
Die Gold- und Silberpreise haben sich diese Woche stabilisiert und scheinen einen Boden gefunden zu haben. Heute Morgen lag Gold im europäischen Handel bei 2.347 US-Dollar, das sind 45 US-Dollar weniger als zum Schluss am vergangenen Freitag. Silber notierte bei 27,70 US-Dollar und lag damit im gleichen Zeitraum einen Dollar niedriger.
Seit den Spitzenwerten vom 12. April hielten selbst die Optimisten eine Korrektur für fällig, und die Meinungen scheinen weiterhin abwartend zu sein. Es gibt jedoch einige Anzeichen dafür, dass die Preise eine Unterstützung gefunden haben könnten.
Das Open Interest am Comex-Goldkontrakt begann bei fallenden Preisen nach dem deutlichen Kursrückgang am Montag zu steigen. Dies deutet darauf hin, dass es auf diesem Niveau marginale Käufer von Gold-Futures gibt. Wichtiger noch: Es zeigt uns, dass die Swaps (überwiegend Händler von Edelmetallbanken) nicht länger die Stopps der Hedgefonds auslösen und ihre Short-Positionen glattstellen, sondern ihre Short-Positionen ausweiten, um die Preise zu drücken. Dies geschieht vor dem Hintergrund eines moderaten Open Interest:

Die obige Grafik zeigt zudem die bemerkenswerte Divergenz zwischen einem steigenden Preis und den Comex-Positionen. Sie steht im Gegensatz zur exzessiven Spekulation zur Zeit der Repo-Krise Ende 2019, als die Long-Positionen der Entwicklung weit vorauseilten, nur um kurz vor der Covid-Krise im Februar–März 2020 abgeschüttelt zu werden. Diese Aufwärtsbewegung wird eindeutig nicht in erster Linie von spekulativen Long-Positionen getrieben.
Auch die Handelsvolumina sind gering, wie der nächste Screenshot von der Comex-Website zeigt:

Dies zeigt, dass es an Liquidität mangelt, und solche Bedingungen führen zu Volatilität. Wenn die Swaps jedoch versuchen, ihre Positionen zu verringern, deutet das auf eine Anfälligkeit für einen Short Squeeze hin: Mit anderen Worten, die Preise könnten stark steigen. Die nächste Grafik beziffert den Druck auf die Short-Positionen.

29 Swaps halten Short-Positionen mit einem durchschnittlichen Bruttoengagement von 2,2 Mrd. US-Dollar, wobei einige davon gewiss noch deutlich größer sind. Die Finanzierung dieser Positionen ist nach den Basel-3-Vorschriften eine ineffiziente Nutzung der Bilanz einer Bank, und die Händler der Edelmetallbanken dürften von den Treasury-Abteilungen der Banken unter Druck gesetzt werden, diese Positionen aufzulösen.
Trotz des Anstiegs um 360 US-Dollar seit Mitte Februar bestehen die Voraussetzungen für einen massiven systemischen Short Squeeze weiterhin.
Bei Silber stellt sich die Lage anders dar. Die Nachfrage der Photovoltaik ist enorm, da Indien seine Produktion hochfährt. Laut dem Silver Institute dürften die Defizite des Minenangebots gegenüber der Nachfrage von 200 Millionen Unzen in den kommenden Jahren bestehen bleiben. Es wird angenommen, dass die Ansammlung von Silber in börsenregistrierten Lagern, die etwa 15 Monaten des Angebots entspricht, die Entstehung eines Squeeze verhindern wird. Damit dies zutrifft, müsste dieses Silber jedoch freigegeben werden, was angesichts der künftigen Nachfrage unwahrscheinlich ist, und die Goldwerte müssten sinken, wodurch spekulative Positionen aufgelöst würden. Gold scheint jedoch für einen weiteren Aufwärtslauf bereit zu sein, und strategische Bestände werden voraussichtlich aufgestockt.
Unter diesen Umständen könnte der Effekt eines faktisch systemischen Squeeze auf Edelmetallbanken und Marktmacher eine explosive Wirkung auf die Silberpreise haben.