In der medialen Einstimmung auf den britischen Haushalt am Mittwoch wurde uns von der schwachen Produktivität Großbritanniens berichtet, und Schatzkanzler Osborne bestätigte anschließend, dass es seine Priorität sei, dieses Problem anzugehen.
Die von der BBC genannten Vergleichszahlen für Europa stammen von der OECD und sind in der nachstehenden Grafik wiedergegeben.

Sie zeigt das BIP pro geleisteter Arbeitsstunde in US-Dollar auf Basis der Kaufkraftparität für verschiedene EU-Staaten. Dabei liegt das Vereinigte Königreich deutlich hinter anderen europäischen Ländern zurück, weshalb der Schatzkanzler vermutlich Handlungsbedarf sieht.
Diese Statistiken sind irreführend. Frankreich wird als noch produktiver als Deutschland dargestellt, was nicht zutreffen kann. Frankreichs Arbeitslosenquote liegt bei 12 %, und die Beschäftigung im Privatsektor beträgt nur 62 % der „erwerbstätigen Bevölkerung“ der OECD. Das ist keine produktive Volkswirtschaft. Außerdem macht der öffentliche Sektor 57 % des BIP aus, verglichen mit 44 % im Vereinigten Königreich.
Die durchschnittliche Stundenproduktivität nach der OECD-Methode zu messen, ist simplifizierend und beruht auf Annahmen. Die Formel lautet BIP geteilt durch die gesamten Arbeitsstunden. Wir sollen also das BIP als gegeben hinnehmen, obwohl es tatsächlich eine unvollständige Summe des Produktionswerts ist. Zudem unterscheidet das BIP nicht zwischen Produkten, die der Staat auf den Markt bringt, und Waren und Dienstleistungen, die Verbraucher frei nachfragen. Und die geleisteten Arbeitsstunden können wir nicht kennen, da heute nur sehr wenige Unternehmen die Anwesenheit ihrer Mitarbeiter erfassen und Getränke-, Erholungs- und Mittagspausen herausrechnen.
Wir können einen besseren und aussagekräftigeren Produktivitätsindikator entwickeln, der auf den Beschäftigungskosten beruht, die der OECD-Ansatz nicht berücksichtigt. Der Staat, der einen wirtschaftlichen Kostenfaktor darstellt, sollte aus allen Schätzungen der Produktion ausgeschlossen werden, indem man diesen Sektor vollständig aus dem BIP herausrechnet, um den Teil zu isolieren, der uns tatsächlich interessiert: den Privatsektor. Auch die Kosten des Privatsektors für die Finanzierung des Staates, also die Steuern, die unproduktive Staatsausgaben finanzieren, sollten vom BIP des Privatsektors abgezogen werden. Und weil wir produzieren, um zu konsumieren, bedeutet dies, dass als Näherungswert für die Staatskosten sämtliche Steuern, ob auf Produktion oder Konsum, vom BIP des Privatsektors abgezogen werden.
Anschließend sollten nur die Angestellten und Selbstständigen des Privatsektors in den Divisor einbezogen werden, indem Beschäftigte des öffentlichen Sektors und Arbeitslose ausgeschlossen werden. Alle diese Änderungen zusammen führen zu einem ganz anderen Ergebnis, das in der nachstehenden Grafik dargestellt ist.

Diese Information ist nicht nur aussagekräftiger als die irreführende Produktivitätsschätzung der OECD, sondern auch nützlicher für international tätige Unternehmen, die sich für die relativen Beschäftigungskosten interessieren.
Wir sollten einen Schritt weitergehen und die Lage aus Sicht unseres statistisch durchschnittlichen Arbeitnehmers betrachten. Die folgende Tabelle zeigt das geschätzte Nettoeinkommen eines Arbeitnehmers, dessen Beschäftigungskosten für den Arbeitgeber der durchschnittlichen nationalen Produktion je Arbeitnehmer im Privatsektor entsprechen, wie in der obigen überarbeiteten Grafik dargestellt.

Wir haben nun eine neue Perspektive auf das Thema Produktivität. Um die hohen Produktivitätsraten zu erreichen, die in den Produktivitätsstatistiken der OECD ausgewiesen werden, bleiben einem französischen Arbeitnehmer nur 834 € netto im Monat, einem italienischen kaum mehr. Für sie lohnt es sich kaum zu arbeiten. Der Nettoverdienst des Briten ist jedoch höher als der aller anderen, einschließlich des durchschnittlichen deutschen Arbeitnehmers.
Dies zeigt, dass die wichtigste Determinante der Produktivität nicht das relative Können und Engagement der Arbeitnehmer ist, wie es die Zahlen der OECD nahelegen, sondern die Beschäftigungskosten. Ein Arbeitgeber kann sich nach Abzug der Lohnnebenkosten und Einkommensteuern in Frankreich und Italien nur schwerer einen existenzsichernden Lohn leisten. Es erscheint merkwürdig, dass offizielle Produktivitätsindikatoren die Beschäftigungskosten außer Acht lassen, obwohl diese für potenzielle Arbeitgeber doch weitaus relevanter sind.
Hoffen wir, dass jemand George Osborne darauf aufmerksam macht.
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