Die Vorteile einer Deflation der Preise, die aus der Verbindung von solidem Geld und von staatlichen Eingriffen freien Märkten entsteht, haben sich als das beste wirtschaftliche Umfeld erwiesen. Dass man dieses zugunsten einer inflationären Finanzierung verweigert hat, führte zu wiederholten monetären und systemischen Zusammenbrüchen.
Dieser Artikel erklärt, wie es dazu kam, und stellt die Tatsachen zur Deflation richtig. Die Entwicklung der makroökonomischen Theorie musste die Vorteile einer Deflation der Preise leugnen und erklärt uns allen Ernstes, wir bräuchten höhere Preise, um unseren Konsum anzuregen.
Deflation und durch Ersparnisse finanzierte Investitionen sind ein weit besseres, natürliches wirtschaftliches Umfeld als die falschen Götter des leichten Kredits und der Geldschöpfung. Ohne tiefgreifende Verschiebungen im ökonomischen Denken und in den Verantwortlichkeiten der Regierungen kann es keine Rückkehr zur Stabilität einer sanften Preisdeflation geben.
Einleitung
Fragen Sie einen beliebigen Makroökonomen, und er wird Ihnen sagen, seine größte Sorge sei die Deflation. Möglicherweise hat er oder sie Irving Fishers Darstellung gelesen, wie die Deflation in den 1930er Jahren die Banken zwang, Kredite durch den Verkauf von Sicherheiten in fallende Märkte hinein abzuwickeln. Dadurch sanken die Vermögenspreise noch weiter, was weitere Verkäufe beschleunigte, die Preise der Sicherheiten noch stärker untergrub und die Banken zwang, noch mehr Sicherheiten zu verwerten, wodurch die Preise abermals fielen …
Deflation dürfe nicht zugelassen werden, so heißt es, aus Furcht, sie könne sich zu einem sich selbst nährenden Strudel entwickeln. Und um sicherzugehen, müsse die Inflation bei positiven 2 % liegen, und jedes Absinken darunter gelte als Anlass zur Sorge. Aber stimmt das tatsächlich?
Die Antwort findet sich in den Partikularinteressen einer modernen Volkswirtschaft. Heute glauben die Kritiker der Deflation an Intervention als Mittel zur Sicherung von Arbeitsplätzen und sind überzeugt, die Ursache des Scheiterns seien irrationale freie Märkte. Bevor sich der Interventionismus durchsetzte, standen wirtschaftliche Krisen im Zusammenhang mit Zyklen der Bankkredite. Zu jener Zeit, grob gesagt vor den frühen 1920er Jahren, verstand man Deflation weithin als natürliche Bereinigung früherer Exzesse, denn diesen gingen stets übertriebener Optimismus und offene Spekulation voraus. In England wandte sich Overend Gurney vom soliden Diskontgeschäft ab und finanzierte kurzfristig Mittel mit längeren Laufzeiten, die nicht zueinander passten. Das Haus vergab Kredite in den Eisenbahnboom hinein und brach 1866 zusammen. Das Scheitern der City of Glasgow Bank im Jahr 1878, gefolgt von Barings 1890, begründete damals einen zwölfjährigen Zyklus der Bankkredite. Es sei angemerkt, dass die Lehman-Krise nun zwölf Jahre zurückliegt, was der gegenwärtigen Lage eine gewisse Dringlichkeit verleiht.
Die Banken wurden für die Kreditinflation nie angemessen zur Rechenschaft gezogen und haben sich solchen Versuchen stets widersetzt. Folglich wurde es immer ausgeschlossen, die wahre Ursache der periodischen deflationären Einbrüche anzugehen. Als einzige praktikable Lösung blieb, nach dem Umschlagen eines kreditgetriebenen Booms in eine Katastrophe die Scherben aufzusammeln. Und natürlich war genau diese Rettung im sogenannten öffentlichen Interesse das, wofür die Banken zunehmend Lobbyarbeit betrieben, insbesondere in Amerika.
Die letzte reinigende Deflation im althergebrachten Sinne folgte auf den Ersten Weltkrieg: In Amerika war sie brutal, aber kurz. Es war das letzte Mal, dass sich die US-Regierung einer Einmischung verweigerte, der Goldstandard von 20,67 Dollar je Unze blieb unangetastet, und es folgten die goldenen Zwanzigerjahre. Doch am Ende jenes Jahrzehnts verfolgte Präsident Hoover einen anderen, aktiv eingreifenden Ansatz.
Als Beleg für die unterschiedliche Sichtweise sagte sein Vorgänger, Präsident Coolidge, über Hoover: „Dieser Mann hat mir nichts als Ratschläge gegeben, und alle waren schlecht.“ Zwar wusste Coolidge leider nicht, was die Fed mit dem Geld tat, doch war er der letzte der echten Freihandelspräsidenten und Hoover der erste Interventionist. Der Kurswechsel wurde durch den Börsencrash von 1929 und die Folgejahre markiert, in denen der Einbruch von einer kurzen, scharfen Korrektur in eine lang anhaltende Depression überging.
Mit ihm entwickelte sich eine neue Art von Ökonomen. Aus der Sicht eines Karrieristen gab es weder Geld noch Einfluss zu gewinnen, wenn man Nichtinterventionist war, während der eigene Geldgeber und der Geldgeber der eigenen Alma Mater eine interventionistische Regierung war. Klassische Ökonomen, die für solides Geld und das Saysche Theorem eingetreten waren, wurden ins Abseits gedrängt. Ähnlich wie bei der heutigen Klimawandelbewegung, in der objektive, qualifizierte Meteorologen von einem gemischten Haufen wissenschaftlicher Opportunisten an den Rand gedrängt wurden, übernahm eine interventionistische Bewegung die Kontrolle über die wirtschaftspolitische Agenda.
Es war diese Bewegung, die Deflation als den ultimativen Schrecken brandmarkte, angeblich verursacht durch einen einengenden Goldstandard. Das Geld musste nun flexibel sein, um die Wirtschaft zu steuern und eine Wiederholung der Depression zu vermeiden. Die Preissteuerung, die Benjamin Strong bei der Fed Anfang der 1920er Jahre erstmals als Politik umsetzte, ist zusammen mit der Vollbeschäftigung seither als Ziel der Wirtschafts- und Geldpolitik in Stein gemeißelt. Die Folge ist, dass die Schulden die Ersparnisse als treibendes Mittel des wirtschaftlichen Fortschritts abgelöst haben. Heute belaufen sich die weltweiten Schulden schätzungsweise auf ein Viertel einer Billiarde Dollar, und wir sehen nun, dass sich die Schaffung von Geld und von Schulden im Zusammenhang weiter und schneller beschleunigt.
Praktisch gesehen sind Schulden die andere Seite der Gelddruckerei. Da wohlfahrtsorientierte Regierungen mit steigenden Verpflichtungen bei stagnierenden Steuereinnahmen konfrontiert sind, scheint die Deflation für immer verbannt zu sein.
Deflation und Humpty Dumpty
Zu glauben, Deflation sei in einer Zeit sich beschleunigender Geldinflation eine Gefahr, erscheint absurd. Doch Irving Fisher hatte in einer Hinsicht recht: Der Zyklus der Bankkredite, der in einer Tendenz zur Kreditkontraktion endet, ist stets ein Problem und führt in der von ihm beschriebenen Weise regelmäßig zu systemischen Krisen und Bankenkrisen. Heute wird dies jedoch durch eine aggressive Ausweitung der Basisgeldmenge ausgeglichen, die diesem Zyklus in Erwartung einer Bankkreditkrise zuvorkommt. Insgesamt ist eine Deflation der aggregierten Geldmenge daher schlicht ein Mythos.
Ein zusätzliches Problem besteht darin, dass moderne Ökonomen der Humpty-Dumpty-Schule der Definitionen anhängen: „Wenn ich ein Wort gebrauche, bedeutet es genau das, was ich ihm zu bedeuten auftrage – nicht mehr und nicht weniger.“ Sie wenden den Begriff Deflation meist auf Preise an, obwohl er richtigerweise die Geldmenge betrifft. Wer den Begriff googelt, erhält ersteres.
Der Fehler besteht darin, das Symptom zu beschreiben und nicht die Ursache. Preise können aus einer Reihe von Gründen fallen; die monetäre Deflation ist nur einer davon. Die anderen Hauptursachen, die weiter unten erörtert werden, sind Veränderungen im Sparverhalten sowie die Auswirkungen von Technologie und Wettbewerb.
Das Festhalten an der preisbezogenen Definition der Deflation wirft ein weiteres Problem auf, da sich Veränderungen des allgemeinen Preisniveaus nicht messen lassen. Ökonometriker haben Preissteigerungen mit verschiedenen Mitteln nach und nach aus den Statistiken verbannt, sodass kaum oder keine Inflation verzeichnet wird. Steigt der Preis eines Gutes, wird angenommen, dass die Verbraucher günstigere Alternativen finden, sodass die Preissteigerung ignoriert werden kann. Technologische Verbesserungen dienen als Vorwand, Preise entsprechend anzupassen. Laut dem US Bureau of Labor Statistics stieg in den zweiundzwanzig Jahren von 1997 bis 2019 der Indexwert für einen Neuwagen nur um 0,6 %, während im selben Zeitraum der durchschnittliche Autopreis von 16.400 $ auf 36.718 $ stieg, ein Anstieg von 124 %. Bei solchen Tricks ist leicht nachzuvollziehen, warum unabhängige Analysten wie Shadowstats.com und der Chapwood Index die jährliche Preisinflation in den vergangenen Jahren auf etwa 10 % schätzen, während der offizielle Verbraucherpreisindex zielgerichtet um 2 % steigt.
Durch statistische Manipulation könnten die offiziellen Zahlen sogar eine Preisdeflation ausweisen, obwohl die Geld- oder Preisinflation erheblich ist. Bedauerlicherweise werden die offiziellen Verbraucherpreisstatistiken als Wahrheit akzeptiert, obwohl sie nachweislich falsch sind. Eine Darstellung, die Deflation verurteilt und statistische Manipulation nutzt, erlaubt es der Regierung und ihren lizenzierten Banken, die Geldmengenausweitung zunehmend als wichtiges Mittel der Finanzierung und zur Auffüllung der Bankreserven einzusetzen, obwohl die Verbraucher durch höhere Preise ohne ausgleichende Einkommenssteigerungen zunehmend verarmen.
Heute werden empirische Belege ignoriert
Solides Geld, das heißt Geld, das sich auf Wunsch der Öffentlichkeit und nicht auf Geheiß des Staates und seiner lizenzierten Banken ausdehnt und zusammenzieht, führt im Laufe der Zeit tendenziell zu fallenden Preisen, wobei sich das allgemeine Preisniveau gar nicht tatsächlich messen lässt und nicht mehr als ein ökonomisches Konzept bleiben sollte. Das deutlichste Beispiel findet sich im außerordentlichen Erfolg der freien Märkte im neunzehnten Jahrhundert, angeführt von einer weisen Regierung in Großbritannien.
Nach den Napoleonischen Kriegen wurde 1817 der goldene Sovereign eingeführt, der zum Rückgrat des britischen Geldsystems wurde. Trotz der Störungen durch Zyklen der Bankkredite war die Nachfrage nach ihnen und nach den Goldsubstituten der Bank of England in Form ihrer Notenausgabe eine Angelegenheit des Handels und der Öffentlichkeit, festgeschrieben im Bank Charter Act von 1844. Mit solidem Geld, bei dem dem Staat durch den Goldstandard fest die Hände gebunden waren, wurde eine kleine Nation von rund 27 Millionen Einwohnern (1851) bis zum Ende des Jahrhunderts in einem Umfeld sinkender Preise zur wohlhabendsten und einflussreichsten der Erde.
Die Lebensmittelpreise fielen. Ein Vier-Pfund-Laib Brot, das Grundnahrungsmittel des Jahres 1810, kostete über einen Shilling und fiel bis Ende der 1880er Jahre auf weniger als zehn Pence, also um über 20 %. Die Protokolle des Old Bailey verzeichneten, dass die Preise für Industriegüter, insbesondere für Kleidung, deutlich fielen.[i]Hätte man bei diesen Preisen hedonische Methoden angewandt, wie es heute üblich ist, wären sie aufgrund der enormen Verbesserung des allgemeinen Lebensstandards und der Produktionsverfahren durch technische Innovation noch stärker gefallen.
Der Preisrückgang war umso bemerkenswerter angesichts der Goldfunde in Sutter’s Mill in Kalifornien 1848, in Australien in den 1850er Jahren und später sowie in Südafrika in den 1890er Jahren. Goldmoney schätzt, dass die oberirdischen Goldbestände von 4.105 Tonnen im Jahr 1816, als der Coinage Act den neuen Sovereign zum alleinigen Wertmaßstab und unbeschränkten gesetzlichen Zahlungsmittel erklärte, auf 23.685 Tonnen bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs anstiegen, eine Zunahme von 477 %. Der kalifornische Goldrausch bewirkte eine Verdoppelung der geschätzten jährlichen Minenproduktion, die dann bis 1891 im Allgemeinen stabil blieb; danach verdoppelte die südafrikanische Förderung sie in den 1890er Jahren erneut. Zwar wäre es ein Irrtum anzunehmen, Gold habe nur monetären Zwecken gedient, doch besteht kein Zweifel, dass die gestiegene Verfügbarkeit von Gold in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts ein erhebliches Potenzial für monetäre Inflation darstellte.
Trotz einer Ausweitung der Goldbestände vollzog sich der größte jemals verzeichnete wirtschaftliche Fortschritt in Großbritannien in einer Zeit anhaltend fallender Preise. Ein wichtiger Grund für diesen Widerspruch war, dass es der Öffentlichkeit und nicht der Regierung oblag, die Menge des monetären Goldes zu bestimmen, und die Öffentlichkeit nur so viel verwendete, wie ihre Umstände tatsächlich erforderten.
Über weite Strecken war Großbritannien das einzige bedeutende Land mit Goldstandard; anderswo herrschten bis etwa 1870 der Bimetallismus mit Silber oder Silberstandards vor. Bei Ausbruch des Ersten Weltkriegs waren über 80 % der weltweit fahrenden Schiffe in Großbritannien gebaut worden, ein Zeugnis der wirtschaftlichen Stärke des Landes. Und nun soll man uns glauben machen, Deflation sei schlecht für uns.
Ersparnisse
Es gibt eine Reihe von Gründen, warum das neunzehnte Jahrhundert eine deutliche Verbesserung der wirtschaftlichen Verhältnisse und des Lebensstandards brachte. Die Steuern waren niedrig. Der Income Tax Act von 1842 führte die Einkommensteuer mit 2,9 % auf Jahreseinkommen über 150 £ wieder ein, heute gemessen in Gold-Sovereigns etwa 50.000 £. Normalen Menschen war es erlaubt, Vermögen zu bilden. Doch der wohl offensichtlichste Faktor, der die künftigen Preise beeinflusste, war die Ansammlung von Ersparnissen.
Im Vergleich zu den heutigen schuldengetriebenen Volkswirtschaften, die von Geldmengenausweitung und staatlichen Eingriffen angetrieben werden, verlangten die sparergetriebenen Volkswirtschaften des neunzehnten Jahrhunderts von Kreditnehmern, um das Investitionskapital der Sparer zu konkurrieren. Selbst wenn ein Kreditnehmer mit schlechtem Geschäftsruf es schaffte, Darlehen für Investitionen und Betriebskapital zu erhalten, zahlte er am Ende einen hohen Zins und geriet dadurch in einen Wettbewerbsnachteil.
Folglich wird das Verhalten eines Schuldners in einer sparergetriebenen Kultur zwangsläufig deutlich verantwortungsvoller im Umgang mit den Mitteln der Sparer, als wenn Schulden durch monetäre Inflation verfügbar sind. Da Industrieinvestitionen aus Ersparnissen finanziert wurden, ging man davon aus, dass Kredite zurückgezahlt werden müssen. Das Wissen, dass die Kaufkraft von Gold im Laufe der Zeit steigen konnte, war ein zusätzlicher Anreiz, geliehenes Kapital so schnell wie möglich zurückzuzahlen. Mr Micawbers dickensscher Aphorismus, man solle im Rahmen seiner Mittel leben, um Elend zu vermeiden, galt gewiss.
Ersparnisse hatten zwei wesentliche Auswirkungen auf die Preise. Soweit sie zurückgehaltenen unmittelbaren Konsum darstellten, verringerte ein Anstieg der Ersparnisse die potenzielle Nachfrage nach Konsumgütern und senkte damit das allgemeine Preisniveau im Vergleich zu einer niedrigeren Sparquote. Darüber hinaus waren die Ersparnisse der Rohstoff für Industrie- und Unternehmensinvestitionen, die die Qualität verbesserten und die Stückkosten senkten.
Trotz der Ausweitung der oberirdischen Goldbestände und damit der Verfügbarkeit von Gold-Sovereigns und Goldsubstituten zeugt die Tatsache, dass die Preise fielen, von der Kraft einer ungehinderten freien Marktwirtschaft, der Allgemeinheit Vorteile zu bringen. Es bedurfte einer wohlwollenden Regierung, die ihren eigenen Entzug von Mitteln aus den freien Märkten streng begrenzte, um deren Bedeutung zu erkennen, und das Großbritannien des neunzehnten Jahrhunderts hatte dies im Überfluss.
Die wettbewerbsfreundliche Regierung Großbritanniens
Statt die gesamte Wirtschaftsgeschichte des neunzehnten Jahrhunderts darzustellen, genügt es, kurz auf die wichtigsten Maßnahmen zweier Premierminister einzugehen: Lord Liverpool und Robert Peel.
Lord Liverpool (1770–1828) führte Großbritannien 1821 zum Goldstandard zurück, nachdem dieser während der Napoleonischen Kriege ausgesetzt worden war. Zum Zeitpunkt der entscheidenden Parlamentsdebatte im Mai 1819 bestand das im Umlauf befindliche Geld fast ausschließlich aus Papier. Vor dem Krieg, im Jahr 1792 (fünf Jahre vor der Aussetzung des Goldstandards im Jahr 1797), hatte es aus 30 Millionen Pfund in Gold und 20 Millionen Pfund in Papier bestanden. Im Jahr 1819 betrug es, obwohl sich das Handelsvolumen fast vervierfacht hatte, noch immer 50 Millionen Pfund. Zwar ermöglichten effizientere Abwicklungssysteme und eine stärkere Nutzung diskontierter Wechsel einen leichteren Geldumlauf, doch war Gold als Umlaufmittel praktisch verschwunden: Neben seiner Unhandlichkeit bei der Begleichung von Handelsgeschäften hatte sich für Gold ein Wertaufschlag herausgebildet, der es aus dem Umlauf verdrängte.
Als Premierminister überwachte Liverpool die Rückkehr aus dieser Lage zum Vorkriegs-Goldstandard. Ihn leiteten drei Überlegungen. Erstens hatte die Geldmengenausweitung es der Regierung zwar ermöglicht, den Krieg zu finanzieren, sie konnte jedoch kein dauerhafter Bestandteil des Wirtschaftssystems sein, da die Notwendigkeit einer inflationären Finanzierung entfallen war. Zweitens sollte die Steuerung der Währung bei der Bank of England verbleiben, weil sie keine Angelegenheit war, die dem Parlament anvertraut werden sollte. Und drittens erschien die Rückkehr zum Goldstandard, nachdem der Aufschlag von Gold gegenüber Papier von 30 % auf nur noch 3 % gefallen war, durchaus machbar, sofern sie schrittweise erfolgte.[ii]
Damit der alte Standard Bestand haben konnte, bedurfte es einer Deflation der Papiernoten gegenüber Gold. Die vereinbarte Rückkehr zum Gold wird mit einem Preisrückgang zwischen 1819 und 1821 in Verbindung gebracht. Im Jahr 1819 wurde eine sechsmonatige Rezession verzeichnet, die zur Zeit der Parlamentsdebatte begann. Es wäre jedoch ein Fehler, diese Verhältnisse ausschließlich auf die Rückkehr zum Goldstandard von vor 1797 zurückzuführen, wenn man die vorangegangene Euphorie der Nachkriegszeit berücksichtigt, die zu einem kurzen Aufschwung führte. Ob nun diese Ereignisse oder Liverpools Politik die Ursache waren: Die Wiedereinführung des Goldstandards von vor 1797 schuf einen Hintergrund monetärer Stabilität, der über neunzig Jahre andauerte.
Robert Peel war in zweierlei Hinsicht von Bedeutung. Er verantwortete die Einführung des Bank Charter Act, der das Bankwesen so reformierte, dass die Notenausgabe allein der Bank of England vorbehalten war und nur bei voller Deckung durch physisches Gold ausgeweitet werden durfte. Obwohl das Gesetz den Goldstandard stärken sollte, versäumte es bedauerlicherweise, das Problem ungedeckter Bankkredite anzugehen.
Seine zweite Maßnahme, die Aufhebung der Corn Laws im Jahr 1846, führte bis 1860 zur Abschaffung nahezu aller anderen Zölle und brachte erhebliche wirtschaftliche Vorteile. Sie bedeutete niedrigere Preise für Grundnahrungsmittel und verschaffte Fabrikarbeitern, die zuvor mehr oder weniger nur Löhne auf Existenzniveau erhielten, frei verfügbares Geld für andere Anschaffungen. Dies wiederum führte zu einer Ausweitung der Produktion und senkte die Produktionskosten noch weiter. Die Abschaffung der Zölle war so erfolgreich, dass andere Länder, etwa Frankreich und die deutschsprachigen Staaten auf dem Kontinent, ihrem Beispiel folgten.
Die Wiedereinführung des Goldstandards im Jahr 1821 und der Bank Charter Act sollten im Einklang mit der Politik Lord Liverpools die Versuchung inflationärer Finanzierung durch die Regierung beseitigen. Peels Abschaffung der Zölle führte zu niedrigeren Preisen für Waren. Zusammen sorgten sie für eine allgemeine Deflation der Preise, die bis zum Ersten Weltkrieg anhielt. Es war eine Zeit enormen Erfolgs für Großbritannien und seine Handelspartner, nicht nur im Commonwealth und in den Kolonien, sondern sie belebte auch das Geschäft in Amerika und Europa. Und all dies beruhte auf wirtschaftspolitischen Maßnahmen, die heute als größte Bedrohung für die Weltwirtschaft gelten.
Fazit
Die Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen, dass eine Deflation der Preise Verbrauchern, Unternehmen und Sparern erhebliche Vorteile bringt. Dieser Artikel hat anhand der Erfahrungen Großbritanniens im neunzehnten Jahrhundert sehr knapp aufgezeigt, warum das so ist, und es gibt keinen Grund zu der Annahme, dass sich eine ähnliche deflationäre Situation heute anders darstellen würde. Stattdessen wird als allgemeingültige Wahrheit eine der offensichtlicheren zeitgenössischen Täuschungen verbreitet: dass Verbraucher von höheren Preisen profitierten, weil diese die Wirtschaft ankurbelten.
Auf jeder Ebene ist dies offenkundig falsch. Das Argument der Inflationisten hat sowohl Ersparnisse als auch persönliches Vermögen vernichtet und den durchschnittlichen Verbraucher schlechter gestellt. Es überträgt Vermögen von den Produzierenden auf Nichtproduzierende, insbesondere auf den Staat, die von ihm lizenzierten Banken und auf Spekulanten. Tatsache ist, dass die Inflationisten den Inflationismus zu rechtfertigen suchen.
Der heutige Inflationismus hat seine Wurzeln im Auf und Ab der Bankkredite, einem Problem, das der Bank Charter Act von 1844 leider nicht gelöst hat. Mehr als jeder andere Fehler führte dies über aufeinanderfolgende Kreditzyklen zur Entstehung der Zentralbanken und zu deren Verfügungsgewalt über die Hebel der Geldpolitik. Dazu bedurfte es der Verwerfung der klassischen Wirtschaftstheorie und ihrer Ersetzung durch eine neue Art von Makroökonomen, die darauf ausgebildet waren, die zunehmende staatliche Steuerung von Geld und Kredit zu rechtfertigen. Dabei wurde die fundierte Wirtschaftstheorie zugunsten der Sozialisierung des Geldes und vieler anderer Dinge verworfen. Die Deflation musste verteufelt werden, um diese neue makroökonomische Welt zu rechtfertigen.
Dies hat zu unserer heutigen Lage geführt, in der die Regierungen ohne weitere Geldmengenausweitung die meisten der seit der Amtszeit von Präsident Hoover, dem ersten Interventionisten im Jahr 1929, eingeführten Sozialleistungen bewusst zurücknehmen müssten. Ohne weitere Geldmengenausweitung stünde das globale Bankensystem unter Liquiditätsdruck, der es vermutlich zusammenbrechen ließe: Tatsächlich sind solche Belastungen im US-Geldsystem bereits aufgetreten und zwingen die Fed, täglich große Mengen an Liquidität über Pensionsgeschäfte zuzuführen.
Ohne weitere Geldmengenausweitung werden die Zinsen sofort steigen und verschuldete Unternehmen wie Verbraucher in den Bankrott treiben, die sich an leichtes Geld gewöhnt haben, das nie zurückgezahlt werden muss.
Eine weitere Inflation bewirkt lediglich, dass diese Folgen aufgeschoben, nicht aber verhindert werden. Aus diesem makroökonomischen Märchenland kann es nur ein Ergebnis geben: den Zusammenbruch ungedeckter Fiat-Währungen. Eine Rückkehr zu solidem Geld, freien Märkten und Preisen, die durch den Einsatz echter Ersparnisse gebildet werden, wird Veränderungen von gewaltigem Ausmaß erfordern.
Ein angemessener Respekt vor den Vorteilen fallender Preise hätte die sich abzeichnende Geld- und Wirtschaftskrise möglicherweise vermeiden können.
[i]Siehe https://www.oldbaileyonline.org/static/Coinage.jsp
[ii]Zur Rolle von Lord Liverpool bei der Rückkehr zum Goldstandard und zu seiner Rede vor dem Parlament siehe https://www.cobdencentre.org/2017/08/lord-liverpool-and-the-return-to-gold/
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