Im Krieg zwischen der westlichen Allianz und der asiatischen Achse richtet sich der Medienfokus auf das ukrainische Schlachtfeld. Der eigentliche Krieg findet jedoch an den Währungsmärkten statt, wobei Russland in der Lage ist, den Dollar zu zerstören.
Bisher war Putins Vorgehen relativ passiv. Doch Russland und China haben bereits genug Gold angesammelt, um Goldstandards einzuführen. Es liegt nun in hohem Maße in ihrem Interesse, dies zu tun.
Aus Sergej Glasjews jüngstem Artikel in einer russischen Wirtschaftszeitung geht klar hervor, dass die Abrechnung von Handelsbilanzen zwischen Mitgliedern, Dialogpartnern und assoziierten Mitgliedern der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ) optional in Gold erfolgen wird. Darüber hinaus würde die russische Wirtschaft enorm von einem Rückgang der Kreditzinsen profitieren, von derzeit über 13 % auf ein Niveau, das eher einem soliden Geldwesen entspricht.
Um die Folgen zu verstehen, wird in diesem Artikel die Fiat-Währungs- und Defizitpolitik der westlichen Allianz mit der geplanten industriellen Revolution der russisch-chinesischen Achse für rund 3,8 Milliarden Menschen in der SOZ-Familie verglichen. China verfügt über eine bemerkenswerte Sparquote, die das Investitionskapital für eine rasche Zunahme der Industrialisierung in Asien ohne inflationäre Folgen untermauern wird.
Da in der Ukraine in Kürze eine neue Runde militärischer Handlungen beginnen dürfte, liegt es in Putins Interesse, von der Passivität zu finanzieller Aggression überzugehen. Es würde ihn nicht viel kosten, das gesamte westliche Fiat-Währungssystem zu untergraben – eine Gefahr, die ein kriegslüsterner NATO-Militärkomplex kaum erkennt.
Einleitung
Im geopolitischen Gerangel zwischen den alten und den neuen Hegemonen sehen wir die beste und die schlechteste aller Strategien, in denen Glaube gegen Leichtgläubigkeit steht. Es ist die Zeit des Lichts und die Zeit der Finsternis, der Frühling der Hoffnung und der Winter der Verzweiflung …
Einige der berühmten Eingangszeilen von Charles Dickens’ Zwei Städte zur Beschreibung des gegenwärtigen Zustands der Weltpolitik heranzuziehen, fasst das Potenzial einer neuen industriellen Revolution in ganz Asien und weiten Teilen der übrigen unterentwickelten Welt zusammen (die beste der Zeiten) – im Gegensatz zur westlichen Allianz, unterstützt von ihrem militärischen Arm, der NATO, die entschlossen ist, die Pläne der neuen Hegemonen auf Kosten der eigenen Bevölkerung zu unterdrücken (die schlimmste der Zeiten). Ironischerweise sind es jene Nationen, die sich mit den Gegnern der westlichen Allianz verbünden, die am meisten von deren Stellvertreterkrieg profitieren werden.
Plus ça change. Doch wir müssen Dickens hinter uns lassen und unsere moderne Lage genauer betrachten: Die auf Finanzen und Währung beruhende Hegemonie Amerikas hat ihren Nutzen für die Weltordnung überdauert. Wir müssen anerkennen, dass sich seit der russischen Konterrevolution von 1989, als die Berliner Mauer fiel, und in China nach Maos Tod eine neue Ordnung herausbildet. Seit über dreißig Jahren besteht die Aussicht auf eine neue wirtschaftliche Befreiung nicht nur für Russland und China, sondern für nahezu die gesamte unterentwickelte Welt. Die Geschichte zweier Welten handelt von den Regierungen der etablierten 1,2 Milliarden Menschen in den sogenannten fortgeschrittenen Volkswirtschaften, die entschlossen sind, die übrigen 6,7 Milliarden daran zu hindern, sie herauszufordern. Es ist ein Zusammenprall zwischen produktionsbasierten Volkswirtschaften und Volkswirtschaften, die zunehmend auf Dienstleistungen und Finanzen beruhen. Es ist ein Zusammenprall zwischen realen und ätherischen Werten. Er entwickelt sich zu einem Zusammenprall zwischen Fiat-Währungen und solidem Geld.
Die Ukraine und die Rolle Deutschlands
Heute konzentriert sich der Zusammenprall der Hegemonen auf die Ukraine. Er hat sich bereits von Afghanistan dorthin verlagert, und zuvor von Syrien. Jedes Mal ist es Amerika, das die NATO und das Geheimdienstnetzwerk der Five Eyes anführt, nicht gelungen, die asiatische Achse zu besiegen, da diese sich weigerte, in einen offenen Konflikt hineingezogen zu werden. Abgesehen von der Verteidigung ihrer unmittelbaren Interessen haben Russland und China zugesehen, wie die NATO langsam auseinanderfällt. Zuerst weigerten sich die Briten, einen umfassenden Konflikt in Syrien zu unterstützen. Dann war es die Türkei, ein NATO-Mitglied, das seine Interessen verständlicherweise eher im Einklang mit den asiatischen Hegemonen sieht. Wird Deutschland als Nächstes folgen?
Die Befürchtung in Washington muss sein, ob Deutschland in ähnlicher Weise seine sehr offensichtlichen wirtschaftlichen Interessen verfolgen wird, indem es sich stärker an Russland und China und weniger an seine NATO-Herren anlehnt. Diesen Interessenkonflikt sahen wir in der Unterströmung um Deutschlands Zögern, der NATO die Entsendung von Leopard-Panzern in die Ukraine zu gestatten. Uns wurde dies als Zurückhaltung verkauft, deutsche Waffen in ein Kriegsgebiet zu schicken, das zuletzt von den Nazis überfallen wurde. Zweifellos hat dies einige unangenehme Erinnerungen geweckt, doch das gesamte Selbstverständnis des Deutschlands nach dem Fall der Berliner Mauer bestand in der friedlichen Entwicklung seiner eigenen wirtschaftlichen Interessen im Osten.
Für die russisch-chinesische Achse wäre die Wiederherstellung der Handelsbeziehungen mit der industriell geprägten deutschen Volkswirtschaft von offensichtlichem gegenseitigem Nutzen. Ebenso würde sie das Ende der EU in ihrer heutigen Form bedeuten. Vielleicht ist es gerade die Position Deutschlands in diesem Zusammenhang, die die USA und ihr NATO-Establishment in Konflikte um die Ukraine treibt, in denen es um alles oder nichts geht.
Wir sollten einen Schritt zurücktreten und die Lage aus deutscher Sicht betrachten. Seit der Niederlage im Zweiten Weltkrieg ist Deutschland zentral für die Existenz der NATO. Lord Ismay, der erste Generalsekretär der NATO, formulierte ihren Zweck treffend: die Sowjetunion draußen, die Amerikaner drinnen und Deutschland unten zu halten. Und da die Geschichte des Hitler-Stalin-Pakts (Ribbentrop-Molotow-Pakt) allen noch im Hinterkopf ist, fasst dies die Lage bis heute zusammen. Aus Sicht der USA war die NATO die militärische Lösung für Europa, während sich die politische Lage nur lösen ließ, indem Deutschland in Westeuropa eingebunden wurde.
Es gab mehrere Behauptungen darüber, wer der Vater eines vereinten Europas gewesen sei, doch die Version, die sich durchsetzte, wurde vom American Committee on United Europe (ACUE) autorisiert, das 1948 von führenden amerikanischen Geheimdienstvertretern der CIA gegründet wurde.[i] Deutschland kuscht noch immer fünfundsiebzig Jahre später vor dem US-Geheimdienst.
Doch wie die jüngste Episode um die Leopard-Panzer gezeigt hat, gibt es einigen Widerstand gegen diesen Status quo. Wir wissen zudem, dass auch andere hochrangige Deutsche mit dem Geldregime der EZB unzufrieden sind. Jens Weidmann, der im Oktober 2021 als Präsident der Bundesbank zurücktrat, ist nicht der einzige Kritiker der Geldpolitik, auch wenn die Bundesbank inzwischen von Kritikern der EZB bereinigt worden zu sein scheint.
Es gibt daher zwei Dinge, die Deutschland bremsen. Es wurde gezwungen, seine Grundsätze solider Geldpolitik aufzugeben und sich von seinen natürlichen Märkten in Asien abzuschneiden. Doch eine Wiederaufnahme der von der NATO unterstützten Feindseligkeiten wird die Unterdrückung Deutschlands durch das politische und militärische Establishment der USA deutlich hervortreten lassen. Bundeskanzler Scholz wird wissen, dass Russland sich höchstwahrscheinlich nicht leicht besiegen lässt. Wenn überhaupt, ist dieses bevorstehende Unternehmen der NATO der letzte verzweifelte Wurf der westlichen Allianz. Und ungeachtet der NATO muss Scholz sich seine Optionen offenhalten.
Sollte die NATO entgegen aller Propaganda des Bündnisses in der Ukraine nicht siegen, Russland seine Position festigen und Putin ein starker russischer Staatschef bleiben, muss Deutschland auf eine politische Verständigung mit Russland vorbereitet sein. Es geht nicht nur um geografische Nähe: Deutschland hat ein ausgeprägtes industrielles Selbstverständnis und profitiert vom Zugang zu russischen Ressourcen, von Absatzmärkten für seine Produkte und über Russland von einem erneuerten Zugang zu China und der Zusammenarbeit mit diesem.
Offensichtlich hat Deutschlands wirtschaftliches Selbstverständnis mehr mit der industriellen Revolution gemein, die von der asiatischen Achse geplant wird, und mit deren aufkommenden Plänen für solides Geld, als mit dem der meisten seiner EU-Partner. Wäre Deutschland nur frei von der politischen Kontrolle der USA, könnte es mit der Zeit eine neue Hanse begründen, einen Handelskorridor von Osteuropa, der das Baltikum und die Niederlande einschließt. Überlegungen dieser Art müssen das US-Establishment entschlossen machen, seinen Griff um Deutschland und die übrige EU nicht zu lockern.
Es gibt keine erkennbare Grundlage für einen Waffenstillstand in der Ukraine
Es wurde die Hoffnung geäußert, dass vor einer Eskalation eines neuen Konflikts ein Waffenstillstand ausgerufen wird, der zu Friedensverhandlungen führt. Weniger kriegslüsterne Stimmen haben Verhandlungen gefordert, allen voran Henry Kissinger. Es dürfte auch einige Treffen auf diskreten Kanälen gegeben haben, etwa jenes zwischen William Burns von der CIA und Sergej Naryschkin, dem Chef des russischen Auslandsgeheimdienstes, im vergangenen November in Ankara.
Laut Pepe Escobar, der wahrscheinlich der erfahrenste Berichterstatter in diesen Fragen ist, der nicht für die westlichen Mainstream-Medien arbeitet, haben die Amerikaner erst diese Woche „ein Angebot gemacht, das die Russen nicht ablehnen können“[ii]. Es wurde in einem Gastbeitrag der Washington Post dargelegt, der Kiew völlig umgeht und eine Teilung der Ukraine samt einer Vereinbarung über ein militärisches Gleichgewicht nach dem Krieg anbietet. Das Problem bei diesem Ansatz ist, dass die Amerikaner dafür bekannt sind, Russland Versprechen zu machen, die sie später brechen. Vor allem versprach US-Außenminister James Baker im Februar 1990 Michail Gorbatschow, die NATO-Erweiterung werde „keinen Zoll nach Osten“ erfolgen, und dies sei eines von „einer Kaskade ähnlicher Versprechen“[iii].
Russland misstraut den Amerikanern nicht nur, sondern befindet sich auf dem Schachbrett der internationalen Diplomatie auch dann in der stärkeren Position, wenn die Züge von den Amerikanern ausgehen. Von den Amerikanern initiierte Friedensgespräche würden diese mit ziemlicher Sicherheit dazu zwingen, russischen Forderungen nachzugeben, ebenso wie Russland in der schwächeren Position wäre, wenn es selbst Friedensgespräche anstoßen würde. Die zentrale Frage wird sein, ob Amerika bereit ist, seine Kontrolle über Westeuropa aufzugeben. Die Russen dürften darauf bestehen. Es wäre das Ende der NATO, und an ihre Stelle müsste ein neues europäisches Verteidigungsbündnis ohne amerikanische Beteiligung treten.
Darüber hinaus wäre es Russland ohne eine Einigung recht, wenn die NATO sich weiter in Widersprüche verstrickt. Aus Sicht eines unabhängigen Beobachters war die Entscheidung des westlichen Bündnisses, Russland in einem ukrainischen Stellvertreterkrieg besiegen zu wollen, ein strategischer Fehler mit unbeabsichtigten Folgen. Er wiegt so schwer wie das Versagen der US-Geheimdienste in Bezug auf die Massenvernichtungswaffen des Irak. Diesmal bestand der Fehler darin, die Stärke der russischen Wirtschaft und ihrer Finanzlage zu unterschätzen.
Die Sanktionen sollten Russland lähmen, doch stattdessen lähmten sie das westliche Bündnis, während der Rubel 2022 die beste Währungsentwicklung verzeichnete. Und die westlichen Medien behaupten weiterhin, Russland erleide untragbare Einbußen bei den Handelseinnahmen, und das zu einer Zeit außergewöhnlich hoher Militärausgaben.
Zweifellos ist daran etwas Wahres. Doch die zugrunde liegende russische Wirtschaft ist weitaus gesünder, als uns glauben gemacht wurde. Und trotz massiver Verpflichtungen bei den Militärausgaben lag das Haushaltsdefizit Russlands im vergangenen Jahr bei nur 2,3 % des BIP, verglichen mit 5,4 % in den USA. Die wirtschaftlichen Folgen des Krieges haben Russland durch höhere Energiepreise genützt, während sie das westliche Bündnis in Form von Preisinflation und höheren Zinsen belastet haben. Russland dürfte keine Schwierigkeiten haben, ein Defizit von 2,3 % oder mehr im Jahr 2023 durch Kreditaufnahme an den heimischen Märkten zu finanzieren, ohne den Rubel zu schwächen, während die finanziellen Folgen eines neuen Konflikts für das Bündnis potenziell katastrophal sind.
Aus seinen Äußerungen können wir schließen, dass Putin und seine Berater nicht nur die militärische Lage verstehen, sondern auch die relativen wirtschaftlichen Folgen einer erneuten Eskalation des Ukraine-Konflikts. Dies steht im Gegensatz zur Politik der von den USA geführten NATO, bei der die wirtschaftlichen Kosten bisher ignoriert wurden. Die potenziell verheerenden Folgen für die europäischen Volkswirtschaften scheinen nicht durchdacht worden zu sein. Stattdessen verdoppelt das westliche Bündnis seinen Einsatz und wiederholt seine früheren Fehler, indem es Panzer verschiedener Bauart in die Ukraine liefert, damit ein neuer Angriff per Stellvertreter auf Russland geführt werden kann.
Das Überleben des Euro ist nun entscheidend

Es sind die Folgen eines erneuten Kampfes um die Ukraine für den Euro, die den amerikanischen Einfluss in Europa endgültig zu untergraben drohen und damit die Zukunft sowohl der NATO als auch der EU. Sobald der Boden in der Ostukraine genügend gefroren ist, um Panzerkrieg zu ermöglichen (womöglich binnen Wochen), beginnt ein neuer Konflikt, es sei denn, ein Raketenangriff Russlands auf die ukrainischen Nachschublinien vor der Schlacht hat bis dahin nicht bereits begonnen. In Erwartung der darauf folgenden Unsicherheit werden die Energiepreise zwangsläufig wieder steigen. Am 24. Februar 2021, als Russland seine „Spezialoperation“ begann, lag der Goldpreis bei 1.902 US-Dollar. Bis zum 9. März war er auf 2.070 US-Dollar gestiegen. Alle anderen Rohstoffpreise, von Basismetallen über Rohmaterialien bis zu Nahrungsmitteln, schnellten in die Höhe. Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass es diesmal anders sein wird.
Die Folgen für die Finanzmärkte des Bündnisses sind potenziell verheerend. Von vorübergehender Inflation und Zinsmäßigung kann man sich verabschieden. Stattdessen drohen stark steigende Anleiherenditen, einbrechende Aktienmärkte, bankrotte Bankensysteme einschließlich der Zentralbanken selbst sowie Schuldenfallen für Regierungen wie für überschuldete Unternehmen. Die Fiat-Währungen werden am Abgrund des Zusammenbruchs wanken. Eine neue Phase dieses Krieges wird das westliche Bündnis zu destabilisieren drohen, nicht aber Russland und China, deren Volkswirtschaften nicht von schrumpfenden Finanzsektorblasen abhängen.
Es besteht kaum Zweifel, dass der Euro besonders anfällig für die Folgen einer erneuten militärischen Eskalation in der Ukraine ist, ebenso für deren unvermeidliche Auswirkungen auf die Erzeuger- und Verbraucherpreise in der Eurozone. Der Euro ist das Vol-au-vent unter den Fiat-Währungen, eine gefährdete Währung, die nachweislich den Sparern in Deutschland nimmt, um die finanzpolitisch verschwenderischen PIGS-Staaten zu finanzieren. Steigende Zinsen und Anleiherenditen haben den Anstieg des allgemeinen Erzeuger- und Verbraucherpreisniveaus kaum ausgeglichen. Ohne eine rasche Niederlage Russlands wird eine erneute Eskalation des Ukraine-Konflikts diese Preisniveaus mit Sicherheit noch weiter in die Höhe treiben.
Die EZB wird hin- und hergerissen sein zwischen der Notwendigkeit, mit noch höheren Zinsen zu reagieren, aus Furcht, die Kontrolle darüber an die Marktkräfte zu verlieren, und den Folgen höherer Zinsen und Anleiherenditen für die Staatsfinanzen. Nicht zuletzt besteht eine Bedrohung für die Solvenz des gesamten Euro-Systems.
Die einzige Lösung, und selbst diese dürfte nur kurzfristig tragen, besteht darin, dass sich Amerika aus dem Kampf um Westeuropa zurückzieht und das Recht Russlands anerkennt, die Unversehrtheit seiner Grenzen zu schützen. Russland müssten umgehend Verhandlungen angeboten werden, die zu einer Einigung führen, wenn der Euro gerettet werden soll. Nur dann würde die Aussicht auf niedrigere Energie- und Rohstoffpreise, die sich in den Erzeuger- und Verbraucherpreisen niederschlagen, dem Euro-System und dem Euro selbst eine gewisse Entlastung verschaffen.
Dies würde der EZB etwas Zeit verschaffen, die sich wie die übrigen Zentralbanken des westlichen Bündnisses bei der Steuerung der Wirtschaft auf unsolide Papierwährungen stützt. Das steht in scharfem Gegensatz zum aufstrebenden Asien, das von rohstoffgedeckten Währungen, echter Produktion und durch Ersparnisse der Verbraucher finanziertem Kapital geprägt ist.
Wirtschaftliche Folgen ergeben sich aus einer in zwei Hälften gespaltenen Welt: Die eine wird von Finanzwesen und Dienstleistungen bestimmt, die andere von Produktion und Ressourcen. Diese wollen wir nun der Reihe nach betrachten.
Wachsende Probleme für Volkswirtschaften mit Papierwährungen
Seit August 1971, als Präsident Nixon die letzten Überreste eines Goldstandards im Rahmen des Bretton-Woods-Abkommens aufgab, wurden die Währungen der fortgeschrittenen Welt mit Bezug auf den US-Dollar gesteuert. Seitdem wurde die Kaufkraft dieser Währungen zunehmend ausgehöhlt, bis zu dem Punkt, dass der heutige Dollar nur noch 1,8 Cent des Bretton-Woods-Dollars wert ist, gemessen am gesetzlichen Geld, das nach wie vor Gold ist. Der Verlust an Kaufkraft bei den anderen Währungen war ähnlich, wie die folgende Grafik zeigt.

Der Kaufkraftverlust all dieser Papierwährungen ist fest in der Geldpolitik verankert, die darauf abzielt, das allgemeine Preisniveau jedes Jahr um 2 % steigen zu lassen. Diese Politik lässt sich nicht mit irgendeiner Genauigkeit umsetzen. Darüber hinaus hat sie dazu geführt, dass Regierungen inflationäre Politik dulden und die Besteuerung durch Kreditinflation auf Ebene der Zentralbank ergänzen.
Die Manipulation von Währungswerten und die Geldmengeninflation sind inzwischen der Eckpfeiler der Staatsfinanzen und führen unausweichlich in eine existenzielle Krise. In dem Glauben, dies sei ein Problem, das sich stets lösen oder fortwährend aufschieben lasse, legten die Mitglieder des westlichen Bündnisses die Wirtschaftstätigkeit während der Corona-Pandemie schlicht still, in der Annahme, anschließend werde alles zur Normalität zurückkehren. Das geschah nicht, und es folgte eine Phase gestörter Lieferketten, die weitere Defizitausgaben durch Regierungen mit Einnahmeausfällen erforderte. Die Folgen der übermäßigen Ausweitung der Währungen waren angelegt und konnten ausgelöst werden. Dann kam der Stellvertreterkrieg um die Ukraine mit seinen wirtschaftlichen Auswirkungen auf Rohstoff-, Erzeuger- und Verbraucherpreise.
Die Täuschung der Papierwährungsökonomie hat sich seit der Aufgabe des Bretton-Woods-Abkommens aufgebaut. Und der Weg in die zunehmende Abhängigkeit von inflationärer Politik wurde dadurch geebnet, dass die Statistiken, mit denen Ökonometriker die Folgen maßen, verfälscht wurden. Das allgemeine Preisniveau ist ein nicht messbarer Begriff, doch das hat westliche Regierungen nicht daran gehindert, Einzelhandels- und Verbraucherpreisindizes zu erstellen. Und weil sie nicht messbar sind, können staatliche Statistiker ihre eigenen Versionen entwickeln. Die zunehmende Inflationsindexierung hat Reformen der statistischen Zusammensetzung gefördert, die stets gelungen sind, die Kosten der Inflationsanbindung für die Staatsfinanzen zu senken. Und in den letzten Jahrzehnten hat sie den zusätzlichen Vorteil geboten, die wahren Folgen der Geldpolitik für die Entwertung der Währungen zu verschleiern. Der einzig verlässliche Weg, die Entwertung dieser Währungen abzuschätzen, besteht darin, ihren Wert mit Gold zu vergleichen, das international nach wie vor gesetzliches Geld ist, ungeachtet gegenteiliger offizieller Beteuerungen.
Der Missbrauch der Kennzahl des Bruttoinlandsprodukts als Maßstab für Wirtschaftstätigkeit oder Fortschritt ist ein weiteres krasses Beispiel für ökonomische Selbsttäuschung. Das BIP ist lediglich eine Schätzung der gesamten anrechenbaren Transaktionen und sagt nichts darüber aus, wie produktiv sie sind oder wie relevant für den Fortschritt der menschlichen Lebensbedingungen. Tatsächlich umfassen sie Staatsausgaben, von denen wir wissen, dass ein Großteil verschwendet wird, und von keinem Teil lässt sich sagen, dass er durch die Nachfrage der Verbraucher wirtschaftlich bewertet wurde.
Stattdessen ist das BIP etwas, das sich leicht steigern lässt, durch Maßnahmen zur Erhöhung der Währungs- und Kreditmenge und dadurch, dass Regierungen ihre unproduktiven Ausgaben erhöhen. Und wenn man die statistische Darstellung der Auswirkungen auf die Preise kontrollieren kann, scheint man ein wirtschaftliches Perpetuum mobile erreicht zu haben.
Die Führung eines neuen Krieges zwischen den Supermächten hat die Schwächen und Widersprüche des Papierwährungssystems des westlichen Bündnisses endgültig offengelegt und droht die abschließende Erkenntnis herbeizuführen, dass es grundlegend fehlerhaft ist. Wenn ein ganzes Finanz- und Wirtschaftssystem zu scheitern droht, ist es schwierig, einen einzelnen Aspekt auszuwählen, der die gesamte Illusion zum Einsturz bringen wird. Einfacher ist es, die wesentlichen Fehler als Themen in Stichpunkten darzustellen, damit der Leser ein Gefühl für das Ausmaß des Gesamtproblems bekommt:
- Das Risiko einer erneuten Preisinflation steigt. Das allgemeine Preisniveau steigt derzeit deutlich stärker als die offizielle Zielrate von 2 % pro Jahr. Zentralbanken und staatliche Prognostiker gehen davon aus, dass es in ein bis zwei Jahren wieder zum 2-%-Ziel zurückkehrt, und zwar ohne jede Grundlage für ihre Vorhersagen. Unter sonst gleichen Bedingungen (die es nie gibt) werden die annualisierten Zuwächse der Erzeuger- und Verbraucherpreisindizes sinken, weil frühere Monate durch den statistischen Effekt aus den Kennzahlen herausfallen. Analysten, die behaupten, Veränderungen der Preisinflationsrate hätten wenig oder nichts mit der Entwertung der Währung zu tun und resultierten aus Veränderungen der gesamtwirtschaftlichen Angebotsmengen im Verhältnis zur Nachfrage, irren. Diese Theoretiker verkennen, dass ohne die Entwertung einer Währung oder den Verlust des öffentlichen Vertrauens in sie ein höheres allgemeines Preisniveau nicht erreicht werden kann.
- Die Zinspolitik ist grundlegend fehlerhaft. Die Zentralbanken irren, wenn sie glauben, Zinsen seien die Kosten des Geldes. Sie sind die Kosten der Kreditaufnahme, für Einleger jedoch stellen sie das Risiko der Kreditvergabe und den Verlust der Verfügbarkeit des Geldes dar, was als Zeitpräferenz bezeichnet wird. Wird ein Einleger gebeten, seine Einlage für einen festen Zeitraum zu verleihen, bewertet er den gebotenen Zins im Verhältnis zu seiner Erwartung der Summe aus der Unannehmlichkeit des Besitzverlusts, den Risikoprämien für die Kreditvergabe und seiner Erwartung von Veränderungen der Kaufkraft der Währung während der Kreditlaufzeit. Erwartet ein Zeichner einer Anleihe, dass die Kaufkraft einer Währung um zehn Prozent sinkt, bevor der Kredit fällig wird und er wieder über seine Mittel verfügt, wird er selbstverständlich eine Zinsvergütung von mehr als zehn Prozent erwarten, die Risikofaktoren, Zeitpräferenz und eine günstige Gewinnmarge einschließt. Es sind die Erwartungen des Einlegers unter den vorherrschenden Risiko- und Währungsbedingungen, die die Zinsen bestimmen, und nicht die Kreditkosten. Während sich diese Faktoren bei inländischen Einlegern vorübergehend unterdrücken lassen, werden ausländische Halter von Währungseinlagen diese eher auflösen, wenn die Zinsen in einer Währung unter ihre erwarteten Erträge gedrückt werden. Wenn eine Zentralbank die Zinsen unterdrückt, kommt es daher zwangsläufig zu einem Verlust an Kaufkraft der Währung, da ausländische Halter als Erste verkaufen, sei es gegen andere Währungen, Rohstoffe oder Gold, das gesetzliches Geld ist. Da die Zinsen aller Währungen des westlichen Bündnisses inzwischen deutlich unter der Rate des Kaufkraftverlusts liegen, wird ein erneuter Anstieg der Energie- und Rohstoffpreise unweigerlich zu dem Schock erheblich steigender Zinsen führen, es sei denn, die jeweilige Zentralbank nimmt einen weiteren Einbruch der Kaufkraft ihrer Währung in Kauf.
- Die Finanzierungskosten der Staatsschulden dürften steigen. Schon jetzt steigen die Zinskosten der Staatsschulden im westlichen Bündnis rasch, und zwar in einer Zeit wirtschaftlicher Stagnation oder sogar ausgewachsener Rezession. Stagnation oder Rezession sind von Bedeutung, weil sie zu Fehlbeträgen bei den geplanten Steuereinnahmen führen, und zwar in einer Zeit erhöhter Kreditkosten sowohl für fällig werdende als auch für neue Staatsschulden. Das gilt umso mehr, wenn das Schuldenprofil eines Staates kurzfristig ist, weil die Schulden dann früher zu höheren Zinsen umgeschuldet werden. In meinen obigen Anmerkungen zur Eurozone habe ich anhand von Eurostat-Zahlen gezeigt, dass Griechenland, Italien, Portugal, Spanien, Frankreich, Belgien und Zypern im Jahr 2021 allesamt eine Schuldenquote von mehr als 100 % des BIP aufwiesen. Die Schuldenquote der US-Bundesregierung für 2022 wird auf 129 % des BIP geschätzt, die Japans lag 2021 bei 262 %. Für das Vereinigte Königreich betrug der Wert 2021 97,4 %. Offensichtlich können sich Regierungen höhere Anleiherenditen nicht leisten, weil immer größere Teile ihrer Haushaltsdefizite von Zinskosten aufgezehrt werden. Kurz gesagt: Sie sind in Schuldenfallen geraten, aus denen sie sich nur befreien können, indem sie ihre Ausgaben radikal senken oder ihre Schuldverpflichtungen nicht erfüllen.
- Auch die Kreditkosten des Privatsektors steigen. Die Zinspolitik der Zentralbanken hat dazu geführt, dass Kredite für unproduktive Zwecke gefördert wurden. Für Unternehmen als Kreditnehmer hat die Verfügbarkeit günstiger Finanzierung es ermöglicht, Projekte zu finanzieren, die bei höheren Zinskosten unrentabel geworden sind. Diese Fehlinvestitionen werden nun aufgedeckt, was zu Insolvenzen, Arbeitsplatzverlusten und höheren Staatsdefiziten führt. Eine neue Runde höherer Energie- und Rohstoffpreise wird zu weiteren Insolvenzen führen.
- Ein zerrüttetes Bankensystem schließt die Insolvenz der Zentralbanken ein. Die Verluste, die die Zentralbanken der westlichen Allianz derzeit durch Zinszahlungen auf Reserven und durch steigende Anleiherenditen auf ihre aufgeblähten Anleihebestände erleiden, haben sie bereits alle in die technische Insolvenz getrieben. Denn diese Verluste übersteigen ihr bilanzielles Eigenkapital bei Weitem. Für die Europäische Zentralbank, deren Anteilseigner die nationalen Zentralbanken der Eurozone sind, die sich allesamt in derselben Lage mit negativem Eigenkapital befinden, wird es nicht einfach. Es bedarf der Gesetzgebung der einzelnen Regierungen der Eurozone zur Rekapitalisierung der nationalen Zentralbanken, mit ausreichend zusätzlichem Kapital, damit diese ihren Anteil am Eigenkapital der EZB zeichnen können. Unweigerlich wird der Rekapitalisierungsprozess die Frage der TARGET2-Salden aufwerfen und den Prozess behindern. Im günstigsten Fall wird die Rekapitalisierung des Euro-Systems schwierig sein, und zwar zu einer Zeit, in der hoch verschuldete Geschäftsbanken in der Eurozone voraussichtlich gerettet werden müssen, sollte der Krieg in der Ukraine eskalieren. Es ist keine Übertreibung, den drohenden vollständigen Zusammenbruch des Euro-Systems als größte Gefahr für die westliche Allianz zu bezeichnen. Hinzu kommt, dass die Geschäftsbanken angesichts ihrer hohen bilanziellen Verschuldung nun risikoscheu werden und die Kreditvergabe sowohl an Finanz- als auch an Nichtfinanzkreditnehmer einschränken; damit ist ein kreditgetriebener Konjunkturabschwung gewiss.
- Die Werte von Finanzanlagen werden weiter einbrechen. Höhere Zinsen führen zu höheren Anleiherenditen, niedrigeren Aktienwerten, geringeren Unternehmensgewinnen, mehr notleidenden Krediten und zunehmender Verwertung von Sicherheiten. Kommt hinzu, dass die kreditgebenden Banken risikoscheu werden, erhalten wir einen heftigen Bärenmarkt, ergänzt um eine Wirtschaftskrise alter Prägung. Selbst ein Rückgang der Kaufkraft einer Fiat-Währung kann diese Faktoren nicht ausgleichen, bis es zu einem Crack-up-Boom kommt, der ihr endgültiges Ende markiert und in dem alles, was in einer Währung mit nahezu keiner Kaufkraft bewertet ist, im Wert zu steigen scheint. Dies ist die sich entwickelnde Lage, selbst ohne eine weitere Eskalation des Ukraine-Konflikts.
Das Finanzsystem der westlichen Allianz steckt eindeutig bereits in ernsten Schwierigkeiten. Die Folgen einer Wiederaufnahme der Feindseligkeiten in der Ukraine dürften es vollständig destabilisieren. Sofern die Russen nicht bereit sind, die Allianz aus ihren eigenen Torheiten zu retten, ist das Finanzsystem der westlichen Allianz dem Untergang geweiht. Die einzige Frage ist, wie rasch seine Zerstörung eintreten wird.
Das entstehende solide Geldsystem der asiatischen Supermächte
Kaum ein größerer Gegensatz ist denkbar als der zwischen den politischen Zielen des formell fortgeschrittenen Westens und denen des aufstrebenden Neuen, und zwischen den Illusionen der westlichen Allianz und den Bestrebungen Asiens sowie aller Nationen, die sich der amerikanischen Hegemonie entziehen. Es überrascht kaum, dass wichtige Länder mit Energieressourcen von weltweiter Bedeutung, wie Saudi-Arabien und die übrigen Staaten des Golf-Kooperationsrats, das sinkende Schiff verlassen. Darüber hinaus werden Russland, China und die Mitglieder des Shanghaier Kooperationsrats wahrscheinlich von ihrer passiven Politik, Amerika und seine Partner schlicht an ihren eigenen Fehlern scheitern zu lassen, zu einer aktiven übergehen und Abstand zu deren Scheitern gewinnen.
Die folgenden Stichpunkte fassen die Position der asiatischen Hegemonialmächte kurz zusammen:
- Die Produktion von Gütern ist die Grundlage ihrer wirtschaftlichen Zukunft. Das Unterscheidungsmerkmal der asiatischen Achse ist, dass ihre Volkswirtschaften produktionsorientiert sind und finanzielle Aktivitäten überwiegend nicht-finanzielle Aktivitäten unterstützen, bei minimaler Finanzspekulation. Das unterscheidet sich grundlegend von der westlichen Allianz, die ihre Lieferketten in die asiatische Achse verlagert hat, verhältnismäßig größere Dienstleistungssektoren besitzt und deren Finanzsektoren an spekulativen Blasen beteiligt sind.
- Autarkie bei Ressourcen und Kapital. Zwischen Russland, China, der Familie der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit, der Eurasischen Wirtschaftsunion und den BRICS ist der gesamte Verbund autark bei Rohstoffen, Ausgangsmaterialien, Arbeitskräften und, dank der außergewöhnlichen Sparquote Chinas, auch beim Finanzkapital. Würde die westliche Allianz einen Einbruch der Nachfrage nach importierten Gütern erleiden, wäre dies für China kostspielig, aber nicht übermäßig. China plant, sich von der Abhängigkeit vom Export von Gütern in westliche Märkte zu lösen, indem es den Binnenkonsum seiner rasch wachsenden Mittelschicht fördert und stattdessen in eurasische Märkte investiert und diese entwickelt.
- Die asienweite Integration und Industrialisierung ist der Plan. Durch Investitionen in Verkehrsinfrastruktur, Stromerzeugung und -verteilung sowie in die allgemeine Kommunikation will China sich eigene Märkte schaffen, indem es die Industrialisierung des gesamten Kontinents fördert. In den bevölkerungsreichen Ländern Indien, Pakistan, Iran und Afghanistan wird es ein rasches Wirtschaftswachstum geben. China hat sich die erforderliche Energie und andere Ressourcen aus Russland, dem Nahen Osten und anderswo gesichert. Aufgrund der Sanktionen des westlichen Bündnisses gegen Russland war Russland bereit, den asiatischen Staaten Öl und Gas zu erheblichen Abschlägen auf die Weltmarktpreise zu liefern, zum relativen Vorteil des gesamten Kontinents. Darüber hinaus beabsichtigt Asien, weiterhin fossile Brennstoffe zu nutzen, während das Bündnis seine Effizienz und globale Wettbewerbsfähigkeit verringert, indem es fossile Brennstoffe verbietet und in weniger effiziente und oft unpraktikable grüne Energie investiert. Das Ziel ist es, den Lebensstandard von 3,8 Milliarden Asiaten unmittelbar zu verbessern, wovon weitere eine Milliarde Menschen in Afrika sowie rund eine weitere Milliarde in Lateinamerika und anderswo profitieren würden.
- Handelsbilanzen werden keine Rolle mehr spielen. China verfolgt eine Politik der Reinvestition in Ländern, mit denen es ein Handelsdefizit hat, etwa in den Mitgliedstaaten des Golf-Kooperationsrats, um die Zahlungsbilanz auszugleichen. Die Chinesen sparen schätzungsweise 45 % ihres Einkommens; eine höhere Sparquote weist nur Singapur auf. Somit stehen die Mittel zur Verfügung, um das für den Ausbau der asienweiten Entwicklung erforderliche Kapital zu finanzieren. Die Folgen für die Preisinflation in China, die derzeit bei 1,8 % liegt, werden weiterhin minimal bleiben.
- Die Geldpolitik wird sich von Fiatgeld ab- und dem Gold zuwenden. Da Direktinvestitionen die Handelsdefizite ausgleichen, sind die Voraussetzungen dafür gegeben, dass Salden zwischen den SCO-Teilnehmern in Gold oder in glaubwürdigen Goldsubstituten beglichen werden. In seinem am 27. Dezember in der russischen Wirtschaftszeitung Vedomosti veröffentlichten Artikel machte Sergey Glazyev, der Architekt der neuen Handelsabwicklungswährung für die Eurasische Wirtschaftsunion, deutlich, dass er zu dem Schluss gekommen ist, dass Gold das beste Abwicklungsmedium ist; die ursprünglich erwogenen komplexeren Strukturen scheint er aufzugeben.[iv] China und Russland haben zusätzlich zu den offiziellen Reserven erhebliche Bestände an Gold-Edelmetall angehäuft und können ihre Währungen an Gold binden. Das sorgt nicht nur für Preisstabilität, sondern bedeutet auch, dass der natürliche Zinsniveau in Russland, derzeit 13,7 % für ein Jahr, unter einer Goldbindung mit der Zeit auf 2,5 % bis 3,5 % sinken könnte. In China, wo die Einjahreszinsen bei 2,1 % liegen, würde ein Goldstandard fortdauernde Zins- und Währungsstabilität sichern. Außerdem haben Mitglieder der SCO westliche Fiatwährungen verkauft, um Goldreserven aufzubauen, sodass die gesamte Region bereit ist, zu Goldstandards überzugehen.
Die asiatische Achse hat das Gold
China häuft Gold an, seit die Volksbank 1983 mit der Verwaltung der Gold- und Silberbestände des Landes betraut wurde. Da Gold bis 2002 in einem massiven Bärenmarkt lag, wurden große Mengen Edelmetall zu niedrigen Preisen verfügbar. Der chinesische Staat hatte durch den Import von Edelmetall, die Einfuhr von Dorégold zur Raffination und Investitionen in den Goldbergbau genügend Gold für sich angesammelt, um seinen Bürgern Ende 2001 den Beginn des Kaufs zu erlauben. Ich schätzte, dass China bis dahin heimlich Bestände von etwa 20.000 Tonnen aufgebaut hatte, und der Staat hat seither kontinuierlich weitere hinzugefügt. Die Shanghai Gold Exchange wurde 2002 gegründet, und bis heute wurden 23.000 Tonnen in öffentliches Eigentum entnommen. Bis heute verfolgt China eine strikte Politik, wonach kein Gold, das ins Land gelangt ist, ausgeführt werden darf.
Ob China sein gesamtes Gold als Währungsreserven deklarieren wird, ist eine Frage der Zukunft. Russland hingegen begann viel später mit der Goldakkumulation. Dennoch verfügt Russland nach allgemeiner Annahme inzwischen über die offiziellen Reserven und den Staatsfonds Russlands (den Gosfund) über rund 12.000 Tonnen und übertrifft damit die offiziellen Reserven der USA von 8.134 Tonnen. Darüber hinaus plant Russland, die Minenförderung von über 300 Tonnen auf 500 Tonnen jährlich zu steigern, und der Gosfund kauft weiterhin aus inländischen Quellen.[v]
Der Kontrast zu den Fiatwährungen des westlichen Bündnisses könnte nicht größer sein. Die Folgen sind eindeutig: Andere Staaten der SCO und der BRICS-Gruppe verkaufen Dollar gegen Gold, weshalb die Zentralbanken nach Schätzungen des World Gold Council 2022 über 1.100 Tonnen angehäuft haben. Diese Akkumulation dürfte sich beschleunigen, wenn der Goldpreis in westlichen Fiatwährungen steigt (d. h. der Dollar und andere Fiatwährungen fallen), und das in einem globalen Edelmetallmarkt, dem es ohnehin an Liquidität mangelt.
Die Folgen für die Finanzierung der US-Regierung sind gravierend. Jahrzehntelang hat sich die US-Regierung darauf verlassen, dass Ausländer Dollar anhäufen und in US-Staatsanleihen reinvestieren. Die Auflösung dieser Bestände zu einer Zeit, in der die Haushaltsdefizite beim Eintritt in eine Rezession voraussichtlich steil steigen werden, dürfte die Renditen von Dollar-Anleihen kräftig in die Höhe treiben.
Wir erleben bereits, dass Dollarbestände und Finanzanlagen in ausländischer Hand abgebaut werden. Laut den TIC-Daten des US-Finanzministeriums sind sie von einem Höchststand von 34 Billionen US-Dollar auf derzeit etwa 30 Billionen US-Dollar gesunken. Der größte Teil dieses Rückgangs ist auf Bewertungseffekte zurückzuführen, die den Anstieg der Zinsen und Anleiherenditen im vergangenen Jahr widerspiegeln.
Auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburg im vergangenen Juni, an dem 81 offizielle Delegationen teilnahmen, machte Präsident Putin deutlich, dass Dollar- und Euro-Reserven aus Furcht vor Beschlagnahme und wegen ihres Verlusts an Kaufkraft verkauft werden sollten. Putin hat nicht nur ausländische Regierungen darauf vorbereitet, ihre Dollar- und Euro-Reserven abzustoßen, sondern die Aggression der NATO in der Ukraine wird auch zwangsläufig die Rohstoff- und Energiepreise in Fiat-Währungen und damit das natürliche Niveau der Zinsen und Anleiherenditen in die Höhe treiben. Kurz gesagt: Mit seiner Reaktion auf die NATO-Aggression hat er die Macht, die Währungs- und Finanzsysteme des Bündnisses zu zerstören. Und da Russland, China und alle Mitglieder der SOZ von einem Goldstandard profitieren würden, gibt es allen Grund für ihn, die nukleare Option zu wählen, nicht im Sinne eines Sprengkopfs, sondern im finanziellen Sinne.
[i] Siehe From Brussels with Love von Radomir Tylercote und Sir Bill Cash, „The American Settlement 1942—1974“ – Duckworth, 2016. Zu den Gründungsmitgliedern des ACUE gehörten Allan Welsh Dulles, der jüngere Bruder von John Foster Dulles, und General William J. Donovan. Donovan hatte Präsident Truman in den 1940er-Jahren davon überzeugt, die CIA zu gründen, und Dulles leitete einen Ausschuss, der maßgeblich dazu beitrug, die CIA zu bewegen, dem ACUE operative Ressourcen zur Verfügung zu stellen.
[ii] Siehe A panicked empire tries to make Russia an offer it can’t refuse The Cradle, 30. Januar 2023
[iii]„Freigegebene Dokumente belegen Sicherheitszusagen gegen eine NATO-Erweiterung an sowjetische Führungspersönlichkeiten von Baker, Bush, Genscher, Kohl, Gates, Mitterrand, Thatcher, Hurd, Major und Woerner“. Siehe „How Gorbachev was misled over assurances against NATO expansion“ https://natowatch.org/newsbriefs/2018/how-gorbachev-was-misled-over-assurances-against-nato-expansion
[iv] Siehe https://www.vedomosti.ru/opinion/columns/2022/12/27/957178-zolotoi-rubl?utm_campaign=vedomosti_public&utm_content=957178-zolotoi-rubl&utm_medium=social&utm_source=telegram_ved (sofern die westliche Zensur es zulässt, muss es aus dem Russischen übersetzt werden)
[v] Siehe https://www.gokhran.ru/ru/press/news/2233/index.phtml
Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten und Meinungen sind die des Autors bzw. der Autoren und geben nicht die Ansichten von Goldmoney wieder, sofern dies nicht ausdrücklich angegeben ist. Der Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt keine Rechts-, Finanz-, Steuer-, Anlage- oder Buchhaltungsberatung durch Goldmoney oder den Autor bzw. die Autoren dar. Sie sollten nicht auf Grundlage der in diesem Artikel enthaltenen Informationen handeln oder sich auf diese verlassen, ohne zuvor unabhängigen fachlichen Rat einzuholen. Es wurde Sorgfalt darauf verwendet, die Verlässlichkeit der Informationen im Artikel sicherzustellen; Goldmoney übernimmt jedoch keine Gewähr dafür, dass sie richtig, vollständig und aktuell sind und/oder als Hinweis auf künftige Ergebnisse verstanden werden können, und man sollte sich nicht darauf verlassen. Goldmoney haftet nicht für Ansprüche, Verluste, Schäden oder Unannehmlichkeiten, die infolge der in diesem Artikel enthaltenen Informationen oder Meinungen entstehen, und jede Handlung auf Grundlage der in diesem Artikel enthaltenen Meinungen und Informationen erfolgt auf eigenes Risiko.