Marktbericht: Auf Wochensicht unverändert

Gold und Silber, 30. Juni 2017, USD
Die Gold- und Silberpreise haben sich diese Woche stabilisiert: Gold lag heute Morgen (Freitag) im frühen europäischen Handel mit 1.218 $ nur 3 $ höher, Silber blieb unverändert bei 15,68 $. Wie unsere Titelgrafik zeigt, liegt Silber seit Jahresbeginn inzwischen knapp im Minus, und der Anstieg von Gold hat sich auf 5,75 % verringert. All dies geschah vor dem Hintergrund eines schwächeren Dollars, sodass der Anstieg von Gold gegenüber dem Dollar leistungsmäßig kaum besser sein könnte. Unsere nächste Grafik zeigt die Wertentwicklung von Gold, indexiert auf den Jahresbeginn, gegenüber den vier wichtigsten Währungen.

Gold, indexiert in wichtigen Währungen

In Euro gerechnet liegt Gold seit Jahresbeginn inzwischen um 2 % im Minus. Das ist ein Argument gegen jene, die Gold allein anhand von Charts kaufen und verkaufen: Sie übersehen den Wert, den Gold für den Großteil der Weltbevölkerung in anderen Währungen bietet. So hat sich beispielsweise die indische Nachfrage erholt; die offiziellen Zahlen für Mai stiegen auf 124 Tonnen für den Monat. Angesichts des Schmuggelhandels dürfte dies den tatsächlichen Wert zu niedrig ausweisen. Auch die Silbernachfrage sprang kräftig an. Die Goldnachfrage der chinesischen Bevölkerung stieg im Juni auf 155,5 Tonnen und beläuft sich für die ersten sechs Monate nun auf 1.021 Tonnen. China und Indien nehmen zusammen Gold mit einer auf das Jahr hochgerechneten Rate von 3.160 Tonnen auf, was nicht weit von der gesamten weltweiten Minenproduktion entfernt ist. Damit diese Nachfrage gedeckt werden kann, muss der Rest der Welt, einschließlich Privatpersonen, Zentralbanken und anderer staatlicher Institutionen wie Staatsfonds, auf vorhandene oberirdische Bestände zurückgreifen, um die eigene Nachfrage zu befriedigen. Das zeigt, dass sich im physischen Markt ernsthafte Angebotsprobleme entwickeln müssen, was durch Backwardations bei künftigen Lieferungen bestätigt wird.

Aufschluss darüber, was vor sich geht, müssen wir an der Comex suchen, und hier sind die auffälligsten Daten die Netto-Kontraktpositionen der Swap-Händler. Diese sind für Gold in unserer nächsten Grafik dargestellt.

Swaps und Goldpreis

Die Netto-Position beträgt 21.063 Long-Kontrakte (Datenstand: 3. Juli) und liegt damit nahe dem Rekordniveau vom Dezember 2015. Der Rückgang des Goldpreises seit diesem Datum, zeitweise auf unter 1.210 US-Dollar, deutet darauf hin, dass die Swap-Händler ihre Netto-Long-Positionen noch weiter ausgebaut haben. Das ist von Bedeutung, denn die Edelmetallbanken, die durch die Swap-Händler repräsentiert werden, haben ihre üblichen Short-Positionen geschlossen und haben nun ein Interesse an steigenden Preisen.

Glücklose Spekulanten, nämlich Hedgefonds-Manager, die rein chartgetrieben handeln, sind das Futter für das profitable Spiel der Edelmetallbanken: Sie sind stets dann am pessimistischsten, bevor sich der Markt erholt, und umgekehrt am optimistischsten, wenn die Swap-Händler am stärksten short sind. Dies wird in unserer letzten Grafik bestätigt, die zeigt, dass die Hedgefonds nahezu ausgeglichen positioniert sind.

Netto-Long-Goldkontrakte, Juni 2017

Das wichtigste Ereignis dieser Woche war die zweitägige Anhörung von Janet Yellen vor dem Senat. Dabei schlug sie einen gemäßigteren Ton an, was die Zinsen betrifft, die ihrer Aussage nach näher an einer „neutralen Politikausrichtung“ lägen als zuvor angegeben. Zu jedem anderen Zeitpunkt hätte dieses Abrücken von einer aggressiveren Haltung zu einer deutlicheren Erholung bei den Edelmetallen geführt.


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