Market for Liberty: Linda Tannehill – 1984

Manche großartigen Bücher sind das Ergebnis eines Lebens voller Forschung, Reflexion und mühsamer Disziplin. Andere Klassiker hingegen entstehen in der Glut des Augenblicks der Entdeckung, in einer Prosa, die hell erstrahlt wie die Sonne, die in das Fenster einer Zeit fällt, in der ein neues Verständnis die Welt zum ersten Mal in den Fokus rückt.

„The Market for Liberty“ ist diese zweite Art von Klassiker, und was für ein Schatz er ist. Das Buch wurde von zwei Autoren – Morris und Linda Tannehill – unmittelbar nach einer Phase intensiven Studiums der Schriften von Ayn Rand und Murray Rothbard verfasst und hat das Tempo, die Energie und die Stringenz, die man von einem Abend der Diskussion mit einem dieser beiden Giganten erwarten würde.

Mehr noch: Die Autoren brachten ihre Gedanken genau zum richtigen Zeitpunkt ihrer intellektuellen Entwicklung zu Papier, in jener Phase rhapsodischer Frische, in der eine große Wahrheit offenbart worden war und sie sie mit der Welt teilen mussten. Offensichtlich verliebten sich die Autoren in die Freiheit und die freie Marktwirtschaft und schrieben ein packendes, buchlanges Sonett auf diese Ideen.

Dieses Buch ist im wahren Sinne des Wortes sehr radikal: Es geht der Problematik des Staates an die Wurzel und bietet ein Umdenken der gesamten Organisation der Gesellschaft. Die Autoren beginnen ganz am Anfang mit der Idee des Individuums und seiner Rechte, arbeiten sich über Tausch und Markt vor, entlarven den Staat als den großen Feind der Menschheit und bieten dann – und hier liegt die große Überraschung – eine dramatische Ausweitung der Marktlogik auf den Bereich der Sicherheits- und Verteidigungsleistungen.

Ihre Erörterung dieses umstrittenen Themas ist in ihren libertären theoretischen Rahmen eingebettet. Sie behandelt private Schiedsstellen im Umgang mit Streitigkeiten und Kriminalität, die Rolle von Versicherern bei der Schaffung rentabler Anreize für Sicherheit sowie private Agenturen in ihrer Funktion als Schutzdienste. Aus diesem Grund bezeichnet Hoppe dieses Buch als „herausragende, aber stark vernachlässigte Analyse der Funktionsweise des Wettbewerbs“.

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