In einer verkürzten Handelswoche und vor dem Hintergrund global steigender Anleiherenditen haben Gold und Silber weiter leicht zugelegt. Dies ist ein bedeutender Wandel im Anlagedenken.

Gold stieg auf Wochensicht um 32 US-Dollar auf 2.670 US-Dollar, während Silber aufgrund von Terminkäufen um 21 Cent auf 30,12 US-Dollar stieg. Das Open Interest bei Gold erhöhte sich um rund 15.000 Kontrakte, bei Silber stieg es nur geringfügig. Die Wertentwicklung von Gold ist bemerkenswert, da es steigt, obwohl auch die globalen Anleiherenditen gestiegen sind. Offensichtlich findet ein Umdenken statt.
Wir befinden uns an einem interessanten Punkt an den Kreditmärkten: Es setzt sich zunehmend die Erkenntnis durch, dass die Dollar-Zinsen kaum oder gar nicht sinken werden und bis Ende 2025 sogar steigen könnten. Diese Überlegung geht mit der Einsicht einher, dass die Inflation unter Trumps erklärter Politik weiter steigen wird, oder genauer gesagt, dass die Kaufkraft des Dollars weiter abnehmen wird.
Das Zinsthema ist nun nicht mehr zu verbergen, mit gravierenden Folgen.
Ob die Fed die Notwendigkeit höherer Zinsen akzeptieren wird, ist eine berechtigte Frage. Sicher ist, dass die Verantwortlichen dieses Problem besser verstehen, als man ihnen gemeinhin zugesteht. Ihnen dürfte bewusst sein, dass höhere Zinsen zu einem Bärenmarkt bei Aktien, zunehmenden Insolvenzen überschuldeter Unternehmen, Hypothekenproblemen im Wohnimmobilienbereich und steigender Arbeitslosigkeit führen werden. Das ist kein guter Start in die zweite Amtszeit Trumps. Solange die Anleiherenditen weiter steigen, wird die Fed wahrscheinlich abwarten, was einen Trend zu höheren Goldpreisen stützen wird, sehr zum Missfallen des neuen Präsidenten.
Dennoch dürften die Märkte nach Trumps Amtseinführung nun beginnen, eher höhere als niedrigere Zinsen einzupreisen. Neben den offensichtlichen Schwierigkeiten der Fed setzt dieser Erwartungswandel den anderen wichtigen Währungen schwer zu. Zur Veranschaulichung zeigt die nachstehende Grafik, wie der in diesen Währungen gemessene Goldpreis steigt, obwohl alle glauben, er konsolidiere weiterhin – was in Dollar tatsächlich der Fall ist, da er das Hoch von Ende Oktober bislang nicht herausgefordert hat.

Während Gold seit dem 1. Januar 2024 um 28 % gestiegen ist, legte es in Pfund Sterling um 33 %, in Euro um 38 % und in Yen um 44 % zu. Derzeit notiert es in Euro und Pfund auf neuen Höchstständen und in Yen nicht weit davon entfernt.
Bemerkenswerterweise folgt das anlegende Publikum dem schlicht nicht!
Die nächste Grafik zeigt die weltweiten Goldbestände der ETFs, die laut World Gold Council im Dezember insgesamt 3.219 Tonnen betrugen, fast 700 Tonnen unter dem Höchststand vom Oktober 2020, als Gold 650 US-Dollar niedriger notierte.

Der Zuwachs seit dem Tiefpunkt im vergangenen Mai betrug lediglich 131 Tonnen, davon 77 Tonnen aus nordamerikanischer Nachfrage. Asiaten haben ihre Bestände um 44,26 Tonnen erhöht, Australien und Südafrika um 6,41 Tonnen. Europa hat seine Bestände um magere 2,8 Tonnen auf 1.288 Tonnen aufgestockt, was 40 % des Gesamtbestands entspricht. Doch Euro und Pfund Sterling sind besonders anfällig und könnten gegenüber dem Dollar potenziell noch deutlich fallen. Es ist sicherlich nur eine Frage der Zeit, bis die Europäer erkennen, dass sie Gold kaufen sollten.
Dies ist wichtig im Zusammenhang mit Kreditströmen, die sich aufgrund der sich entwickelnden Neubewertung der Zinsen wahrscheinlich von klassischen Aktien und Technologiewerten abwenden werden. Angeführt von einigen vorausschauenderen US-Anlegern, die bereits beginnen, ETFs zu kaufen (was sich in den obigen Zahlen widerspiegelt), bleiben den Anlegern nur Bankguthaben, Gold oder Minenaktien als Ausweichmöglichkeiten.
Man sollte bedenken, dass von den globalen Anleihe- und Aktienanlagen insgesamt nur zwischen 1/2 % und 3/4 % in Gold abgesichert sind. Das zeigt, dass der Wechsel in Gold als Schutz, sobald die Aktienkurse zu fallen beginnen, in einem Markt mit äußerst knappem Angebot erheblich ausfallen dürfte.
Eine weitere positive Entwicklung ist Chinas Politik der Zinssenkungen, vermutlich aufgrund eines Anstiegs der Ersparnisse zulasten des Konsums. Dies macht Gold für chinesische Privatsparer, die einem schwächeren Yuan gegenüberstehen, noch attraktiver.