
Gold und Silber konsolidierten in dieser Woche vor dem Hintergrund eines steigenden Dollars an den Devisenmärkten. In Europa notierte Gold heute Morgen bei 1.661 US-Dollar, 12 Dollar unter dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag, und Silber lag mit 19,40 US-Dollar auf Wochensicht 14 Cent im Minus.
Wie unsere Titelgrafik zeigt, liegt Silber seit dem 1. September um 10 % im Plus. Silber ist bei geringer Liquidität extrem überverkauft, wie unsere nächste Grafik verdeutlicht.

Die Höhe des Open Interest ist wahrscheinlich der beste Indikator für die Marktstimmung. Mit unter 132.000 Kontrakten ist der Markt so überverkauft wie Anfang Mai 2020, kurz bevor der Preis von unter 15 US-Dollar in die Höhe schoss und sich in nur drei Monaten verdoppelte.
Da der Goldmarkt deutlich größer und liquider ist, ist die Position bei Gold weniger offensichtlich überverkauft, wie unsere nächste Grafik nahelegt.

Dennoch sehen wir, dass das Open Interest sich weigert, unter die Marke von 450.000 Kontrakten zu fallen. Dies deutet darauf hin, dass eine Erholung von hier aus sehr wahrscheinlich ist und möglicherweise sogar neue Allzeithochs erreichen könnte.
Diese Preisstabilität besteht trotz erheblicher Schwäche von Yen, Euro, Pfund und Yuan. Sie spiegelt sich im handelsgewichteten Index des Dollars wider, der weiter kräftig zulegt.

Zweifellos gibt es gute Gründe, aus den anderen Währungen in Dollar zu wechseln. Doch die überkaufte Lage des Dollars muss extrem sein, sodass er plötzlichen und scharfen Short-Squeezes ausgesetzt ist. Zusammen mit der stark überverkauften Position bei Gold und Silber, die sich zweifellos in einer Vielzahl von Rohstoff- und Energiekontrakten widerspiegelt, lässt sich erkennen, wie Händler sehr schwer auf dem falschen Fuß erwischt werden könnten.
Es gibt weitere beachtenswerte Entwicklungen, diesmal in Russland. Russland steht kurz davor, Referenden in den russischsprachigen Provinzen der Ostukraine zu beaufsichtigen, in denen die Bürger gefragt werden, ob sie sich Russland anschließen wollen. Sollten sie zustimmen, verschiebt sich Russlands Grenze nach Westen, und ohne Waffenstillstand würden die von der NATO unterstützten Ukrainer Russland direkt angreifen. Das wäre eine Eskalation zu einem direkten Konflikt zwischen Russland und der NATO.
Putin rechnet wahrscheinlich mit einem unsicheren Waffenstillstand. Seine Aufmerksamkeit scheint sich unterdessen bereits geld- und finanzpolitischen Fragen zuzuwenden, die sich um Gold drehen. Zusammen mit den Reserven der russischen Zentralbank halten der Staatsfonds und der Nationale Wohlstandsfonds Russlands Schätzungen zufolge rund 12.000 Tonnen Gold. Es wurden Schritte unternommen, das nicht zu den Reserven zählende Gold zu „mobilisieren“. Dies dient nicht der Finanzierung des Krieges im Notfall, wie manche Kommentatoren meinen, sondern wahrscheinlicher dazu, es in die Zentralbankreserven aufnehmen zu können. Russland könnte dann die größten monetären Goldreserven der Welt ausweisen.
Zusammen mit dem kürzlich angekündigten Moskauer Goldstandard und den Plänen für eine neue Handelswährung zur Abwicklung von Zahlungen als Ersatz für den Dollar werden die aufgestockten Goldreserven einen neuen Goldstandard für den grenzüberschreitenden Handel stützen. Er würde Zahlungen für russische Energie in schwachen asiatischen Währungen ersetzen und wahrscheinlich auch China zwingen, seine tatsächlichen Goldreserven offenzulegen.
Falls dies Putins Plan ist, dürften die Folgen für die westlichen Fiat-Währungen verheerend sein – sie erlitten das finanzielle Äquivalent eines Atomangriffs.