Nach Amerikas Niederlage in Afghanistan ist die geopolitische Frage nun Taiwan, wo sich die Lage im Gefolge des AUKUS-Abkommens zuspitzt. Taiwan ist wichtig, weil es zwei Drittel der weltweiten Computerchips produziert. Die großen US-Banken wiegen sich unterdessen im Hinblick auf Taiwan in Sicherheit und schwelgen lieber in den Gewinnaussichten des chinesischen Finanzdienstleistungsmarktes von 45 Billionen US-Dollar.
Der Ausgang der Taiwan-Frage dürfte durch die Entwicklung wirtschaftlicher Faktoren entschieden werden. China schützt sich vor einer globalen Kreditkrise, indem es die Kreditschöpfung begrenzt, während Amerika voll auf MMT setzt. Das Ergebnis dürfte für Amerika eine kombinierte Finanzmarkt- und Dollarkrise sein, die auch seine westlichen Nachahmer mit in die Tiefe reißt. China hat sich abgesichert, indem es den Markt für physisches Gold aufgekauft und heimlich bis zu 20.000 bis 30.000 Tonnen in den nationalen Reserven angesammelt hat.
Sollte der Dollar scheitern, was ohne einen radikalen Kurswechsel in der Geldpolitik zu erwarten ist, rechnet China mit Rückendeckung durch sein Gold nicht nur damit, zu überleben, sondern auch damit, Taiwan mit geringem oder keinem Widerstand in sein Staatsgebiet einzugliedern.
Einleitung
Auf der einen Seite haben wir Amerika, auf der anderen China. Als Zivilisationen gibt Amerika seine moralischen Werte und sozialen Strukturen auf, während China entschlossen an seinen konfuzianischen und marxistischen Wurzeln festhält. Amerika neigt dazu, keine andere Zivilisation als zivilisiert anzuerkennen, während Chinas Führung die amerikanische Spielart kennengelernt hat und sie ablehnt. Beide Zivilisationsformen schotten sich gegeneinander ab, und die Notwendigkeit einer friedlichen Zusammenarbeit in einer multipolaren Welt wird zunehmend erschwert.Das Verständnis für den Standpunkt einer anderen Nation ist für ein friedliches Miteinander unerlässlich. Diese Binsenweisheit wurde nicht nur von Amerika missachtet, sondern auch vom westlichen Bündnis unter amerikanischem Druck. Die Bundesregierung und ihre Behörden betreiben eine Propagandakampagne gegen Chinas Exporte und Technologie, während der durchschnittliche Amerikaner weniger beunruhigt zu sein scheint. Vielleicht lässt sich dies darauf zurückführen, dass eine auf Einwanderern gegründete Nation eine weltoffenere Mentalität besitzt als ihr überwiegend angelsächsisches Establishment.
In Europa scheint es mitunter umgekehrt zu sein: Die Politiker sind eher bereit, China zu tolerieren, als ihre US-amerikanischen Amtskollegen. Hier spielt jedoch die Geografie eine Rolle, denn die Seidenstraßen führen nicht über Amerika, während die Schienenverbindungen zwischen China und Westeuropa effizient funktionieren und den lebenswichtigen Handel zwischen ihnen sicherstellen.
Die wirtschaftliche Verflechtung wird selten bedacht. Ebenso wenig die möglichen Folgen einer auseinanderlaufenden Wirtschafts- und Geldpolitik. Während China die inländische Kreditvergabe eingeschränkt hat, hat der Westen Währung und Kredite wie betrunkene Matrosen beim Landgang in Umlauf gebracht. Da China von zusätzlichen Krediten abgeschnitten war, wurde seine Wirtschaft bewusst gebremst, und auf seinen Immobilienmärkten entwickelt sich eine reale oder eingebildete Krise. Erst jetzt wird deutlich, dass die großen Volkswirtschaften des Westens in eigene Schwierigkeiten geraten.
Wirtschaftliche Destabilisierung erhöht das Konfliktrisiko, und vielleicht ist der Zeitpunkt der zunehmenden Spannungen im Südchinesischen Meer und um Taiwan kein Zufall. An der Wall Street herrscht eine Atmosphäre der Selbstzufriedenheit, und die US-Anlegergemeinschaft unter Führung der Großbanken ignoriert die sich abzeichnenden Risiken dieser Fehlentwicklung. Vor dem Hintergrund sich verschlechternder Beziehungen zwischen China und Amerika und angesichts der wachsenden Geringschätzung Chinas für die politische Entschlossenheit der USA gewinnt Taiwan geopolitisch außerordentlich an Bedeutung.
Chinas Pläne für Taiwan
Taiwan steht im Fadenkreuz der weltweiten Geopolitik, da Präsident Xi darauf besteht, dass es an China zurückfällt. Der Westen, der Taiwan in der Vergangenheit nicht vor Chinas Souveränitätsansprüchen geschützt und diese dadurch gebilligt hat, kommt ihm erst jetzt verspätet mit einer neuen Pazifikstrategie zu Hilfe. Die bereits an China gesendeten Signale lauten jedoch, dass das westliche Bündnis zu gespalten und zu schwach ist, um eine chinesische Übernahme zu verhindern. Dies dürfte die Überlegung hinter Chinas Versuchen sein, durch Verletzungen des taiwanischen Luftraums einen Angriff auf seine Luftwaffe zu provozieren. Und alles, was der Westen tun kann, ist, mit der Fahrt von Flugzeugträgern durch die Taiwanstraße den mahnenden Zeigefinger zu heben.Taiwan ist von Bedeutung, da es zwei Drittel der weltweiten Mikrochip-Versorgung stellt. Angesichts eines zaghaften Westens verleiht diese Tatsache China, das mit Taiwan den Markt beherrscht, große Macht. Zudem haben die großen Banken der Wall Street die Aussicht auf eine Beteiligung am chinesischen Finanzdienstleistungsmarkt von 45 Billionen US-Dollar fest im Blick und bereiten sich darauf vor. China hat damit sichergestellt, dass das US-Bankensystem zu viel investiert hat, um die US-Regierung bei einer Eskalation der Taiwan-Frage zu unterstützen.
Der Zeitpunkt der chinesischen Eskalation in der Taiwan-Frage scheint mit dem AUKUS-Atom-U-Boot-Abkommen zusammenzuhängen. Wenn das zutrifft, hat das Kräftemessen zwischen China und dem westlichen Bündnis gerade erst begonnen. Es gibt vier mögliche Ausgänge: China lenkt ein und die Spannungen lassen nach, Amerika und das westliche Bündnis weichen zurück und China erhält Taiwan, es kommt zu einer verhandelten Lösung, oder es folgt ein militärischer Krieg gegen China.
In diesem Zusammenhang ist es wichtig, die Zivilisationsfrage zu verstehen, die China und Amerika zunehmend trennt. Es besteht kaum Zweifel, dass das bis dahin normale Verhältnis zwischen Amerika und China gestört wurde, als Präsident Trump nationalistisch wurde. Seine Politik „Make America Great Again“ war eine Erklärung des Handelskrieges. Dazu kam ein politischer Angriff auf Hongkong, der China dazu veranlasste, Hongkong unter direkte Kontrolle des Festlands zu stellen. Es folgte ein Technologiekrieg, der zur Festnahme der Tochter des Huawei-Gründers in Kanada führte.
An der Politik von Präsident Biden gegenüber China scheint sich wenig geändert zu haben. Nachdem sich seine Regierung eingearbeitet hat, beginnt China, sie in der Taiwan-Frage auf die Probe zu stellen. Um dies einzuordnen, sollten wir die chinesische Kultur verstehen und wissen, warum der Staat sie so entschieden verteidigt, und wie die Führung Amerika und dessen Schwächen sieht. Denn dies steht hinter der wirtschaftlichen Entfernung Chinas vom Westen.
Chinas sich wandelnde politische Kultur
Seit seinem Amtsantritt als Präsident hat Xi den Staatsapparat Chinas reformiert. Nach der Machtübernahme im Jahr 2012 musste er die korrupten Seilschaften und Partikularinteressionen des vorherigen Regimes beseitigen. Er setzte die Operation Fox Hunt gegen korrupte Beamte in Gang, die Schätzungen zufolge Vermögenswerte im Gegenwert von mehr als einer Billion Dollar im Ausland beiseitegeschafft hatten. Bis 2015 waren über 180 Personen aus mehr als 40 Ländern nach China zurückgebracht worden. Der frühere Sicherheitschef Zhou Yongkang und der frühere stellvertretende Sicherheitsminister Sun Lijun landeten im Gefängnis, und die mächtige Fraktion der Kommunistischen Jugendliga um Hu Jintao wurde an den Rand gedrängt.Indem Xi rücksichtslos gegen korrupte Beamte vorging, beseitigte er die Interessengruppen, die ihm potenziell hätten gefährlich werden können. Er festigte sowohl seinen Rückhalt in der Bevölkerung als auch seinen eisernen Griff um die Kommunistische Partei für das kommende Jahrzehnt. Seine Zustimmungswerte in der Bevölkerung sind bis heute außerordentlich hoch.
An der wirtschaftlichen Front stand Xi vor großen Herausforderungen. Nachdem China zur Werkstatt der Welt geworden war, öffnete sich eine tiefe Wohlstandskluft zwischen den konzentrierten Produktionszentren und dem ländlichen China. Rund 600 Millionen Menschen müssen noch immer von einem Monatseinkommen von weniger als 1.000 Yuan (156 US-Dollar) leben. Eine rasch wachsende Stadtbevölkerung entzieht der ländlichen Wirtschaft zunehmend die Arbeitskräfte und untergräbt die Familienkultur.
Das Wohlstandsgefälle zwischen Stadt und Land ist zu einem wichtigen politischen Thema geworden. Deshalb hat Xi nicht nur Ressourcen wieder stärker auf die Landwirtschaft ausgerichtet, sondern auch hart gegen superreiche Unternehmer und deren rekordverdächtige Börsengänge durchgegriffen. In seiner Politik des „Gemeinsamen Wohlstands“ erklärte Xi, er sei nicht bereit, die Kluft zwischen Arm und Reich weiter wachsen zu lassen, und gemeinsamer Wohlstand sei nicht nur eine wirtschaftliche Frage, sondern „eine große politische Frage, die die Grundlagen der Regierungsführung der Partei betrifft“.
Nach Jahrzehnten des Kommunismus unter Mao geht Xi nun, nach Chinas anfänglicher Erholung und Entwicklung, gegen den ungezügelten Kapitalismus vor. Er und seine Berater haben den Zerfall der Familienwerte in Amerika und den Aufstieg des Individualismus auf Kosten des Familienlebens beobachtet und gesehen, wie diese Tendenzen über die Populärkultur von Chinas Jugend übernommen werden. Der Staat hat inzwischen soziale Medien nach westlichem Vorbild abgeschaltet und die Prominentenkultur ausgelöscht.
Die gesellschaftlichen Auswirkungen des kulturellen Wandels werden oft übersehen, doch stehen sie bei Chinas politischen Entscheidungsträgern ganz oben auf der Agenda. Jahrtausendelang bestand eine staatlich gelenkte chinesische Zivilisation fort. Trotz der Kulturrevolution gelang es den Jahren Mao Zedongs nach dem Krieg nicht, sie auszulöschen. Dem freien Markt nie zugeneigt, hat sich das etatistische Denken nach innen auf Konfuzius und Marx besonnen, um den offenkundigen Schwächen des amerikanischen Kapitalismus und dessen Abkehr von familiären Werten hin zu Individualismus und hemmungsloser Spekulation zu entgehen.
Dies spiegelt Xi in seiner Präsidentschaft wider. Sein wichtigster Berater, seine graue Eminenz, ist Wang Huning, der im politischen Schatten wirkt. Allem Anschein nach ist Wang äußerst klug, spricht Französisch und Englisch, hat ein Jahr in Amerika verbracht und ist ein tiefgründiger Denker, der die westlichen Werte geprüft und zugunsten der chinesischen Tradition verworfen hat. NS Lyons, ein in Washington, DC lebender Analyst und Autor, hat über Wang einen interessanten Artikel verfasst, der im Palladium Magazine erschienen ist – er ist die Lektüre wert.[i]
Wie wir bei der nur vorübergehenden grauen Eminenz des Vereinigten Königreichs, Dominic Cummings, gesehen haben, ist der Einfluss einer solchen Person beträchtlich, bewegt sich aber stets in einem etatistischen Rahmen. Die Ökonomie freier Märkte spielt keine Rolle, außer als Einnahmequelle zur Finanzierung etatistischer Ambitionen. Das Ergebnis ist eine bloße Annahme, eine Unkenntnis wirtschaftlicher Zusammenhänge, die hinter der selbstverständlichen Hinnahme des Status quo verborgen bleibt.
Das ist Wangs Schwachstelle, und soweit Xi sich auf dessen Rat stützt, ist es auch die des Präsidenten. Wang scheint eine konfuzianisch-marxistische Hybridzivilisation zu fördern, die Chinas viele ethnische Gruppen in einer staatlich vorgegebenen Kultur vereinen und zu einer Moral vergangener Zeiten zurückführen soll. Im Vergleich der Zukunft Chinas mit der amerikanischen Demokratie und ihrem moralischen Verfall ist dieser Ansatz nachvollziehbar und findet Rückhalt in der Bevölkerung. Die Folge ist jedoch, dass der Staat zurück zu seinen marxistischen Wurzeln driftet. Die zentrale Lenkung der Wirtschaft zeigt sich exemplarisch in der Energiepolitik: Die Energieunternehmen wurden angewiesen, die Fabriken ohne Stromausfälle am Laufen zu halten, unabhängig von den Kosten für Kohle und Erdgas. Tatsächlich hat der Staat die Steuerung der Wirtschaft nie aus der Hand gegeben und verstärkt nun seine Bemühungen, die Kontrolle über die wirtschaftlichen Ergebnisse zu behalten.
Man kann lediglich sagen, dass die Chinesen bislang bei der Steuerung ihrer Wirtschaft und Währung deutlich weniger Unordnung angerichtet zu haben scheinen als die amerikanische Bundesregierung und ihre Zentralbank.
Auch die politischen Folgen sind von Bedeutung. Indem China den Strom der westlichen moralischen Dekadenz auf dem eigenen Territorium eindämmt, schottet es sich vom übrigen, von Amerika dominierten Teil der Welt ab. Dies wird durch Schritte gestützt, den Schwerpunkt vom Exporthandel auf den Inlandskonsum zu verlagern, um den Lebensstandard zu verbessern. Dadurch wird China stärker zu einer wirtschaftlichen Festung, die sich in Afrika und Amerika vor allem für Rohstoffe und Handelsgüter interessiert und nicht für Absatzmärkte, die es zu fördern gälte. Chinas Internationalismus der letzten vier Jahrzehnte wird zunehmend umgelenkt und auf den eurasischen Kontinent beschränkt, über den es ein größeres Maß an politischer und wirtschaftlicher Kontrolle ausübt. Das führt uns zurück zu den Fragen um Taiwan und das Südchinesische Meer, die China als Festigung seiner rechtmäßigen politischen und kulturellen Grenzen betrachtet.
Die zunehmende Autarkie sowohl Chinas als auch Amerikas erschwert jedoch eine friedliche Lösung der Taiwan-Frage. Zudem müssen wir die gegenläufigen Entwicklungsrichtungen der beiden Volkswirtschaften bedenken, die den Ausschlag geben könnten.
Die wirtschaftliche Lage und die Aussichten der USA
Es herrscht die irrige Annahme, die wirtschaftlichen Probleme der USA seien allein auf die Folgen der Covid-Lockdowns zurückzuführen. Sicher ist, dass die Fed die Senkung des Leitzinses auf die Nullgrenze sowie ihre derzeitige, beispiellose quantitative Lockerung (QE) von 120 Mrd. US-Dollar pro Monat zeitlich auf März 2020 legte, als in Europa und im Vereinigten Königreich die Lockdowns begannen. Und trotz der Ausflüchte von Präsident Trump zeichnete sich ab, dass die USA folgen würden.Dies lässt jedoch Entwicklungen außer Acht, die Covid vorausgingen. Wahrscheinlich aufgrund der früheren Rückführung der QE im Jahr 2019 signalisierten die Finanzmärkte einen sich abzeichnenden Einbruch: Der S&P 500 fiel bis Mitte März 2020 innerhalb von 23 Handelstagen um 35 % – eine gespenstische Wiederholung des Börsenkrachs an der Wall Street zwischen Ende September und Ende Oktober 1929. Erst die Senkung des Leitzinses der Fed auf die Nullgrenze und monatlich 120 Mrd. US-Dollar an QE, die in Pensionsfonds und Versicherungsgesellschaften flossen, ließen die Märkte wieder steigen. Die Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen fiel auf 0,5 %, und die Aktienmärkte stiegen auf der Grundlage eines neuen Maßstabs der relativen Bewertung sprunghaft an.
Nach dem Zusammenbruch am Repo-Markt im September 2019 wurde deutlich, dass die Bilanzen der Banken zu stark begrenzt waren, um zusätzliche Bankkredite zu vergeben. Herkömmlich betrachtet hätte dies die Wende im Bankkreditzyklus markieren können, weshalb der Vergleich mit Ende 1929 so treffend war. Zudem waren die Banken, nachdem sich die Finanzmärkte stabilisiert hatten, weniger daran interessiert, der Realwirtschaft Kredite zu gewähren als der Wall Street.
Die Erholung der Aktienkurse und ihr Vorstoß auf neue Höchststände sind schlicht Vermögenspreisinflation. Spekulanten haben rasch die QE-Liquidität der Fed ergänzt, indem sie Bank- und Schattenbankkredite in Anspruch nahmen, um mitzuspielen. Abbildung 1 zeigt, dass sich die Wertpapierkredite (Margin Loans) beinahe verdoppelt haben, seit der Aktien-Bullenmarkt ab Ende März 2020 verlief. Nie zuvor war an den US-Wertpapiermärkten so viel Hebel zu beobachten.

Während der Covid-Lockdowns trafen in der Wirtschaft über das reine Überleben hinaus nur wenige Entscheidungen mit Blick auf die Zukunft. Man ging allgemein davon aus, dass das Geschäft nach dem Ende der Lockdowns zur Normalität zurückkehren würde. Dies berücksichtigte jedoch weder den Lauf der Zeit noch die Entwicklung der Bedürfnisse und Wünsche der Verbraucher. Achtzehn Monate später stellen wir fest, dass die Lieferketten weiterhin aus dem Takt sind, durch die Covid-Stilllegungen gestört wurden und neu benötigte Güter nicht liefern. Die Nachfragemuster der Verbraucher entsprechen nicht dem Stand vor den Lockdowns – sie haben sich grundlegend verändert.
Die Dynamik der US-Wirtschaft erweist sich nun als kurzlebig. Die anfängliche Flut an Ausgaben nach den Lockdowns ist abgeebbt, und es wirken nun andere Faktoren. Lieferengpässe aufgrund fehlender Komponenten, Transportkapazitäten und Arbeitskräfte treiben die Preise in einem Tempo nach oben, das sich in den amtlichen Statistiken nicht widerspiegelt.
Faktisch wird das BIP nicht ausreichend um die Preissteigerungen im Einzelhandel bereinigt, um eine vernünftige Schätzung des realen BIP zu erhalten. Da die Preise wahrscheinlich mit über 15 % auf das Jahr gerechnet steigen (Shadowstats.com schätzte vor drei Monaten 13,5 %, und der Preisdruck hat seither deutlich zugenommen), befindet sich die US-Wirtschaft in einem Einbruch, der allmählich dem von vor neunzig Jahren gleicht. Der Unterschied besteht darin, dass der Dollar in den Jahren 1930–33 an einen Goldmünzstandard gebunden war und seine Kaufkraft stieg, als Bankkredit abgezogen wurde, während er heute reines Papiergeld ist und in zunehmendem Tempo an Wert verliert.
Auf breiter Front steigende Preise sind eine andere Art zu sagen, dass die Kaufkraft der Währung sinkt, was angesichts der Geldpolitik der Fed in den vergangenen Jahren nicht überrascht. Abbildung 2 zeigt die Auswirkungen der Geldpolitik der Fed auf die Rohstoffpreise, die die Schwäche des Dollars als Tauschmittel widerspiegeln.

Da es zwischen einigen Wochen und sechs Monaten dauert, bis Energie- und Rohstoffpreise bei den Verbraucherpreisen ankommen, deutet der jüngste Preissprung bei den Rohstoffen stark darauf hin, dass die Verbraucherpreise bis weit ins nächste Jahr hinein weiter steigen werden. Dennoch beginnen die Fed und andere Zentralbanken erst jetzt zu akzeptieren, dass die steigenden Preise nicht so vorübergehend sein werden, wie sie anfangs gehofft hatten. Der Grund ist, dass nicht die Preise steigen, sondern die Kaufkraft des Dollars sinkt. Sobald sie dies vollständig erkennen, werden ausländische Dollarhalter, die insgesamt 33 Billionen US-Dollar in Wertpapieren, kurzfristigen Instrumenten und Bankeinlagen halten, höhere Zinsen als Ausgleich verlangen, um weiterhin Dollar zu halten. Und hier entsteht ein widersprüchliches Problem.
Ein Zinsanstieg, der ausreicht, um ausländische Dollarhalter für den Kaufkraftverlust der Währung zu entschädigen, wird den Wert ihrer US-Aktienbestände untergraben, die sich auf insgesamt 14 Billionen US-Dollar belaufen, von denen 12 Billionen US-Dollar von ausländischen Privatanlegern gehalten werden. Darüber hinaus sind weitere 12,5 Billionen US-Dollar an ausländischen Privatgeldern in langfristigen Anleihen angelegt, die ebenfalls an Wert verlieren werden. Höhere Zinsen werden mit Sicherheit auf breiter Front Verkäufe dieser Vermögenswerte durch den Privatsektor auslösen.
Das Schicksal der ausländischen staatlichen Bestände an langfristigen Wertpapieren in Höhe von 6,6 Billionen US-Dollar wird teils politisch bestimmt sein, wie die jüngsten TIC-Zahlen des US-Finanzministeriums zeigen: China verkaufte US-Staatsanleihen im Wert von 21 Mrd. US-Dollar, während Japan und das Vereinigte Königreich zusammen 39 Mrd. US-Dollar kauften. Dies legt nahe, dass Swap-Linien in Anspruch genommen werden, um den Markt für US-Staatsanleihen zu stützen, während die USA, sei es über das Finanzministerium, den Exchange Stabilization Fund oder die Fed selbst, vermutlich im Gegenzug JGBs und Gilts gekauft haben.[ii]
Dieser Punkt ist erwähnenswert, weil er zeigt, wie niedrige Anleiherenditen durch die Zusammenarbeit der großen Zentralbanken aufrechterhalten werden, einschließlich der damit verbundenen Geldmengeninflation. Dadurch werden Anleger im Privatsektor durch Preisstabilität in die Irre geführt, während Anleihen massiv überbewertet sind.
Man kann es auch so betrachten: Wenn John Williams von Shadowstats mit den Inflationsstatistiken recht hat, dann müssten US-Staatsanleihen entlang der gesamten Zinsstrukturkurve bis zu 10 % rentieren. Möglicherweise zeigt der jüngste Anstieg der Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen in Abbildung 2 den Beginn dieses Entdeckungsprozesses für ausländische und inländische Anleger gleichermaßen an.

Das Chart zeigt, dass nach Überwindung der Marke von 1,75 % erhebliches Aufwärtspotenzial bei der Rendite besteht, wobei sich unterhalb des aktuellen Kurses ein Golden Cross bildet. Sollten die Renditen von hier aus steigen, wird es nicht lange dauern, bis die Aktienmärkte dies zur Kenntnis nehmen und in einen ausgewachsenen Bärenmarkt eintreten.
Die erste Reaktion der Fed auf diese Entwicklungen wird mit ziemlicher Sicherheit darin bestehen, fallende Aktienkurse als Frühindikator für die Konjunktur darzustellen, was auf eine Rezession nach der Covid-Krise hindeute. Die Zinsen können nicht weiter gesenkt werden, aber die quantitative Lockerung (QE) kann ausgeweitet werden, um die Anleiherenditen zu deckeln und Pensionsfonds sowie Versicherungsgesellschaften zu mehr Investitionen zu ermutigen. Dies wäre eine Kehrtwende gegenüber dem geplanten Kurs, die QE wegen der Inflationssorgen zu reduzieren. Doch dann ist zu erwarten, dass das neokeynesianische Argument vorbringt, die sich entwickelnde Rezession überwiege etwaige Inflationssorgen bei Weitem.
Angesichts derselben Dynamik werden die übrigen führenden Zentralbanken mit Sicherheit der neuen Politik der Fed folgen. Doch wie John Law in einer ähnlichen Lage 1720 in Frankreich feststellte, scheitert der Versuch, einen scheiternden Aktienmarkt (in seinem Fall das Mississippi-Unternehmen) durch Währungs- und Kreditausweitung zu manipulieren, letztlich und untergräbt die Währung. Law zerstörte die französische Wirtschaft, anders als bei der britischen South-Sea-Blase, bei der die Bank of England nicht beteiligt war und ihre Währung nicht einsetzte, um die Märkte in die Höhe zu treiben.
Heute scheint es, dass Laws Experiment vom Emittenten der Weltreservewährung in größerem Maßstab wiederholt werden soll. Die anderen großen westlichen Zentralbanken werden folgen. Das gesamte Papiergeldsystem droht in ein ähnliches Scheitern getrieben zu werden wie dasjenige, dem der französische Livre gegenüberstand. Wo würde das China hinterlassen?
Chinas wirtschaftliche und monetäre Aussichten
Wie oben erwähnt, verfolgt China schon seit einiger Zeit, besonders deutlich seit März 2020, einen anderen geldpolitischen Kurs als die Fed. Folglich hat der Yuan seitdem gegenüber dem Dollar zugelegt, wie Abbildung 4 zeigt.
Nach anfänglicher Unsicherheit begann der Yuan gegenüber dem Dollar zu steigen und liegt nun etwa 10 % über dem Niveau von Ende März 2020. Das ist noch nicht signifikant, da der handelsgewichtete Index des Dollars um einen ähnlichen Betrag gefallen ist. Angesichts der chinesischen Geldpolitik, die Schattenbanken und eine übermäßige Kreditschöpfung der Banken eindämmt, im Vergleich zur expansiveren Geldpolitik der Fed ist jedoch zu erwarten, dass sich der Trend zu einem stärkeren Yuan gegenüber dem Dollar fortsetzt.
In neokeynesianischer Sprache befindet sich China in einer Phase der Deflation, die zu fallenden Preisen im Vergleich zu den in Dollar gemessenen führt. Das verfehlt jedoch den Kern: China hat sorgfältig darauf geachtet, Spekulation mit Finanzanlagen nicht zu fördern, was sich in der relativen Entwicklung der Aktienmärkte widerspiegelt, die in Abbildung 5 dargestellt ist.

Aus chinesischer Sicht muss die übermäßige Finanzspekulation, die von der Fed unterstützt und begünstigt wird, wie die Verschleierung eines zugrunde liegenden wirtschaftlichen Versagens wirken. Jeder Strang ihrer Analyse muss auf einen wirtschaftlichen Zerfall hindeuten, vor dem sich China schützen muss. Die Kreditexpansion muss begrenzt werden, und der Yuan sollte an den Devisenmärkten steigen dürfen. Die Verlagerung des politischen Schwerpunkts von den Exportmärkten hin zu einem höheren Binnenkonsum sollte beschleunigt werden. Ohnehin ist China der weltweit dominierende Hersteller und hat daher ein beträchtliches Maß an Kontrolle über die Preise von Konsumgütern im internationalen Handel. Die Preise importierter Rohstoffe sind heute wichtiger, und steigenden Dollarpreisen für Rohstoffe und Energie kann mit einem höheren Wechselkurs des Yuan begegnet werden.
Die Politik des geringsten Risikos besteht für den Staat darin, die chinesische Wirtschaft still und leise vom Einfluss des Dollars zu lösen. Indem China einen Teil seines Handels auf den Yuan und andere Währungen umstellt, tut es dies seit dem Zusammenbruch von Lehman, der ein weiterer prägender Moment im chinesischen Denken war. Die kulturelle Analyse lautet, dass Amerika nun seine eigene Währung auf ein endgültiges Ereignis zusteuert, ein Ausgang, den Wirtschaftsprofessoren an Chinas marxistischen Universitäten bereits vor über fünfzig Jahren vorhergesagt haben. Die Phase nach Mao, in der man sich an amerikanische kapitalistische Methoden anhängte, ist nicht länger tragfähig.
Der goldene Rückhalt
Wie die marxistischen Professoren an den Universitäten waren auch Chinas Denker, etwa Wang Huning und Präsident Xi selbst, stets überzeugt, dass Amerika politisch und moralisch orientierungslos sei und sich selbst zerstören werde. Vermutlich gilt in Peking die Wahl des unberechenbaren Trump, gefolgt von einem Präsidenten Biden, der sich offenbar in einem altersbedingten Abbau befindet, als Beleg dafür, dass die amerikanische Gesellschaft tatsächlich orientierungslos ist und implodiert.Im Hinblick auf dieses wahrscheinliche Ereignis begannen weitsichtige chinesische Strategen 1983, Gold anzuhäufen und den Weltmarkt für Edelmetall aufzukaufen. Ihnen muss klar gewesen sein, dass der Tanz mit den kapitalistischen Teufeln eines Tages zu gefährlich werden würde und Chinas Zukunft von vornherein, lange vor einem kapitalistischen Zusammenbruch, gesichert werden musste.
Dementsprechend wurden am 15. Juni jenes Jahres die Vorschriften zur Kontrolle von Gold und Silber erlassen, die der Volksbank (PBOC) die alleinige Verantwortung für die Verwaltung von Chinas Gold und Silber übertrugen, während Privatbesitz weiterhin verboten blieb. Die PBOC begann dann, Gold auf ausländischen Märkten zu erwerben, was durch den Bärenmarkt von 1980 bis 2002 erleichtert wurde. Gleichzeitig steckte die Regierung erhebliche Mittel in den Ausbau des Goldbergbaus und wurde mit deutlichem Abstand zum größten Goldproduzenten der Welt, vor Südafrika, Russland und den Vereinigten Staaten. Staatliche Raffinerien nahmen Doré aus dem Ausland auf und trugen so zur Anhäufung bei.
Erst nachdem die PBOC durch Importe und die heimische Produktion ausreichend Edelmetall angesammelt hatte, richtete sie 2002 die Shanghai Gold Exchange ein und erlaubte chinesischen Bürgern den Goldkauf. Die Regierung führte sogar Werbekampagnen durch, die zum Kauf von Gold ermutigten, und seither wurden aus den Tresoren der SGE über 19.000 Tonnen in Privatbesitz überführt.
Zusammen mit dem vollständigen Exportverbot für in China raffiniertes Gold, dem Verbot des Privatbesitzes vor 2002, solange der Staat genügend Edelmetall für seine Zwecke erwarb, und der anschließenden Ermutigung der Bevölkerung, es ihm gleichzutun, betrachtete China Gold offensichtlich als sein wichtigstes strategisches Gut. Es hat seine Karten noch immer nicht aufgedeckt, doch angesichts der wahrscheinlichen Mengen würde dies die Gefahr bergen, die dollarzentrierte Welt der Papierwährungen zu destabilisieren. Bis dahin sollten wir davon ausgehen, dass die 20.000 bis 30.000 Tonnen, die seit 1983 vermutlich auf verschiedenen staatlichen Konten angesammelt wurden, eine Versicherung gegen das Scheitern des amerikanischen Kapitalismus und der Weltreservewährung sind.
Dies führt uns zurück zur Taiwan-Frage. Für China könnte die Wiedereingliederung Taiwans einfacher werden, wenn die kapitalistischen Amerikaner wirtschaftlich am schwächsten sind und der Dollar zusammenbricht. Taiwan selbst könnte sich dieser Realität stellen. Einige Schritte, um Amerika auf seinem Weg zu beschleunigen, könnten verlockend sein, etwa der Abbau der Bestände an US-Staatsanleihen (bereits im Gange) oder die Offenlegung deutlich höherer Goldreserven. Letzteres könnte warten, bis sich eine Dollarkrise tatsächlich entwickelt, was nun sicherlich nur noch eine Frage kurzer Zeit ist.
[i] Siehe https://palladiummag.com/2021/10/11/the-triumph-and-terror-of-wang-huning/
[ii] Siehe US-Finanzministerium, TIC, wichtigste ausländische Halter, August 2021.
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