Eine Folge des zunehmenden wirtschaftlichen Eingreifens des Staates ist, dass von uns nun erwartet wird, künftig mehr Steuerzahler hervorzubringen und unsere staatlichen Renten für einen kürzeren Zeitraum zu beziehen. Auch unsere Produktivität muss gesteigert werden, damit die Steuereinnahmen unseres Staates maximiert werden.
Ist es mit Blick auf den demokratischen Prozess wirklich das, wofür wir uns entschieden haben? Es überrascht kaum, dass wir an individueller Freiheit verlieren. Wir arbeiten jetzt für den Staat, statt dass der Staat für uns arbeitet.
Diese Rollenumkehr ist die logische Folge davon, dass wir den freien Märkten den Rücken gekehrt und dem Staat eine Rolle bei der Verwaltung unserer persönlichen und wirtschaftlichen Angelegenheiten überlassen haben. Zusätzlich wird sie durch statistische Analysen gerechtfertigt, die die Rolle des Staates stützen, sich bei näherer Prüfung jedoch als durchweg irreführend erweisen.
In diesem Artikel kommentiere ich die Ökonomie des Bevölkerungswachstums, wie sie von etablierten Ökonomen diskutiert wird, und zeige, wie sehr wir durch Produktivitätsstatistiken in die Irre geführt werden, ebenso durch den wahren Wert des BIP, der darin besteht, dem Staat die Schätzung künftiger Steuereinnahmen zu ermöglichen.
Doch das gewohnheitsmäßige Ausplündern ihres Privatsektors durch die Staaten geht dem Ende entgegen, weil es nicht mehr zu finanzieren sein wird. Dafür wird das Ende des langfristigen Trends fallender Zinsen sorgen.
Geburten- und Sterberate
Ökonomen äußern sich regelmäßig zum nationalen Verhältnis von Geburten und Todesfällen. In der Regel gilt eine alternde Bevölkerung als Problem, vor allem wegen der Folgen für die staatlichen Renten. Betroffen sind alle Länder mit steigender Lebenserwartung, wodurch das Verhältnis zwischen Erwerbstätigen, die Steuern zahlen, und Ruheständlern, die dies größtenteils nicht tun, aus dem Gleichgewicht gerät.
Auch die Kosten der Kinderbetreuung steigen. Der Kostenfaktor Kinderbetreuung trifft die fortgeschrittenen Volkswirtschaften besonders hart, da Frauen Karriere und Lebensstil zunehmend Vorrang vor Kindern einräumen. Hinzu kommt der schiere Aufwand, Gesetze und Vorschriften einzuhalten, mit denen Eltern im letzten Jahrhundert nicht konfrontiert waren; zusammen mit der zunehmend hohen Besteuerung macht dies es für viele unwirtschaftlich, Kinder zu haben.
Die Kombination aus alternder Bevölkerung und sinkenden Geburtenraten lässt die Alarmglocken läuten. Doch warum sollte das die Sorge von Regierungen und ihren Ökonomen sein? Die Antwort lautet, dass sozialisierende Regierungen zunehmend die Verantwortung für unser eigenes Handeln übernommen haben und sich nun über die Kosten beklagen. Sie versuchen, das Rentenalter anzuheben, und zwingen die Menschen, länger zu arbeiten und Steuern zu zahlen, statt Renten zu beziehen. Es sollte nicht überraschen, dass die Anhebung des Rentenalters in Frankreich zu Unruhen führt.
Im Vereinigten Königreich gab es eine Kontroverse über die „Triple Lock“ bei den Renten und darüber, ob Wahlversprechen, sie beizubehalten, eingehalten werden sollten. Die Triple Lock bedeutet, dass die staatliche Rente jährlich um den höchsten Wert aus 2,5 %, dem Anstieg der Durchschnittslöhne und der anhand des Verbraucherpreisindex (CPI) gemessenen Preisentwicklung erhöht wird. Mit anderen Worten: Die Konservativen hatten in ihrem Wahlprogramm versprochen, staatliche Rentner vor den inflationären Folgen der Regierungspolitik zu schützen. Das war ein völlig vernünftiger Vorschlag.
Doch die Erbsenzähler der Regierung sahen das anders. Sie betrachteten es als Übertragung nationaler Ressourcen von den steuerzahlenden Erwerbstätigen auf die steuerzehrenden Ruheständler. Kurz gesagt: Darin zeigt sich das Eigeninteresse der Regierung gegenüber ihren Wählern. Das etatistische Establishment vertritt nicht mehr die Wählerschaft, sondern sich selbst. Und es betrachtet die Wählerschaft als Geldquelle für alle Vorhaben, die der Staat für wünschenswert hält. Es ist der schleichende Sozialismus, der den Staat nun zum Herrn der Öffentlichkeit gemacht hat, statt dass er ihren Wünschen dient.
Doch mit dieser Lage müssen wir leben. Die Versicherungsmathematiker der Regierung haben recht, dass die Rentenverpflichtungen die Staatsfinanzen in eine sich vertiefende Krise führen, die angegangen werden muss. Im Vereinigten Königreich und einigen anderen Ländern ignorieren sie jedoch die noch kostspieligere Krise pro Kopf, die durch indexgebundene Pensionen für Regierungsbedienstete entsteht – eine Last, die selbstverständlich andere tragen sollen. Hinzu kommen die steigenden Kosten im Gesundheitswesen – doch in Großbritannien gilt der Gesundheitsdienst als unantastbarer nationaler Schatz, der vor jedem vulgären Versuch geschützt werden muss, die Ergebnisse zu verbessern und zugleich die Kosten zu senken. Und da uns nun eine mögliche Rezession und steigende Arbeitslosigkeit bevorstehen, wachsen auch die damit verbundenen zusätzlichen Kosten für den nicht gerade wohlwollenden Staat.
Ähnlich wie der Einsatz von Blutegeln und Aderlässen in früheren Zeiten, die alle Leiden heilen sollten, lässt der Rückgriff auf immer höhere Steuern für die produktiven Kräfte der Gesellschaft die Wirtschaft geschwächt zurück, ohne irgendetwas zu heilen. Tatsache ist, dass die Sozialisierung der Volkswirtschaften einen kritischen Punkt erreicht hat. Soll dies vermieden werden, müssen die Erwartungen der Bevölkerung in den fortgeschrittenen Volkswirtschaften so gesteuert werden, dass sie akzeptiert, dass eine Umkehr des Trends zu steigenden Staatsausgaben unvermeidlich ist. Verfügt der Westen über die Staatsmänner und Staatsfrauen mit dem gesunden Menschenverstand und der Fähigkeit, dieses Ergebnis zu verstehen und herbeizuführen? Darauf sollte man besser nicht warten …
Selbst wohlmeinende Politiker sind auf Beamte als Berater und auf amtliche Statistiken als Beleg angewiesen. Sobald sie ein Amt innehaben, können sie nicht mehr dafür eintreten, den Staatsanteil an der Gesamtwirtschaft zu verringern, und es fällt ihnen schwer, dem zunehmenden staatlichen Eingreifen „zum Wohl der Allgemeinheit“ zu widerstehen.
Als Beleg dafür, wie uns das System statistisch in die Irre führt, gibt es kaum ein besseres Beispiel als die Produktivität.
Der Mythos der Produktivität
Hin und wieder gibt es eine Flut von Kommentaren zur nationalen Produktivität. Und für die Briten war die Produktivität ein wichtiger Teil der Brexit-Debatte: OECD, Finanzministerium, Bank of England und die Brexit-Gegner erklärten allesamt, die schwache Produktivität des durchschnittlichen Briten zeige nur, wie sehr er die sichere Geborgenheit der EU-Mitgliedschaft brauche.
Nach dem Brexit veröffentlichte die OECD ein Papier, in dem sie ihren widerlegten Unsinn über die wirtschaftlichen Folgen des Brexit wiederholte und Großbritannien sogar ein zweites Referendum empfahl, um die Brexit-Entscheidung rückgängig zu machen. Zur Stützung ihrer Analyse behauptete sie, die Arbeitsproduktivität Großbritanniens stagniere, während sich jene Frankreichs, Deutschlands, der Vereinigten Staaten und die OECD-Durchschnittswerte allesamt verbesserten.[i]
Regelmäßige Leser meiner Artikel wissen, dass ich nichts von etatistischen Statistiken, Durchschnittswerten und der neokeynesianischen Analyse halte, die damit einhergeht. Die Produktivitätsanalyse der Ökonometriker ist ein Paradebeispiel dafür, warum Statistiken, die auf fragwürdigen Informationen beruhen, völlig außer Acht gelassen werden sollten, wie ich zeigen werde. Mit Statistiken lässt sich alles beweisen, außer der Wahrheit. Die OECD, die Hauptquelle der Produktivitätsstatistiken, die Politiker überall zitieren, nutzt Statistiken als Stimmungsmacher für den Etatismus. Da sie ihren Sitz in Paris hat, steht diese Institution den Grundgedanken der Europäischen Union besonders wohlwollend gegenüber.
Dies ist die Organisation, die die offizielle internationale statistische Analyse der Wirtschaft anführt, obwohl sie vollständig von Regierungen mit Eigeninteressen finanziert wird. Sie arbeitet intensiv daran, Steuervermeidung zu verringern, und hat in den 1990er-Jahren den Kampf gegen Steueroasen angeführt. Sie ist ein überzeugter Verfechter gleicher Wettbewerbsbedingungen bei den Unternehmenssteuern, was bedeutet, weltweit Mindestsätze durchzusetzen, um die Unternehmenssteuersätze in Hochsteuerländern zu schützen.
Die OECD ist der Stimmungsmacher für den Sozialismus europäischer Prägung und eine der wichtigsten Quellen internationaler Arbeitsmarktstatistiken. Auf den ersten Blick sollte die Schätzung der Produktivität jedoch unstrittig und schwer zu kritisieren sein. Das BIP geteilt durch die Zahl der geleisteten Arbeitsstunden ist einfach. Wie kann das irreführend sein? Lesen Sie weiter.
Der Ansatz der OECD zur Produktivität
Das kurze Papier der OECD, Defining and measuring productivity, zitiert Paul Krugman:
„Produktivität ist nicht alles, aber auf lange Sicht ist sie fast alles. Die Fähigkeit eines Landes, seinen Lebensstandard im Lauf der Zeit zu verbessern, hängt fast vollständig von seiner Fähigkeit ab, die Produktion je Arbeitnehmer zu steigern.“[ii]
Krugman impliziert mit diesem Zitat, dass Produktivität eine Funktion des Staates und damit im Umkehrschluss nicht die des Arbeitgebers sei. Das widerspricht eindeutig den Tatsachen: Ein Arbeitnehmer produziert nur, wenn er von einem Arbeitgeber gewinnorientiert beschäftigt wird. Diese Entscheidung zu treffen ist Sache des Arbeitgebers, nicht des Staates. Dass die OECD Krugman zitiert, bestätigt, dass ihr Ansatz mit seinem Denken übereinstimmt.
Von hier an beginnen die statistischen Fehler, zunächst mit der Aussagekraft des BIP. Das BIP soll den Endverbrauch erfassen und unterschätzt die Produktion von Gütern höherer Ordnung, etwa Maschinen und Dienstleistungsvorleistungen, da die Zwischenschritte der Produktion nicht erfasst werden. Man kann den Unterschied so verdeutlichen: Addiert man die Bruttoumsätze von Zulieferern, Unternehmen, Dienstleistern und Logistik, erhält man eine weit größere Zahl als den bloßen Nettowert des Endprodukts. Für die Produktivität der Beschäftigung ist diese Größe maßgeblich, nicht das BIP. Zum BIP werde ich später in diesem Artikel mehr sagen.
Dieser wichtige Punkt wurde in den USA kürzlich durch die Einführung einer neuen Kennzahl eingeräumt, der Bruttoproduktion (Gross Output, GO), die von Mark Skousen, Ökonom an der Chapman University, entwickelt wurde. GO wird inzwischen vierteljährlich vom Bureau of Economic Analysis veröffentlicht und beträgt ungefähr das Doppelte des BIP.
Folglich entspricht in den USA, wo GO das Doppelte des BIP beträgt, das BIP je geleisteter Arbeitsstunde nur etwa der Hälfte eines realistischen Maßes der gesamten Produktionsleistung. GO bestätigt, dass die Verwendung des BIP in einer Produktivitätsformel in unerhörtem Maße irreführend ist. Die OECD schätzt GO jedoch nicht, und es ist zu beachten, dass die einzelnen Länder unterschiedlich stark in Vorleistungen produzieren, sodass sich ihre Bruttoproduktion ohnehin nicht auf vergleichbarer Basis gegenüberstellen lässt.
Wir können das Konzept der Arbeitsproduktivität auch in unserem Alltag als Unsinn entlarven. Wenn Sie beispielsweise im Einzelhandel tätig sind, halten Sie Ihre Verkäufer vielleicht für produktiv, weil sie Umsätze erzielen. Der größte Teil der Kundenfrequenz in Ihrem Geschäft hat jedoch wahrscheinlich nichts mit den Fähigkeiten des Verkäufers zu tun. Der Schaufensterdekorateur hat möglicherweise einen Beitrag geleistet, möglicherweise auch nicht, und sind die Reinigungskräfte und Buchhalter produktiv, ebenso wie die Lagermitarbeiter und die Fahrer, die das Geschäft beliefern? Einzeln betrachtet sind sie ein Kostenfaktor, der sich nur schwer oder gar nicht den Endumsätzen zuordnen lässt, aus denen sich das BIP zusammensetzt. Deshalb besteht die Führung eines Unternehmens aus Teams von Menschen mit einander ergänzenden Beiträgen, und die Leistung einzelner Personen in BIP-Größen zu erfassen, ist unsinnig. Doch gerade diese umfassenderen Tätigkeiten bilden die Grundlage von GO.
Die Arbeitsproduktivität muss zudem in ihrem weiteren wirtschaftlichen Zusammenhang betrachtet werden, da sie nur eine Form von Kapital ist. In Marktwirtschaften gleicht die Arbitrage tendenziell die Renditen aller eingesetzten Kapitalformen über das gesamte Spektrum der Unternehmen hinweg an, wobei die Arbeit nur einen Teil ausmacht. Neben der Arbeit gibt es Kapitalinvestitionen für den Aufbau der Produktion, den Kauf von Anlagen und die Bereitstellung von Betriebskapital. Betrachtet man all diese Elemente zusammen, so zieht ein besonders profitabler Geschäftsbereich Wettbewerb an.
Wenn Kapital, einschließlich der Arbeit, nicht wirkungsvoller umverteilt wird, liegt das fast immer daran, dass der Staat eingreift. Der Staat möchte nicht, dass Unternehmen Arbeitskräfte entlassen, die zu einer scheiternden Branche gehören. Stattdessen behindert er die Umverteilung der Arbeit, indem er den nicht wettbewerbsfähigen Unternehmer subventioniert. Die Regierung bestraft zudem profitable Unternehmen, indem sie deren Gewinne abschöpft und in vielen Ländern zusätzlich die Beschäftigung besteuert.
Darüber hinaus setzen verschiedene Branchen ihr Kapital auf unterschiedliche Weise ein, sodass der Beitrag menschlicher Arbeit innerhalb statistischer Durchschnittswerte wie in der OECD-Datenbank erheblich variiert. Ein Mechaniker, der an einer automatisierten Fertigungsstraße teure Roboter überwacht, sollte nicht mit einem Parkwächter in einen Durchschnitt eingerechnet werden.
Der eigene Beitrag des Staates zur BIP-Statistik muss aus jeder Produktivitätsberechnung ausgeschlossen werden, da er eine Belastung für die tatsächliche Produktion darstellt.
Das Problem bei Statistiken wie der Produktivität besteht darin, dass jeder glaubt, sie bedeuteten etwas. Und die politische Klasse, einschließlich der Finanzminister, steht natürlich für nichts ein und fällt auf alles herein. Dessen ungeachtet wollen wir die Tatsache übergehen, dass dieses ökonometrische Juwel nur Talmi ist, und die Zahlen in etwas Aussagekräftigeres umwandeln. In etwas, das ein Unternehmer als nützliche Vergleichsgrundlage bei der Suche nach dem besten Standort für sein Unternehmen betrachten wird. In etwas, das ihm als Orientierung dafür dient, ob er von Großbritannien nach Kontinentaleuropa umziehen sollte oder umgekehrt.
Zu diesem Zweck wählen wir aus der OECD-Datenbank vier europäische Länder aus, darunter das Vereinigte Königreich. In Tabelle 1 sehen wir Folgendes:

Dies sind die Zahlen der OECD, auf deren Grundlage aufeinanderfolgende britische Finanzminister darüber geklagt haben, wie unproduktiv ihre Steuerzahler seien, und dass sich die Steuereinnahmen verbessern würden, wenn man sie nur dazu anhalten könnte, produktiver zu arbeiten. Denn das ist das eigentliche Interesse des Schatzmeisters an der Sache. Zwar hat sich die offizielle Produktivität laut OECD gegenüber früher verbessert, nachdem sie Großbritannien schon vor dem Brexit-Votum hinter Italien und Frankreich zurückfallen ließ. Verändert hat sich, dass die Arbeitslosigkeit in Italien und Frankreich gesunken ist, es also mehr Erwerbstätige, mehr geleistete Arbeitsstunden und damit eine geringere Produktivität je Stunde gibt. Natürlich wissen wir nicht, wie produktiv diese Arbeitsstunden sind, denn die Produktivität selbst lässt sich leider nicht tatsächlich messen, sondern nur annehmen.
Ein sinnvollerer Ansatz besteht darin, die Produktivität aus der Sicht eines Unternehmers zu betrachten. Er beschäftigt Gehaltsempfänger und erwartet, dies gewinnbringend zu tun. Aus seinen Verkaufserlösen muss er sowohl die Lohnsteuern und Sozialabgaben als auch die Löhne seiner Mitarbeiter bezahlen. Wenn wir die Zahlen der OECD rückwärts nachvollziehen, müssen wir auch den Staat herausrechnen, da er die Produktion belastet. Anschließend müssen wir die Arbeitslosen abziehen, um zur Zahl der im privaten Sektor Beschäftigten zu gelangen.
Tabelle 2 beziffert die Erwerbstätigen im privaten Sektor.

Es ist zu beachten, dass es unterschiedliche Methoden gibt, Staatsbedienstete zu zählen, und dass beispielsweise Frankreich verstaatlichte Industrien hat, deren Beschäftigte in der Gesamtzahl nicht enthalten sind. Im Vereinigten Königreich sind schätzungsweise weitere 5 % als Auftragnehmer der öffentlichen Hand tätig, die theoretisch als Staatsbedienstete mitgezählt werden müssten. Die Verzerrungen in den zugrunde liegenden Statistiken der OECD häufen sich …
Die Statistiken der OECD gehen davon aus, dass Personen im erwerbsfähigen Alter schon ab fünfzehn Jahren gezählt werden. Das mag in einem Schwellenland zutreffen, doch Europäer verbleiben durchschnittlich bis etwa zum Alter von achtzehn Jahren in der Ausbildung. Uns bleibt nichts anderes übrig, als diese erheblichen Fehler außer Acht zu lassen.
Als Nächstes müssen wir das BIP des privaten Sektors je Beschäftigtem im privaten Sektor ermitteln. Dazu werden die in Tabelle 2 angepassten Erwerbstätigenzahlen dem BIP des privaten Sektors gegenübergestellt. Dies zeigt Tabelle 3.

Unserem durchschnittlichen Arbeitnehmer wird die Erwirtschaftung eines BIP-Anteils zugerechnet, der in Italien am niedrigsten und im Vereinigten Königreich am höchsten ist. Wer hätte das gedacht! In Tabelle 1 teilte uns die OECD mit, Frankreich führe die Produktivitätsrangliste an.
Um unseren durchschnittlichen Arbeitnehmer zu beschäftigen, muss jedoch ein Gehalt gezahlt werden. Tabelle 4 zeigt das Verhältnis zwischen dem BIP je Beschäftigtem und dessen durchschnittlichem Gehalt.

Das Ergebnis dieser Untersuchung lautet: Ungeachtet des Brexit erzielt der durchschnittliche Unternehmer, der den durchschnittlichen Arbeitnehmer beschäftigt, im Vereinigten Königreich die beste Rendite auf seine Investition in Humankapital, gefolgt von Italien. Wer eine Vorliebe für Frankreich hat, sollte sich besser für die Laufzeit seiner Investition günstige Konditionen vom Staat sichern. Und Großbritannien schlägt sogar Deutschland deutlich. Auf Grundlage der eigenen Zahlen der OECD, angepasst an die wirtschaftliche Realität, widersprechen die Ergebnisse den Schlussfolgerungen der OECD. Aber …
Houston, wir haben ein Problem.
Wäre der durchschnittliche Deutsche unrentabel beschäftigt? Und würden die Franzosen Personal nur am Rande der Rentabilität beschäftigen, noch bevor die hohen Lohnnebenkosten berücksichtigt werden? Und die geringen Margen bei den Durchschnittslöhnen in Italien und im Vereinigten Königreich legen nahe, dass zwar einige Arbeitnehmer rentabel beschäftigt sind, dem jedoch viele gegenüberstehen, bei denen dies nicht der Fall ist.
Entweder sind die Statistiken falsch (was wir wissen), oder es werden die falschen Statistiken verwendet. Andernfalls wären große Teile der europäischen Produktion bereits stillgelegt worden, weil sie unrentabel oder schlicht unwirtschaftlich sind.
Das Problem ist leicht zu erkennen. Das BIP setzt sich aus Endpreisen zusammen, also der Summe der Wertschöpfung entlang der Produktions- und Lieferketten. Es erfasst nicht die Bruttoproduktionswerte. Wie oben erwähnt: Würde die EU Zahlen zur Bruttoproduktion (GO) einschließlich der Zwischenstufen für Waren und Dienstleistungen veröffentlichen, würde der Ertrag je Beschäftigtem realistischer aussehen. Deutschland mit seiner starken industriellen Basis dürfte am stärksten unterzeichnet sein, Italien und Frankreich mit ihrer Tourismusbranche vermutlich weniger. Großbritannien liegt möglicherweise irgendwo in der Mitte, ähnlich wie bei der GO der USA.
Da uns außer einem ungefähren Richtwert, wonach die GO in den USA etwa das Doppelte des BIP beträgt, keine statistischen Belege für die GO vorliegen, wenden wir diesen Multiplikator auf die vier europäischen Staaten unserer Analyse an. Nun können wir zusätzliche Beschäftigungskosten (Altersvorsorge, Lohnsteuern, Sozialabgaben usw.) hinzurechnen, die nach den Zahlen der OECD jede Beschäftigung in Europa zu einer Verschwendung der Ressourcen eines jeden Arbeitgebers gemacht hätten. Darüber hinaus kann der Wert des Humankapitals, das für unterschiedliche Aufgaben eingesetzt wird, von niemandem gemessen werden außer von denjenigen, die ein wirtschaftliches Interesse an der Zahlung der Gehälter haben. Dies zeigt Tabelle 5.

Diese Zahlen sind aus allen hier genannten Gründen weiterhin mit Vorsicht zu genießen. In der Praxis gibt es enorme nationale Unterschiede bei den Gehältern, bei den Steuern und Abgaben auf Beschäftigung sowie bei zusätzlichen Kosten wie Büroräumen, Ausstattung – die Liste ließe sich beliebig fortsetzen. Wenn man jedoch all das beiseitelässt, ist das Vereinigte Königreich von den vier untersuchten Ländern der profitabelste Standort, um jemanden zu beschäftigen.
Wenn man die Berechnungen der OECD für bare Münze nimmt, wie es jeder tut, würde man meinen, Frankreich sei der richtige Ort, um jemanden zu beschäftigen, obwohl es sich als der schlechteste erweist. Und während es nach den Zahlen der OECD bei der Produktivität zwischen den anderen drei Ländern kaum Unterschiede gibt, sind die Unterschiede in der Realität erheblich.
Großbritannien hat zudem die Vorteile von Sprache und Kultur. Über die Jahrzehnte hat es Migranten in einem Maß willkommen geheißen, wie es andere Nationen nicht getan haben. Und seit der Abschaffung der Selective Employment Tax im Jahr 1973 ist die Besteuerung der Beschäftigung in Großbritannien etwa halb so hoch wie in Europa.
Wir müssen betonen, dass der Grundsatz des OECD-Ansatzes völlig falsch ist, statt über Einzelheiten zu streiten. Doch der OECD-Ansatz ermutigt Politiker und dem Staat verpflichtete Ökonomen, die Auswirkungen der Steuern auf Beschäftigung zu ignorieren. Gerade hier schneidet das Vereinigte Königreich vergleichsweise gut ab, während Frankreich ein Desaster ist.
Regierungen interessieren sich jedoch weniger für statistische Methoden als für die Botschaften, die sich im Hinblick auf die Einnahmen vermitteln lassen. Wenn die OECD sagt, die Briten sollten produktiver sein, eröffnet das die Aussicht auf höhere Steuereinnahmen, wenn man die Unternehmen nur dazu bewegen könnte, ihre Produktivität zu steigern.
Statt den privaten Sektor für mangelnde Produktivität zu kritisieren, wäre es für Regierungen gewiss sinnvoller, auf ihre eigenen wachsenden Belastungen der Produktion zu schauen, insbesondere auf die Überregulierung, die mit ziemlicher Sicherheit das größte Hindernis für unternehmerischen Ehrgeiz darstellt.
Staatsausgaben und BIP
Die Verwendung des BIP statt der Bruttoproduktion zur Bestimmung der Produktivität ist zweifellos falsch. Regierungen sind jedoch auf das BIP fixiert, das stets wachsen muss. Das BIP ist kein Wirtschaftswachstum, sondern das Wachstum des gesamten Währungswerts der Transaktionen, üblicherweise über den Zeitraum eines Jahres oder auf das Jahr hochgerechnet.
Wertet man die Währung ab, beschleunigt man das nominale BIP. Erhöht man die Staatsausgaben, steigt das BIP mit. In der Vergangenheit haben Regierungen die Erwartungen der City an das BIP-Wachstum regelmäßig übertroffen, und zwar durch das einfache Mittel höherer Staatsausgaben. Die Aktienmärkte stiegen auf die Nachricht hin, während die Anlagestrategen keine Ahnung hatten, warum sie das BIP-Wachstum unterschätzt hatten. Wenn das BIP aber zu irgendetwas taugt, dann dazu, dass eine Regierung damit die voraussichtlichen Steuereinnahmen abschätzen kann. Ansonsten ist es nutzlos und irreführend.
Das BIP ist eine staatlich geförderte Statistik, die routinemäßig und unbewusst mit wirtschaftlichem Fortschritt verwechselt wird. Doch ein Moment des Nachdenkens zeigt, dass sich Fortschritt statistisch nicht messen lässt. Und es ist nahezu sicher, dass der Fortschritt in einer milden BIP-Rezession anhält oder sich sogar beschleunigt. Das sollten wir wissen, denn es ist der Wettbewerb, der zu fallenden Verbraucherpreisen führt, sofern der Wert der Währung stabil ist.
Während der Covid-Krise, als ein Großteil der produktiven Wirtschaft stillstand, stiegen die Ausgaben der britischen Regierung auf etwa 50 % des BIP, sind seither aber im letzten Haushaltsjahr (bis zum 5.th April 2023) auf geschätzte 43 % gesunken. Da der Staat bis zur Hälfte ausmacht, ist es bei der Analyse des BIP äußerst wichtig zu entscheiden, wie die Staatsausgaben behandelt werden.
Regierungsökonomen werden zwangsläufig argumentieren, dass die Staatsausgaben wirtschaftlich bedeutsam sind und das BIP-Wachstum sie einschließen muss. Außerdem müssen auf Konsumbasis die Ausgaben der Staatsbediensteten berücksichtigt werden. Das ist sicherlich ein berechtigter Punkt, aber er übersieht das größere Bild.
Es stimmt zwar, dass die Ausgaben der Staatsbediensteten Teil der Gesamtsumme sind, doch die Steuern des Staates verringern den verbrauchergetriebenen Konsum derjenigen, die nicht beim Staat beschäftigt sind, und ersetzen ihn durch die Bereitstellung von Leistungen, die nicht freiwillig nachgefragt werden. Beispiele dafür, dass Staatsausgaben eine Belastung für die gesamte Wirtschaftstätigkeit sind und dass der erfolgreiche wirtschaftliche Ansatz darin besteht, den privaten Sektor zu befreien und den Staat und seine Eingriffe so weit wie möglich zurückzudrängen, liegen nahe. Dieser Ansatz führte in den Nachkriegsjahrzehnten zum bemerkenswerten Erfolg Hongkongs, verglichen mit der Armut, die denselben ethnischen Gruppen auf dem Festland unter Mao Zedong auferlegt wurde, wo der Staat 100 % der Wirtschaft ausmachte.
Das Establishment davon zu überzeugen, dass die Ausrichtung auf das BIP letztlich den wirtschaftlichen Fortschritt unterdrückt, ist ein mühsames Unterfangen. Statt die empirischen Belege anzuerkennen, stützt das etatistische Establishment das BIP routinemäßig, indem es seine Eingriffe in die Wirtschaft verstärkt, seine Ausgaben im Verhältnis zum Ganzen erhöht und die Währung abwertet.
Dies führt zu einer Interessenabweichung zwischen den Politikern, die die Interessen der Wähler vertreten wollen, und dem Staat selbst. Politiker des rechten Spektrums, die um Ämter konkurrieren, sind in der Regel Anhänger der freien Marktwirtschaft mit dem Ziel, den Anteil des Staates an der Gesamtwirtschaft zu verringern. Sie werden mit dem Eifer ins Amt berufen, bei Ausgaben und Bürokratie die Axt anzulegen, doch es gibt gute Gründe, warum ihnen das nie gelingt.
Sobald sie ministerielle Verantwortung tragen, verlagert sich ihre Priorität auf den Schutz ihrer Haushalte. Jede Kürzung der Ressortausgaben führt zu einer geringeren Mittelzuweisung durch das Finanzministerium. Für Minister und das ständige Establishment bedeutet das einen Machtverlust. Soweit Einsparungen erzielt werden, müssen die Minister daher andere Pläne entwickeln, um das Finanzierungsniveau zu halten oder zu erhöhen. Die Eingriffe summieren sich einfach, und der Anteil des Staates am BIP steigt unaufhaltsam. Soll zudem ein richtiges Verständnis des wirtschaftlichen Schadens einer BIP-Zielsetzung durchdringen, müssen sowohl die Partikularinteressen der Vertreter der internationalen Wirtschaftsdenkschulen bei Institutionen wie der OECD als auch die heimischen keynesianischen Establishments angegangen werden.
Gerade im derzeitigen wirtschaftlichen Umfeld ist die Senkung der Staatsausgaben zu einer politisch unmöglichen Aufgabe geworden. Neben den ausgabenstarken Ressorts wie Gesundheit, Bildung und Verteidigung, die stets nach mehr finanziellen Mitteln verlangen, gibt es das Problem, dass die Preisinflation zu Unruhe unter den Beschäftigten des öffentlichen Dienstes führt.
Wie viele andere Länder steht Großbritannien mit hoher Wahrscheinlichkeit am Beginn einer Rezession mit höheren Zinsen und damit höheren Anleiherenditen und Schuldzinsen, bedingt durch eine Kreditverknappung, da die Banken versuchen, ihre übermäßig gehebelten Bilanzen auf ein Umfeld höherer Zinsen auszurichten. Zudem stehen der Regierung höhere Ausgaben für Universal Credit, andere Sozialleistungen, die Sozialfürsorge und die staatlichen Renten bevor. Die Erfahrung aus der letzten Phase der Kontraktion im Bankkreditzyklus zeigte, dass die britischen Staatsausgaben als Anteil am BIP von 36 % im Haushaltsjahr 2006/07 auf 40,8 % im Haushaltsjahr 2010/11 stiegen. Da die aktuelle Kreditkontraktion voraussichtlich deutlich einschneidender ausfallen wird, könnte der Staatsanteil am BIP im nächsten oder übernächsten Haushaltsjahr leicht über 50 % liegen.
Sowohl im Finanzministerium als auch bei der Bank of England scheint man den Bankkreditzyklus nicht zu kennen. Wie die vereinten Stellen des Staates ohne dieses grundlegende Wissen eine Politik formulieren können, sei es zur Steuerung der Verbraucherpreisinflation oder des BIP, ist unbegreiflich. Angesichts dieser Schwierigkeiten wird die Ausrichtung auf das BIP als Mittel zur Steuerung der Wirtschaft mit ziemlicher Sicherheit scheitern.
Fazit
Wir haben gesehen, wie Regierungen ihr Verhältnis zu den Wählern umgekehrt haben und von deren Dienern zu deren Herren geworden sind. Staatliche Statistiken wie das BIP und die Arbeitsproduktivität werden zunehmend darauf ausgerichtet, das Einnahmepotenzial zu beziffern. Und das Interesse des Staates an Geburten und Todesfällen speist sich fast ausschließlich aus dem Wunsch nach einer wachsenden Zahl von Steuerzahlern und einer sinkenden Zahl von Rentenempfängern.
Ironischerweise wird das Ende der globalen Schuldenblase das Verhängnis der Regierungen sein. Die Fixierung auf das Einnahmepotenzial führt alle westlichen Regierungen in eine Finanzierungskrise, die nun durch das Ende der Zinsunterdrückung ausgelöst wird. Erst diese Entwicklung wird Regierungen und ihre ständigen Establishments zwingen, sich der wirtschaftlichen Realität zu stellen.
[i] Siehe Abbildung 4A auf Seite 19: http://www.oecd.org/eco/surveys/United-Kingdom-2017-OECD-economic-survey-overview.pdf
[ii] Siehe https://www.oecd.org/std/productivity-stats/40526851.pdf