Seit August 2014 sind die Bankreserven bei der Fed um 646,6 Mrd. $ gesunken, während die Summe aus Bargeld, Girokonten und Einlagen der Öffentlichkeit um 1.990 Mrd. $ gestiegen ist.

Die Fiat-Geldmengei hat nun die Marke von 15 Billionen $ überschritten und lag am 1. November 2016, dem letzten berechenbaren Datum, bei 15.108 Mrd. $. Damit liegt sie 6,3 Billionen $ bzw. 72 % über der Trendlinie vor der Lehman-Krise. Anstatt eine vorübergehende Lösung zu bleiben, ist die Rettung von Lehman der Auslöser eines Anstiegs der Fiat-Geldmenge gewesen, der auch mehr als acht Jahre später noch anhält.
Nachdem die Fed auf die Finanzkrise reagiert hatte, warnten monetaristische Kommentatoren, die Anhäufung von Bankreserven bei der Fed werde eines Tages in eine Ausweitung der Bankkredite münden, da jeder als Reserve gehaltene Dollar zu mehr als zehn Dollar Bankkredit werden könne. Die Anhäufung dieser Reserven war beispiellos, und die Geldpolitik bewegte sich daher in unbekanntem Terrain.
Der einzige Weg, Bankreserven vom Abfluss aus der Bilanz der Fed abzuhalten, ist eine Erhöhung der Fed Funds Rate (FFR), also des Zinssatzes, den die Fed den Geschäftsbanken auf diese Reserven zahlt. Die ursprüngliche Sorge erweist sich nun als berechtigt, denn die Banken haben in den letzten achtzehn Monaten allmählich Reserven von der Fed abgezogen. Aus diesem Grund hatte die Fed keine andere Wahl, als die FFR im Dezember 2015 und im Dezember 2016 anzuheben, um die Normalisierung der Zinsen einzuleiten. Der Offenmarktausschuss (FOMC) sollte den Abzug von Reserven als wichtigen Indikator für die Zinspolitik beobachten, auch wenn dies in den Erklärungen des FOMC nicht offen eingeräumt wird.
Seit August 2014 sind die Bankreserven bei der Fed um 646,6 Mrd. $ gesunken, während die Summe aus Bargeld, Girokonten und Einlagen der Öffentlichkeit um 1.990 Mrd. $ gestiegen ist. Die bei den Geschäftsbanken verbuchten Beträge sind die Gegenposten zur Ausweitung der Bankkredite und zeigen, dass für jeden von der Fed abgezogenen Dollar etwa drei Dollar zirkulierendes Geld geschaffen wurden.
Das nächste Diagramm zeigt, dass sich die Differenz zwischen M2 und M1 weiterhin über dem Trend beschleunigt. Dies ist ein wichtiger Indikator, da er die Ausweitung der Bankkredite widerspiegelt. Diese wiederum zeigt uns, dass Unternehmen investieren und Verbraucher ausgeben, was die Zunahme der Einlagen bei den Geschäftsbanken bestätigt.
Die Geschäftsbanken scheinen bei der Kreditvergabe zuversichtlicher geworden zu sein. Seit Januar 2016, nach einer fünfzehnmonatigen Phase unterdurchschnittlichen Wachstums, zeigt dieser Indikator deutlich nicht nur einen Anstieg der Bankkredite, sondern auch eine anhaltende Ausweitung der Wirtschaftstätigkeit. Daher können wir sagen, dass die Rezession seit etwa einem Jahr überwunden ist.
Der in diesem Diagramm sichtbare Optimismusschub zeigt uns, dass die Wirtschaft in der nächsten Phase des Zyklus an Kapazitätsgrenzen stoßen wird. Wir wissen nicht, wie lange dies dauern wird, doch in der Praxis versuchen Unternehmen, nahe der Kapazitätsgrenze effizient zu arbeiten und möglichst wenig Lagerbestand vorzuhalten. Moderne Lagerhaltungsverfahren wie das Just-in-time-Management sind Teil dieses Trends, und es dürfte nicht lange dauern, bis Ökonomen vor einer „Überhitzung“ warnen. Sollte der designierte Präsident Trump die von ihm befürworteten wirtschaftspolitischen Maßnahmen umsetzen, werden die Kapazitätsgrenzen ohnehin früher erreicht, und der Fed bleibt keine andere Wahl, als die FFR auf ein Niveau anzuheben, das die Expansion dämpft.
Die Steuerung der Wirtschaftstätigkeit ist freilich stets das eigentliche Ziel der Fed bei der Zinssteuerung gewesen, und sie ist ihr ausnahmslos nie gelungen. Sie kann auch nicht gelingen, solange der Zyklus aus Kreditausweitung und Kreditschrumpfung dem Bankensystem innewohnt.
Wie unser nächstes Diagramm zeigt, sinkt das Trendniveau der Zinsen, bei dem die nächste Finanzkrise wahrscheinlich ausgelöst wird, seit dem Höchststand Ende 1989, der durch die gestrichelte Linie markiert ist. Der Grund für die sinkenden Höchststände liegt offensichtlich in der wachsenden Schuldenlast des privaten Sektors.
In einem normalen Bankkreditzyklus entstehen Schulden, wenn Banker bei der Kreditvergabe zuversichtlich werden, und sie werden vernichtet, nachdem die Banker im Wettbewerb um das Kreditgeschäft übermütig geworden sind und Risikoerwägungen zugunsten von Wettbewerbsvorteilen opfern. Die wechselnden Gefühle von Angst und Gier im Management der Banken treiben den Zyklus von Boom und Krise an.
Seit der Depression der 1930er-Jahre haben Ökonomen dafür plädiert, den Konjunkturzyklus zu glätten, indem die periodischen Einbrüche der Wirtschaftsaktivität verhindert werden, mit der Folge, dass Fehlinvestitionen nie ordnungsgemäß abgebaut werden. Die Wurzel des Problems ist die den Banken gewährte Lizenz, Kredit aus dem Nichts zu schaffen; das Ergebnis ist, dass wirtschaftliche Verzerrungen angehäuft wurden, die sich nur durch große Krisen auflösen lassen. So endete die Nachkriegszeit mit der Inflation der 1970er-Jahre, und nun dürfte auch die Phase sinkender Preisinflation seit den Siebzigerjahren zu Ende gehen.
Befreit von den Zwängen des Präsidentschaftswahlzyklus, wird die Fed mit ziemlicher Sicherheit ihre Optionen prüfen. Aus der letzten Grafik oben geht anhand des Trends sinkender Zinsspitzen klar hervor, dass ein Anstieg der FFR auf nur zwei bis zweieinhalb Prozent die Gefahr birgt, eine neue Finanzkrise auszulösen, die aufgrund der im Zeitverlauf angehäuften Schulden voraussichtlich größer ausfallen würde als die große Finanzkrise vor acht Jahren.
Trumps falsche Morgenröte
Der designierte Präsident Trump erlangte seine Nominierung auf einer Welle der öffentlichen Unzufriedenheit mit dem Establishment und mit dem Versprechen besserer Ergebnisse. Trump scheint die Probleme Amerikas auf eine Mischung aus unfairem Wettbewerb aus China und Mexiko sowie auf US-Unternehmen zurückzuführen, die sich weigern, in die heimische Produktion zu investieren. Normale Menschen finden kaum Arbeit außer als Aushilfskellner und Barkeeper. Das ist eine populäre Botschaft, die jedoch die eigentliche Ursache übersieht: die Übertragung von Vermögen und Verdienstmöglichkeiten von den Ärmsten der Gesellschaft auf die Banken und ihre kreditnehmenden Kunden. Diese Vermögensübertragung ist die Folge der Geldmengeninflation, die, wie wir in der FMQ-Grafik sehen können, seit acht Jahren mit einer Rate deutlich über dem langfristigen Durchschnitt wächst.
Trump hat erklärt, er werde in Amerikas verfallende Infrastruktur investieren, und er beabsichtigt, die Steuern zu senken sowie bei den Staatsausgaben zu sparen. Das Problem bei Kürzungen der Staatsausgaben besteht darin, dass die Sozialkosten zu schnell steigen, als dass Ausgabenkürzungen eine nennenswerte oder dauerhafte Wirkung hätten. Darüber hinaus zeigt unsere Analyse des Kreditzyklus, dass Trumps fiskalischer und infrastruktureller Konjunkturplan zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt mit dem Kreditzyklus kollidieren wird, da dieser sich bereits in seiner Expansionsphase befindet. Die Folge wird sein, dass die Preise, angetrieben durch Kapazitätsengpässe, höher und schneller steigen, als sie es sonst täten.
Ob Trump seine wirtschaftspolitischen Vorschläge umsetzt, bleibt abzuwarten, doch die ersten Anzeichen sind im Hinblick auf die Geldpolitik nicht ermutigend. In der Handelspolitik haben Trump und sein Team ein hohes Maß an ökonomischem Unverständnis gezeigt, das eher noch größer ist als das des diskreditierten scheidenden Establishments. Trump & Co. scheinen sich Smoot-Hawley anzunähern, sodass Obama in Handelsfragen geradezu libertär wirkt. Handelsbeschränkungen werden die Aussichten auf steigende Preise lediglich weiter verschlechtern. Als Geschäftsmann sollte Trump zumindest die Vorteile des freien Handels verstehen, doch er handelt nicht danach.
Der Goldpreis
Unsere letzte Grafik zeigt den Jahresendpreis von Gold in zwei Berechnungen, bereinigt um die Fiat-Geldmenge.

Es erscheint nur fair, dass der um die FMQ bereinigte Goldpreis auch um die Zunahme der oberirdischen Goldbestände bereinigt werden sollte. Dies wird durch die blaue Linie dargestellt. Seit 1934 ist die insgesamt geförderte Goldmenge von geschätzten 49.100 Tonnen auf heute 168.520 Tonnen gestiegenii. Dabei ist jedoch das Wachstum der Weltbevölkerung nicht berücksichtigt, die von knapp über zwei Milliarden auf heute etwa siebeneinhalb Milliarden zugenommen hat. Sowohl die oberirdischen Goldbestände als auch die Weltbevölkerung haben sich ungefähr um das Dreieinhalbfache erhöht; als universelles Geld ist die Goldmenge pro Kopf somit überhaupt nicht gestiegen.
Aus diesem Grund ist es sinnvoller, den Goldpreis nicht um die oberirdischen Bestände zu deflationieren. Die rote Linie in der Grafik, der nur um die FMQ deflationierte Goldpreis von 1934, gibt daher die heutigen Goldwerte in US-Dollar von 1934 zutreffend wieder. Ausgehend vom heutigen Goldpreis von 1.150 US-Dollar liegt er, bereinigt um die FMQ seit 1934, bei 3,36 US-Dollar und damit bei weniger als einem Zehntel der damals festgelegten 35 US-Dollar.
Der historische Tiefstand lag im April 1971 bei 3,13 US-Dollar; bereinigt um die FMQ liegt der Goldpreis somit nur 7 % über seinem Allzeittief. Es gibt selbstverständlich keine Garantie, dass der Goldpreis in den kommenden Monaten nicht weiter fällt, zumal angesichts der sich verschlechternden Zinsaussichten. Der Durchschnitt des FMQ-bereinigten Preises seit 1934 liegt jedoch fast beim Achtfachen des aktuellen Niveaus, weshalb Gold im Verhältnis zu Fiat-Dollar als deutlich unterbewertet angesehen werden muss.
i Die Fiat-Geldmenge ist im Wesentlichen die Summe aus echtem Geld im Sinne der Österreichischen Schule, den bei der Fed gehaltenen Bankreserven und den von der Fed initiierten umgekehrten Repogeschäften. Sie unterscheidet sich von anderen Geldmengenmaßen dadurch, dass sie auch Fiat-Währung einschließt, die nicht im Umlauf, aber verfügbar ist.
iiSiehe das Papier von James Turk und Juan Castañeda zu den oberirdischen Goldbeständen https://wealth.goldmoney.com/https://gm-media-library.s3.eu-west-1.amazonaws.com/theabovegroundgoldstock_95031cfc8c.pdf
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