Für Gold sind es die besten Zeiten, für den Dollar die schlechtesten. Angeführt von langlaufenden JGBs geraten die globalen Staatsanleihemärkte ins Wanken. Wir können erkennen, wohin das führt …

In dieser Woche zogen die Preise für Gold und Silber nach einer knapp vierwöchigen Konsolidierung moderat an. Im europäischen Handel heute Morgen notierte Gold bei 3.328 US-Dollar, 27 Dollar über dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Silber lag bei 33,10 US-Dollar, ein Plus von 83 Cent. Die Futures-Volumina an der Comex blieben niedrig bis moderat, zogen im Wochenverlauf jedoch leicht an.
Zu bedenken ist, dass beide Kontrakte gemessen am Open Interest weiterhin im überverkauften Bereich liegen. Das ist ein technisch positiver Faktor, der die Möglichkeiten der Swap-Händler begrenzt, Long-Positionen auszuschütteln:

Händler und Stacker fragen sich gleichermaßen, ob die seit dem 22. April andauernde Konsolidierung beendet ist. Der bullische Ausblick für Gold ist zwar unbestritten, doch der technische Chart liefert kein klares Bild.

Zwar hat die Unterstützung beim 55-Tage-Durchschnitt gehalten, doch ließe sich argumentieren, dass mehr Zeit für den Aufholprozess des 12-Monats-Durchschnitts eine bessere Plattform für einen Anstieg des Goldpreises in Richtung 4.000 US-Dollar schaffen würde. Aber spielt das bei dem niedrigen Open Interest von Gold an der Comex wirklich eine Rolle?
Wahrscheinlich nicht, zumal sich in dieser Woche eine Krise an den Staatsanleihemärkten entwickelt hat, in der die Renditen langlaufender JGBs stark steigen:

Sie ist wichtig wegen des Signals, das sie über die Zukunft des zweitgrößten Schuldenmarkts der Welt und dessen kurzfristige Zinsen sendet, und auch weil der Yen-Carry-Trade eine wesentliche Rolle bei der Finanzierung der US-Staatsschulden spielt. Eine Ansteckung der US-Staatsanleihen ist nahezu sicher.
Hinzu kommt, dass das US-Repräsentantenhaus in dieser Woche Trumps „großes, schönes Ausgabengesetz“ verabschiedet hat, das Schulden in Billionenhöhe hinzufügt. Diese müssen finanziert werden, wobei ausländische Investoren die marginalen Käufer sind. Mit seiner Zollpolitik hat Trump diese Gruppe mit hoher Wahrscheinlichkeit verprellt, was die Finanzierung erschwert. Und bislang ist der Marktkonsens zum Konjunkturausblick wohl zu optimistisch: Eine Rezession ist nahezu sicher und würde die Schätzungen zum Haushaltsdefizit völlig sprengen. Für die Dollar-Zinsen bedeutet das, dass sie eher steigen als fallen könnten.
Der Chart der langlaufenden Anleihen scheint diese Gefahr zu bestätigen:

Es braucht nur sehr wenig, um die Rendite der langlaufenden Anleihen auf ein 20-Jahres-Hoch von über 5,2 % zu treiben, und eine JGB-Krise hilft dabei nicht.
Am Montag ist in den USA Memorial Day, daher bleiben die Märkte dort geschlossen, was den Handel ausdünnt und weniger berechenbar macht. Wird dies für die japanische und die US-Regierung eine Gelegenheit sein, sich zu einer Stützungsaktion am Anleihemarkt abzustimmen? Es wäre falsch, dies auszuschließen. Doch mit Blick auf die kommende Woche zeigt uns der nächste Chart die Folgen der Entfremdung ausländischer Anleger vom US-Schuldenmarkt:

Vor dem 2. April, als Trump seine neuen Zölle verkündete, korrelierte der handelsgewichtete US-Dollar-Index wie zu erwarten gut mit der Rendite 10-jähriger US-Staatsanleihen. Dieses Datum ist durch die gestrichelte Linie markiert. Danach brach die Korrelation zusammen: Der Dollar fiel stark, und die Rendite der Staatsanleihen stieg stark an. Einen deutlicheren Hinweis auf den Vertrauensverlust ausländischer Anleger in den Dollar und in US-Schulden gab es bisher nicht.
Wir haben die Aussichten für höhere Anleiherenditen betrachtet und kommen zu dem Schluss, dass sie trotz möglicher staatlicher Eingriffe in der kommenden Woche, während die USA Feiertag haben, weiter steigen werden. Die blaue Linie im obigen Chart steuert nahezu sicher auf über 5 % zu. Nun betrachten wir den Chart des handelsgewichteten Index:

Autsch! Dieser steuert deutlich nach unten. Die Anleihekrise ist also zugleich eine Dollarkrise, die sich voraussichtlich in den nächsten Wochen entfalten wird. Damit ist die zu Beginn dieses Artikels gestellte Frage beantwortet, ob Gold vor einem weiteren Anstieg noch länger konsolidiert. Abgesehen von Manipulationen rund um den Verfall der Comex-Kontrakte in der kommenden Woche ist kaum ein Grund erkennbar, warum Gold nicht eher früher als später deutlich höher steigen sollte.