Der Sozialismus hat sich von der marxistischen Version, in der der Staat die Produktionsmittel besitzt, zu einer Form weiterentwickelt, in der die Produktion zwar in den Händen von Einzelnen bleibt, aber stark reguliert wird – ein Echo des faschistisch-sozialistischen Modells Mussolinis.
Doch nach fast neun Jahrzehnten steht dieses Modell vor dem Zusammenbruch, ähnlich wie der Zusammenbruch der Sowjetunion nach siebenundsechzig Jahren. Dieser Artikel untersucht das moderne sozialistische Modell, aktualisiert das von von Mises 1920 beschriebene Problem der Wirtschaftsrechnung und erklärt, warum es im heutigen Sozialismus weiterhin scheitert. Abschließend prognostizieren wir die Folgen für Regierungen und ihre staatlich ausgegebenen Währungen.
Einleitung
In den Vereinigten Staaten ist Präsidentschaftswahljahr. Zur Wahl steht der Sozialismus der Republikaner oder der der Demokraten, wobei der erstere eine mildere Version des letzteren ist. Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass die Regierung von Präsident Trump ihre Rechnungen zunehmend durch die Sozialisierung des Geldes begleicht, während Großonkel Joe die Reichen noch stärker besteuern will (was in der Praxis nicht die Reichen trifft, sondern die Mittel- und Unterschicht) und zudem den magischen Geldbaum entlauben möchte.
In Großbritannien haben diejenigen von uns, die sich darüber gefreut haben, dass ein Verfechter des freien Marktes mit einem starken Wählermandat Premierminister wurde, eine stärkere Einschränkung der persönlichen Freiheit erlebt, als sie jede britische Regierung seit der Rationierung der Nachkriegszeit auferlegt hat. Covid-19 und die Lockdowns waren zwar nicht vorhersehbar, doch werden die Briten ihre bislang eingeschränkten Freiheiten jemals wiedererlangen? Und diejenigen von uns mit langem Gedächtnis stellen fest, dass die Auferlegung von Steuern – die Sozialisierung unseres Einkommens – unter den Konservativen fast immer drückender ist als unter Labour. So war es nicht gedacht.
So oder so „schleicht“ die Sozialisierung unseres Vermögens, unseres Geldes und unserer Freiheit durch das Establishment „in diesem kleinen Schritt von Tag zu Tag bis zur letzten Silbe der aufgezeichneten Zeit“. Ob es uns gefällt oder nicht: Wir sind inzwischen alle Sozialisten. Es ist eine Tatsache unseres Lebens, wenn auch nicht unserer Neigungen. Die Zerstörung unseres Geldes und des Vermögens, das uns noch bleibt, soll dem Gemeinwohl dienen, im Gegensatz zum Kapitalismus, der laut den Sozialisten die Wenigen bereichert und zutiefst unmoralisch ist. Die Sozialisten haben die moralische Deutungshoheit erobert und führen uns auf ihre höhere Ebene. Sie behaupten, es sei ein Fortschritt hin zu einer besseren Menschheit. Ihre utopische Sicht sieht das Ende der sozialen Ungleichheit als Endziel, und je weiter der Mensch darauf zuschreite, desto mehr werde die Menschheit den Kapitalismus und die damit verbundenen Klassenkämpfe hinter sich lassen.
Wir sollten den Sozialismus nicht länger über sein postmarxistisches Ziel definieren, nämlich den Erwerb der Produktionsmittel durch den Staat und die Abschaffung des Eigentums. Das Versagen des lenkenden Staates, die vom Verbraucher nachgefragten Güter zu produzieren, trat mit dem Zusammenbruch der UdSSR und dem Ende des staatlichen Produktionsmonopols in China vollständig zutage. Das hat den Sozialismus jedoch nicht aufgehalten, der sich einfach zu einer neuen Form weiterentwickelt hat, die vom sozialdemokratischen Modell dominiert wird. Schon der Begriff ist ein Widerspruch. „Sozial“ ist lobenswert und „demokratisch“ ist inklusiv, doch setzt man beides zusammen, hat man dem Staat durch seine Wähler Macht über seine Wähler übertragen.
Die sozialdemokratische Philosophie wirft einige grundlegende Fragen auf. Wenn sie ein besseres System ist als der angeblich üble Kapitalismus, warum entwickelt sich die gesellschaftliche Zusammenarbeit dann nicht auf Wunsch der einfachen Menschen von selbst dorthin, ohne dass eine lenkende Regierung nötig wäre? Warum braucht es Führungspersonen, die Menschen zwingen, organisieren und dazu bringen, sich zu ihrem eigenen Gemeinwohl von ihrem Einkommen und Vermögen zu trennen? Wer profitiert?
Profitieren sollen die Kranken und die Armen durch die Umverteilung von Vermögen. Doch die Belege sind erdrückend, dass eine staatliche Bürokratie diese humane Aufgabe nicht besser erfüllt als unabhängige Wohltätigkeitsorganisationen. Die Entgegnung der Sozialisten lautet, dass niemand auf Wohltätigkeit angewiesen sein sollte. Wer seine Freiheit schätzt, ist in der Regel zu schwerfällig, darauf mit der Frage zu antworten: Warum nicht, wenn die Alternative staatlicher Zwang ist, durchgesetzt mit Haftstrafen?
Moralische Ansprüche sind ein dünner Deckmantel, eine Verkleidung für die Vermögensübertragung von den einfachen Menschen auf den Staat. Der Staat ist heute eine Organisation, die ihre Wähler aussaugt, um ihre eigene, davon getrennte Agenda zu verfolgen. Wir müssen moralische Ansprüche daher beiseitelassen, wenn wir den Schaden verstehen wollen, den der Sozialismus den einfachen Menschen und ihrem wirtschaftlichen Fortkommen zugefügt hat. Der moderne Sozialismus strebt nicht mehr nach dem Erwerb der Produktionsmittel und hat sich zu einer faschistischen Form entwickelt. Weist man Sozialdemokraten darauf hin, führt das zu sofortiger Verleugnung und Entsetzen, denn in ihrer Sprache ist das rechts und extrem und wird fälschlicherweise mit dem freien Marktkapitalismus verbunden.
Faschisten, ohne es zu wissen
Der Vorwurf, die sozialdemokratische Planwirtschaft sei Faschismus, lässt sich leicht belegen. Manche behaupten, die Ursprünge des Faschismus lägen im neunzehnten Jahrhundert, als europäische Philosophen Ideen äußerten, die erst später als faschistisch bezeichnet wurden. Die eigentliche faschistische Bewegung begann jedoch in Italien, als Benito Mussolini, damals ein erklärter Marxist, der entschiedenste italienische Befürworter des kommenden marxistischen Paradieses war.
Als 1914 der Große Krieg erklärt wurde, bezeichneten die italienischen Kommunisten ihn als einen Kampf zwischen Imperialisten und Ausbeutern des Proletariats. Ihrer Ansicht nach sollte das Proletariat abseits stehen und sich von keiner der beiden Seiten ausbeuten lassen, sondern auf den unausweichlichen Bürgerkrieg warten, der den Weg zur Zerstörung des Kapitalismus ebnen und den Arbeitern die Macht geben würde.
Nachdem Mussolini zunächst die Position der italienischen Kommunisten übernommen hatte, sich aus dem Krieg herauszuhalten, stellte er sich dann auf die Seite der Nationalisten gegen die imperialistischen Österreicher. Es war ein opportunistischer Schritt und ein Griff nach der Unterstützung der kommunistischen Basis. Nach dem Ersten Weltkrieg geriet die italienische kommunistische Parteibewegung ins Stocken, und Mussolini trat mit seiner neuen faschistischen Partei in die Lücke. Mitglieder verließen die Kommunisten und schlossen sich in Scharen Mussolinis Faschisten an, weil es kaum einen erkennbaren Unterschied zwischen Mussolinis Sozialismus und dem der italienischen Marxisten gab. Sein Manifest von 1919 war antikapitalistisch und gab sich als Sozialismus mit neuer Kraft. Von dort entwickelte es sich hin zur Befürwortung eines aggressiven Interventionismus und dann zum Nationalsozialismus, der sich parallel entwickelte. Das wirtschaftspolitische Credo der Nationalsozialisten war einfach: Kapitalisten dürfen die Produktionsmittel besitzen, solange sie den Befehlen des Staates gehorchen. Mit anderen Worten: Die Wirtschaft wurde gelenkt und reguliert, statt dem Staat zu gehören.
Das beschreibt den heutigen Sozialismus treffend. Sozialisten halten es nicht mehr für notwendig, dass der Staat die Produktionsmittel besitzt; er kontrolliert sie lediglich durch Regulierung und lenkt sie durch gezielte Subventionen und Steuern. Es entlarvt zudem die intellektuelle Unkenntnis der nützlichen Idioten, die blindlings Parolen folgen.
Der Verlust der Mittel der wirtschaftlichen Kalkulation
Wir haben festgestellt, dass sich die Ziele der heutigen Sozialdemokraten im Prinzip kaum von denen der Faschisten in der Zwischenkriegszeit unterscheiden. Dies verändert jedoch unsere Analyse gegenüber jener von Ludwig von Mises aus dem Jahr 1920, der einen bedeutenden Aufsatz mit dem Titel „Die Wirtschaftsrechnung im sozialistischen Gemeinwesen“[i] verfasste, der die sogenannte Debatte über die sozialistische Kalkulation auslöste. Mises zeigte, warum das öffentliche Eigentum an den Produktionsmitteln scheitern musste. Im Mittelpunkt seiner Argumentation stand die Unfähigkeit des Staates, die Berechnungen anzustellen, die für die Zuteilung der Produktionsmittel notwendig sind – eine Funktion, die nur unabhängige Unternehmer erfolgreich ausüben können, die ihre eigenen Mittel aufs Spiel setzen.
Der heutige institutionelle Sozialismus ist inzwischen faschistisch und folgt nicht mehr den marxistischen Linien, über die Mises und sozialistische Ökonomen vor einem Jahrhundert debattierten. Das Scheitern des marxistischen Sozialismus beruhte auf den Gründen, die Mises vorhergesagt hatte. Sie müssen auch heute noch für jenen Teil einer sozialistischen Wirtschaft gelten, der sich auf Staatsausgaben bezieht, die weder in Form von Sozialleistungen umverteilt noch im Wege einer wettbewerblichen Ausschreibung an den privaten Sektor vergeben werden. Was dann von den Staatsausgaben übrig bleibt, entbehrt der Grundlage der wirtschaftlichen Kalkulation, die nicht durchgeführt werden kann. Sozialleistungen und Staatsaufträge werfen jedoch eine gesonderte Frage auf: die Verzerrung einer Volkswirtschaft durch staatlich gelenkte Ausgaben, die sonst nicht getätigt würden, sowie die verschwenderische Verwendung aller Formen von Kapital, das andernfalls von privaten Unternehmen effizienter eingesetzt würde.
Wirtschaftliche Tätigkeiten, die weiterhin den Grundsätzen des freien Marktes unterliegen, bei denen Unternehmer danach streben, durch eine erfolgreiche Vorwegnahme der Bedürfnisse und Wünsche der Verbraucher Gewinne zu erzielen, sind heute stark reguliert und eingeschränkt. Staatliche Bürokraten bestimmen faktisch die Formen und Merkmale der von den Herstellern angebotenen Waren und Dienstleistungen. Sie behaupten, den Verbraucher vor skrupellosen kapitalistischen Profiteuren zu schützen. Mitunter erreichen staatliche Vorschriften dieses Ziel, doch es ist falsch zu behaupten, freie Märkte hätten nicht die gleichen oder sogar höhere Produktstandards hervorgebracht als jene, die der staatliche Regulierungsrahmen vorgibt. Es liegt nämlich offenkundig im Interesse jedes Herstellers, das beste Produkt für den Markt zu erzeugen – es sei denn, die staatliche Regulierungsbehörde schützt den Hersteller vor Wettbewerb. Dies ist allzu oft der Fall.
Warum Bürokratie scheitert und freie Märkte erfolgreich sind
Die Bürokraten und ihre Unterstützer – die Sozialisten und Gewerkschaften – verstehen Preise nicht. Sie glauben fest an die Kostentheorie der Preise, wonach der Preis eines Endprodukts durch die Produktionskosten bestimmt wird. Sie ist auch zentral für die marxistische Ökonomie, die sich vor der Grenznutzentheorie der Preise entwickelte und erklärte, Preise würden durch die Arbeitskosten bestimmt und seien daher ausbeuterisch. Der österreichische Ökonom Carl Menger war in den 1870er-Jahren einer von drei unabhängigen Entdeckern der Grenznutzentheorie der Preise. Menger zeigte, dass Preise in freien Märkten rein subjektiv sind: Mit anderen Worten, Preise werden durch die Präferenzen der Verbraucher bestimmt, und es ist Sache des Produzenten, diese vorauszuahnen und darauf zu reagieren.[ii]
Diese Trennlinie zwischen dem bürokratisch-sozialistischen Glauben und den Belegen aus dem freien Markt unterscheidet zwei völlig verschiedene Ansätze: die bürokratische Steuerung durch den Staat und freie Märkte.
Nur wenn wir verstehen, wie die unterschiedlichen Systeme funktionieren, können wir die Schwächen der Bürokratie im wirtschaftlichen Zusammenhang erklären. Freie Märkte beruhen auf dem Eigentum an Vermögenswerten und deren uneingeschränktem Einsatz zur Herstellung von Waren und Dienstleistungen. Eigentum, das in der Produktion eingesetzt wird, bezieht daraus seinen Wert. Deshalb kann keine Wirtschaftsrechnung stattfinden, wenn man Eigentum durch Monopolisierung jeden Wert nimmt.
Es ist ein sozialistischer Mythos, dass privates Eigentum den Kapitalisten Macht über die Menschen verleiht. Es stimmt, dass Kapitalisten über Ressourcen verfügen, aber ihre Herren sind die Verbraucher, die sie zufriedenstellen müssen, indem sie ihr Eigentum und ihre sonstigen Ressourcen wirksam organisieren. In wirtschaftlicher Hinsicht ist dies die reinste Form der Demokratie.
Die Regulierungslast für etablierte Branchen, die Waren und Dienstleistungen herstellen, ist zunehmend drückender geworden. Weil Unternehmen die Regulierer statt der Kunden zufriedenstellen müssen, richten sie sich immer weniger an den Kunden aus. Der Regulierer verdrängt den Kunden in der Rangfolge der Wichtigkeit vollständig, wenn dem Anbieter von Waren oder Dienstleistungen eine Marge über den Kosten garantiert und vom Staat ein Monopol eingeräumt wird. Solche Unternehmen weiten die staatliche Kontrolle über den Verbraucher aus und sind, obwohl sie nominell dem privaten Sektor angehören, für die Zwecke der Wirtschaftsanalyse als Teil des Staates zu betrachten, weil sie auf einer staatlich gelenkten Basis aus Kosten plus regulierter Marge arbeiten.
Berücksichtigt man Einflüsse wie diese, sind ungebundene private Sektoren in modernen Volkswirtschaften weniger bedeutend als gemeinhin angenommen, da die meisten Unternehmen stärker durch bürokratische Steuerung und Kontrolle belastet sind, als allgemein erkannt wird. Vermeintlich freie Märkte werden von Bürokraten und Verwaltern gelenkt, die sich für ein bequemes Leben mit gesichertem Einkommen und gesicherter Pension entschieden haben, in dem sie keine Urteile fällen müssen, sondern nur Vorschriften verwalten, ohne weiter über ihr Handeln nachzudenken oder dafür Verantwortung zu tragen.
Wer zahlt für das alles?
Eine Wirtschaft, in der der Staat die Produktionsmittel besitzt und lenkt, kann nicht erfolgreich sein, weil sie nicht kalkulieren kann. Ihr bleibt nur der Rückgriff auf Gewalt, wie die Massen an Todesopfern zeigen, die die Sowjets und die chinesischen Kommunisten bei ihren Versuchen forderten, den marxistischen Sozialismus durchzusetzen. Nachdem diese Form des Sozialismus durch ihr Scheitern entlarvt worden ist, befindet sich der moderne Sozialismus in einem Zwischenstadium: Er kombiniert Reste staatlichen Eigentums mit faschistischer Kontrolle und Regulierung der privaten Produktion.
Es ist nicht schwer zu verstehen, warum die heutigen Volkswirtschaften unter diesen Lasten leiden, und wir müssen zur Erklärung keine empirischen Belege heranziehen. Da moderne Volkswirtschaften jedoch durch wirtschaftliche Ineffizienzen überlastet sind, die aus staatlich gelenkten Fehlinvestitionen knappen Kapitals herrühren, steuern sie auf dasselbe grundsätzliche Scheitern zu, das die Sowjets erlebt haben. Ein ähnlicher Zusammenbruch unserer sozialistischen Regierungen wurde bislang nur durch die teilweise Existenz von Märkten aufgeschoben. Als wirtschaftspolitischer Ansatz ist die immer stärkere Umverteilung von Vermögen von Produzenten und Verbrauchern durch Steuern zur Finanzierung des sozialistischen Staates jedoch endgültig an ihre Grenzen gelangt.
Rufe danach, die Reichen durch noch höhere Steuern zur Kasse zu bitten, überzeugen die breitere Öffentlichkeit zunehmend nicht mehr davon, dass dies der richtige Weg sei. Da wir uns nun in der Covid-19-Krise befinden, wissen die einfachen Menschen, dass das Auslaufen staatlicher Unterstützungsprogramme nicht durch höhere Steuern zum Ausgleich entgangener Staatseinnahmen ersetzt werden kann, ohne die Wirtschaft zum Einsturz zu bringen. Nur die Bürokraten in den Regierungsstuben, die in ihren Stellen und Pensionen abgesichert als gedankenlose Funktionäre agieren, übersehen diesen entscheidenden Punkt. Es kann nur eine verzweifelte Lösung geben, nämlich die, die die Zentralbanker verstanden haben und die versichern, sie würden drucken, was auch immer nötig sei, um die Staatsdefizite zu finanzieren.
Wenn den Sozialisten die Menschen ausgehen, denen sie durch offene Besteuerung ihr Vermögen abnehmen können, betreiben sie Inflation. In der Neuzeit reicht dieser Prozess bis zur Depression der 1930er Jahre zurück. Dieses faschistische gesellschaftliche Konstrukt entwickelt sich in Amerika nun seit siebenundachtzig Jahren, wenn man Franklin Roosevelts Politik der Sozialisierung und sein Verbot des Goldbesitzes als Ausgangspunkt nimmt – und damit sogar länger als das sowjetische Experiment, das mit der Gründung der Sowjetunion 1922 begann und 1989 mit dem Fall der Berliner Mauer endete.
In den vergangenen vierzig Jahren wurde die US-Wirtschaft finanzialisiert, das heißt, wirtschaftliche Ressourcen haben sich von der nichtfinanziellen Wirtschaft in die Finanzwirtschaft verlagert. Dies ist die Folge der Finanzreformen der 1980er Jahre, als London seinen „Big Bang“ erlebte und Amerika den Glass-Steagall Act aufgab, der Geschäftsbanken Investmentbanking-Aktivitäten untersagt hatte. Durch das Zusammenwirken dieser Ereignisse übernahmen die Banken sämtliche Finanzaktivitäten, einschließlich des Market Makings in Wertpapieren, Rohstoffen und Derivaten, und setzten dabei mittels Ausweitung der Bankkredite praktisch unbegrenzte Kapitalressourcen für diese Funktionen ein. Da sie von den Regierungen lizenziert sind, sind sie zu einer Erweiterung der staatlichen Kontrolle über die Preise geworden. Der Vorteil für die Regierungen: Über ihre Bankenvertreter konnten sie die Ausweitung der Geldmenge im weiteren Sinne nutzen, um Staatsausgaben zu finanzieren und den Vermögenseffekt über steigende Aktienmärkte zu verbreiten, während sie die Rohstoffpreise durch die Erhöhung des synthetischen Angebots drückten.
Die Kosten dieser Finanzialisierung waren wirtschaftliche Stagnation in den nichtfinanziellen Bereichen, wobei produzierte Güter in die sparorientierten Volkswirtschaften Ostasiens exportiert wurden, während die Banken für ihre Gewinne von Finanzspekulation abhängig geworden sind. Sie verfehlen inzwischen ihren ursprünglichen Auftrag, nichtfinanzielle Unternehmen zu unterstützen.
Neben den üblichen konjunkturellen Schwächen sieht sich das Bankensystem nun mit den Folgen des Scheiterns des Sozialismus selbst konfrontiert, von dem es in der Vergangenheit durch die Sozialisierung des Geldes mittels der Inflation von Bankkrediten profitiert hat.
Covid-19 und die Lockdowns haben die Fragilität des gesamten Systems offengelegt: Unternehmen gingen in Konkurs, und die Banken sind zurückhaltend bei der Kreditvergabe und ziehen es vor, ihre Kredite zurückzufordern. Jeder unabhängige Beobachter der wirtschaftlichen Entwicklung kann nur zu einem logischen Schluss gelangen: Die Finanzierung wirtschaftlicher Expansion durch Bankkredite ist endgültig an ihr Ende gekommen, und weitreichende Bankenzusammenbrüche lassen sich kaum noch vermeiden. Die Inflationierung des Geldes als Mittel zur Finanzierung des Staates fällt nun zunehmend den Zentralbanken zu, auch ohne eine Bankenkrise. Hierbei ist anzumerken, dass die Bankkredite in US-Dollar derzeit das 3,4-Fache der Geldmenge M1 betragen[iii].
Abbildung 1 zeigt, dass die US-Dollar-Geldmenge M1, im Wesentlichen Bargeld und Sichteinlagen, seit den 1980er Jahren mit drei zunehmend höheren Wachstumsraten gestiegen ist: einer stetigen Rate bis zur Lehman-Krise, einem deutlich schnelleren Tempo seither und schließlich einem nahezu senkrechten Anstieg seit März vergangenen Jahres, jeweils durch die Pfeillinien gekennzeichnet.

Wir müssen nun betrachten, wie die inflationäre Finanzierung fortschreiten wird, wenn dem nichtfinanziellen privaten Sektor keine Bankkredite mehr zur Verfügung gestellt werden. Die Bankkredite an den privaten nichtfinanziellen Sektor belaufen sich derzeit auf 11 Billionen US-Dollar[iv], das Doppelte des M1-Wertes. Das zeigt, um wie viel die enge Geldmenge gegenüber ihrer derzeit beschleunigten Wachstumsrate noch zunehmen müsste, wenn die Fed einen unmittelbar bevorstehenden wirtschaftlichen Einbruch in der nichtfinanziellen Wirtschaft verhindern will. Und dabei ist noch ein weiterer wichtiger Faktor nicht berücksichtigt, der eine inflationäre Finanzierung erfordert: die Aufrechterhaltung der Blase bei den Finanzanlagen, die für die Illusion, es sei alles in Ordnung, von zentraler Bedeutung ist.
Das Ausmaß der noch bevorstehenden Geldmengenausweitung durch die Zentralbank ist weitaus größer als bisher und wird daher die Kaufkraft des Dollars zwangsläufig grundlegend untergraben. Dadurch werden wiederum die Finanzen der US-Regierung durch die Menge an benötigten Dollar und die Auswirkungen auf die Dollar-Zinsen geschwächt. Andere Länder befinden sich in einer weitaus schlechteren Lage und gehen wie die UdSSR Ende der 1980er-Jahre rasch die Optionen aus.
Epilog
Diese Analyse hat das Versagen staatlicher Eingriffe in freie Märkte aufgezeigt. Vorhersehbar ist, dass die wachsende Last staatlicher Eingriffe jede Volkswirtschaft in ihrer Leistung beeinträchtigt und von der Hauptfunktion freier Märkte ablenkt, nämlich die Bedürfnisse und Wünsche der Verbraucher zu befriedigen.
Verbraucher konsumieren, weil sie beschäftigt sind. Sie spezialisieren sich in ihrer Arbeit, um ihre Leistung und damit ihre Fähigkeit zu maximieren, die Dinge zu kaufen, die sie brauchen und wollen. Doch im Laufe der Jahrzehnte sind die Verbraucher zunehmend von den Regierungen abhängig geworden, entweder weil diese sie als Bürokraten oder als Beamte in verstaatlichten Bildungs- und Gesundheitssystemen beschäftigen oder weil sie ihre Beschäftigung durch Vorschriften sichern. Sie profitieren am meisten von freien Märkten, haben aber kein Verständnis und keine Sympathie für sie. Der Verlust freier Märkte und ihre Verunglimpfung durch Sozialisten dürfte dazu führen, dass die freien Märkte verantwortlich gemacht werden, wenn das gegenwärtige internationale sozialistische Regime scheitert.
Wir scheinen uns diesem Punkt des Scheiterns rasch zu nähern. Anhand der Grafik in Abbildung 1 sehen wir, wie sich die enge Geldmenge bereits in drei Phasen beschleunigt hat und wie das Scheitern der Bankkreditausweitung zu einer noch stärkeren Entwertung der Währung führen wird. Und das dürfte noch das optimistischste Ergebnis sein, das davon ausgeht, dass Bankenzusammenbrüche strikt begrenzt bleiben und sich nicht systemisch ausbreiten. Die Abhängigkeit der Etatisten von inflationärer Finanzierung wird voraussichtlich so weit zunehmen, dass jedes Vertrauen in Fiat-Währungen verloren geht.
Wir haben Vergleiche mit dem Scheitern der UdSSR nach siebenundsechzig Jahren angestellt und festgestellt, dass das gegenwärtige faschistische Sozialisierungsmodell bereits siebenundachtzig Jahre besteht. Als die UdSSR scheiterte, gab es ein besseres Wirtschaftsmodell, auf das sich die Sowjets beziehen konnten. Der Lebensstandard und das reichhaltige Angebot an Lebensmitteln und Konsumgütern in westlichen Geschäften boten einen unmittelbaren Vergleich zum sowjetischen Elend, und es war die relative wirtschaftliche Freiheit, die dies ermöglicht hatte. Bei unserem Scheitern wird es diesen Vergleich nicht geben. Stattdessen werden Etatisten wahrscheinlich auf ein anderes Wirtschaftsmodell verweisen, in der Hoffnung, die staatliche Kontrolle fortzusetzen.
Es wird ein Durcheinander sein, das so lange andauert, wie Regierungen in ihrer Zahlungsunfähigkeit versuchen, die Kontrolle über das wirtschaftliche Geschehen zu behalten. Wir werden so viele Menschen wie möglich brauchen, die den Politikern erklären, dass der Weg zu nationalem Wohlstand nicht über den Sozialismus führt, sondern über freie Märkte und eine schlanke Regierung.
[i] Verfügbar unter https://mises.org/library/economic-calculation-socialist-commonwealth
[ii] Die beiden anderen Ökonomen waren Léon Walras, der versuchte, eine allgemeine Gleichgewichtstheorie zu entwickeln, und William Stanley Jevons, der glaubte, Angebot und Nachfrage stünden in einem mathematischen Zusammenhang, der frühesten Vorläuferin der makroökonomischen Theorien von Keynes. Insbesondere Jevons erkannte die Rolle menschlicher Präferenzen bei der Grenzpreisbildung nicht. Menger legte seine Überlegungen in seinen Grundsätzen der Volkswirtschaftslehre (Principles of Economics) dar, die 1871 erschienen.
[iii] Dies ist eine Näherungsrechnung, bei der die Geldmenge M2 durch M1 geteilt wird.
[iv] Siehe https://fred.stlouisfed.org/series/QUSPBMUSDA
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