
Hinzu kommt, dass der aktive Monat bei Gold ausläuft, sodass kurzfristig orientierte Händler entscheiden müssen, ob sie ihre Positionen schließen oder verlängern. Diese Faktoren haben netto nicht zu nennenswerten Verkäufen geführt (was sich in den Netto-Long-Positionen der Kategorie „Managed Money“ widerspiegelt), wie die jüngsten Zahlen vom 17. September zeigen. Das Open Interest war bei beiden Metallen gestern Abend ähnlich hoch.
Der technische Chart für Gold zeigt das Ausmaß der bisherigen Konsolidierung.

Es ist normal, dass der Preis in den Bereich des 55-Tage-Durchschnitts zurückkehrt, um die Unterstützung zu testen, wie der Chart zeigt. Ob es noch mehr Zeit braucht, bevor der Anstieg weitergeht, wird allein die Zeit zeigen. In dieser Hinsicht gab es wichtige Entwicklungen an den US-Kreditmärkten, die sich wahrscheinlich auswirken werden.
Am Dienstag, dem 17. September, stieg der Satz für Rückkaufvereinbarungen (Repos) von 2,2 % auf 10 %, was auf einen akuten Liquiditätsmangel bei einem oder mehreren Primärhändlern hindeutet. Zunächst führten Analysten dies auf Fehler der Fed bei der Zinssteuerung zurück, doch in den letzten Tagen, in denen die Fed ihre Eingriffe weiter verstärkte, wuchs der Verdacht, dass das Problem systemisch ist und nicht auf ein Versagen der Fed zurückgeht.
Die Auswirkung auf Gold und Silber wird offenbar als negativ gewertet, da man annimmt, dass Banken und Schuldner netto nach Liquidität suchen werden. Das trifft zwar offensichtlich zu, übersieht jedoch, dass die Fed stets einschreiten wird, um reichlich Liquidität sicherzustellen, wie ihr Eingreifen am Repo-Markt zeigt.
Das eigentliche Problem sind veränderte Einschätzungen des Kontrahentenrisikos, die den Zugang einer oder mehrerer Banken zu Krediten beeinträchtigen. Zugleich bietet sich den Edelmetallbanken jedoch die Gelegenheit, in Verbindung mit den Quartalsende-Faktoren die negative Stimmung an den Edelmetallmärkten zu schüren.
Wir sollten damit rechnen, dass die Konsolidierung noch einige Wochen andauert. Der Goldpreis könnte dabei (muss aber nicht) in den Bereich von 1.450 US-Dollar abdriften, und Silber könnte das Ausbruchsniveau von 17 US-Dollar testen, sofern die negative Stimmung aufgrund des Versagens des Repo-Marktes anhält.
Die Auswirkung auf den US-Dollar ist kurzfristig positiv, wie unser dritter Chart zeigt.

Der handelsgewichtete Index des Dollars unternimmt einen weiteren Anlauf auf die obere Linie eines etablierten Kanals. Sollte er diese überzeugend durchbrechen, dürfte er genug Schwung haben, um das Niveau von 102 anzugehen und möglicherweise darüber hinauszugehen.
Das bedeutet nicht zwingend, dass Gold und Silber eine Baisse-Phase bevorsteht. Die starke Gewichtung des Euro in diesem Index lässt vermuten, dass der Euro das Problem sein dürfte. Vielleicht ist das ein Hinweis darauf, welche Primärhändler in New York in Schwierigkeiten geraten sein könnten.
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