Marktbericht: Bei Gold und Silber ist etwas im Gange …

Nahezu unbemerkt ist das Open Interest bei Gold-Futures sprunghaft gestiegen, nämlich um über 35.000 Kontrakte seit Monatsbeginn, wie die folgende Grafik zeigt.

Gold

Als Faustregel gilt: Ein Anstieg des Open Interest bei steigendem Goldpreis ist bullisch und deutet darauf hin, dass die Bullen wieder das Sagen haben. Der Anstieg beim Open Interest von Silber fällt weniger deutlich aus, da er von einer höheren Basis ausgeht.

Silber

Hier unterscheidet sich das Muster etwas von dem bei Gold: Das Open Interest war bereits vor drei Monaten bei fallendem Preis stark gestiegen und ist seither erhöht geblieben. In diesem Fall scheinen die Bullen in einer für den Silberpreis sehr schlechten Phase die Nerven behalten zu haben, was ein Zeichen dafür ist, dass die Bären nie wirklich die Kontrolle erlangt haben.

Darüber hinaus scheinen die Edelmetallbanken bei Silber nervös zu werden. In letzter Zeit wurde Silber mehrfach in ruhigem Handel nach unten gedrückt, ohne dass sich Gold entsprechend bewegte, nur um sich ohne Verkäufe vollständig zu erholen. Dieses Muster passt dazu, dass Market-Maker (auch als Edelmetallbanken bezeichnet) versuchen, ihre Short-Positionen zu schließen, es dafür aber an Liquidität fehlt. Die nächste Grafik, die die Netto-Position der vier größten Händler zeigt, sagt alles.

Silber – Netto-Position der vier größten Händler

Beachten Sie, wie die Edelmetallbanken 2013 60.000 Netto-Short-Positionen (entsprechend 300.000.000 Unzen) eingedeckt haben, nur um dieses hart erkämpfte Terrain in den vergangenen Wochen wieder zu verlieren. Die nächstgrößten vier Marktteilnehmer erleiden das gleiche Schicksal: Sie hatten ihre Netto-Short-Positionen Anfang November auf nur 475 Kontrakte zurückgeführt, doch die Position hat sich in der vergangenen Woche auf 13.777 verschlechtert. Für diese kleineren Händler ist das ein großes Risiko.

Die Geldmanager haben einige ihrer Silber-Short-Positionen geschlossen, sind aber weiterhin mit dem Dreifachen ihres Durchschnitts exponiert. Die Verknappung am Markt könnte auch damit zusammenhängen, dass Handelsunternehmen sich bis in das vierte Quartal 2013 niedrige Preise für physisches Silber gesichert haben, ohne dass die Minen ihre Absicherung entsprechend erhöht hätten. Sollte sich bei den Edelmetallen also eine kurzfristige Krise abzeichnen, könnte sie durchaus beim Silber entstehen.

Zu den wirtschaftlichen Entwicklungen der vergangenen Woche: Es wurde zunehmend die Hoffnung geäußert, dass die wirtschaftliche Erholung im Vereinigten Königreich und in gewissem Maße auch in den USA bevorsteht. Während die Meinungsmacher Aktien anpreisen und unbekümmert über künftige Wirtschaftsaussichten sprechen, deuten die Statistiken auf einen sehr holprigen Weg hin. Am entmutigendsten ist vielleicht der Baltic Dry Index, ein recht guter Indikator für die weltweite Handelstätigkeit: Er befindet sich seit Mitte Dezember im freien Fall und fiel Anfang dieser Woche von 2.330 auf 1.374.

Nächste Woche

Die kommende Woche dürfte bei den Veröffentlichungen sehr ruhig verlaufen. Hier die Liste:

Montag.

Japan: Kapazitätsauslastung, Industrieproduktion (endgültig).

Dienstag.

Eurozone: ZEW-Konjunkturerwartungen.
Vereinigtes Königreich: CBI-Industrietrends

Mittwoch.

Japan: Gesamtindex der Branchenaktivität, Frühindikator (endgültig).
Vereinigtes Königreich: Durchschnittsverdienste, Arbeitslosenquote, Staatsverschuldung.

Donnerstag.

Eurozone: Flash-Composite-PMI, Leistungsbilanz.
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Flash-PMI des Verarbeitenden Gewerbes, FHFA-Hauspreisindex, Verkäufe bestehender Häuser, Frühindikator.

Freitag.

Vereinigtes Königreich: BBA-Hypothekengenehmigungen.

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