Dieser Artikel ist ein Weckruf für jene, die den eigentlichen Zweck der Geldinflation nicht verstehen und nicht erkennen, dass sie die Leidtragenden einer Geldpolitik sind, die sie um ihr Vermögen bringt. Angesichts einer sich vertiefenden weltweiten Rezession wird sich die Geldinflation erneut beschleunigen. Es ist an der Zeit, dass sich jeder der Folgen bewusst wird.
Einleitung
Das ganze Jahr über habe ich in einer Reihe von Goldmoney-Insight-Artikeln davor gewarnt, dass die Wende im Kreditzyklus und der Aufstieg des amerikanischen Protektionismus genau jene Kombination darstellen, die zum Börsencrash an der Wall Street von 1929 bis 1932 und zur Depression führte, die ihn begleitete und auf ihn folgte. Wer sich an Statistiken orientiert, sieht nun die bedrückenden Belege dafür, dass sich die Geschichte reimt, auch wenn die Zusammenhänge noch nicht erkannt werden. Verständlicherweise ist die eigene Erfahrung für sie relevanter als die empirische Evidenz in Geschichtsbüchern.
Sie hätten einen enormen Nutzen davon, die zerstörerische Wirkung des Smoot-Hawley-Zollgesetzes im Zusammenspiel mit dem Ende der Kreditexpansion der 1920er Jahre zu studieren. Die verheerende Wechselwirkung der beiden hat die amerikanische und die globale Wirtschaft gelähmt. Und während wir in eine erneute wirtschaftliche Erstarrung abgleiten, sagt uns die Erfahrung der Gegenwart, dass die Fed und alle anderen Zentralbanken ihre Anstrengungen zur Wiederbelebung des Wirtschaftswachstums koordinieren werden: Sie senken die Zinsen und beschleunigen zugleich die Ausweitung von Geld und Kredit. Die heutige Generation von Anlegern argumentiert, diese Politik habe in der Vergangenheit stets funktioniert (zumindest in der Vergangenheit, die sie selbst erlebt haben), sodass sich die Bewertungsgrundlage für Finanzwerte und Immobilien stabilisieren und verbessern müsse.
Diese kurze Zusammenfassung des aktuellen Denkens an den Finanzmärkten übersieht, dass sich bereits eine katastrophale Mischung aus Zöllen und Kreditzyklus in der Wirtschaft zusammenbraut. Einbrechende Renditen von Staatsanleihen, die eine Flucht in relative Sicherheit widerspiegeln, sind erst der Anfang. Wenn der Vergleich mit 1929–32 zutrifft, haben wir heute zusätzlich das Problem übermäßiger Staatsverschuldung, verbunden mit hoher Verbraucherverschuldung, sowie außerbörsliche Derivate im Umfang von Hunderten von Billionen, die das Systemrisiko erhöhen. Das Bankensystem brach in den 1930er Jahren beinahe zusammen, als die Banken verzweifelt Sicherheiten in fallende Märkte abstießen. Diesmal beschränkt sich die Verschuldung nicht auf die Industrie; eine Schuldenkontraktion träfe die Verbraucher unmittelbar und würde zudem eine Kette von Ausfällen bei OTC-Derivaten auslösen.
Offensichtlich darf dies nicht geschehen. Alles, was nötig ist, um eine Schuldendeflationsspirale zu verhindern, ist de facto offizielle Politik. Die einzige Lösung, die den Zentralbankern bleibt, besteht darin, die Wirtschaft mit einer Flut zinsloser Gelder zu überschwemmen, zusätzlich zur Geldmengenausweitung, die seit der Lehman-Krise anhält.
Da sich die Mischung aus Zöllen und Kreditzyklus in der Wirtschaft zusammenbraut, wird die Antwort eine unbegrenzte Geldinflation sein. Irgendwann werden die Finanzmärkte die Folgen erkennen. Das könnte plötzlich und relativ bald geschehen. Das nachstehende Diagramm des Euro-Dollar-Wechselkurses warnt uns, dass die beiden wichtigsten Papierwährungen vor einer plötzlichen Veränderung ihres Verhältnisses stehen, die voraussichtlich weitreichende Folgen haben wird.

Seit zehn Monaten fällt der Euro innerhalb einer Dreiecksformation. Sie ähnelt einem fallenden Keil, aus dem sich eine deutliche Aufwärtsbewegung des Euro entwickeln könnte. Fallende Keile dauern jedoch üblicherweise nicht länger als einige Monate, und dieser ist fast ein Jahr alt. Es könnte auch ein absteigendes Dreieck sein, doch ein Puristen-Auge würde einwenden, die Formation müsse horizontaler verlaufen. Das wäre für den Euro deutlich negativ, was angesichts der politischen, wirtschaftlichen und systemischen Probleme der Eurozone leicht vorstellbar ist. Die Zeit wird zeigen, welche Deutung zutrifft, doch in jedem Fall scheint beim Ausbruch aus der Formation eine baldige Währungsvolatilität bevorzustehen. Bei einer solchen Warnung müssen wir mit Folgen rechnen.
Dies könnte ein wichtiger Hinweis auf den Zeitpunkt sein: Wir werden sehen. Neben der Bewertung der unmittelbaren Auswirkungen auf Finanzwerte weltweit müssen wir auch die Folgen der bevorstehenden Zunahme der Geldinflation betrachten. Es ist ein Thema, über das weit verbreitete Unkenntnis herrscht, nicht nur auf der Straße, sondern auch in den höchsten Kreisen der Finanzwelt.
Keynes beschrieb das Ausmaß dieser Unkenntnis treffend in seinem Werk Die wirtschaftlichen Folgen des Friedens, das heute vor hundert Jahren erschien, mit dem folgenden Zitat:
„Es gibt kein feineres, kein sichereres Mittel, die bestehende Grundlage der Gesellschaft umzustürzen, als die Entwertung der Währung. Der Vorgang setzt alle verborgenen Kräfte der Zerstörung in Gang, und zwar in einer Weise, die nicht einer unter einer Million zu erkennen vermag.“
Der jüngere Keynes schien die Folgen der Inflation bereits vier Jahre vor dem Zusammenbruch der deutschen Mark im November 1923 zu verstehen. Der ältere Keynes änderte seine Meinung und sprach sich für die wirtschaftlich wiederbelebende Kraft der Inflation aus. Er wurde zu einem der ahnungslosen Million, von denen er zuvor gesprochen hatte.
Dieser Artikel richtet sich an die Millionen, die wie der ältere Keynes nicht verstehen, was auf sie zukommt. Er richtet sich an jene, die die verborgenen Kräfte wirtschaftlicher Zerstörung nicht erkennen, die von der Beschleunigung der Geldentwertung angetrieben werden und die angesichts der sich entwickelnden Rezession nun entfesselt zu werden scheinen.
Der wahre Zweck der Geldmengenausweitung
Eine Regierung, die das ausschließliche Recht zum Drucken von Geld besitzt, wird es stets als Finanzierungsquelle nutzen. Alle Hyperinflationen gingen auf verschwenderische Regierungen zurück, die über Fiat-Währungen verfügten. Es gab eine Zeit, in der jeder glaubwürdige Ökonom dies wusste. Doch immer wieder entwickelt jemand eine Theorie, die Regierungen dazu ermuntert, die Beschränkungen eines soliden Geldes aufzugeben, und staatlich geförderte Ökonomen dazu bringt, ihre Ansichten zu revidieren.
Der erste moderne Vertreter des Fiatgeldes war Georg Knapp von der Chartalistischen Schule in Deutschland, der 1905 seine Staatliche Theorie des Geldes veröffentlichte. Er bestärkte Bismarck in dem Glauben, er könne den wachsenden Status des neu vereinigten Deutschlands als Militärmacht finanzieren, ohne die Steuern zu erhöhen. Die Folge war der Große Krieg, und die Fortsetzung dieser Geldpolitik führte 1923 zum endgültigen Zusammenbruch der Mark.
Keynes, als gelegentlicher wirtschaftspolitischer Berater der britischen Regierung, trat auf andere Weise Knapps Erbe an. Er propagierte, die Regierung solle früh im Konjunkturzyklus Geld einsetzen, um die Wirtschaft durch ein Haushaltsdefizit anzuregen, das zunächst in einem Umfeld soliden Geldes durch Staatsschulden finanziert würde. Mit anderen Worten: Er warb für den Gedanken, dass der Staat in seinen Finanzen flexibel sein, seine Bücher aber über den Geschäfts- oder Konjunkturzyklus hinweg ausgleichen solle.
Bei der Suche nach einer Lösung für die Weltwirtschaftskrise zeigte Keynes selbst, dass er letztlich zu den Millionen gehörte, die die Inflation nicht vollständig verstanden. Der Fehler in Keynes’ Ansatz bestand in der Annahme, es handle sich um einen Handels- oder Konjunkturzyklus, während es in Wahrheit ein Zyklus war, der von der Ausweitung des Bankkredits getrieben wurde, die er anregen wollte. Die Lösung hätte nicht darin bestanden, die Ausweitung des Bankkredits zu fördern, sondern die Banken von vornherein an dieser Ausweitung zu hindern und den Staatshaushalt jederzeit auszugleichen. Indem Keynes jedoch Regierungen ermutigte, Geld aufzublähen oder stattdessen Bankkredit aufblähen zu lassen, förderte er faktisch eine abgewandelte Fassung von Knapps verhängnisvoller staatlicher Theorie des Geldes.
Das Ergebnis war, dass das Bollwerk des soliden, goldgedeckten Geldes unwiderruflich durchbrochen wurde. Zwischen 1934, als der Dollar gegenüber Gold abgewertet wurde, und 1971, als das Abkommen von Bretton Woods zusammenbrach, wuchs die breite US-Geldmenge (M3) erheblich schneller als ihre Golddeckung und stieg vom Fünffachen auf das 55-Fache. Die Ausgabe ungedeckten Fiatgeldes diente zur Kriegsführung, während die Banken den Kredit ausweiteten, vor allem zur Finanzierung der Geschäftsexpansion im In- und Ausland. Der Zusammenbruch des Abkommens von Bretton Woods spiegelte die Tatsache wider, dass der Dollar damals kaum noch goldgedeckt und nahezu vollständig zu Fiatgeld geworden war. Indem Keynes 1936 seine eigene, begrenzte staatliche Theorie des Geldes entwickelte, hatte er gemeinsam mit seinen inflationistischen Weggefährten den Weg dafür bereitet, die Währungen von ihrem goldenen Anker zu lösen.
Seit 1971 haben die Zentralbanken, angeführt von der Fed, die Goldfrage gelöst, indem sie sie abtaten. Sie übernahmen eine umfassende staatliche Theorie des Geldes und ließen zu, dass sich die umlaufende Geldmenge unbegrenzt ausweitet. Gold konnte bei der Fed nicht mehr gegen Dollar eingetauscht werden, sodass sein Preis nicht länger an den Dollar gebunden war.
Seit dem Ende von Bretton Woods ist die breite US-Geldmenge um weitere das 21-Fache gestiegen, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von 6,6 % entspricht, wobei ein großer Teil des Anstiegs auf die Zeit nach der Lehman-Krise entfällt. Regierungsökonomen keynesianischer Prägung erklären Ihnen, die Wirtschaft lasse sich optimieren, indem man die Geldmenge steuert. Diese Auffassung mag von denen, die Keynes zum Opfer gefallen sind, aufrichtig vertreten worden sein, doch sie übersieht eine einfache Tatsache: In einer Marktwirtschaft ist das in ihr eingesetzte Geld Sache der Wirtschaftsakteure, nicht des Staates.
Welches auch immer Keynes’ ursprüngliches Motiv war: Das Motiv des Staates als Emittent staatlichen Geldes besteht darin, es als Quelle kostenloser Finanzierung zu nutzen. Vor der Lehman-Krise erfolgte die inflationäre Finanzierung überwiegend in Form der Ausweitung des Bankkredits, seit der Lehman-Krise geschieht sie zusätzlich durch die Ausweitung der Basisgeldmenge über den Umweg des Bankkredits. Diese neue Entwicklung war die quantitative Lockerung, die als Notmaßnahme zur Stabilisierung der Wirtschaft gerechtfertigt wurde. Inzwischen wird sie jedoch zu einem gängigen Merkmal der inflationären Staatsfinanzierung.
Die Staatsfinanzierung mit inflationären Mitteln begleitet uns bereits seit langer Zeit. Seit 1971, als das Abkommen von Bretton Woods zusammenbrach, haben die US-Bundeshaushalte netto ein Gesamtdefizit von 13.738 Mrd. US-Dollar aufgehäuft, was sich gut mit der parallelen Ausweitung der breiten Geldmenge um 13.782 Mrd. US-Dollar vergleichen lässt.[i]
Zwar spielt bei der Nähe dieser Zahlen vermutlich auch ein Element des Zufalls eine Rolle, doch sie vermitteln eine klare Botschaft über den wahren Zweck der Geldinflation. Nur sehr wenige Menschen verstehen ihn, aber alle Theorien und Behauptungen über eine nicht inflationäre Finanzierung von Staatsdefiziten sind schlichter Unsinn.
Wir stehen nun vor einer potenziell verheerenden Kombination aus amerikanischem Handelsprotektionismus und einem Kreditzyklus, der Amerika und die Welt in einen schweren Abschwung führt. Die Auswirkungen auf die Staatsfinanzen lassen sich nur erahnen, doch angesichts der eigenen Prognose des Weißen Hauses aus der Zeit vor der Rezession, die für das laufende Haushaltsjahr ein Defizit von 1.092 Mrd. US-Dollar vorsah, ist die Ausgangslage nicht gut. Angesichts des in den vorangegangenen Absätzen aufgezeigten langfristigen Zusammenhangs zwischen Geldinflation und Defizit steht uns eindeutig eine weitere Beschleunigung der Geldinflation bevor.
Schon jetzt besteht die Geldpolitik darin, so viel neues Geld und so viel Kredit in die Wirtschaft zu pumpen, wie nötig ist, um eine Erholung herbeizuführen. Wenn die Wirtschaft abgleitet, werden die Zinsen wieder auf null gesenkt oder sogar negativ gemacht, um die Verbraucher zum Ausgeben, die Investoren zum Investieren und beide zusammen dazu zu bewegen, die Banken über Wasser zu halten. Es wird nicht funktionieren, und warum nicht, ist unser nächstes Thema.
Die schleichende Verarmung der Verbraucher
Was auch immer Regierungsökonomen über die angeblich stimulierende Wirkung von Preisinflation sagen: Wer die Währung entwertet, verringert die Kaufkraft der Gehälter und den Wert der Ersparnisse der Menschen. Und je schneller man die Währung entwertet, desto schneller verarmen die Menschen – unter sonst gleichen Bedingungen.
Dieser Prozess läuft bereits seit geraumer Zeit. Erstmals sichtbar wurde er, als das Bretton-Woods-Abkommen 1971 scheiterte: Die aufgelaufene Geldmengeninflation seit der Neubewertung des Goldes auf 35 US-Dollar im Jahr 1934 bis 1971 schlug sich im folgenden Jahrzehnt in den Preisen nieder. Heute hat der Dollar seit dem Ende von Bretton Woods gemessen in Gold, dem Geld der Menschen, 97 % seiner Kaufkraft verloren.[ii] Während einige Mitglieder der Gesellschaft als Kreditnehmer und als Investoren in fremdfinanzierte Unternehmen wohlhabend geworden sind, führt der normale Arbeitnehmer und Verbraucher einen aussichtslosen Kampf um den Erhalt seines Lebensstandards.
Es sollte daher offensichtlich sein, dass Geldmengeninflation kein allgemeiner Vorteil ist, sondern Gewinner und Verlierer hervorbringt. In der Regel verlieren Sparer und gewinnen Kreditnehmer. Die Armen verlieren, und die Bessergestellten gewinnen, indem sie das System für sich nutzen. Ansonsten gewinnen die Emittenten des neuen Geldes: der Staat über seine Zentralbank sowie die Geschäftsbanken, denen der Staat die Erlaubnis erteilt hat, Geld in Form von Krediten zu schaffen. Die Geschäftsbanken tun dies, indem sie Geld verleihen, das sie nicht besitzen und das zuvor nicht existierte. Dieses Geld fließt in Form neuer Kundeneinlagen in das Bankensystem zurück und gleicht damit seine Schöpfung aus.
Die Schöpfer des neuen Geldes sind die offensichtlichen Gewinner. Auch die bevorzugten Kunden der Banken (traditionell Großunternehmen) profitieren, da sie das ihnen geliehene neue Geld ausgeben können, bevor es in den allgemeinen Umlauf gelangt. Anschließend gelangt das neue Geld in Umlauf und ist von dem bereits zirkulierenden Geld nicht zu unterscheiden. Da in der Volkswirtschaft eine relativ feste Menge an Waren und Dienstleistungen produziert wird, dürfte das Ergebnis klar sein: Die Preise werden steigen. Sie steigen jedoch nicht gleichmäßig; es hängt davon ab, wo und wofür das Geld ausgegeben wird.
Während das neu geschaffene Geld weiter zirkuliert, treibt es die Preise in die Höhe und benachteiligt jene, die es noch nicht erhalten haben. Sie stellen fest, dass die Preise gestiegen sind, ohne dass ihre Löhne gestiegen wären und ohne Ausgleich für ihre entwerteten Ersparnisse. Sie wissen nur, dass die Preise gestiegen sind und dass sie mit dem auskommen müssen, was sie haben, oder sich verschulden müssen. Ihnen ist nicht bewusst, dass ihre unbewusste Annahme, Geld sei bei allen ihren Transaktionen die Konstante, durch die Geldmengeninflation untergraben wurde. Deshalb hat nicht einer unter einer Million auch nur die geringste Ahnung, was mit seinem Geld geschehen ist.
[Für einen Beleg des gesamten Ausmaßes des Inflationsbetrugs genügt ein Blick auf Aktienkurscharts. In der Finanzbranche zieht niemand auch nur in Betracht, dass der Preis einer Finanzanlage durch Veränderungen der Kaufkraft der Währung beeinflusst worden sein könnte, in der er gemessen wird. Man geht automatisch davon aus, dass sich die gesamte Veränderung im Aktienkurs abspielt. Und das sind die Finanzexperten, die die breite Öffentlichkeit beraten!]
Relative Präferenzen sind für Fiatgeld von überragender Bedeutung
Bisher haben wir im Wesentlichen die Quantitätstheorie des Geldes erörtert. Bei einer monetären Inflation wird die Geschwindigkeit, mit der das allgemeine Preisniveau steigt, auch durch die Auswirkungen auf die Ersparnisse beeinflusst. In einem Land wie Japan neigen die Verbraucher dazu, das zusätzliche Geld zu behalten, anstatt es auszugeben, und erhöhen damit ihre Einlagen bei Banken und Postämtern. Die Preise bleiben dadurch bei einer gegebenen Rate der monetären Inflation tendenziell stabiler. Das sich bei den Banken ansammelnde Geld steht für Investitionen in zusätzliche Produktionskapazitäten und in die Produktentwicklung zur Verfügung. Glücklicherweise können produzierende Unternehmen in einer sparorientierten Volkswirtschaft mit starker Währung die meisten Produktionskomponenten aus dem Ausland beziehen und so die Produktionskosten in lokaler Währung im Zaum halten. Auf diese Weise und mit einer generellen Präferenz für das Sparen statt des Ausgebens wird die monetäre Inflation auf der Preisebene gedämpft.
Der Unterschied zwischen dem sparorientierten Wirtschaftsmodell, in dem sich die monetäre Inflation weniger stark auf die Preise auswirkt, und dem konsumorientierten Modell, in dem sie unmittelbar in den Konsum einfließt, spiegelt unterschiedliche Präferenzen für Geld im Verhältnis zu Gütern wider.
Solange die Öffentlichkeit insgesamt eine gewisse Präferenz für Geld behält, und sei es nur ein nominaler Bargeldbetrag, behält die Währung etwas Kaufkraft. Erst wenn die Öffentlichkeit insgesamt beschließt, sich jegliches Geldes zugunsten von Gütern und Dienstleistungen zu entledigen, wird sie wertlos. Letztlich ist es diese relative Präferenz, nicht die umlaufende Menge, die den Wert einer Fiat-Währung bestimmt.
Am Vorabend einer sich vertiefenden Rezession stehen wir nun vor einer Beschleunigung der monetären Inflation, da Regierungen versuchen, klaffende Haushaltsdefizite zu finanzieren, und ihre Zentralbanken bemüht sind, ihre Geschäftsbanken zahlungsfähig zu halten. In den konsumorientierten Volkswirtschaften, die für Preisinflation am anfälligsten sind, wird die Schaffung neuen Geldes die Übertragung von Vermögen von den einfachen Menschen auf ihre Regierungen beschleunigen. Dies geschieht von einem Vermögensniveau aus, das durch die monetäre Inflation über Jahrzehnte bereits stark erschöpft wurde und nicht mehr viel hergeben kann. Wir werden es mit einer Entwertung der Währung im Quadrat zu tun bekommen, bei der jede neue Währungseinheit weniger kauft als die vorherige. Kurz gesagt: Die Dynamiken, die zu einem endgültigen Währungskollaps führen, fügen sich nun zusammen.
Unsere nächste Aufgabe besteht darin, herauszuarbeiten, wie dies in einem modernen Umfeld geschehen könnte, in dem die persönliche Liquidität in Kreditkarten und Konsumentenkrediten statt in Bankguthaben und Bargeld steckt.
Wer wird seine Dollars liquidieren?
Im ursprünglichen Modell einer Volkswirtschaft befanden sich Bankeinlagen im Besitz von Unternehmen und Privatpersonen und spiegelten eine Mischung aus Gewinnen, Liquidität und Ersparnissen wider. Das ist wichtig, denn die Flucht aus den Einlagen wird über das Schicksal der Währung entscheiden. Die größten Gruppen von Einlegern werden diesen Prozess bestimmen.
Früher waren die Verbraucher eine tragende Säule des Einlagengeschäfts; heute halten sie in Amerika nur noch einen sehr geringen Anteil an den Gesamteinlagen. Stattdessen sind sie häufig Kreditnehmer: Kreditkartenschulden sichern ihre persönliche Liquidität anstelle von Geld auf der Bank, und oft steht ihnen gerade so viel Kredit zur Verfügung, dass sie ihre Einkäufe zwischen zwei Zahltagen finanzieren können.[iii] Ihr Einfluss auf die relativen Präferenzen für Geld ist daher nicht mehr so bedeutend wie früher.
Von den insgesamt 12.605 Mrd. US-Dollar an Einlagen, die Ende März bei den durch die FDIC versicherten US-Geschäftsbanken und Sparinstituten verzeichnet waren, [iv] schulden die Banken laut den TIC-Daten des US-Finanzministeriums 4.905 Mrd. US-Dollar ausländischen Einlegern (38,9 % der gesamten FDIC-Einlagen).[v] Den FDIC-Zahlen entnehmen wir außerdem, dass gewerbliche Kreditgeber Einlagen von 4.960 Mrd. US-Dollar (39,3 %) halten. Die übrigen 21,8 % verteilen sich auf Einlagen bei Hypothekengebern, Agrarkreditgebern und sonstigen Kategorien. Auf Konsumentenkreditgeber entfallen nur 1,4 % der Gesamtsumme.
Zwischen diesen Kategorien gibt es mit ziemlicher Sicherheit Überschneidungen. Wir können nur annehmen, dass Banken, die auf das Firmenkundengeschäft und die übrigen FDIC-Kategorien spezialisiert sind, entsprechend ihrer Expertise und ihren Verbindungen Einlagen aus verwandten Quellen anziehen wollen. Vor diesem Hintergrund kann kaum ein Zweifel bestehen, dass die relativen Geldpräferenzen ausländischer und inländischer gewerblicher Einleger die künftige Kaufkraft des Dollars maßgeblich bestimmen werden.
Für Ausländer wird der Ausblick für den Wechselkurs entscheidend sein. Aus den TIC-Daten des Finanzministeriums wissen wir, dass die Abflüsse bereits eingesetzt haben, zeitgleich mit der plötzlichen Verlangsamung des Welthandels.[vi] Und wenn sie, wie in diesem Artikel dargelegt, eine weitere wirtschaftliche Verschlechterung erkennen, werden sie ihre Dollarbestände weiter auflösen, da diese gemessen an ihrem sinkenden Handelsbedarf überschüssig sind. Ihre gesamten Dollarbestände, einschließlich derjenigen ausländischer Regierungen, übersteigen derzeit das BIP der USA: Sie umfassen Anlagen von insgesamt 18.463 Mrd. US-Dollar[vii] zusätzlich zu den oben genannten Bankeinlagen von 4.905 Mrd. US-Dollar.
Daher müssen wir diese Ströme im Auge behalten. Von Unternehmen als Einlegern ist zu erwarten, dass sie langsamer reagieren als Ausländer, da sie sich in erster Linie für buchhalterische Gewinne und weniger für Fragen der Kaufkraft interessieren. Dies würde sich ändern, wenn die Fed Negativzinsen einführte und die Banken diese an die Einleger weitergäben. Daher dürfte eine Dollarschwäche an den Devisenmärkten, mehr noch aber gegenüber Rohstoffen in einer Zeit allgemeiner wirtschaftlicher Rezession, die erste Warnung vor einem bevorstehenden Zusammenbruch der Kaufkraft des Dollars sein.
Das entspricht nicht der gängigen Auffassung: Marktkommentatoren glauben, verschuldete Ausländer benötigten mehr Deckung für ihre auf Dollar lautenden Schulden. Die Fakten aus den TIC-Daten des Finanzministeriums sprechen eine andere Sprache, und kurzfristige Schuldverpflichtungen werden ohnehin routinemäßig mit Derivaten abgesichert.
Eine Flucht aus dem Dollar ist daher weitaus wahrscheinlicher, als allgemein angenommen wird, und dürfte die Versuche der Fed untergraben, die Kontrolle über die Anleihemärkte zu behalten. Im Moment steigen die Anleihekurse, weil die Anzeichen für eine Rezession zunehmen, doch diese Phase wird bald vorübergehen.
Das US-Finanzministerium sieht das Problem voraus
Mit der Zeit wird sich die Aufmerksamkeit zwangsläufig auf die Finanzierungsprobleme richten, die sich aus der sinkenden ausländischen Beteiligung an auf US-Dollar lautenden Märkten ergeben werden. In den TIC-Daten haben wir bereits erste Anzeichen für Dollar-Verkäufe aus dem Ausland gesehen, die die Finanzierung des Haushaltsdefizits gefährden könnten, falls sie anhalten. Seit dem Ende von Bretton Woods (mit der einzigen Ausnahme der Jahre 1998 bis 2001, als es drei Haushaltsüberschüsse in Folge gab) ging man allgemein davon aus, dass Ausländer das Haushaltsdefizit stets zum größten Teil, wenn nicht vollständig finanzieren würden.
Ausländer scheinen ihre Handelsdollars jedoch nicht mehr zu recyceln, wodurch die Last der Finanzierung des US-Finanzministeriums auf inländische Anleger fällt, die zudem die Verkäufe der Ausländer aufnehmen müssen. Das US-Finanzministerium wird dringend Portfoliozuflüsse aus dem Ausland benötigen, um diesen Problemen entgegenzuwirken, doch die Portfoliozuflüsse werden voraussichtlich anderswohin fließen, etwa in den Ausbau der Infrastruktur in Asien.
Das US-Finanzministerium muss sich des Problems ganz offensichtlich sehr bewusst sein. Sofern die aufkeimende Partnerschaft zwischen China und Russland nicht entschieden unterbunden wird, wird globales Portfoliokapital in die Finanzierung ihrer Investitionspläne gesogen werden, zumal sie einen nicht auf dem Dollar basierenden, asienweiten Währungsblock aufbauen. Nachdem das US-Finanzministerium jahrzehntelang von diesem Kapital abhängig war, wird es damit rechnen, dass sich in Amerika rasch eine Finanzierungskrise abzeichnet.
Dies ist nun der ausschlaggebende Grund für Amerikas Haltung im andauernden Finanzkrieg mit China und Russland. China und Russland sind sich dieser Zusammenhänge sehr wohl bewusst und werden nicht klein beigeben. Wir müssen davon ausgehen, dass in den nächsten Jahren nicht nur die handelsbedingten Zuflüsse in den Dollar sich mit der Vertiefung der weltweiten Rezession umkehren, sondern dass China auch sein Möglichstes tun wird, um Amerika von internationalen Portfoliozuflüssen abzuschneiden, um den eigenen Entwicklungsbedarf zu decken.[viii]
Der Fed bleibt dann keine andere Wahl, als einen Großteil des Staatsdefizits selbst durch quantitative Lockerung zu finanzieren. Die Zinsen werden auf null zurückkehren oder sogar in den negativen Bereich gedrückt werden, um die Finanzierungskrise des Staates abzuwenden. Im Vergleich zu dem, was kommt, wird Lehman wie eine Aufwärmübung erscheinen.
Möglicherweise wird es Schritte zur Stützung des Dollars durch Staatsfonds geben, während Währungsswaps zwischen den führenden Zentralbanken zur Stabilisierung der Währungen eingesetzt werden könnten. Vielleicht wird ein neuer Plan mit Sonderziehungsrechten ausgearbeitet. Es mag behauptet werden, dass ein globaler Neustart stattfinde, doch er wird am Ergebnis nichts ändern. In Wirklichkeit heißt es: drucken, drucken, drucken.
Die monetäre Inflation der weltweiten Reservewährung kann nur zunehmen, aufgrund eines wachsenden Haushaltsdefizits und der Notwendigkeit, Banken zu stützen, die andernfalls scheitern würden. Mit einem zweiten Sprung der Inflationsrate der Fiat-Reservewährung und angesichts der Verkäufe von US-Staatsanleihen durch ausländische Verkäufer, die aufzunehmen sind, wird der Dollar an Glaubwürdigkeit verlieren, zuerst im Ausland und dann im Inland.
Die Preise für Waren und Dienstleistungen werden in inländischen Dollar und in jeder anderen an den Dollar gebundenen Fiat-Währung steigen, trotz des Nachfrageeinbruchs infolge einer sich vertiefenden Rezession. Wer noch glaubt, dass jede Preisänderung bei einem Geschäft von der Warenseite ausgeht, wird sich nicht erklären können, wie Preise in einer Flaute steigen können. Die Erklärung lautet, dass die Kaufkraft Ihrer Fiat-Dollar, Euro oder sonstigen Währung schneller sinkt als der Wert der Waren, der durch die Deflation fällt.
Das könnte schnell geschehen, sobald der Abwärtstrend einsetzt. Die Zentralbanken haben Schlupflöcher im Bankensystem geschlossen, sodass Einleger insgesamt gefangen sind. Der Betrag an Bargeld, den sie von ihren Konten abheben können, ist heute begrenzt und wird in realer Rechnung künftig noch weniger wert sein. Der einzige Ausweg für einen Einleger besteht darin, Dinge zu kaufen, irgendetwas. Gold, sogar Bitcoin. Doch wenn eine Flut von Einlegern in dieselbe Richtung strebt, wird der Preis, den ein Verkäufer akzeptiert, sehr schnell steigen, da auch Verkäufer ungern Währung halten möchten.
Wer dies alles begreift, versteht, wie „…der (inflationäre) Prozess alle verborgenen Kräfte auf die Seite der Zerstörung zieht“. In den hundert Jahren, seit Keynes „The Economic Consequences of the Peace“ schrieb, hat sich vieles verändert, doch das menschliche Streben nach Zufriedenheit und Sicherheit sowie der irrige Glaube an die redlichen Motive der Regierung sind im Wesentlichen gleich geblieben. Niemand kommt auf den Gedanken, dass der Staat ihn routinemäßig um den Wert seines Lohns und seiner Ersparnisse bringt, und zwar mit dem einfachen Mittel, Geld aus dem Nichts zu schaffen.
Unwissenheit über monetäre Zusammenhänge und über die verdeckte Inflationierung der Währung ist für ebenso viele Menschen heute ein Rätsel wie damals. Hoffentlich gehören die Leser dieses Artikels künftig nicht mehr dazu.
[i] Zur Geldmenge M3 siehe https://fred.stlouisfed.org/series/MABMM301USM189S Zu den Haushaltssalden siehe https://fred.stlouisfed.org/series/FYFSD
[ii] 42,22 $/1.335 $.
[iii] Verbraucher haben zudem Autokredite, Studienschulden und Hypotheken. Hier betrachten wir ausschließlich die Kassenbestände und die Finanzierung der laufenden Ausgaben.
[iv] https://www.fdic.gov/bank/statistical/stats/2019mar/industry.pdf
[v] Siehe Zeile 2 abzüglich der Zeilen 4 und 5 unter https://ticdata.treasury.gov/Publish/bltype.txt
[vi] Siehe Zeile 29 unter https://home.treasury.gov/news/press-releases/sm690
[vii] https://ticdata.treasury.gov/Publish/slt2d.txt
[viii] In diesem Zusammenhang verweisen chinesische Militärstrategen auf Belege für die Beteiligung Amerikas an der Occupy-Bewegung in Hongkong im Jahr 2014, etwas, das sich heute im Zusammenhang mit den geplanten Auslieferungsgesetzen erneut abspielt. Siehe http://chinascope.org/archives/6458/76
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