In einem Radiointerview vor Kurzem* wurde mir eine Frage gestellt, auf die ich nicht ohne Weiteres eine zufriedenstellende Antwort geben konnte: Warum ist es von Bedeutung, wenn der Goldmarkt manipuliert wird?
Es fällt mir nicht schwer, eine umfassende Antwort zu geben, die auf einer soliden aprioristischen Analyse beruht, wie die Manipulation von Märkten die Grundlage der wirtschaftlichen Kalkulation verzerrt und warum ein funktionierender Goldmarkt für alle übrigen Finanzpreise von zentraler Bedeutung ist. Die Schwierigkeit besteht darin, die Frage so zu beantworten, dass die Zuhörer sie verstehen, zumal man mir sagte, ich solle davon ausgehen, dass sie nur sehr wenig von Finanzen oder Volkswirtschaft verstehen.
Ich wollte mich, wie man so sagt, nicht auf dieses Thema einlassen. Doch es obliegt jenen von uns, die die Ökonomie solider Währung vertreten, die Antwort so verständlich wie möglich zu machen, ohne dabei wie ein überzeugter Kapitalist und obendrein wie ein Verschwörungstheoretiker zu klingen. Also dann.
Die Manipulation des Goldpreises destabilisiert letztlich das Finanzsystem, weil Gold die höchste Form des Geldes ist. Deshalb halten fast alle Zentralbanken weiterhin einen Bestand. Dass wir es im täglichen Geschäft nicht als Geld verwenden, ändert nichts an seinem Status. Vielmehr unterliegt Gold dem Gresham'schen Gesetz, wonach bekanntlich schlechtes Geld das gute verdrängt. Wir bezahlen Dinge lieber mit staatlich ausgegebenem Papiergeld und heben das Gold für schlechte Zeiten auf.
Als Geld steht Gold auf der anderen Seite aller Vermögenspreise. Mit anderen Worten: Aktien-, Anleihen- und Immobilienpreise dürften, in Gold gemessen, steigen, wenn der Goldpreis fällt, und umgekehrt. Dieser Zusammenhang wird häufig von anderen Faktoren überlagert, am offensichtlichsten durch das schwankende Vertrauen in die Papierwährungen, in denen Gold üblicherweise bepreist wird. Bei den heutigen Rekordtiefständen der Anleiherenditen und Rekordhöchständen der Aktienkurse ist dieser Zusammenhang jedoch deutlich erkennbar.
Man kann diesen Zusammenhang auch anhand des Risikos beschreiben. Banken, die die Vermögensmärkte dominieren, werden gegenüber Risiken nachlässig, weil sie gewinnhungrig sind. Das führt dazu, dass die Banken miteinander konkurrieren, bis sie Risiken schließlich völlig ignorieren. Sehr deutlich geschah dies bei der amerikanischen Bankenkrise vor sechs Jahren, bis die Immobilienpreise plötzlich einbrachen und das gesamte Finanzsystem mit in die Tiefe zu reißen drohten. Wie bei allen Finanzblasen ignorierte jeder das Risiko. Die Geschichte kennt viele weitere Beispiele.
Gold unterscheidet sich daher von anderen Vermögenswerten: Ein steigender Goldpreis spiegelt eine zunehmende Wahrnehmung allgemeiner finanzieller Risiken wider und sorgt für Abwärtsdruck auf andere Finanzanlagen. Solange die Großbanken also leichtes Geld verdienen, indem sie die Risiken an den Aktien- und Anleihemärkten ignorieren, wollen sie sich ihre Party nicht durch Warnsignale eines steigenden Goldpreises verderben lassen.
Das ist noch lange kein Beweis dafür, dass der Goldmarkt manipuliert wird. Aber die Großbanken, und dazu müssen wir die Zentralbanken zählen, denen daran gelegen ist, das Vertrauen in das Finanzsystem zu erhalten, haben Motiv und Mittel. Und wer beides hat, wird die Gelegenheit voraussichtlich nutzen.
Warum also ist es von Bedeutung, wenn der Goldpreis manipuliert wird? Ein frei gebildeter Goldpreis ist entscheidend dafür, dass die Realität und nicht Finanzblasen unser finanzielles und wirtschaftliches Handeln leiten. Den Goldpreis zu unterdrücken gleicht dem Abschalten eines Feueralarms, weil man den Lärm nicht ertragen kann.
*File on 4: BBC Radio 4, Sendetermin 23. September um 20.00 Uhr britischer Zeit, Wiederholung am 28. September um 17.00 Uhr.