
Gold und Silber sind diese Woche aufgrund einer plötzlich gestiegenen Nachfrage sprunghaft angestiegen. Im europäischen Handel notierte Gold heute Morgen bei 2.167 US-Dollar, ein neuer Rekord und 85 US-Dollar mehr als zum Schlusskurs vom vergangenen Freitag, während Silber mit 24,49 US-Dollar um 1,18 US-Dollar zulegte. Die Comex-Handelsvolumina waren in beiden Kontrakten hoch, doch der erstaunliche Anstieg zeigte sich beim Open Interest von Gold, das seit dem 20. Februar um 100.000 Kontrakte gestiegen ist:

Auch die Comex-Lieferungen sind stark gestiegen. In den bisherigen vier Tagen dieser Woche wurden 1.056 Gold-Kontrakte zur Lieferung angedient, sodass sich die Gesamtzahl in diesem Jahr auf 28.159 Kontrakte (87,58 Tonnen) beläuft. Noch bemerkenswerter ist jedoch der Anstieg bei den Silber-Kontrakten: Bisher 1.628 in dieser Woche, entsprechend 8.140.000 Unzen oder 253 Tonnen. Die Gesamtmenge im laufenden Jahr beträgt bislang 1.122 Tonnen.
Zugegeben, es bräuchte Flotten von Geldtransportern im Dauerbetrieb rund um die Uhr, um diese Mengen zu bewältigen, wenn das zur Lieferung angedienten Edelmetall tatsächlich aus den Tresoren ausgeliefert würde. Stattdessen handelt es sich um einen Eigentümerwechsel und nicht um tatsächliche Lieferungen, doch es ist ein Hinweis auf die Belastung der Liquidität der Edelmetallbanken, die erheblich unter Druck stehen muss, nicht nur an der Comex, sondern auch in London.
Das Edelmetall-Establishment an den westlichen Kapitalmärkten wurde auf dem falschen Fuß erwischt. Der Druck ist global, weshalb die Wirkung dramatisch ausfiel, als die Charts, wie jetzt, „Kaufen Sie Gold“ signalisierten. Nach einer 43-monatigen Konsolidierung musste der Ausbruch auf neue Höchststände ein bedeutendes Ereignis sein. Der nächste Chart zeigt die technische Lage.

Stärker kann ein Signal kaum sein; es könnte einen Anstieg um mehrere hundert Dollar tragen. Und Elliott-Wellen-Techniker werden angesichts des Aufwärtspotenzials geradezu schwärmen.
Begrenztes Silberangebot
Bei einem Preisverhältnis von 88 Unzen Silber zu einer Unze Gold erscheint Silber besonders überverkauft. Die industrielle Nachfrage ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen und zehrt an den als Geldanlage gehaltenen Beständen. Der Rückgang der in den LMBA-Tresoren eingelagerten Bestände seit 2022 verdeutlicht die Verschlechterung des Liquiditätspools.

Und nun scheint es einen Ansturm auf Comex-Lieferungen zu geben.
Worum geht es also? Langjährige Leser dieser Kolumne wissen, dass es weniger darum geht, dass Gold steigt, sondern vielmehr darum, dass Währungen fallen – ein Muster, das sich mit der Aussetzung des Bretton-Woods-Abkommens im Jahr 1971 etabliert hat. Nun scheint der Dollar zu schwächeln, wie die folgenden Charts zeigen. Der erste Chart zeigt den Dollar-Index, der zweite die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen.

Der TWI zeigt, dass sich das Blatt gegenüber anderen Währungen gegen den Dollar gewendet hat, und die sinkende Rendite der Staatsanleihen signalisiert, dass die Märkte einen größeren Schwerpunkt auf die Finanzierung des Haushaltsdefizits des US-Finanzministeriums erwarten als auf die Inflationsbekämpfung. Keynesianisch geschulte Händler glauben, dass niedrigere Anleiherenditen gut für Gold sind, und sie waren untergewichtet oder sogar vollständig short in ihrem ungeliebten „Pet Rock“. Der nächste Chart zeigt die Positionierung der Comex-Swaps (auch bekannt als Edelmetallbank-Händler) am 27. Februar, angepasst an den heutigen Goldpreis.

Es war ihnen unmöglich, ihre Short-Positionen auf das Niveau vor 2018 zurückzuführen, da die Minengesellschaften ihre künftige Produktion nicht mehr absichern. Seit dem letzten Commitment-of-Traders-Bericht ist das Open Interest um knapp 100.000 Kontrakte gestiegen, wobei der Großteil der Short-Last auf ihren Schultern liegt.
Das führt uns zum Systemrisiko. Die Möglichkeit eines Zusammenbruchs einer Edelmetallbank sollte nicht leichtfertig abgetan werden, wenn der Goldpreis weiter steil steigt. Anders als beim letzten echten Squeeze Ende 2000 sichern die Minengesellschaften ihre Produktion diesmal nicht ab, und der Druck lastet vollständig auf den Short-Positionen des Finanz-Establishments.
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