
Gold und Silber setzten ihren spektakulären Lauf fort: Gold testete heute Morgen im europäischen Handel die Marke von 2.400 US-Dollar, 70 US-Dollar über dem Schlusskurs vom vergangenen Freitag, Silber stieg auf 29,15 US-Dollar, ein Plus von 1,70 US-Dollar auf Wochensicht. Das Handelsvolumen bei Silber-Futures an der Comex war hoch, ging gestern bei stark steigendem Preis jedoch deutlich zurück. Dies zeigt, dass der Verkaufsdruck an der Comex nachlässt, was möglicherweise darauf hindeutet, dass sich die Preisstärke fortsetzen wird. Bei Gold waren die Volumina bemerkenswert niedrig, was darauf hindeutet, dass die steigenden Preise nicht auf eine zunehmende spekulative Aktivität zurückzuführen sind. Beides wird im Folgenden dargestellt.

Bis gestern, als das vorläufige Open Interest im Gold-Kontrakt um 18.000 Kontrakte sprang, war es bemerkenswert niedrig. Von 540.654 Kontrakten am 13. März, als der Preis 2.174 US-Dollar betrug, sank das Open Interest bis Donnerstag auf 505.601 Kontrakte bei einem Preis von 2.333 US-Dollar, was die aktuelle Bear-Squeeze-Situation bestätigt. Der gestrige Anstieg des Open Interest um 18.000 Kontrakte deutet darauf hin, dass spekulative Käufe zurückgekehrt sind, vermutlich getrieben von der Angst einiger Hedgefonds, eine Rally zu verpassen.
Für die Edelmetallbanken in der Kategorie Swaps könnte dies zu keinem ungünstigeren Zeitpunkt kommen. Die nächste Grafik zeigt, wie sich ihre Positionsverluste beschleunigt haben. Sie basiert auf den letzten COT-Zahlen (vom 2. April, die heute Abend aktualisiert werden sollen), angepasst an den heutigen Morgenpreis:

Die Brutto- und Netto-Short-Positionen nähern sich den Niveaus, die zuletzt im März 2022 verzeichnet wurden, als Spekulation Gold zum Test des damaligen Rekordhochs von 2.070 US-Dollar trieb und das Open Interest bei 638.502 Kontrakten lag. Das erhöhte Spekulationsniveau ermöglichte es den Edelmetallbanken, den Preis anschließend auf 1.615 US-Dollar zu drücken und ihre Nettoverbindlichkeiten auf unter 10 Mrd. US-Dollar zu senken.
Können sie das noch einmal schaffen?
Dies erscheint ohne erhöhte spekulative Positionen unwahrscheinlich, zumal sich das Kreditumfeld erheblich verschlechtert hat. Es wird zunehmend deutlich, dass angesichts der zurückkehrenden Inflation Zinssenkungen der Fed ausgesetzt sind und die Zinsen möglicherweise sogar steigen müssen. Zudem verliefen die Auktionen von 10- und 30-jährigen US-Staatsanleihen schlecht beziehungsweise schwach, was die Befürchtungen einer möglichen Schuldenkrise der US-Regierung bestätigt. Die vielleicht besorgniserregendste Entwicklung zeichnet sich jedoch in Japan ab, was erklären könnte, warum der Preis offenbar von den asiatischen Märkten getrieben wird.
Die nächsten beiden Grafiken zeigen den Yen/Dollar-Kurs und die Rendite der 10-jährigen JGB.

Der Yen hat die Unterstützung bei 151 JPY durchbrochen, wo die Bank of Japan eine klare Grenze gezogen hatte, und die JGB-Renditen steigen wieder. Diese Faktoren könnten das gesamte japanische Bankensystem zum Einsturz bringen.
Die Bank of Japan besitzt volle 60 % der ausstehenden JGBs, die sie in den letzten 24 Jahren erworben hat. Sie hat die Auswirkungen auf ihre eigene Bilanz verringert, indem sie die Zinsen unter null gedrückt und erst kürzlich wieder auf null angehoben hat. Die Märkte signalisieren nun, dass der Yen kollabieren wird, sofern die BOJ die Zinsen nicht deutlich anhebt. Dies wird zum Problem, weil die Hoffnungen schwinden, dass die Fed ihren Leitzins senkt. Der Carry Trade, bei dem Banken Yen schaffen, um ihn zu verkaufen und Dollar sowie T-Bills bei einem wachsenden Zinsdifferenzial zu kaufen, wird zwangsläufig zunehmen.
Hinzu kommt, dass die japanischen Geschäftsbanken zu den am höchsten verschuldeten gehören und mit ziemlicher Sicherheit vor einer Krise stehen werden, wenn sich die Aussichten für den Yen und die Yen-Zinsen verschlechtern. Dies ist vor allem für Händler in Fernost sichtbar, die Gold offenbar nach oben treiben, während wir im Westen uns fragen, was um alles in der Welt vor sich geht.