
Gold hat am Montag endlich die Marke von 1.300 $ durchbrochen, und zwar eindrucksvoll. Da London wegen eines Bankfeiertags geschlossen war, tendierte Gold im ruhigen europäischen Handel zunächst leicht fester, was eher auf fehlende Verkäufer als auf Kaufinteresse zurückzuführen war. Mit der Eröffnung in New York stieg der Preis in Richtung der Marke von 1.300 $ und schoss im Laufe des Vormittags darüber hinaus. Gold schloss mit einem Plus von 27 $ bei 1.319,5 $ und bei sehr hohem Handelsvolumen an der Comex.
Silber folgte dieser Entwicklung. Gold lag im frühen europäischen Handel am heutigen Freitagmorgen mit 1.318 $ um 28 $ über dem Wochenstart, Silber mit 17,52 $ um 45 Cent. An der Comex befindet sich Gold inzwischen eindeutig im überkauften Bereich; das Open Interest ist deutlich gestiegen und liegt auf dem Jahreshöchststand, wie in unserer nächsten Grafik zu sehen ist.
Nach dem so deutlichen Durchbruch durch die wichtige Marke von 1.300 $ war eine gewisse Kurskonsolidierung zu erwarten. Als die Umsätze am Dienstag zurückgingen, kam es zu Gewinnmitnahmen. Am Mittwochnachmittag, zu asiatischer Zeit, als der Handel sehr dünn war, warf jemand 26 Tonnen Papiergold auf den Markt, vermutlich mit der Absicht, den Preis wieder unter die Marke von 1.300 $ zu drücken. Der Versuch scheiterte spektakulär, und Gold erholte sich und schloss am folgenden Tag auf seinem Jahreshöchststand.
Hinter der Entwicklung von Gold stehen zwei Faktoren. Der erste ist die Stärke des Euro, die den handelsgewichteten Dollar-Index nach unten drückt, der zweite ist die Entwicklung von Gold selbst. Bis vor Kurzem war die Erholung des Goldpreises das Spiegelbild der Dollarschwäche, wobei der Euro-Preis zeitweise im Jahresvergleich sogar niedriger lag. Inzwischen beginnt Gold jedoch, auch gegenüber anderen Währungen zu steigen, wie in unserer nächsten Grafik dargestellt.
Das Umfeld unterscheidet sich von dem der Sommermonate. Das Interesse an Gold wächst in all diesen Währungen, und wir können davon ausgehen, dass die Nachfrage nach physisch hinterlegten ETFs im weiteren Jahresverlauf zunehmen wird. Ein Einwohner der Eurozone etwa sieht einen Bullenmarkt beim Dollar-Preis und stellt fest, dass Gold in Euro immer noch „preiswert“ ist. Und irgendwann könnten auch die Japaner Gold als Absicherung gegen einen schwächeren Yen betrachten.
Der Dollar dürfte weiter schwächer werden. Kurzfristig besteht Unsicherheit wegen der Verhandlungen über die Schuldenobergrenze, da der US-Regierung bis Mitte Oktober das Geld ausgeht. Zudem wird zunehmend deutlich, dass die US-Wirtschaft stagniert und die Welt mit Dollar überschwemmt ist. Auch die Rohstoffpreise steigen aufgrund der asiatischen Nachfrage.
Die Wirtschaft der Eurozone beginnt zu expandieren, angetrieben vom Handel mit China und dem übrigen Asien. Dies steht in scharfem Kontrast zu den USA, die an der asiatischen Erfolgsgeschichte im Allgemeinen nicht teilhaben. Damit ist die Geldpolitik der Eurozone völlig auf dem falschen Fuß erwischt: Die EZB hält die Zinsen weiterhin an der Nullgrenze, und für Bankreserven gilt ein Satz von -0,4 %. Zudem pumpt die quantitative Lockerung (QE) weiterhin 60 Mrd. € pro Monat in die Wirtschaft.
Während die Welt weiterschlummert und fälschlicherweise glaubt, die Eurozone stecke in tiefen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, liegt die Wahrheit darin, dass es sich um finanzielle Schwierigkeiten handelt, denn die EZB wird in den nächsten Monaten gezwungen sein, ihre QE und ZIRP zu beenden und die Zinsen anzuheben. Das Problem ist, dass selbst die EZB dies noch nicht erkannt zu haben scheint.
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