Der handelsgewichtete Dollar-Index hat gerade mehrjährige Tiefstände erreicht. Erschwerend kommt hinzu, dass Israel über Nacht den Iran angegriffen hat, was die Spannungen im Nahen Osten verschärft. Comex-Gold erkennt allmählich die Folgen.

Letzte Woche war es Silber, diese Woche ist es Gold. Im europäischen Handel notierte Gold heute Morgen bei 3.416 US-Dollar, nachdem es über Nacht in Asien ein Hoch von 3.443 US-Dollar erreicht hatte, ein Plus von 112 US-Dollar gegenüber dem Schlusskurs vom letzten Freitag. Silber lag bei 36,25 US-Dollar, unter seinem Montagshoch von 36,88 US-Dollar, und damit im selben Zeitraum per saldo 23 Cent höher. Das Gold-Silber-Verhältnis liegt damit bei 94.
Wir haben die bemerkenswerte Dichotomie erlebt, dass Gold nahe seinen Allzeithochs notiert, während das Open Interest an der Comex darauf hindeutet, dass Futures weiterhin überverkauft sind. Das beginnt sich zu korrigieren, wie die nächste Grafik zeigt, doch dieser Kontrakt befindet sich noch immer im überverkauften Bereich:

Über Nacht hat Israel iranische Nuklearanlagen angegriffen, offenbar um die USA zu zwingen, sich ihm in einem neuen Krieg gegen den Iran anzuschließen. Die Lage wird sich wahrscheinlich weiter zuspitzen. Nicht unbedingt benötigtes US-Personal wurde aus dem Irak und von anderen Stützpunkten in der Region evakuiert, und die Ölpreise sind sprunghaft gestiegen: WTI erreichte über Nacht 77,60 US-Dollar, nach unter 56 US-Dollar Anfang Mai.
Dies könnte der Weckruf für US-Hedgefonds sein, Gold-Futures zu kaufen, denn die überverkaufte Position ist darauf zurückzuführen, dass sie sich bislang nicht an der jüngsten Stärke des Goldes beteiligt haben. Das Open Interest dieses Kontrakts kann um 150.000 bis 200.000 steigen, was Gold erheblich nach oben treiben und den Leerverkäufern erhebliche Verluste bescheren würde.
Der andere Faktor, der ins Spiel kommt, ist der Verkauf von Dollar durch ausländische Anleger; der handelsgewichtete Index sieht sehr bärisch aus:

Laut den TIC-Daten des US-Finanzministeriums für März belaufen sich die ausländischen Bestände an Dollar und zugrunde liegenden Finanzanlagen auf 39,6 Billionen US-Dollar. Das ist ein Maß für den Verkaufsdruck und veranlasst sogar Vertreter der EZB zu Spekulationen, das Missgeschick des Dollars könnte dem Euro eine größere internationale Rolle verschaffen. Vielleicht, doch es erscheint nahezu sicher, dass Risk-off beim Dollar Risk-off bei allen Fiatwährungen bedeutet, was dem Wechselkurs gegenüber echtem Geld ohne Kontrahentenrisiko zugutekommt, nämlich Gold.
Die nächste Grafik zeigt die technische Lage von Gold. Es konsolidiert seinen Rekordanstieg bis Mitte April, scheint nun aber bereit, die Marke von 3.500 US-Dollar herauszufordern, die am 22. April kurzzeitig erreicht wurde:

Bei Silber stellt sich die Lage anders dar. An der Comex herrschte die Ansicht, es sei zurückgeblieben, sodass die Long-Positionen offenbar massiv aufgebaut wurden, was zu einer technisch überkauften Lage geführt hat:

Der Anschein täuscht ein wenig, denn die Hedgefonds sind netto long, aber nicht übermäßig:

Die Diagramme der Kategorien „Other“ und „Non-reportable“ erzählen eine ähnliche Geschichte. Der Unterschied besteht darin, dass die Produzenten ihre Short-Positionen bei steigendem Open Interest nicht ausweiten, wodurch die Last der Short-Positionen auf die Swaps fällt. Dies war die Position der Swaps am 3. Juni; seitdem ist das Open Interest um mehr als 13.000 Kontrakte gestiegen.

Das zusätzliche Open Interest seit Erhebung dieser Commitments-of-Traders-Zahlen wird die Netto-Swaps mit nahezu völliger Sicherheit in eine Rekord-Short-Position treiben, was bei steigendem Silberpreis einen Squeeze für sie in Höhe von 250 Millionen Unzen oder 9 Milliarden US-Dollar bedeuten würde.
Wir leben in interessanten Zeiten, wie die Chinesen sagen würden.