
In dieser Woche gingen Gold und Silber getrennte Wege: Gold stieg, Silber fiel. Im europäischen Handel notierte Gold heute Morgen bei 1.985 US-Dollar, 4 US-Dollar über dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag, während Silber bei 22,81 lag, 21 Cent niedriger. Gold legt leicht zu, während Silber leicht nachgibt.
Tatsächlich spielt sich die gesamte Aktivität bei Gold ab: Das Open Interest an der Comex steigt weiter, wie unsere nächste Grafik zeigt, während es bei Silber nach wie vor gedämpft ist.

In diesem Monat hat diese Beziehung das Gold-Silber-Verhältnis nach oben getrieben; es liegt derzeit bei 87. Es ist jedoch nicht so, dass die Hedgefonds aggressiv Goldkontrakte gekauft hätten. Zwar sind die Zahlen des Commitment-of-Traders-Berichts vom 17. Oktober in diesen Märkten bereits veraltet (die Aktualisierung für den 24. Oktober wird heute Abend erwartet), doch sie zeigten, dass die Kategorie „Managed Money“ nur 15.103 Kontrakte netto long war. Die nächste Grafik zeigt die Positionierung im Verhältnis zum Goldpreis.

Die sich vergrößernde Lücke zwischen dem Preis und den Netto-Long-Positionen ist positiv zu werten. Sie bedeutet, dass sich der Goldpreis gut gehalten hat, obwohl die Hedgefonds nicht kaufen. Da das Open Interest seit den COT-Zahlen um weniger als 30.000 Kontrakte gestiegen ist, dürften die Hedgefonds heute kaum mehr als 35.000 bis 40.000 Kontrakte netto long sein, gegenüber einer neutralen Position von über 100.000 Kontrakten. Mit anderen Worten: Nach einem Anstieg um 175 US-Dollar allein in diesem Monat wirkt Gold weiterhin überverkauft.
Eine leichte Einschränkung besteht darin, dass in den nächsten Tagen der Kontraktverfall zum Monatsende ansteht. Dabei könnten die Swap-Händler und Market Maker versuchen, die Preise gezielt zu drücken, damit möglichst viele Call-Optionen wertlos verfallen.
Für diese Verhaltensänderung gibt es zwei Gründe: die Geopolitik und ein wachsendes Bewusstsein für den desolaten Zustand der Finanzen der US-Regierung. Die Lage zwischen Israel und der Hamas ist am dringlichsten. Gestern griffen amerikanische Kampfflugzeuge Stellungen mit Verbindung zur Hamas in Syrien an. Zugleich hat Präsident Putin hochrangige Vertreter der Hamas und des Iran zu Gesprächen nach Moskau eingeladen, wahrscheinlich zum Ärger Amerikas.
Da das westliche Bündnis Israel uneingeschränkt unterstützt und Russland seine muslimischen Interessen im Blick hat, droht sich der Konflikt im Gazastreifen auszuweiten. Für Goldhändler scheint es, dass wir uns am Beginn einer sich verschlechternden Lage befinden. Die Befürchtung muss sein, dass das westliche Bündnis die Grenzen so weit wie möglich ausreizt, um die Israelis zu schützen. Das übergeordnete Ziel ist, den asiatischen Hegemonialmächten im Streit um den Einfluss im Nahen Osten kein weiteres Terrain zu überlassen. Die Saudis sind dabei von zentraler Bedeutung: Sie ordnen sich den USA nicht mehr unter und arbeiten mit Russland und dem Iran zusammen, um die Ölpreise zu steuern.
Das ist die neue Realität. Sollten die USA den Iran angreifen, wird der Iran wahrscheinlich mit einer Schließung der Straße von Hormus reagieren und die Ölpreise erheblich in die Höhe treiben. Und anders als in der Vergangenheit wird sich die arabische Welt unter Führung der Saudis wahrscheinlich hinter den Iran stellen.
Ein letztes Wort zu den sich verschlechternden Finanzen der USA: Gold steigt derzeit zusammen mit den Renditen von US-Staatsanleihen. Das deutet darauf hin, dass der Dollar durch die „Bidenomics“ destabilisiert wird und dass der US-Regierung in Bezug auf ihre Finanzen eine Schuldenfalle zuschnappt.