Makroökonomische Realitäten schlagen die Angst vor Trump

Makroökonomische Realitäten schlagen die Angst vor Trump

Einleitung

Der Ausgang der US-Präsidentschaftswahl 2016 hat die globalen Finanzmärkte erschüttert. Gold hat seinen nächtlichen Anstieg von 4 % weitgehend wieder abgegeben und notiert nun wieder auf dem Niveau vor der Wahl. Dies belegt, dass die Goldpreise von makroökonomischen Realitäten und nicht von Angst und Gier bestimmt werden. Wir sind der Ansicht, dass das Wahlergebnis den mittel- und langfristigen Verlauf des USD-Goldpreises kaum verändert, da die realen Treiber des Goldpreises weiterhin stark und asymmetrisch nach oben gerichtet sind.

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Der Ausgang der US-Präsidentschaftswahl 2016 hat die globalen Finanzmärkte erschüttert.

Als im Laufe des Dienstagabends mit den eintreffenden Wahlergebnissen die Wahrscheinlichkeit eines Siegs von Trump stieg, kam es an den Aktien- und Industrierohstoffmärkten zu Verkäufen, und die Währungen schwankten stark. S&P-500-Futures lagen zeitweise 5 % im Minus, Öl-Futures verloren 2 USD pro Barrel, und der mexikanische Peso büßte über 10 % an Wert ein. Am nächsten Tag hatten sich die meisten dieser Bewegungen jedoch vollständig zurückgebildet (mit Ausnahme des mexikanischen Pesos), und der Dow Jones schloss auf einem Rekordhoch. Auch der Goldpreis schwankte heftig: Er stieg über Nacht um 4 % und lag zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Berichts nahezu wieder unverändert. Für viele Gold-Kommentatoren, die Angst und Gier als Hauptantriebskräfte von Goldpreisänderungen anführen, muss das überraschend sein. Nur 24 Stunden zuvor war der Markt überzeugt gewesen, dass der nunmehr designierte Präsident Trump keine Chance auf einen Wahlsieg habe. Die meisten Umfragen gaben Hillary Clinton eine Gewinnchance von über 95 %. Auch wenn eine Präsidentschaft Trumps für das Wirtschaftswachstum und damit für Aktien und Industrierohstoffe vieles bedeuten mag: Wie kann sie für den Goldmarkt kein Schock sein? Wenn Gold wirklich von Angst und Gier getrieben wird, müsste es per Definition massiv steigen, oder nicht?

Abbildung 1

Der gestrige Tag ist somit ein Lehrbuchbeispiel dafür, dass Gold von makroökonomischen Realitäten und nicht von Angst und Gier bestimmt wird. In einer Reihe von Berichten im vergangenen Jahr haben wir gezeigt, dass Veränderungen der Goldpreise hauptsächlich von drei Faktoren getrieben werden: der Zentralbankpolitik (einschließlich ihrer Auswirkungen auf die Erwartungen für die Realzinsen), den Goldkäufen der Zentralbanken und den Preisen für länger laufende Energieterminkontrakte. Die Wahlergebnisse hatten keinen Einfluss auf die Netto-Goldkäufe der Zentralbanken. Die Spot-Ölpreise gaben zunächst deutlich nach, lagen aber am Mittwochnachmittag wieder unverändert. Wichtiger noch: Die Preise für länger laufende Energiekontrakte, gemessen an den 5-Jahres-Terminpreisen für Brent-Rohöl, lagen bei Marktschluss am Mittwoch tatsächlich um 0,70 USD pro Barrel höher. Der Großteil der Bewegung beim Goldpreis wurde jedoch durch veränderte Erwartungen für die Realzinsen verursacht.

Als die Wahrscheinlichkeit einer Präsidentschaft Trumps am Dienstagabend sprunghaft anstieg, brachen die Renditen 10-jähriger US-Staatsanleihen zunächst ein. Dadurch sanken die Erwartungen an die Realzinsen (gemessen an 10-jährigen TIPS), und der Goldpreis stieg. Doch die 10-jährigen Staatsanleihen drehten bald und legten deutlich zu. Dies ließ die Realzinserwartungen wieder steigen. Per Saldo liegen die Realzinserwartungen jetzt höher als vor der Wahlnacht. Umgekehrt sind die Goldpreise leicht niedriger.

Abbildungen 2 und 3

Ob die Realzinsen tatsächlich steigen sollten, ist jedoch fraglich. Da letztlich die makroökonomische Realität den Goldpreis bestimmt, sind wir der Ansicht, dass der Wahlausgang nur begrenzte Auswirkungen auf den mittelfristigen Kurs des Goldes hat. Die Fed befindet sich weiterhin in derselben Lage wie zuvor. Nach sieben Jahren Zinsen nahe null hat die Fed die Zinsen nur ein einziges Mal um 25 Basispunkte angehoben. Es lässt sich schwer sagen, ob der Wahlausgang eine Zinsanhebung vor Jahresende wahrscheinlicher oder weniger wahrscheinlich macht. Im restriktivsten Szenario käme bis Jahresende jedoch eine weitere Anhebung hinzu. Das ergäbe eine Anhebung von 25 Basispunkten pro Jahr. Klar ist, dass die Fed die Zinsen nicht schnell anheben kann, geschweige denn auf ein „normales“ Niveau zurückführen, da die negativen Folgen für die Vermögensmärkte wahrscheinlich allein schon eine Rezession auslösen würden. Und wenn die US-Wirtschaft auf natürliche Weise in eine Rezession gerät, was nach sieben Jahren zunehmend wahrscheinlich ist, hat die Fed keine Munition mehr, um gegenzusteuern, da die Zinsen bei Weitem nicht auf normalem Niveau sein werden. Wie auch immer die Fed reagiert, sie wird die Realzinsen deutlich in den negativen Bereich drücken. Gleichzeitig haben die Preise für länger laufende Energie Ende 2015 ihren Tiefpunkt erreicht und dürften in den kommenden Jahren allmählich steigen, da die Überkapazitäten schrittweise abgebaut werden. Daher bleiben alle Treiber des Goldpreises nach oben gerichtet.

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