Marktbericht: Ausverkauf beendet?

Gold und Silber wurden diese Woche abverkauft und haben, wie in unserer Titelgrafik zu sehen ist, nahezu alle Gewinne seit dem letzten großen Wendepunkt am 11. Dezember 2017 verloren. Gold lag gestern im Tief nur noch 9 $ von diesem Tief entfernt, Silber 30 Cent. Im frühen europäischen Handel am heutigen Freitagmorgen war Gold gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag um 19 $ auf 1.251 $ gefallen, Silber um 25 Cent auf 16,09 $.

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Es kommt häufig vor, dass die Gold- und Silberpreise im Juni und Dezember Tiefpunkte erreichen, bevor sie kräftig steigen. Der Grund ist leicht nachzuvollziehen: Die Händler der Edelmetallbanken schließen ihre Bücher zum Jahres- und Halbjahresende und werden von ihren Vorgesetzten mit ziemlicher Sicherheit angewiesen, ihre Handelspositionen auf ein möglichst niedriges Niveau zurückzufahren. Denn die Banken möchten Bilanzen ausweisen, die ein geringes Risikoengagement widerspiegeln, um ihren aufsichtsrechtlichen Meldepflichten nachzukommen.

Die Händler der Edelmetallbanken wollen zudem Gewinne zeigen. Da sie naturgemäß netto short positioniert sind, müssen sie dazu die Preise auf Kosten der Spekulanten so weit wie möglich nach unten drücken. Die Comex ist der ideale Markt, um diese beiden Ziele zu erreichen. Die Auswirkung, die sich in der Netto-Positionierung der Kategorie „Managed Money“ widerspiegelt, zeigt die nächste Grafik deutlich.

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Die Kategorie „Managed Money“ umfasst spekulative Hedgefonds. Werden diese von den professionellen Händlern der Edelmetallbanken verunsichert, ermöglichen sie es ihnen, ihre Bücher auszugleichen. Außerdem möchten auch Hedgefonds zu den Jahres- und Halbjahresstichtagen ein „angemessenes“ Engagement ausweisen und lösen daher verlustbringende Positionen auf. Dies bietet den Händlern der Edelmetallbanken die Gelegenheit, den Markt einbrechen zu lassen.

Die Aufwärtspfeile in der Grafik markieren die Tiefpunkte der Netto-Positionierung von Managed Money in Gold-Futures. Beachten Sie, dass diese seit dem Tief des Goldpreises im Dezember 2016 stets Ende Juni und Dezember oder nahe daran liegen. Die Zahl für den vergangenen Dienstag kennen wir nach Handelsschluss heute Abend, doch es ist eine sichere Wette, dass die Kategorie Managed Money inzwischen knapp netto short ist, was eine extrem überverkaufte Lage widerspiegelt.

Die andere Seite der Medaille der Händler ist der Dollar, der diese Woche weiter an Stärke gewonnen hat, nachdem er sich von den früheren Tiefstständen dieses Jahres deutlich erholt hatte. Die anhaltende Schwäche der Renditen von US-Staatsanleihen und die Verlangsamung des Geldmengenwachstums zeigen jedoch, dass etwas, womöglich Trumps Handelszollpolitik, die US-Wirtschaft ausbremst. Zudem lassen die Erwartungen weiterer Zinserhöhungen nach, was für den Dollar negativ und für Gold positiv sein dürfte.

Die Anzeichen deuten daher darauf hin, dass die Voraussetzungen für eine solide Rally des Goldpreises bis September/Oktober nun gegeben sind. Im weiteren Verlauf ist zu erkennen, dass die Kombination aus stagnierender Wirtschaft und steigender Preisinflation (der CPI-U lag im Mai bei 2,8 %, während die Ölpreise weiter steigen) dazu führen könnte, dass die Märkte ideale Bedingungen für höhere Gold- und Silberpreise widerspiegeln.


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