
Gold und Silber setzten ihren Aufwärtstrend fort und widersetzten sich damit den Prognosen von Gewinnmitnahmen. Gegenüber dem Schlusskurs vom vergangenen Donnerstag (am Freitag war Ostern, die Märkte waren geschlossen) stieg Gold im frühen europäischen Handel heute Morgen um 50 US-Dollar auf 2.280 US-Dollar, nachdem es zeitweise nahe an die Marke von 2.300 US-Dollar herangekommen war. Das ist ein Anstieg von 300 US-Dollar seit dem Valentinstag. Silber wurde bei 26,60 US-Dollar gehandelt, ein Plus von knapp 19 % im selben Zeitraum, nachdem es bis auf 27,30 US-Dollar gestiegen war. Die Comex-Umsätze im Silberkontrakt waren außergewöhnlich hoch, im Goldkontrakt dagegen verhältnismäßig gering. Beides ist nachfolgend dargestellt.

Die Lieferungen von Comex-Gold laufen weiter zügig, bei Silber weniger, bei Gold nun jedoch stärker. Bei Silber wurden in nur vier Handelstagen 97 Kontrakte mit 485.000 Unzen zur Lieferung gestellt, bei Gold dagegen 7.689 Kontrakte (768.900 Unzen).
Das geringe Volumen im Goldkontrakt und der jüngste Rückgang des Open Interest bei gleichzeitig kräftig auf neue Höchststände steigendem Preis geben den Händlern Rätsel auf. Sie wissen nicht, wer kauft: Die Hedgefonds sind es jedenfalls nicht. Die Entwicklung von Gold deutet stark auf einen massiven Bear Squeeze bei einer oder mehreren Edelmetallbanken hin. Wie kam es dazu?
Letztlich haben Edelmetallbanken Schwierigkeiten, Gold zu verstehen, weil sie glauben, dass die Beziehung zwischen Dollar und Gold von den relativen Zinsen bestimmt wird. Es setzt sich jedoch zunehmend die Erkenntnis durch, dass die US-Zinsen länger hoch bleiben werden, was nach Ansicht der Papierhändler zu niedrigeren Goldpreisen führen sollte. Tatsächlich geschieht jedoch das Gegenteil. Der Chart der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen sieht inzwischen fast so positiv aus wie der von Gold:

Der Ausschnitt zeigt die unzweifelhaft positive Lage im Detail. Vergleichen Sie dies mit Gold, bevor es stark anzog:

Auch hier sehen wir den Preis über einem steigenden 55-Tage-Durchschnitt und über einem steigenden langfristigen gleitenden Durchschnitt. Warum steigen Gold und Anleiherenditen gemeinsam?
Die Antwort kann nur lauten, dass die großen, überwiegend asiatischen Staatsfonds die Finanzlage der US-Regierung betrachten und darin erhebliche Probleme sehen. Die US-Regierung kann ihren gewaltigen Schuldenhunger nur zu höheren Zinsen und Anleiherenditen stillen. Steigen die Zinsen weiter, werden sie die Finanzmärkte zum Einsturz bringen, Insolvenzen bei Gewerbeimmobilien und Unternehmen verursachen und das gesamte Bankensystem gefährden. Kurz gesagt: Ausländische Anleger wollen ihr Engagement in Dollar-Krediten unbedingt so weit wie möglich verringern, und das gelingt nur durch den Kauf von echtem Geld ohne Kontrahentenrisiko, nämlich Gold.
Zur Verwirrung der Händler gibt es Liquidität bei kleineren Goldtransaktionen. Kilobarren und Münzen kann man weiterhin kaufen. Wenn man jedoch zum Beispiel am Londoner Markt verpflichtet ist, bis nächsten Dienstag 400-Unzen-Barren in größerer Menge zu liefern, sind diese schlicht nicht verfügbar. Ich vermute, dass hier das Problem liegt.
Wenn sich dieser Squeeze bei einer oder mehreren Edelmetallbanken entspannt, dürfte auch der Preis nachgeben. Das Problem wäre damit jedoch nicht gelöst: Es spricht vieles dafür, dass sich Ausländer zunehmend vom Fiat-Dollar und vom gesamten Kreditsystem abwenden.
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