Gold- und Silber-Futures unter Druck

Hurra, die Zinsen sinken, und die Inflation ist egal! Doch an den Comex-Futures gibt es einige merkwürdige Entwicklungen, insbesondere eine große Short-Position im Gold-Kontrakt.

In diesem Marktbericht machen wir auf einige interessante Entwicklungen bei den Gold- und Silber-Kontrakten der Comex aufmerksam, die die systemischen Belastungen in diesen beiden Märkten veranschaulichen. Dies geschieht vor dem Hintergrund, dass die Fed den Anschein aufgibt, die Inflation zu steuern.

Zunächst behandeln wir jedoch die Marktentwicklungen dieser Woche.

Illustration accompanying Gold- und Silber-Futures unter Druck

In dieser Woche gaben Gold und Silber vor der Zinssenkung der Fed um ¼ Prozentpunkt von ihren jüngsten Höchstständen nach. Eine Konsolidierung war vielleicht fällig, wie unsere Titelgrafik zeigt. Nachdem Gold die Marke von 3.700 US-Dollar getestet hatte, notierte es heute Morgen in Europa bei 3.657 US-Dollar, netto 14 US-Dollar mehr als zum Schluss am vergangenen Freitag. Silber lag bei 42,24 US-Dollar und war auf Wochensicht kaum verändert, nachdem es die Marke von 43 US-Dollar getestet hatte.

Das große Ereignis dieser Woche war die weithin erwartete Senkung des Leitzinses durch die Fed, die signalisiert, dass weitere Schritte folgen werden. Die Märkte preisen mit hoher Wahrscheinlichkeit zwei weitere Senkungen um je ¼ Prozentpunkt bis zum Jahresende ein. Stephen Miran, der gerade rechtzeitig zur Abstimmung in den FOMC berufen wurde, war das einzige Mitglied, das sich für eine Senkung um ½ Prozentpunkt aussprach, ganz im Sinne der Forderungen von Präsident Trump.

Während die Aufmerksamkeit der Märkte durch sinkende Zinsen abgelenkt wurde, gibt es zwei Beobachtungen, die auf Belastungen bei den Gold- und Silber-Kontrakten hindeuten. In beiden Kontrakten haben die Andienungen zur Lieferung in den vergangenen Wochen stark zugenommen. Im dritten Quartal wurden 156 Tonnen Gold und 302 Tonnen Silber zur Lieferung angedient. Von größerem Interesse ist Silber: Die Gesamtmenge seit dem 1. Januar beläuft sich auf 10.780 Tonnen, was außergewöhnlichen 56 % der weltweiten Minenproduktion der ersten neun Monate nach Schätzung des Silver Institute entspricht. 

Wir können nicht mit Sicherheit wissen, wer die Lieferung verlangt. Dass dabei der volle Preis zu zahlen ist, deutet jedoch darauf hin, dass es sich entweder um industrielle Verbraucher oder um Investoren handelt. Sie dürften ihr Silber erst dann aus den Comex-Lagern abziehen, wenn sie es benötigen. Der zunehmende Lagerbestand, der mit 527 Mio. Unzen einen Rekordwert erreicht hat, sagt daher wenig aus. Dies zeigt die nächste Grafik von Datatrack:

Ein Diagramm mit Zahlen und Linien

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Man sollte bedenken, dass Comex-Futures nie als Liefermechanismus gedacht waren. Offensichtlich ist das weltweite Angebot so knapp, dass die Nachfrage, ob von Investoren oder aus der Industrie, dem Markt in außergewöhnlichem Tempo Liquidität entzieht. Tatsächlich wurde die Nachfrage durch die Sorge angeheizt, importiertes Silber könnte US-Zöllen unterliegen. Und der Markt ist einer wachsenden ETF-Nachfrage ausgesetzt, da immer mehr Anleger auf den Silberzug aufspringen.

Neben den Andienungen zur Lieferung gibt es im Gold-Kontrakt eine bemerkenswerte Entwicklung in der nicht meldepflichtigen Kategorie: Dort ist plötzlich eine große Short-Position aufgetaucht. In den drei Commitment-of-Traders-Berichten zwischen dem 19. August und dem 9. September hat sich diese Short-Position um 28.632 Kontrakte erhöht, was 89,05 Tonnen entspricht. Dies zeigt die nächste Grafik:

Illustration accompanying Gold- und Silber-Futures unter Druck

Es scheint zwei Möglichkeiten zu geben. Entweder hat sich jemand weit aus dem Fenster gelehnt und setzt bei einem schlechten Geschäft immer weiter nach, oder es handelt sich um den Versuch einer offiziellen Stelle, etwa des US-Wechselkursstabilisierungsfonds (Exchange Stabilization Fund) oder der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich, den Markt zu bremsen. 

Ein offizielles Eingreifen erscheint am wahrscheinlichsten, und man würde erwarten, dass es in einer Händlerkategorie ausgewiesen wird, die von Marktbeobachtern selten verfolgt wird. Es deutet darauf hin, dass die Behörden besorgt sind, eine oder mehrere Edelmetallbanken oder vielleicht ein großer Hedgefonds befänden sich in Schwierigkeiten und müssten gerettet werden. Es wird interessant sein zu sehen, was die COT-Zahlen von heute Abend zeigen, die nach Handelsschluss in New York veröffentlicht werden sollen.

Die Fed gibt den Kampf gegen die Inflation auf

Was Gold und Silber betrifft, erfolgt die Zinspolitik der Fed trotz einer Verbraucherpreisinflation, die deutlich über dem Zielwert liegt und 2026 voraussichtlich weiter steigen wird. Unter politischem Druck gibt die Fed eine angemessene Geldpolitik auf und riskiert damit einen schwächeren Dollar. In den heutigen fieberhaften Marktverhältnissen besteht die Gefahr einer Flucht aus dem Dollar, da er von Ausländern, die Währungsverlusten ausgesetzt sind, übermäßig gehalten wird.

Da sich die Finanzierung des Finanzministeriums zunehmend auf kurzfristige Schatzwechsel stützt, ist die Senkung der Zinskosten für neue und fällige Schulden zweifellos eine Lösung für Finanzierungsprobleme, allerdings eine sehr inflationäre, da sie von einer Ausweitung der Bankkredite abhängt, an der Sparer kaum oder gar nicht beteiligt sind.

Obwohl Konsolidierungen bei Gold und Silber aus kurzfristiger Sicht daher logisch sind, gibt es Anzeichen für enorme Spannungen im Verhältnis zwischen den Papiermärkten und dem zugrunde liegenden physischen Gold und Silber, die nur auf höhere Preise hindeuten können.

In der Zwischenzeit zeigt uns der technische Chart, dass Gold die Marke von 4.000 US-Dollar fest im Visier hat:

Eine Grafik zum Goldpreis

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