Goldmarktbericht: Märkte reagieren auf überraschende Zinssenkung der EZB

Gold und Silber bewegten sich die ganze Woche kaum über eine Spanne von einem Prozent hinaus, bis die EZB die Märkte am Donnerstag mit einer überraschenden Zinssenkung überrumpelte. Laut einer Bloomberg-Umfrage hatten nur drei Ökonomen damit gerechnet, siebenundsechzig nicht.

Wenige Minuten nach der Nachricht zur EZB-Zinssenkung richteten sich die Märkte auf eine stärker als erwartet ausgefallene US-BIP-Zahl von 2,8 % gegenüber erwarteten 2 % aus, was den Dollar steigen und die Märkte, darunter Gold und Silber, fallen ließ. Einerseits sehen wir eine lockerere Geldpolitik der EZB, die gut für Vermögenswerte ist, andererseits sah der Markt eine höhere Wahrscheinlichkeit einer Drosselung der Anleihekäufe, weil die US-Wirtschaft eine bessere Erholung als erwartet zeigt.

Per Saldo wurde Gold auf 1.297 US-Dollar abgewertet, erholte sich dann und schloss bei 1.305 US-Dollar, ein Rückgang von rund 10 US-Dollar am Tag. Gleichzeitig sprang der US-Dollar gegenüber dem Euro um bis zu 2 Cent und pendelte sich dann bei einem Plus von 1 Cent ein. Auch Aktien und Anleihen hatten einen schwierigen Tag.

Die Maßnahme der EZB ist eine Reaktion auf die sinkende Inflationsrate in der Eurozone und wachsende Deflationsängste. Zudem könnte die Zinssenkung dem Austrocknen der Liquidität an den Sekundärmärkten entgegenwirken, das viele Kommentatoren auf die strengere Bankenregulierung zurückführen. Wenn diese Knappheit anhält, wird sie zu einer Gefahr für die Erholung, weshalb die Zinssenkung der EZB die monetäre Expansion fördern soll, um den Bankkredit zu ergänzen.

Bei näherer Betrachtung ist die US-BIP-Zahl für den Dollar weniger positiv als zunächst erwartet, da sie einen unerwarteten Anstieg der Lagerbestände widerspiegelt. Lagerbestände sind schwierig zu analysieren. Möglicherweise werden sie im laufenden Quartal sinken, was die BIP-Zahl für das vierte Quartal entsprechend senken würde. Ist der Lageraufbau hingegen die Folge einer nachlassenden industriellen Nachfrage, ist er ein frühes Anzeichen dafür, dass die Wirtschaft ins Stocken gerät.


Es sollte bedacht werden, dass viele einflussreiche Analysten für Gold weiterhin pessimistisch gestimmt sind und erwarten, dass es unter 1.300 $ fällt und die Unterstützungsmarken im Bereich von 1.260–1.270 $ testet. Da Indien als Nachfrager aus den Schlagzeilen verschwunden ist und die chinesischen Aufschläge sinken (offenbar die Folge davon, dass die Behörden die Banken angewiesen haben, den Markt nicht länger auszunutzen, und nicht Ausdruck einer nachlassenden Nachfrage), könnte die Bühne für einen Ausverkauf in der kommenden Woche bereitet sein. Sollte sich die Debatte jedoch, wie ich erwarte, gegen eine Rückführung der Anleihekäufe („Tapering“) wenden, dürfte der Dollar schwächer werden und das Gold sich erholen.


Nächste Woche
Die kommende Woche wird bei den Veröffentlichungen insgesamt ruhig verlaufen; am meisten los ist am Donnerstag und Freitag.


Montag
Japan: Geldmenge M2, Umfrage unter Wirtschaftsbeobachtern (Economy Watchers' Survey).

Dienstag
Japan: Maschinenaufträge (Kernaufträge), Verbrauchervertrauen.

Vereinigtes Königreich: Verbraucherpreisindex, Einkaufs- und Verkaufspreise der Industrie.

Mittwoch
Vereinigtes Königreich: Durchschnittsverdienste, Arbeitslosenquote, Quartalsbericht der Bank of England zur Inflation.

Eurozone: Industrieproduktion.

USA: Haushaltsdefizit.

Japan: BIP.

Donnerstag 
Japan: Kapazitätsauslastung, Industrieproduktion.

Vereinigtes Königreich: Einzelhandelsumsätze.

Eurozone: BIP.

USA: Produktivität außerhalb der Landwirtschaft, Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe, Handelsbilanz, Lohnstückkosten.

Freitag
Eurozone: HVPI (endgültige Daten).

USA: Empire-State-Umfrage, Importpreisindex, Kapazitätsauslastung, Industrieproduktion.

Zurück zu den Goldmoney Analysen