Marktbericht: China löst WMPs auf

Gold und Silber gaben diese Woche vor dem Hintergrund massiver Verwerfungen an den Rohstoffmärkten deutlich nach, ausgelöst durch die Liquidation von Industriemetallen durch chinesische Akteure.

Gold vs. Silber in USD

Gold fiel von 1.268 $ zum Schlusskurs am vergangenen Freitag auf 1.233 $ im frühen europäischen Handel an diesem Freitag. Silber wurde sehr hart getroffen und fiel im selben Zeitraum von 17,22 $ auf 16,44 $. Seit den Höchstständen Mitte April liegt Gold nun 4,7 % im Minus und Silber mit 12 % sogar massiv darunter.

Gut informierte Quellen in China sagen, dass die Behörden Vermögensverwaltungsprodukte (Wealth Management Products, WMPs) gezielt dazu zwingen, ihre Long-Positionen in Rohstoffen aufzulösen. Diese allgemein als WMPs bezeichneten Produkte sind spekulative Anlagevehikel, die Privatanlegern attraktive Renditen versprechen und zusammengenommen eine Finanzblase darstellen. Die Regierung hat aus zwei Gründen eingegriffen. Die massive Ausweitung der Bankkredite in den vergangenen Jahren führt zu übermäßiger Spekulation, die nicht außer Kontrolle geraten darf. Außerdem trieben WMPs die Preise der Rohstoffe in die Höhe, die die Regierung im Rahmen ihres Wirtschaftsplans anhäuft.

Faktisch haben die WMPs der Regierung vorgegriffen (Front-Running). Mit ihrem harten Vorgehen gegen sie hat die Regierung jedoch einen Mini-Kollaps der Industriemetallpreise ausgelöst. Daher wurde Silber sehr stark getroffen, Gold weniger.

Auch wenn möglicherweise etwas physisches Gold beteiligt ist, wurde der Verkaufsdruck im Westen von den Papiermärkten getrieben. Diesmal ist Gold nicht die Gegenseite des Dollar-Handels, sondern die sich verschlechternden Charts sind der Hauptauslöser. Der nächste Chart ist derjenige, der Spekulanten am meisten beunruhigt.

Gold in USD

Dadurch hat sich die zuvor positive Ausgangslage ins Gegenteil verkehrt und ist plötzlich sehr negativ geworden. Der Preis hat nicht nur an den 200-Tage- und 55-Tage-Durchschnitten keinen Halt gefunden, sondern beide Durchschnitte fallen zudem in bärischer Abfolge. Dies fördert pessimistische Kommentare in der Hedgefonds-Gemeinschaft, die zwangsläufig zunehmen werden.

Technisch scheint die nächste Unterstützung bei 1.200 US-Dollar zu liegen, einem Niveau, das zuletzt Anfang März zu sehen war. Zudem ist diese Marke seit Mitte 2015 eine wichtige Unterstützung und wird daher genau beobachtet. Ob dieses Niveau angegriffen wird und hält, hängt von China und den WMPs ab, denn es kann kaum Zweifel daran geben, dass die Regierung fortlaufend Käufer der Unedelmetallbestände sein wird, die bei der Auflösung spekulativer Positionen freigesetzt werden. Aber zu welchem Preis? Dies deutet darauf hin, dass es sich um eine Korrektur handelt und nicht um den Beginn eines neuen Bärenmarktes bei den Rohstoffen.

Im Übrigen ließ die Fed die Zinsen nach der monatlichen Sitzung des FOMC unverändert, hinterließ aber den starken Eindruck, dass sie im Juni angehoben werden. Angesichts des Kursrückgangs bei den Edelmetallen wirkte sich dies ebenfalls negativ auf die Marktstimmung aus.

An diesem Wochenende findet die letzte Runde der französischen Präsidentschaftswahl statt, und die Umfragen sehen Macron klar in Führung. Gut informierte Quellen deuten darauf hin, dass das Lager von Le Pen mit einer Niederlage rechnet und sich nun darauf konzentriert, einen Präsidenten anzugreifen, dem nach der Wahl Schwierigkeiten bevorstehen dürften, da er ohne Rückhalt einer Partei regieren muss und 40 % der Bevölkerung die EU und/oder den Euro verlassen wollen. Le Pen rechnet damit, beim nächsten Mal zu gewinnen.

Der Markt hat einen Sieg Macrons bereits eingepreist, sodass es Anfang nächster Woche zu leichten Eindeckungen von Short-Positionen kommen könnte. Weitaus wichtiger ist, was mit den WMPs geschieht.

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