
Gold und Silber sind diese Woche deutlich gefallen, nachdem mehrere Zentralbanken ihre Zinsen angehoben haben. Dies hat Händler verunsichert, die auf kurzfristige Gewinne aus sind. In Europa notierte Gold heute Morgen bei 1.917 US-Dollar, das sind 40 US-Dollar weniger als zum Handelsschluss am vergangenen Freitag. Silber lag bei 22,30 US-Dollar, ein Minus von 1,88 US-Dollar im selben Zeitraum. Handelsvolumen und Open Interest gingen bei beiden Comex-Kontrakten zurück.
Die Bank of England hat ihren Leitzins stärker als erwartet um 50 Basispunkte auf 5 % angehoben. Die Erkenntnis, dass die Preisinflation sich nicht so leicht zurückbildet, hat dazu geführt, dass der Bank Missmanagement vorgeworfen wird. Sie wird zunehmend zum Sündenbock für die wachsende Not von Hausbesitzern, die mit stark steigenden Hypothekenkosten konfrontiert sind. Bislang tendierte das Pfund Sterling nach oben, da Devisenhändler von den höheren Zinsen angezogen wurden. Dies dürfte jedoch kaum von Dauer sein, und dann werden die Risiken einer Pfund-Anlage in den Vordergrund treten. Das spiegelt sich im Chart des Wechselkurses von Pfund zu Dollar wider.

Der neunmonatige Anstieg des Pfund Sterling ist in einem äußerst bärischen, sich verengenden Dreieck zu Ende gegangen, einem Muster, das selten versagt. Es deutet darauf hin, dass der Rückgang erheblich und schnell ausfallen wird, sobald das Pfund unter 1,26 US-Dollar fällt. Darüber hinaus scheint die neunmonatige Rally seit vergangenem September eine Gegenbewegung zum übergeordneten Trend zu sein. Das zeigt uns, dass das Septembertief den Fall des Pfund nicht aufhalten wird. Der wahrscheinlichste Widerstand liegt unter 1,05 US-Dollar, wobei die Parität sehr wahrscheinlich erstmals überhaupt unterschritten wird.
Für britische Anleger würde der Preis in Pfund Sterling dann, bei unverändertem Goldpreis in US-Dollar, von aktuell 1.510 £ auf über 1.800 £ steigen. Es ist wichtig, darauf hinzuweisen, denn jedes Mal, wenn Gold stark abgewertet wird, führt die menschliche Psychologie zu Verzweiflung und zu panischen Verkäufen. Da Gold von einem Tageshoch von 2.080 US-Dollar am 4. Mai auf 1.918 US-Dollar heute Morgen gefallen ist, ist die Marktstimmung derzeit äußerst negativ.
Hinter dieser negativen Stimmung stehen die Eigeninteressen der Swap-Händler, die an der Comex die Verkaufsseite einnehmen. Unser nächster Chart zeigt, wie sie ihre Bewertungsverluste aus den Brutto- und Nettopositionen wieder aufgeholt haben.

Bei Brutto- und Netto-Short-Positionen von 48,5 Mrd. US-Dollar bzw. 30,5 Mrd. US-Dollar scheint es kaum Hoffnung zu geben, ihre Position von hier aus wesentlich zu verringern. Selbst wenn es ihnen gelänge, einen weiteren Kursrückgang herbeizuführen, könnten sie ihre Positionen wohl nur in geringem Umfang zurückkaufen. Ein Rückgang des Goldpreises von hier aus würde zudem die physische Nachfrage von Zentralbanken und anderen langfristigen Haltern beschleunigen.
Höhere Zinsen erhöhen tatsächlich die Attraktivität von Gold, weil sie für Kredit und Währungen systemisch destabilisierend wirken. Wie wir bei der Silicon Valley Bank gesehen haben, untergraben höhere Anleiherenditen die Bankbilanzen, nicht nur in den USA, sondern überall. Und die Antwort der Behörden auf eine Kombination aus Kreditkrise und Rezession besteht stets darin, die inflationäre Politik noch zu verstärken.
Abgesehen von der negativen Stimmung erweisen sich starke Kursabschläge bei Gold in der Regel als Sprungbrett für deutliche spätere Anstiege. Eine Dollar-Rally von hier aus könnte für die Preise in Pfund Sterling zu einem Katapult werden.