Alle Rohstoffe und rohstoffnahen Güter werden international in Dollar bepreist, und der Dollar wird für mehr als 80 % der grenzüberschreitenden Handelsabwicklungen verwendet. Folglich ist der Dollar die Basiswährung für die Devisenreserven aller Länder, was ihm seinen Reservestatus verleiht. Inzwischen gibt es jedoch Herausforderungen für die Vormachtstellung des Dollars: Russland, China sowie die übrigen Mitglieder, Dialogpartner und assoziierten Staaten der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO) unternehmen gezielte Schritte, den Dollar im panasiatischen Handel vollständig abzuschaffen. Die jüngsten Entwicklungen, mit denen die BRICS-Staaten ein Gegenstück zum IWF aufbauen, sind Teil dieser Herausforderung.
Wer die Geopolitik verfolgt, könnte durchaus zu dem Schluss kommen, dass die Dominanz des Dollars ihren Höhepunkt überschritten hat und nun abnimmt. Die SCO scheint zu glauben, dass ein Übergang weg vom Dollar möglich ist, eine Vorstellung, die sich in einer Zeit großer, aber weitgehend unerkannter Währungsfragilität als gefährlich falsch erweisen könnte. Im Kern des Problems steht ein besorgniserregender Mangel an Unterscheidung zwischen der Reservefunktion des Dollars und seiner Funktion als monetärer Standard, seit er 1971 das Gold ersetzte. Um die Bedeutung des Dollars als Standard für alle anderen Währungen vollständig zu erfassen, müssen wir die Währungsgeschichte betrachten, die erklärt, wie und warum der Dollar das Gold ablöste, sowie die Folgen für die Gegenwart.
Der US-Dollar löste sich ab 1933 schrittweise vom Goldstandard, als US-Bürgern unerwartet der Besitz von Gold verboten wurde. Das Abkommen von Bretton Woods ab 1944 bestimmte dann bis zum Nixon-Schock 1971 die goldbasierte Währungsordnung. Präsident Nixon beendete Bretton Woods und sämtliche Ansprüche auf die Umwandlung von Dollar in Gold. Damit gingen alle anderen nationalen Währungen automatisch zu einem US-Dollar-Standard über, wenn auch zu einem frei schwankenden. Entscheidend war, dass das Vertrauen in die Kaufkraft aller Papierwährungen auf einem zugrunde liegenden Vertrauen in die Kaufkraft des US-Dollars beruhte. Dies ist eine andere monetäre Funktion als der Reservestatus des Dollars, auch wenn beide Funktionen eng miteinander verflochten sind und sich in der Praxis möglicherweise schwer trennen lassen.
Es gibt offensichtlich Unterschiede in der Funktionsweise des Goldstandards und des heutigen Dollarstandards, doch die Funktion ist dieselbe. Vor dem Nixon-Schock wurde das Verhältnis zwischen dem Goldstandard und dem US-Dollar von John Exter berühmt veranschaulicht: Er stellte Gold an der Spitze einer umgekehrten Pyramide dar, die immer mehr Kategorien und Mengen an Dollar und Dollar-Verbindlichkeiten trägt. Zwischen 1932 und 1971 dehnten sich die Geldmenge und die Bankkredite aus. Dies zeigt die nachstehende Grafik, die auf Exters Darstellung beruht, jedoch einen rein monetären Schwerpunkt hat.

Im Jahr 1932, als Gold offiziell zu 20,67 US-Dollar je Unze getauscht wurde, war das Verhältnis zur Geldbasis nach heutigen Maßstäben sehr konservativ. Die Kreditausweitung im Rahmen des Mindestreservesystems um zusätzlich das 9,3-Fache (zu beachten ist, dass M3 die Geldbasis einschließt) stellte jedoch eine Bedrohung für das gesamte US-Bankensystem dar, da die Banken wegen der Wirtschaftsdepression mit zunehmenden Kreditausfällen konfrontiert waren. Und da der Dollar technisch ein Geldersatz war (wobei Gold das frei tauschbare zugrunde liegende Geld war), drohte der Dollar als überemittiert und damit wertlos entlarvt zu werden. Aus diesem Grund war die Executive Order von Präsident Roosevelt, die amerikanische Einwohner zur Abgabe ihres Goldes zwang und alle Rechte zum Umtausch von Dollar in Gold aufhob, für seine Regierung die einzige praktikable Möglichkeit; die Alternative wäre der Zusammenbruch des Bankensystems gewesen. Im Januar 1934 wertete er Gold auf 35 US-Dollar je Unze auf, wodurch die Verhältnisse der Exter-Pyramide tragfähiger wurden.
Im Jahr 1944 legte das Abkommen von Bretton Woods förmlich fest, dass die Zentralbanken ihre Währungen an den Dollar binden und weiterhin das Recht behalten sollten, Dollar bei der Fed zu 35 US-Dollar je Unze in Gold einzutauschen. Die Zentralbanken, die ihre eigenen Währungen ausgaben, befanden sich somit über den US-Dollar weiterhin auf einem Goldstandard. Als Präsident Nixon 1971 diese eingeschränkte Goldkonvertibilität beendete, hatten sich die Geldbasis der Fed und das breite Geld M3 mit nahezu dem Siebenfachen bzw. dem 72-Fachen außerordentlich weit gedehnt.
Die Alternative wäre gewesen, Gold von 35 US-Dollar auf ein Niveau aufzuwerten, bei dem die USA keine weiteren Abflüsse mehr erlitten hätten, wie es Präsident Roosevelt vorgemacht hatte. Eine Aufwertung des Goldes wurde ausgeschlossen, stattdessen unternahm man intensive Versuche, Gold zu diskreditieren. Der Dollar löste daher Gold als faktischen Standard für alle Währungen ab. Befreit von der Disziplin des Goldes, konnte die Fed ihre Geldbasis und konnten die US-Banken ihre Bankkredite weiter ausweiten, während die wachsende ausländische Nachfrage nach Dollar für den Kauf von Energie und anderen Rohstoffen sowie für die Handelsfinanzierung seine Kaufkraft stützte. Und weil das Ende von Bretton Woods auch das Ende fester Wechselkurse bedeutete, spiegelte sich die Ausweitung der US-Dollar-Mengen in einer Ausweitung von Bargeld und Krediten auch in anderen Währungen wider, da die nicht-amerikanischen Zentralbanken ihre Wechselkurse gegenüber der Dollarbasis steuerten.
Die nächste Pyramide zeigt nicht nur das Verhältnis zwischen US-Dollar-Mengen, sondern enthält auch eine Schätzung des Dollar-Gegenwerts der weltweiten breiten Geldmenge sowie ein neues Merkmal, das 1971 noch nicht erkennbar existierte: das Schattenbankensystem. Sie beziffert das Verhältnis zwischen Dollar-Geld und der Geldmenge in anderen Währungen, wobei der Dollar der neue Währungsstandard ist.

Im Jahr 2013 betrug das Verhältnis der US-Bankeinlagen zur Geldbasis der Fed nur das 2,4-Fache. Dies lag an der raschen Ausweitung der Fed-Bilanz seit Mitte 2008, die auf das 4,7-Fache der Geldbasis vor Lehman angewachsen war. Die weltweite breite Geldmenge von 168,5 Billionen US-Dollar ist fast 40-fach gehebelt, einschließlich der Schätzung des Financial Stability Board für außerbilanzielle Schattenbanken. Vorsichtig ausgedrückt ist die internationale Währungslage selbst nach der raschen Ausweitung der Geldbasis der Fed, die die Verhältnisse zu den breiteren Geldmengen dramatisch niedriger hielt, als sie es sonst gewesen wären, noch immer gefährlich stark gehebelt.
Das Risiko einer neuen Währungskrise hat sich dadurch erheblich erhöht, dass die großen Zentralbanken handeln, um die Werte von Finanzanlagen zu stützen, insbesondere an den Anleihe- und Aktienmärkten. Dadurch wird Risiko aus den Kapitalanlagen in die Währungen selbst verlagert, was bei einem Zinsanstieg mit Sicherheit sichtbar werden wird. So könnte beispielsweise ein Kursrückgang überbewerteter Staatsanleihen um 10 % das Überleben einiger systemrelevanter Banken leicht gefährden und eine neue Finanzkrise auslösen. Das darf offensichtlich nicht geschehen, und es kann kaum Zweifel geben, dass die Zentralbanken darauf reagieren werden, indem sie das Finanzsystem mit noch mehr Geld fluten.
Andererseits ist das globale Bankensystem zu stark gehebelt, um einen Konjunktureinbruch zu überstehen, der in der Eurozone und in Japan ein wachsendes Risiko darstellt und sich durchaus auf andere Regionen ausbreiten kann. Man bedenke, dass das Verhältnis von Dollar-M3 zu Gold von 11 im Jahr 1933 ausreichte, um einen Systemneustart zu erzwingen; heute liegt das globale Verhältnis bei nahezu 40, und das bei einem zugegebenermaßen flexiblen Dollar. Auch hier wird die Lösung darin bestehen, das Finanzsystem mit noch mehr Geld zu fluten.
So oder so, ob Erholung oder Einbruch, Preisinflation oder Deflation, wird das derzeitige Währungsgleichgewicht mit seiner gefährlich hohen monetären Hebelung voraussichtlich nicht lange fortbestehen. Als wäre dies nicht genug, schlagen die großen Schwellenländer und asiatischen Volkswirtschaften eine Spaltung des Währungssystems vor, mit der sich die Hälfte der Weltbevölkerung vom Dollar lösen würde. Der Yuan, der Rubel, die Rupie und alle anderen beteiligten asiatischen und Schwellenlandwährungen mögen untereinander ohne den Dollar handeln können, sie werden ihn aber nicht als zusätzlichen Währungsstandard abschütteln können. Sie bleiben weiterhin auf einem Dollarstandard.
Deshalb hat trotz aller entschlossenen Bemühungen, ohne den Dollar auszukommen, in Asien niemand eine realistische Alternative auch nur annähernd vorgeschlagen. Hoffen wir, dass die Verantwortlichen in der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit den wichtigen Unterschied zwischen einer Reservewährung für die Handelsabwicklung und einem Währungsstandard verstehen; andernfalls könnten sie, indem sie die grundlegende Frage nach der Eignung des Dollars als Währungsstandard offen aufwerfen, den Dollar und mit ihm ein äußerst fragiles globales Währungssystem untergraben.