Die Rückkehr des Carry Trades erzeugt eine Dollar-Illusion. Doch die steigenden Renditen von US-Staatsanleihen drohen das gesamte globale Kreditsystem zu destabilisieren – letztlich zugunsten von physischem Gold.

Vor dem Hintergrund eines stark steigenden Dollars erlebten Gold und Silber eine vorhersehbare Bereinigung. Gold schloss gestern (Donnerstag) bei 2.567 US-Dollar, nachdem es zuvor unter 2.540 US-Dollar gefallen war; das entspricht einem Nettorückgang von 121 US-Dollar gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag und von 222 US-Dollar gegenüber dem Höchststand vom 30. Oktober. Silber schloss gestern bei 30,46 US-Dollar, nach einem Tagestief von 29,76 US-Dollar, und lag damit netto 116 Cent niedriger und 4,40 US-Dollar unter seinem Höchststand vom 22. Oktober.
Die Schärfe und Geschwindigkeit dieser Rückgänge legt nahe, dass sowohl bei Gold als auch bei Silber heute eine ordentliche technische Erholung infolge von Eindeckungen der Short-Positionen zu erwarten ist. Es wäre jedoch zu früh, mit Überzeugung zu behaupten, dass die Tiefststände vom Donnerstag das Ende der Korrektur markieren.
Der Rückgang von Gold und Silber wurde durch die bemerkenswerte Dollar-Rally getrieben. Das nächste Diagramm zeigt den handelsgewichteten Index des Dollars:

Dies spiegelt keineswegs eine plötzliche Nachfrage ausländischer Anleger nach Dollar wider: US-Hedgefonds und andere sind vielmehr zum Carry Trade zurückgekehrt. Dabei werden günstig Yen (und möglicherweise in geringerem Maße Euro) geliehen, verkauft, um Dollar zu erwerben, und zur Renditesteigerung in US-Schatzwechsel angelegt. Abgesehen von den Gewinnen aus der Zinsarbitrage lässt sich die Logik so zusammenfassen: Trump und seine Zölle werden Amerika weniger schaden als allen anderen. Und die inflationären Folgen im Inland werden die kurzfristigen US-Anleiherenditen hoch halten, während Japan und die Eurozone sich dem Trend aus Furcht vor den Folgen für ihre eigenen Volkswirtschaften widersetzen.
Allerdings scheint es Unklarheit über die Inflationsaussichten in den USA zu geben: Die Wahrscheinlichkeit einer Senkung des Leitzinses der Fed um 0,25 % im nächsten Monat wird derzeit mit 79 % beziffert. Da die beabsichtigten Zölle des neuen Präsidenten jedoch zu höherer Verbraucherpreisinflation führen dürften, ist es sinnvoller, wenn die Fed Zinssenkungen aussetzt, bis die Zollsituation geklärt ist. Zudem steigen die Renditen der zehnjährigen US-Staatsanleihen kräftig, was bestätigt, dass der Optimismus hinsichtlich niedrigerer Zinsen übertrieben ist:

Tatsächlich dürften die marginalen Käufer, also die ausländischen Inhaber von US-Staatsanleihen insgesamt, aus wirtschaftlichen oder politischen Gründen kaum mehr kaufen. Stattdessen reduzieren ausländische Zentralbanken und Regierungen außerhalb des westlichen Bündnisses ihre Bestände an Dollar und Dollar-Schulden zugunsten von Gold. Und ausländische Institutionen des Privatsektors erleiden bei steigenden Renditen größere Verluste auf langlaufende Anleihen. Ohne diese ausländische Unterstützung dürfte die Rendite der zehnjährigen US-Staatsanleihe über 5 % steigen. Das würde nicht nur für die US-Regierung Schuldenfallen auslösen, sondern auch für Japan, die Eurozone, das Vereinigte Königreich und alle Zombie-Unternehmen in diesen Ländern, die noch vor zwei oder drei Jahren glaubten, die Zinsen würden nie wieder steigen.
Kurz gesagt: Während US-Hedgefonds von den Erträgen des Carry Trades profitieren, ist bereits zu erkennen, wie die Marktreaktionen auf Trumps Erdrutschsieg anderswo potenziell Chaos verursachen. Als Beispiel dienen die Probleme Japans:

Der Yen verliert an Wert und wird zweifellos neue Tiefststände erreichen, während die Anleiherenditen steigen. Die Geldpolitik der Bank von Japan steht vor dem Ende. Am Mittwoch gab die BOJ bekannt, dass der Erzeugerpreisindex für Oktober gegenüber dem Vorjahr um 3,4 % gestiegen ist; man vergleiche dies mit den Kurzfristzinsen des Yen nahe null. Trumps Wahl hat die Lage für Japans Geldpolitik seither erheblich verschärft und bedroht möglicherweise sogar den Fortbestand der BOJ, die dringend eine massive Rekapitalisierung benötigt, um ihre schwindende Glaubwürdigkeit zu bewahren.
Japan ist nur ein Beispiel. Da man sich auf die Aussicht niedrigerer Dollar-Zinsen verlassen hatte, stehen die Eurozone und das Vereinigte Königreich vor eigenen Krisen. Die aktuellen Ereignisse verbessern keineswegs die Aussichten des Dollars als Papierwährung, sondern destabilisieren die gesamte Welt der Papierwährungen. Sie bestätigen die These, dass die gesamte goldlose Zeit seit dem Ende von Bretton Woods an ihr Ende gelangt – und das rasch. Ich beende diesen Bericht mit dem technischen Chart von Gold:

Offensichtlich hat die Korrektur von 2.790 US-Dollar aus kurzfristiger Sicht viel Überschwang aus dem Goldmarkt genommen, und Gold steht dadurch technisch auf stärkerem Fundament. Für ausländische Zentralbanken, die um die Zukunft des Dollars besorgt sind, und nach der Präsidentschaftswahl noch mehr, war dies eine Gelegenheit, ihre Bemühungen um den Erwerb von physischem Edelmetall zu verstärken, bei dem kein Gegenparteirisiko besteht.
Und wenn sie Papierwährungen zugunsten von Edelmetall ablehnen, sagt uns das gewiss alles, was wir wissen müssen.