In dieser Woche stieg Gold am Dienstag um 15 $ auf 1.233 $, fiel gestern Morgen auf 1.207 $ und erholte sich am Nachmittag wieder. Silber folgte den Bewegungen von Gold und erreichte gestern zur Londoner Eröffnung mit 17,30 $ seinen Tiefpunkt. Heute Morgen zeigen sich die Edelmetalle im Vorfeld des LBMA-Handels fester, was auf Eindeckungskäufe vor dem Wochenende zurückzuführen ist.
Das Geschehen spielt sich, wie in letzter Zeit häufig, an den Papiermärkten ab, wo Hedgefonds Gold und Silber gegen einen starken Dollar leerverkaufen. Dies lässt sich in der folgenden Grafik zu den Netto-Short-Positionen der Managed-Money-Händler an der Comex deutlich erkennen, die wieder einen Rekordstand im überverkauften Bereich erreicht haben. Die Grafik für Silber sieht ähnlich aus.

Die Analysten, die Fondsmanager zum Verkauf von Gold ermuntern, arbeiten überwiegend für Investment- und Edelmetallbanken, und wie sich zeigt, kaufen deren Händler das Metall und schließen ihre Short-Positionen. Dies zeigt die nächste Grafik zu den Swaps, die überwiegend die aggregierten Terminpositionen der nicht-amerikanischen Edelmetallbanken abbilden.

Die Swaps haben ihre Netto-Short-Positionen in den letzten fünf Wochen um über 60.000 Kontrakte (190 Tonnen) verringert. Die nächste Grafik zeigt die vier größten Händler, bei denen es sich überwiegend um die amerikanischen Edelmetallbanken handelt.

Auch hier haben sie in den letzten fünf Wochen rund 200 Tonnen zurückgekauft. Zusammen mit den Swaps sind das knapp 400 Tonnen, die in den vergangenen gut vier Wochen von Banken gekauft wurden, deren Analysten der Öffentlichkeit überwiegend zum Verkauf raten. Man kann nur sagen: Das muss man verstehen.
Das bedeutet nicht, dass Gold und Silber in der kommenden Woche nicht weiter fallen können: Das wissen wir erst im Nachhinein. Es wird für die Edelmetallbanken aber aus den folgenden Gründen schwieriger, ihre Short-Positionen von hier aus zu schließen: Die schwachen Hände haben mittlerweile größtenteils verkauft, und es gibt zunehmende (zugegebenermaßen überwiegend anekdotische) Hinweise auf eine wachsende physische Nachfrage nach Lieferung. Sie reicht von vermögenden Anlegern mit langfristiger Perspektive über den Lageraufbau vor dem Diwali-Fest, der sich in Zentren wie Dubai zeigt, bis hin zu den üblichen Verdächtigen wie den Chinesen und Russen. Tatsächlich meldete die Shanghai Gold Exchange heute Morgen, dass die Auslieferungen in der Woche bis zum 19. September auf über 50 Tonnen gestiegen sind. Das ist die höchste wöchentliche Auslieferung seit Februar, und bei den aktuellen Preisen könnte die Nachfrage an der SGE in dieser Woche sogar noch höher ausfallen.
Eine kurze Anmerkung zu Silber: Zwischen Donnerstag, dem 18., und gestern wurde das Äquivalent von 48.265.000 Unzen gegen 9.630 Comex-Dezember-Kontrakte getauscht (Exchange for Physical, kurz EFP). Am Dienstag war das Volumen an Futures und Optionen außergewöhnlich hoch, das Open Interest sank um 5.501 Kontrakte, und 2.489 Kontrakte wurden gegen physische Ware getauscht. Könnte es sein, dass dieses Silber an andere Märkte geliefert werden musste, etwa nach Shanghai, wo die Bestände erschöpft sind und Silber mit einem Preisaufschlag gehandelt wird?
Könnte es sein, dass die zunehmende Nachfrage nach Silber-Eagles auf die Nachfrage nach physischem Silber bei diesen niedrigen Preisen hinweist? Wenn ja, deutet dies darauf hin, dass die Comex Silber-Futures zu niedrig bewertet, um die tatsächliche Nachfrage abzubilden, und der Preis es schwer haben wird, weiter zu fallen.
Nächste Woche
Montag.
Großbritannien: BoE-Hypothekengenehmigungen, Netto-Verbraucherkredite, besicherte Kreditvergabe, Geldmenge M4.
Eurozone: Geschäftsklimaindex, Konjunkturstimmung, Stimmung in der Industrie, Verbrauchervertrauen.
USA: Core-PCE-Preisindex, persönliche Einkommen, persönliche Ausgaben.
Japan: reale Haushaltsausgaben, Arbeitslosigkeit, Industrieproduktion, Einzelhandelsumsatz.
Dienstag.
Japan: Baubeginne, Bauaufträge, Tankan-Umfrage.
Großbritannien: Nationwide-Hauspreise, Leistungsbilanz, BIP (3. Schätzung), Dienstleistungsindex.
Eurozone: HVPI-Schnellschätzung, Arbeitslosigkeit.
USA: Case-Shiller-Hauspreisindex, Chicago-PMI.
Mittwoch.
Japan: Fahrzeugverkäufe. Eurozone: Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe.
USA: Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe, ADP-Beschäftigungsbericht, Bauausgaben, ISM-Index für das verarbeitende Gewerbe, Fahrzeugverkäufe.
Donnerstag.
Eurozone: Erzeugerpreise, EZB-Einlagensatz, Refinanzierungssatz.
USA: Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Auftragseingang der Industrie.
Freitag.
Eurozone: Einkaufsmanagerindex für Dienstleistungen, zusammengesetzter Einkaufsmanagerindex, Einzelhandelsumsatz.
USA: Non-Farm Payrolls, Beschäftigung im Privatsektor, Handelsbilanz, Arbeitslosigkeit.