Höchste Risikobereitschaft …

Illustration accompanying Höchste Risikobereitschaft …

Gold und Silber gaben in dieser Woche leicht nach und konsolidierten damit den Anstieg seit den Tiefständen des letzten Monats. Im europäischen Handel heute Morgen lag Gold bei 1.753 $, das sind 50 $ weniger als zum Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Silber lag bei 19,30 $, ein Rückgang von 1,47 $ im gleichen Zeitraum. 

Selten sehen wir eine so negative Stimmung, wie sie sich im Comex-Umsatz zeigt, der bei Gold nahe an die historischen Tiefststände gesunken ist. Dies belegt unsere Momentaufnahme von der Comex-Website.

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Die dünne blaue Linie stellt das Open Interest dar, das sich ebenfalls auf einem extremen Tiefstand befindet, wie unsere nächste Grafik besser veranschaulicht.

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Am Dienstag erreichte das Open Interest mit 453.960 Kontrakten einen Tiefstand. Zur Einordnung: Im Jahr 2020 kam es zur größten Short-Squeeze bei Gold, die es je gab, mit einer Glattstellung von Short-Positionen, die den Goldpreis von 1.450 $ auf 2.070 $ trieb. Das Open Interest fiel dabei nie unter 469.000 Kontrakte, da alle Short-Verkäufer ihre Positionen eindeckten. 

Am 24. April 2021 sank das Open Interest auf 449.729 Kontrakte, was elf Monate später zum zweiten Anlauf des Goldpreises auf die Marke von 2.070 $ führte. 

Wir sehen, dass ein Rückgang des Open Interest auf 450.000 Kontrakte im Allgemeinen ungefähr der tiefste Stand ist, der erreicht wird. Er markiert zwar nicht zwingend den Tiefpunkt des Goldpreises, ist aber ein starker Indikator für anschließend höhere Preise. Der Grund liegt auf der Hand: Die Bullen haben in der Regel verkauft, und es sind nur noch wenige Verkäufer übrig.

Dies wird durch die schwindenden Handelsvolumina bestätigt. In der Regel ist bullisches Interesse erforderlich, um Volumina zu erzeugen, und genau das fehlt. Das scheint Teil dessen zu sein, was Händler als Risk-on-Umfeld bezeichnen, in dem Händler bei Finanzanlagen optimistisch und bei Absicherungsinstrumenten pessimistisch werden. Unsere nächste Grafik mit dem handelsgewichteten Dollar-Index und dem S&P 500 fasst die allgemein optimistische Marktstimmung des letzten Monats zusammen.

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Hauptsächlich aufgrund der Schwäche von Euro, Yen und Pfund Sterling hat der Dollar stark zugelegt, und diese Lage dürfte anhalten. Das hat Portfoliogelder dazu bewegt, US-Aktien zu kaufen, was sich im S&P widerspiegelt. Doch der S&P scheint an bullischer Dynamik zu verlieren, da die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihen wieder zu steigen begonnen hat. Diese folgt als Nächstes.

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In der realen, im Gegensatz zur technischen Welt, tobt der Kampf zwischen den Bullen, die von vorübergehender Inflation und der Rückkehr einer Rezession träumen, die bullische Stimulierung erfordert, und den Bären, die darauf hinweisen, dass das Inflationsproblem nicht verschwindet. Uns steht weiterhin ein Winter der Unzufriedenheit bevor, mit höheren Energie- und Lebensmittelpreisen, die insbesondere Europa bedrohen. Die Hoffnung, dass Putin in der Ukraine vor Einbruch des Winters nachgibt, ist reines Wunschdenken.

Daher dürfte Risk-on wahrscheinlich von Risk-off abgelöst werden, wenn die Anleiherenditen stark zu steigen beginnen und die Aktienmärkte einbrechen. In einer Welt, die von keynesianischen Anlegern bestimmt wird, müssen wir dann einen Stimmungswechsel sehen, weg von der Überzeugung, dass höhere Zinsen gegen Gold wirken und stattdessen Dollar-Bargeld und kurzfristige Schatzwechsel begünstigen. Dieses Denkmuster könnte jedoch durch eine heftige Short-Squeeze bei Gold und Energie überwunden werden, wenn solche Überlegungen keine Rolle mehr spielen. Und genau darauf deuten das Open Interest und die Comex-Volumina hin. 

 

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