Marktbericht: Bodenbildung?

Die Zeichen stehen gut. Angesichts rekordhoher Short-Positionen bei Gold und Silber sollte es Hedgefonds und algorithmische Händler beunruhigen, dass die Preise dies nicht bestätigen: Gold hält sich deutlich über seinen Tiefs des Bärenmarkts, und Silber weigert sich, auf neue Tiefstände nachzugeben.

Der erste Chart zeigt die Managed-Money-Short-Positionen bei Gold-Futures an der Comex, der zweite die bei Silber-Futures. 

MMgoldshorts13062014

MMsilvershorts13062014

Der plötzliche Anstieg der Short-Positionen bei beiden Metallen kam einer regelrechten Bear Raid gleich. Da Gold in dieser Woche jeden Tag gestiegen ist, läuft nun der Short Squeeze. Ohne neue, wesentliche Einflussfaktoren dürfte die aktuelle Rally genug Kraft haben, um Gold auf 1.300 US-Dollar zu treiben. Bei Silber dürfte das Ergebnis dramatischer ausfallen, allerdings mit dem Vorbehalt, dass der aktive Juli-Kontrakt ausläuft.

Bemerkenswert ist jedoch, dass das Open Interest bei Silber in den letzten achtzehn Monaten stetig auf nahezu Rekordniveau gestiegen ist. Das zeigt, dass Käufer alles aufnehmen, was die Bären auf den Markt werfen. Dies zeigt der nächste Chart.

 Open Interest Silber 13062014

Die wichtigste Nachricht dieser Woche kam am Mittwoch, als Al-Qaida-nahe Rebellen im Nordwesten des Irak die Städte Mossul und Kirkuk einnahmen. Dabei erbeuteten sie große Mengen an Militärausrüstung und sind nun gut ausgerüstet. Heute Morgen scheinen sich die Probleme des Irak zu einem breiteren sunnitischen Aufstand auszuweiten, wobei auch kurdische Stammesangehörige gegen die Herrschaft Bagdads rebellieren. Wichtig ist, dass zunächst die Pipeline Kirkuk–Ceyhan, die Öl zum Mittelmeer transportiert, sowie die Ölfelder von Kirkuk selbst betroffen waren, und die Ölpreise stiegen auf die Nachricht hin stark an. Tatsächlich könnte die gesamte Ölproduktion des Irak bedroht sein. Höhere Annahmen zu den Energiepreisen dürften die Wachstumsprognosen der Ökonomen für die USA und andere Märkte beeinflussen.

Volkswirte hatten ihre Wachstumsprognosen bereits nach unten korrigiert. In den USA wurden die Erwartungen für das BIP im ersten Quartal auf einen Rückgang von bis zu 1,6 % revidiert, und die Prognose der Fed von 2,8 % Wachstum für das Gesamtjahr erscheint inzwischen zu optimistisch. Die USA stehen damit nicht allein: Japan und die Eurozone kämpfen gegen die Deflation, und China versucht, das Kreditwachstum einzudämmen. Kurz gesagt: Die Bedingungen, die zu niedrigen Anleiherenditen und hoch bewerteten Aktienmärkten geführt haben, könnten sich zum Schlechteren wenden.

Welche Folgen sich daraus für Edelmetalle ergeben, bleibt abzuwarten. Man sollte jedoch bedenken, dass Hedgefonds und andere Fonds, die Verluste bei Anleihen und Aktien zu verzeichnen haben, ihre Short-Positionen in Gold und Silber voraussichtlich reduzieren werden. Und sollte die derzeitige Schwäche bei Anleihen und Aktien anhalten, dürfte dies die Edelmetallpreise stützen, wenn die Baissiers ihre Positionen eindecken.

Nächste Woche

Montag.

Eurozone: HVPI.
USA: Empire-State-Umfrage, Netto-Kapitalströme (langfristig, TICS), Kapazitätsauslastung, Industrieproduktion, NAHB-Umfrage unter Bauunternehmern.

Dienstag.

Großbritannien: Verbraucherpreise, Einkaufspreise, Erzeugerpreise, ONS-Hauspreise.
Eurozone: Arbeitskostenindex, ZEW-Konjunkturerwartungen.
USA: Baugenehmigungen, Verbraucherpreise, Baubeginne.
Japan: Außenhandel (zollamtlich abgefertigt).

Mittwoch.

USA: Leistungsbilanz, Leitzinsentscheidung der Fed (FOMC).
Japan: Veröffentlichung des BoJ-Protokolls.

Donnerstag.

Japan: Index der Gesamtwirtschaftsaktivität, Frühindikator.
Großbritannien: Einzelhandelsumsatz, CBI-Industrietrends.
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Frühindikator.

Freitag.
Eurozone: Leistungsbilanz, vorläufiges Verbrauchervertrauen.
Großbritannien: Staatsverschuldung (Nettokreditaufnahme)

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