Vor dem BRICS-Treffen in Kasan stieg Gold heute Morgen auf über 2.700 US-Dollar. Ist eine neue, goldgedeckte Handelswährung bereits eingepreist? Kauft man das Gerücht und verkauft die Tatsache?

Gold und Silber stiegen in dieser Woche weiter, getragen von starker Nachfrage während der chinesischen Handelszeiten und gestützt durch eine wachsende spekulative Nachfrage an der Comex. Im europäischen Handel notierte Spotgold heute Morgen bei 2.712 US-Dollar, 56 US-Dollar über dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Silber zeigte sich fest, wenn auch weniger spektakulär, und legte im selben Zeitraum um 58 Cent auf 32,10 US-Dollar zu.
Für diese positive Entwicklung gibt es hinreichend solide Gründe. Für diejenigen unter uns, die den Unterschied zwischen gesetzlichem Geld in Form von Edelmetallen und Kredit verstehen, der mit Kontrahentenrisiko behaftet ist und auf nichts als Vertrauen beruht, handelt es sich bei diesem Phänomen um sinkende Kreditwerte und nicht um steigendes Gold. Kurzfristig hat sich an der Comex, und vermutlich auch an anderen Papiermärkten, allerdings ein Bestand an spekulativen Long-Positionen aufgebaut. Die nächste Grafik zeigt das Open Interest bei Goldfutures:

Zwar besteht nach diesem Maßstab noch etwas Spielraum, bevor Goldfutures ernsthaft überkauft sind, doch ebenso besteht ein erhöhtes Risiko eines kurzfristigen Rücksetzers, bevor die Goldwerte wesentlich höher steigen. Während die Positionierung der Hedgefonds vom vergangenen Dienstag erst im Laufe des Tages vorliegen wird, zeigt die nächste Grafik die Positionierung vom 8. Oktober:

Seither ist das Open Interest um 27.000 Kontrakte gestiegen, wodurch die Netto-Long-Positionen wahrscheinlich deutlich über 200.000 Kontrakte liegen. Im Kern handelt es sich bei diesen Positionen um Momentum-Trades. Das ist wichtig, denn es genügt eine Atempause in der positiven Entwicklung, damit die Swap-Händler die Kurse nach unten setzen und Stopps auslösen, was zu einem möglichen Rückgang des Goldpreises führen kann. Ob und in welchem Ausmaß dies geschieht, wird vermutlich von den Ereignissen in Kasan in der kommenden Woche abhängen.
Dies ist der lang erwartete BRICS-Gipfel. Im Vorfeld gab es zunehmend Spekulationen, dass unter Führung Chinas und Russlands ein neues, goldgedecktes Medium für die Handelsabwicklung auf der Tagesordnung stehen wird. Das Thema wird vermutlich dringlicher, angesichts einer Kombination aus erhöhten Risiken für den Dollar, der spürbar in eine Schuldenfalle gerät, einer offiziellen Politik der Marginalisierung des Dollars im Handel sowohl der BRICS-Staaten als auch der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit und nun der Notwendigkeit, Rubel und Yuan vor den Folgen eines Dollar-Einbruchs zu schützen.
Die Schwierigkeiten bei dieser Entscheidung werden durch einen äußerst heiklen geopolitischen Hintergrund mit einem wachsenden Risiko militärischer Eskalation, insbesondere im Nahen Osten und im Südchinesischen Meer, weiter verschärft. Im Kern ist die Entscheidung über die Einführung eines solideren Tauschmittels als des Dollars politischer als je zuvor. Und dabei sind die Folgen für Chinas Exporte noch gar nicht berücksichtigt.
Der Abwärtsspielraum bei Gold erscheint jedoch streng begrenzt, da die anhaltende physische Nachfrage von Zentralbanken und ähnlichen Institutionen auf ein unzureichendes Angebot trifft. Hinzu kommt die politische Unsicherheit der Präsidentschaftswahl. Trump scheint sich vor Harris zu schieben. Und Trump hat sich verpflichtet, Zölle zu erhöhen, um die amerikanische Wirtschaft zu schützen.
Wir sollten uns an die Folgen des Smoot-Hawley Tariff Act erinnern, der 1930 den Welthandel und die US-Wirtschaft einbrechen ließ, Ereignisse, die im Januar 1934 zu einer Abwertung des Dollars um 40 % führten. Damals betrug die Bundesverschuldung im Verhältnis zum BIP nur 16,5 %. Heute sind es 135 %, was darauf hindeutet, dass Zollprotektionismus heute weit negativere Folgen für die US-Wirtschaft und die Weltwirtschaft haben wird, von denen die Glaubwürdigkeit des Dollars abhängt, als es bei Smoot-Hawley der Fall war.