goldpreises für einige Swap-Händler potenziell katastrophal werden, und das Problem zeigt sich auch bei den Positionen der vier größten Händler, was darauf hindeutet, dass einer oder vielleicht zwei von ihnen in erhebliche Schwierigkeiten geraten sind. Die nächsten vier größten Händler haben ihre Short-Positionen im Einklang mit dem allgemeinen Rückgang des Open Interest verringern können, weshalb ein Anstieg der Netto-Short-Positionen bei den vier größten Händlern eine Anomalie darstellt. Dies zeigt unsere nächste Grafik.

Berücksichtigt man alle Anhaltspunkte, so scheinen Gold und Silber im Verlauf dieses Monats steigen zu wollen.
Zu weiteren Themen: Die Märkte wissen die Lage nach wie vor nicht recht einzuordnen. Die Renditen von US-Staatsanleihen bleiben sehr niedrig, und es wird zunehmend über Negativzinsen gesprochen. Ob es dazu kommt, hängt vermutlich von den Banken und ihrem Einfluss auf die Fed ab. Negativzinsen haben in der EU und in Japan nichts bewirkt und kommen einer Steuer für die Banken gleich, weshalb es unwahrscheinlich ist, dass die Geschäftsbanken die Fed bei einem solchen Schritt unterstützen.
Die EZB ist in Schwierigkeiten geraten, da das deutsche Bundesverfassungsgericht entschieden hat, dass die EZB beim Ankauf von Staatsanleihen ihre Befugnisse überschritten hat. Das ist ein Problem, da es die inflationär wirkenden Maßnahmen der EZB einschränkt und möglicherweise eine neue Finanzierungskrise in Griechenland und Italien auslöst.
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