Gold im Fixing

Vergangene Woche verhängte die britische Finanzaufsichtsbehörde Financial Conduct Authority eine Geldstrafe gegen Barclays, weil die Bank den Goldpreis bei einem Gold-Fixing manipuliert hatte, zum Nachteil eines Kunden und zugunsten des eigenen Handelsbuchs der Bank. Diese Nachricht könnte für den Londoner Edelmetallmarkt und die London Gold Market Fixing Limited, das für das zweimal tägliche Fixing unmittelbar verantwortliche Unternehmen, kaum zu einem ungünstigeren Zeitpunkt kommen. Sie könnte durchaus das Ende des Gold-Fixings bedeuten, nachdem das Silber-Fixing bereits im August eingestellt wurde.

Beim Fixing gleichen die vier Fixing-Mitglieder ihre Aufträge zu einem vereinbarten Preis ab. Der Londoner Edelmetallmarkt ist ein außerbörslicher Markt (OTC) ohne die formalen Preisaufzeichnungen eines regulierten Marktes. Das Fixing ist daher ein notwendiger Referenzpreis, und sein Status sowie die daraus folgende Liquidität waren für Londons Stellung als weltweit wichtigster Handelsplatz für Edelmetalle von zentraler Bedeutung.

Das Fixing wirft zwei Probleme auf. Erstens verzerrt es potenziell den Markt, indem es Geschäfte vor dem Fixing verzögert und Geschäfte nach dem Fixing vorzieht. Zweitens müssen die Kunden den Fixing-Banken vertrauen, die zugleich auch für eigene Rechnung in das Fixing hinein handeln. Genau darüber ist Barclays gestolpert.

Außerhalb des Fixings sollte für Kunden einigermaßen klar erkennbar sein, ob eine Bank als Eigenhändler oder als Vermittler tätig ist. Während des Fixings können die Rollen undurchsichtig werden, und skrupellose Händler können Wege finden, das System zu manipulieren. Die Behauptung, der Fall Barclays sei ein Einzelfall gewesen, mag zutreffen, doch Hinweise darauf, dass die FCA ihn als einmaligen Vorfall behandelt und keine anderen Banken untersucht, könnten dem Ruf des Marktes letztlich schaden. Hinzu kommen die davon getrennt zu betrachtenden Umstände des Rückzugs der Deutschen Bank aus ihren Fixing-Sitzen sowohl für Gold als auch für Silber.

Im vergangenen Dezember wurde die Deutsche Bank von der deutschen Finanzaufsicht BaFin angewiesen, im Zusammenhang mit deren Untersuchung der Gold- und Silberpreisfestsetzung Unterlagen herauszugeben. Vier Wochen später gab die Bank bekannt, ihre Sitze bei den Gold- und Silber-Fixings aufzugeben. Zwar ist es verfrüht, den Rückzug eindeutig mit der Untersuchung der BaFin in Verbindung zu bringen, doch wirft das zeitliche Zusammentreffen die Möglichkeit auf, dass Banken, die sich wegen des Vorwurfs der LIBOR-Manipulation mit Aufsichtsbehörden verglichen haben, sich auch bei Edelmetallen verantworten müssen. Interessanterweise gibt es keine Käufer für die Sitze der Deutschen Bank, was darauf hindeutet, dass auch die Rechts- und Compliance-Verantwortlichen anderer Edelmetallbanken Zweifel am Fixing-Verfahren haben.

Um dieses Thema weiter einzuordnen, sei darauf hingewiesen, dass London in der Vergangenheit einige ungewöhnliche Preisbewegungen erlebt hat. Die nachstehende Tabelle zeigt die Gewinne, die entstanden wären, wenn man über die elf Jahre von 2000 bis 2010 hinweg täglich eine Unze Gold beim morgendlichen Fixing leerverkauft und beim nachmittäglichen Fixing zurückgekauft hätte. Dieser Zeitraum deckt den Großteil der größten Hausse in der Geschichte der LBMA ab.

Verkauf von 1 Unze Gold beim Vormittags-Fixing in US-Dollar und Rückkauf beim Nachmittags-Fixing

Dieses Phänomen wurde vor einigen Jahren von einem amerikanischen Analysten, Adrian Douglas, erstmals öffentlich bekannt gemacht. In jedem Jahr wäre dieses Short-Geschäft profitabel gewesen, obwohl der Goldpreis von 282,05 US-Dollar auf 1.405,50 US-Dollar im Dezember 2010 gestiegen ist, ein Anstieg um 400 %. Dieses außergewöhnliche Preisverhalten beschränkte sich auf die Londoner Handelszeiten.

Die nackten Zahlen zeigen uns also, dass sich Gold in den Londoner Handelszeiten seit geraumer Zeit ungewöhnlich verhält. Die LBMA ist kein regulierter Markt, Derivate und Aktien, die auf Edelmetallen basieren, jedoch schon, weshalb die Aufsichtsbehörden die Pflicht haben, sich dafür zu interessieren. Die FCA sollte ihre Untersuchungen entsprechend ausweiten, doch ob sie es tut oder nicht: Es ist schwer vorstellbar, wie das zweimal tägliche Gold-Fixing fortbestehen kann.

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