Eine inflationäre Depression

Die Finanzmärkte ignorieren bärische Entwicklungen im internationalen Handel, die mit dem Ende einer langen Expansionsphase der Kreditvergabe zusammenfallen. Sowohl die empirischen Belege aus dem einzigen früheren Fall, in dem diese Bedingungen bestanden, als auch die theoretische Überlegung legen nahe, dass die Folgen dieser kollektiven Torheit enorm sein werden und sowohl die Werte von Finanzanlagen als auch die Papierwährungen untergraben dürften.

Zuletzt trat dieses Zusammentreffen in den Jahren 1929 bis 1932 auf und führte in die Weltwirtschaftskrise, in der die Preise für Rohstoffe und die Verkaufspreise für Konsumgüter stark fielen. Bei ungesundem Geld und dem festen Willen der Zentralbanken, die Preise zu halten, werden Depressionsbedingungen durch monetäre Expansion verdeckt, bestehen aber dennoch fort.

Einleitung

Die bedauernswerten Anhänger der Makroökonomie werden die Überschrift dieses Artikels als Widerspruch lesen, denn sie betrachten Inflation als Stimulans und eine Depression als Folge der Deflation, des Gegenteils der Inflation.

Eine wirtschaftliche Depression setzt keine Deflation voraus, sofern darunter eine Schrumpfung der umlaufenden Geldmenge verstanden wird. Richtiger ist, dass sie eine kollektive Verarmung der Menschen darstellt, die sich am leichtesten durch die Entwertung der Währung herbeiführen lässt, mit anderen Worten durch monetäre Inflation. Grundlegend für den Mythos, eine Ausweitung der Geldmenge sei der Weg zur wirtschaftlichen Erholung, sind die Prognosen des ökonomischen Establishments, die Welt oder ihre kleineren nationalen Einheiten würden nicht mehr als eine milde Rezession erleiden, bevor das Wirtschaftswachstum wieder einsetzt. Das sagen nicht nur selbstgefällige Ökonomen der Zentralbanken und Regierungen, sondern auch deren Anhänger im Privatsektor.

Aus diesem Grund liegt der S&P 500 Index noch immer nur wenige Prozent unter seinem Rekordhoch. Gäbe es den leisesten Hinweis darauf, dass die amerikanischen Unternehmen durch eine Depression destabilisiert werden könnten, wäre dies nicht der Fall. All das alarmistische Gerede über dies und das in der Blogosphäre ist ohne Belang: Die Welt der Geldanlage ist so optimistisch wie eh und je. Alle haben das Versprechen der angewandten Makroökonomie verinnerlicht und können es sich nicht leisten, den gegenläufigen Signalen der klassischen Ökonomie Glauben zu schenken, die frei ist von der Behauptung der Makroökonomen, dass das, was für Einzelne auf der Mikroebene gilt, auf sie selbst auf der Makroebene nicht zutrifft.

Es wird sich in Kürze als gewaltiger Fehler erweisen: Wir dürfen hier kein Blatt vor den Mund nehmen. Zweck dieses Artikels ist es zu erklären, warum es sich um einen Fehlgriff handelt, indem das Zusammenspiel zwischen dem Höhepunkt des Kreditzyklus und der von Präsident Trump eingeführten Erhöhung der Handelszölle untersucht wird. Mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wird es einer jener Momente sein, in denen im übertragenen Sinne eins plus eins weit mehr als zwei ergibt: Das Zusammentreffen dieser Faktoren kann noch zerstörerischer wirken, als sie es bei einer bloßen Addition voraussichtlich wären.

Kreditzyklen innerhalb von Kreditzyklen und ihre zunehmende Wucht

Für sich genommen führt der Kreditzyklus stets zu einer periodischen Krise von größerem oder geringerem Ausmaß, die sich zu einerausgewachsenen Bankenkrise entwickeln kann, aber nicht muss. Die vorangegangene Ausweitung der Bankkredite führt selbst unter einem Goldstandard zu Fehlinvestitionen, die sich vereinfacht als Investitionen definieren lassen, die von monetärem Opportunismus getrieben sind, statt auf einer soliden kaufmännischen Grundlage zu beruhen. Dadurch wird aus den zufälligen Vorgängen der schöpferischen Zerstörung im Sinne Schumpeters eine koordinierte Verzerrung, in der Fehlinvestitionen gedeihen können, bis sie allesamt gemeinsam zusammenbrechen. Ohne das Mindestreserve-Teilreservesystem beziehungsweise ohne die Möglichkeit der Banken, Geld per Kreditvergabe zu schöpfen, gäbe es keinen Kreditzyklus, und auch dessen Symptome, ein Konjunktur- oder Handelszyklus, würden nicht existieren. Es besteht zudem eine Proportionalität: Je stärker die Kreditausweitung, desto schwerer der letztliche Zusammenbruch.

Diese grundlegende Wahrheit wird von den staatlichen Geldtheorien ignoriert, die die Lage noch verschlimmern, indem sie die Geldbasis als zusätzliches Stimulans für den Kredit ausweiten und die Zinsen niedrig halten, um Unternehmen weiter zu Fehlinvestitionen zu ermutigen. Dies geschah in der Neuzeit erstmals nach dem kurzen Nachkriegseinbruch von 1920/21. Die Fed, die noch vor dem Ersten Weltkrieg gegründet wurde, wurde unter Benjamin Strong, ihrem ersten Leiter der Geschäfte, zu einer voll funktionsfähigen modernen Zentralbank; er blieb bis zu seinem Tod im Jahr 1928 an ihrer Spitze. Er stand einer Geldmengenausweitung vor, die bis zu dem Jahr nach seinem Tod anhielt, in dem der Börsencrash begann.

Der Börsencrash an der Wall Street von 1929 bis 1932 war die Kreditkrise, in der Strongs Kreditausweitung rückabgewickelt wurde. Zusammen mit den gescheiterten Versuchen von Präsident Hoover, Arbeitslosigkeit zu verhindern und die Preise zu stützen, führte er zur Depression der 1930er-Jahre, die durch den New Deal von Präsident Roosevelt noch weiter verlängert wurde.

Auf diese Zeit kommen wir in unserer Erörterung der damaligen Handelszölle zurück, nachdem wir unseren derzeitigen Gedankengang fortgeführt haben. Nach den 1930er-Jahren nahm der Zweite Weltkrieg die Volkswirtschaften der alliierten wie der Achsenmächte in Beschlag, und nach seinem Ende setzte ein neuer Zyklus der Kreditausweitung ein. Die Erfahrung der Depression der 1930er-Jahre führte nach dem Krieg zu der Entschlossenheit, hohe Arbeitslosigkeit nie wieder zuzulassen, und die neue Religion der Makroökonomie wurde von den Regierungen zu diesem Zweck eingesetzt.

Benjamin Strongs Preissteuerung durch Offenmarktgeschäfte, die zum Börsencrash und zur anschließenden Depression geführt hatte, erhielt eine neue Respektabilität. Die Zentralbanken verdoppelten ihren Einsatz für Strongs Politik, ermutigt durch die Schriften von Koryphäen wie Irving Fisher und Lord Keynes. Laut dem US-amerikanischen National Bureau of Economic Research gab es in den 1950er-Jahren eine Reihe kleinerer Konjunkturzyklen und dann einen längeren, der von 1961 bis zu einem Höhepunkt im Jahr 1969 reichte. Es war die Expansion der frühen 1970er-Jahre, verbunden mit der Aufgabe des Goldstandards im Jahr 1971, die anschließend die Preisinflation während der gesamten 1970er-Jahre antrieb. Die Geldmengeninflation führte zu steigenden Öl- und Energiepreisen und verschaffte dem OPEC-Kartell Macht. Und da die Geldmengeninflation die Kaufkraft der staatlichen Währungen insgesamt untergrub, wurden Rekordzinsen in den Jahren 1980/81 unvermeidlich.

Der aktuelle Kreditzyklus lässt sich als Ergebnis der Reformen des Finanzsystems in den 1980er-Jahren betrachten, als die Banken ihr Investment- und ihr Privatkundengeschäft zusammenführten und die Bankkredite auf Market-Making, Eigenhandel und Derivate ausweiteten. Dies führte zu drei inflationären Höhepunkten an den Wertpapiermärkten: dem Dotcom-Boom, dem Wohnimmobilien- und Aktienmarktboom der Jahre 2005 bis 2007 und dem aktuellen Boom.

Der aktuelle Boom lässt sich daher als Höhepunkt einer Reihe von Geldmengeninflationen betrachten, die auf die Preise von Finanzanlagen abzielten. Auffällig ist zudem, dass sich die produktive Seite der großen Volkswirtschaften nur dank der Ausweitung des Konsumentenkredits und des Abschmelzens der Ersparnisse über Wasser gehalten hat. Und wenn amerikanische Politiker die Verlagerung der Produktion nach China und Südostasien beklagen, verkennen sie ihre eigene Rolle bei der Zerstörung der heimischen Industrie durch Kreditinflation.

Allen, die dies verstehen, sollte klar sein, dass der Ursprung der Konjunkturzyklen, wie auch immer sie beschrieben werden, ein Kreditzyklus ist und dass der aktuelle Kreditzyklus auf den beiden vorangegangenen aufsetzt, deren Fehlinvestitionen nicht abgebaut werden konnten. Zusammen mit den beiden früheren ergibt sich eine weitaus, weitaus größere Kreditaufblähung als die der Jahre 1922 bis 1929, die zur größten Depression der Neuzeit führte – bisher.

Der zusätzliche Faktor, der den Wall-Street-Crash von 1929 bis 1932 prägte, war der Handelsprotektionismus, als der Kongress am 30. Oktober jenes Jahres den Smoot-Hawley Tariff Act unterzeichnete. Und im Oktober hatte der Zusammenbruch des Aktienmarktes begonnen.

Die Rolle der Zölle im Kreditzyklus – eine historische Perspektive

Für Amerika wurden die 1920er-Jahre von zwei Zollgesetzen eingerahmt. Das erste war eine Kombination aus dem Tariff Act von 1921 und dem Fordney-McCumber-Zolltarif von 1922, die auf die Rezession von 1921/22 folgten. Der Hauptzweck dieser Zölle bestand darin, die Landwirtschaft zu schützen, die sich im Ersten Weltkrieg aufgrund höherer Kriegspreise, der Nachfrage des kriegsgezeichneten Europas und des Rückzugs Russlands von den Weltmärkten erheblich ausgeweitet hatte. Zur Zeit der Rezession von 1921 war der Wert der US-Agrarproduktion jedoch von einem kriegsbedingten Höchststand von 17,7 Mrd. US-Dollar auf nur noch 10,5 Mrd. US-Dollar eingebrochen, ein Rückgang um 40 %.[i]

Nach dem Ersten Weltkrieg begannen Importe aus Europa die amerikanischen Landwirte zu bedrohen, die zuvor vom Schutz einer Kriegswirtschaft profitiert hatten, und Hersteller in nicht landwirtschaftlichen Sektoren befürchteten, dasselbe Schicksal zu erleiden. Dies führte dazu, dass die Fordney-McCumber-Zölle von einem Schutz der Agrarerzeugung zu einem umfassenderen Zollgesetz ausgeweitet wurden, das Amerika vor den wirtschaftlichen und monetären Turbulenzen der Nachkriegsjahre schützen sollte.

Bemerkenswert ist, dass die US-Wirtschaft nach dem Krieg, da sie auf Kriegswirtschaft eingestellt gewesen war, nahezu vollständig autark war. Die Störung der inländischen Produktion durch Importzölle war nicht erheblich. Zudem befand sich die Ausweitung der Bankkredite in der frühesten Phase des Kreditzyklus, sodass die Neigung gering war, dass sich die Kreditexpansion in einem Handelsdefizit niederschlug. Folglich war die wirtschaftliche Zerrüttung durch die Zollerhöhungen deutlich geringer, als sie es später im Kreditzyklus sein sollte.

Die Handelslage andernorts war bei Weitem nicht so günstig. Zwischen dem Ersten Weltkrieg und 1924 erlebten die meisten europäischen Staaten den Zusammenbruch ihrer nicht mehr durch Gold gedeckten Währungen, in einigen Fällen vollständig. Amerika, das Europa Kriegskredite in Höhe von 10 Mrd. US-Dollar gewährt hatte, wurde zum Gläubiger der Welt, und seine europäischen Schuldner sahen ihre Exporte nach Amerika, die sie zur Bedienung und Rückzahlung ihrer Kredite benötigten, durch Zölle ausgesperrt.[ii] Als sich die europäischen Volkswirtschaften schließlich von den Kriegszerstörungen erholt hatten, reagierten die Regierungen jedoch mit der Erhebung von Zöllen auf amerikanische Waren sowie auf die ihrer Nachbarn.

Gemessen an der Zahlungsbilanz erzielten die USA in jedem Jahr nach dem Ende des Ersten Weltkriegs einen hohen Handelsüberschuss, trotz zunehmenden Handelsprotektionismus in Europa. Gleichzeitig wuchs das Angebot an Agrarerzeugnissen rasch, da in den USA zunehmend Grenzböden bewirtschaftet wurden und Australien, Kanada, das Vereinigte Königreich, Frankreich, Deutschland und Italien ihre Agrarproduktion und ihre Zölle zum Schutz ihrer Landwirte erhöhten. Die Mechanisierung steigerte die Erträge rasch, während die Bevölkerungen, deren Lebensstandard stieg, einen geringeren Anteil ihrer Gesamtausgaben für Nahrungsmittel aufwendeten. Die Preise für Agrarerzeugnisse gaben weiter nach.

Zwangsläufig führte der zunehmende Protektionismus in der Landwirtschaft zu kostspieligen staatlichen Subventionen, insbesondere in Europa, wodurch Haushaltsdefizite entstanden, die tendenziell zu größeren Handelsungleichgewichten führten. Abgesehen von den Problemen der weltweiten Landwirtschaft gab es jedoch erhebliche wirtschaftliche Fortschritte, in Amerika nach der Rezession von 1921 und in Europa ab etwa 1925. Diese Erholungen wurden durch die Ausweitung der Kredite verstärkt, nicht nur in Amerika, sondern, angetrieben durch staatliche Haushaltsdefizite, auch in Europa, vor allem in Frankreich und Deutschland.

Großunternehmen erkannten zunehmend, dass Zölle ein Hindernis für ihren Handel darstellten. Zölle waren jedoch nicht nur in Amerika zur automatischen Reaktion der Politiker auf jede Veränderung der Handelsbedingungen geworden. Die Wahl von Präsident Hoover im Jahr 1928, der stark protektionistisch eingestellt war, trieb den Protektionismus noch weiter voran. Dieses politische Klima führte zum Smoot-Hawley Tariff Act, der den durchschnittlichen Satz aller US-Importzölle von 38 % auf 60 % anhob.

Smoot-Hawley wurde am 30. Oktober 1929 vom Kongress verabschiedet, in dem Monat, in dem der Börsencrash an der Wall Street begann. Die Wall Street fing sich nach der Oktoberkrise wieder, bis Hoover das Gesetz im darauffolgenden Juni unterzeichnete; daraufhin setzte der Aktienmarkt seinen Absturz ohne nennenswerte Unterbrechung bis Mitte 1932 fort. Spätere Analysen von Marküthistorikern nennen eine Reihe von Gründen für den Crash, wobei Zölle weit unten auf der Liste stehen und ein Kreditzyklus überhaupt nicht erwähnt wird.

Die Kombination aus Kreditexpansion und Smoot-Hawley war verheerend

Die Unterschiede zwischen den Folgen von Ford-McCumber und Smoot-Hawley lassen sich wie folgt zusammenfassen:


Das Niveau, auf das die Zölle infolge der Einführung des Smoot-Hawley-Gesetzes gestiegen waren, lag weit über dem der amerikanischen Zölle, die Präsident Trump gegen China eingeführt hat. Zudem ist heute nur ein einziges Land betroffen, während 1930 sämtliche Handelspartner ins Visier genommen wurden. Es liegt daher nahe, Vergleiche zwischen den heutigen Ereignissen und denen vor neunzig Jahren zu verwerfen, doch das wäre ein Fehler.

Bislang hat Präsident Trump Zölle von bis zu 30 % auf aus China importierte Waren angekündigt; weitere Zölle sollen am 15. Dezember folgen. Sollte dies eintreten, würden sämtliche chinesischen Einfuhren mit Zöllen belegt. China hat reagiert und beabsichtigt, bis Jahresende weitere 3.000 amerikanische Produkte in sein Zollregime einzubeziehen. Der Anstieg der amerikanischen Zölle ist in seinem Ausmaß mit der Erhöhung der Zollsätze durch Smoot-Hawley vergleichbar. Offenkundig hatte sich die Welt an die Fordney-McCumber-Zölle gewöhnt, sodass die zusätzlichen Smoot-Hawley-Zölle den eigentlichen globalen Schock darstellten. Ebenso hat sich die Welt heute an die Regeln und Sätze der Welthandelsorganisation gewöhnt, die im Durchschnitt fünf bis sechs Prozent betragen; der Schock für den Handel zwischen den USA und China muss daher von ähnlicher Größenordnung sein.

Die heutigen globalen Handelsbedingungen sind erheblich weiter entwickelt als vor neunzig Jahren: Die Staaten sind nicht nur stärker auf die Einfuhr von Nahrungsmitteln, Rohstoffen, Energie und Handelsgütern angewiesen, sondern auch die Lieferketten erstrecken sich über zahlreiche Rechtsordnungen. Amerikanische Unternehmen besitzen viele der Fabriken, die ihre Waren in China und anderswo herstellen, und sind somit selbst Opfer von Trumps Zöllen. Und amerikanische Landwirte, für die China einen wachsenden und lukrativen Markt darstellt, sehen sich durch Chinas Vergeltungsmaßnahmen ausgesperrt. Produktionsunternehmen, die für ihre Fertigung auf verarbeiteten Stahl und andere Materialien aus China angewiesen sind, müssen feststellen, dass ihre Kosten durch Zölle in die Höhe getrieben werden, wodurch sie auf ihren Märkten im In- und Ausland weniger wettbewerbsfähig werden.

In Handelsfragen ist Trump mindestens so protektionistisch wie Hoover im Jahr 1930. Er wird enttäuscht feststellen, dass trotz seiner Bemühungen, die angebliche Unfairness Chinas zu beheben, das US-Handelsdefizit gegenüber China fortbesteht; es stieg im ersten Halbjahr 2019 auf 244 Mrd. US-Dollar, verglichen mit 212 Mrd. US-Dollar im ersten Halbjahr 2018. Und da Amerika nun erwägt, Kapitalströme von China abzuziehen, dürfte sich der Handelskrieg eher noch verschärfen.

Dies geschieht zu einer Zeit, in der die im Umlauf befindliche Geld- und Kreditmenge seit der Lehman-Krise um 91 % gestiegen ist, was einer durchschnittlichen jährlichen Wachstumsrate von knapp über 6 % entspricht. Da die Sparquote über den Zeitraum hinweg unter Berücksichtigung der gestiegenen Verbraucherverschuldung weitgehend unverändert geblieben ist, kann die Geldmengenausweitung nur die Preisinflation und ein Handelsdefizit befeuern. Soweit Verbraucher billigere ausländische Waren kaufen, verschiebt das Handelsdefizit die Preisinflation lediglich. Indem Zölle die Preise für den Verbraucher erhöhen, ohne dass es einen entsprechenden Lohnanstieg gibt, und da seine Kreditkarten ausgereizt sind, dämpfen sie letztlich die Binnennachfrage insgesamt.

Dies ist der Mechanismus, durch den Einfuhrzölle letztlich die heimische Produktion untergraben, was in Unternehmensumfragen zunehmend sichtbar wird. Wir können diese Wirkung auch an Chinas allgemeinem Geschäftsniveau erkennen, das sich deutlich verlangsamt hat. Dadurch wurde wiederum der Handel anderer Länder mit China beeinträchtigt, wobei Deutschland besonders hart getroffen ist. Und erst vor zwei Tagen meldete Schweden, dessen offene Volkswirtschaft als Barometer für die Richtung des Welthandels gilt, einen drastischen Einbruch der Industrieaktivität. Tatsächlich scheint die Industrie überall ins Straucheln zu geraten.

Es besteht kein Zweifel, dass sich der Rückgang des Welthandels nun in den Volkswirtschaften der einzelnen Länder bemerkbar zu machen beginnt. Und weil die Ursache in der Störung des internationalen Handels liegt, sind die Gründe für die Beeinträchtigung des Binnenhandels nicht sofort ersichtlich, was wahrscheinlich erklärt, warum die Finanzmärkte dies alles scheinbar völlig ahnungslos hinnehmen.

Der Unterschied zwischen 1929–32 und heute

Vor 1933 beruhte der Dollar auf einem Goldkernwährungsstandard zu 20,67 Dollar je Unze, was bedeutete, dass Preise über den Dollar in Gold gemessen wurden. Als die Märkte durch das Zusammenwirken von Smoot-Hawley und der Wende im Kreditzyklus erschüttert wurden, war die Wirkung daher offensichtlich, denn die Kaufkraft des Goldes stieg.

Die heutige Lage ist anders. Anstatt dass ein US-Präsident Preisstützungs- und Beschäftigungsprogramme auflegt, werden die Zentralbanken heute schlicht inflationieren, um Preisstabilität zu erreichen. Rückgerechnete Verbraucherpreisstatistiken der US-Regierung besagen, dass die Verbraucherpreise zwischen 1929 und 1933 um 24 Prozent gefallen sind. Soll dies in den kommenden Jahren verhindert werden, vorausgesetzt, es entwickelt sich real eine ähnliche Situation, müsste die Kaufkraft des Dollars um mindestens 30 % sinken, wenn das Inflationsziel von zwei Prozent eingehalten werden soll.

Wäre es nur so einfach. Rückberechnungen der Verbraucherpreise sollten wir nicht allzu ernst nehmen, und der Zusammenhang zwischen Veränderungen der Geldmenge und den Preisen ist lose, da er davon abhängt, wie sehr die Öffentlichkeit es im Verhältnis zu Gütern halten möchte. Wahrscheinlich werden die Preisstabilisierungsprogramme der Zentralbanker am Ende die Papierwährungen destabilisieren, statt die Preise zu stabilisieren, sobald die Öffentlichkeit die Folgen immer aggressiverer Geldpolitik erkennt.

Der Zusammenbruch des Handels infolge protektionistischer Maßnahmen, verbunden mit einer Tendenz der Bankkredite, von erhöhten Niveaus aus zu schrumpfen, sobald sich die Banker der gestiegenen Kreditrisiken bewusst werden, führt stets zu systemischen Problemen für die Banken. Zwar wurde das Kapital der Banken in den USA nach der Lehman-Krise gestärkt (es ist um 41,6 % gestiegen), doch beträgt das Verhältnis von Gesamtvermögen zu Eigenkapital der Banken das 11,5-Fache, den höchsten jemals erreichten Wert.[iii] In guten Zeiten sichert ein solches Verhältnis hohe Profitabilität, in schlechten Zeiten bedeutet es, dass Verluste das Kapital der Banken rasch aufzehren.

Die Stimmung in Bankenkreisen wird sich schlagartig drehen, sobald die Banker aufhören, ihren beschwichtigenden hauseigenen Ökonomen zu glauben, und stattdessen auf das achten, was ihnen ihre Bankerinstinkte sagen. Sie werden rasch feststellen, dass die Krise im internationalen Handel die Kreditwürdigkeit inländischer Nichtfinanzunternehmen untergräbt. Zudem werden sie alles tun, um das Gegenparteirisiko gegenüber ausländischen Banken zu verringern, bei denen in ihren Heimatmärkten eine Insolvenz droht.

So sicher wie auf den Tag die Nacht folgt, wird sich eine weitere Bankenkrise rasch zuspitzen, voraussichtlich in größerem Ausmaß als vor zehn Jahren. Und die Ausfälle am Dollar-Repomarkt in den vergangenen Wochen deuten darauf hin, dass sich das Bankensystem bereits jetzt aufzulösen beginnt.

In der Zwischenkriegszeit erlebte die Welt eine deflationäre Depression. Dieses Mal scheinen wir auf eine inflationäre Depression zuzusteuern.



[i] Ein Großteil der Informationen zur Vorgeschichte des Smoot-Hawley Tariff Act stammt aus Professor Thomas Rusticis Lessons from the Great Depression (Capitalism Works Publishing, 2005)

[ii] Zu 20,67 Dollar je Unze entsprach dies heute 15.048 Tonnen Gold bzw. 726 Mrd. Dollar.

[iii] Siehe fred.stlouisfed.org/series/EQTA


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