
Gold und Silber zeigten sich in dieser Woche haussierend: Gold stieg kräftig, Silber festigte seine früheren Gewinne. Heute Morgen im europäischen Handel lag Gold bei 1.905 $, also 40 $ über dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag. Im gleichen Zeitraum blieb Silber unverändert und notierte bei 23,78 $. Die Handelsvolumina an der Comex waren bei beiden Metallen solide.
Seit Anfang November ist Gold um 280 $ gestiegen, was technische Analysten dazu veranlasst, eine Korrektur zu erwarten. Doch zwei Dinge stehen dem entgegen: Das Open Interest an der Comex ist zwar stark gestiegen, liegt mit 488.147 Kontrakten aber weiterhin im leicht überverkauften Bereich, was darauf hindeutet, dass Gold ohne Weiteres noch weiter steigen könnte. Die Entwicklung des Open Interest sehen wir uns als Nächstes an.

Nach diesem Maßstab ist Gold erst dann wirklich überkauft, wenn das Open Interest um mindestens weitere 100.000 Kontrakte in Richtung der Marke von 600.000 steigt. Zugleich steht hinter dem Preis ein sehr gutes Momentum, wie mein Tweet vom vergangenen Mittwoch aufgezeigt hat.

Die andere Seite des Goldhandels ist der handelsgewichtete Index des Dollars. Diesen sehen wir uns als Nächstes an.

Der handelsgewichtete Dollar-Index befindet sich im freien Fall, was technische Analysten erneut dazu veranlasst, eine Gegenbewegung nach oben zu erwarten. Das Problem dabei ist jedoch, dass die Anleihemärkte davon ausgehen, dass die EZB und die Bank of Japan die Zinsen weiter anheben, während ein Ende der Erhöhungen beim Leitzins der Fed in Sicht ist. Dies gilt insbesondere für Japan, wo die Renditeobergrenze der BoJ von 0,5 % für zehnjährige japanische Staatsanleihen in Frage gestellt und durchbrochen wurde.
Es besteht kaum ein Zweifel, dass die BoJ ihr Renditeziel anheben muss. Im Dezember lag die Verbraucherpreisinflation bei 4 % und damit über der prognostizierten Rate von 3,8 % sowie doppelt so hoch wie das Zielband von 2 %. Das ist für den Dollar von Bedeutung, denn Japan ist ein größerer Kapitalexporteur als die EU, und seine Institutionen sind zu Verkäufern ausländischer Märkte geworden. Darüber hinaus steht die Auflösung des Carry Trades, bei dem Yen verkauft und Dollar gekauft wurden, um Zinsdifferenzen auszunutzen, noch teilweise aus, und die kräftige Erholung des Yen könnte für den Dollar zu einem Absturz werden.
Auf höchster Ebene scheinen diese Kräfte verstanden zu werden. Im Dezember meldete China einen Zuwachs seiner offiziellen Reserven um 30 Tonnen. Mark Bristow, der hoch angesehene und gut informierte Chef von Barrick Resources, erklärte jedoch, nach seinen Informationen habe China im Dezember tatsächlich Edelmetall „im höheren 200-Tonnen-Bereich“ erworben. Dass die nach Fördermenge größte Goldbergbaunation in den internationalen Märkten US-Dollar verkauft, um zusätzliches Edelmetall zu erwerben, sagt uns sicherlich, dass etwas im Gange ist.
Es besteht kaum ein Zweifel, dass Saudi-Arabiens Schritt, den Petroyuan zulasten des Petrodollars zu akzeptieren, erhebliche Auswirkungen darauf haben wird, wie nicht nur die Ölproduzenten, sondern sämtliche asiatischen Länder den Dollar betrachten. Unterdessen sind nordamerikanische Kommentatoren sich der Folgen dieser Entwicklungen weitgehend nicht bewusst und halten an der Überzeugung fest, es gebe nur eine Reservewährung, die Ausländer weiterhin anhäufen müssten. Folglich unterschätzen sie die Kräfte, die den Dollar nach unten und Gold nach oben treiben.
Auch wenn eine Pause im Goldanstieg wahrscheinlich erscheint, könnte es gefährlich sein, auf einen Rücksetzer zu spekulieren.
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