Die Zukunft des Pfunds bei einem Zusammenbruch des Dollars

In jüngsten Artikeln für Goldmoney habe ich auf die Anfälligkeit des Dollars für einen endgültigen Zusammenbruch seiner Kaufkraft hingewiesen. Dieser Artikel konzentriert sich auf die Faktoren, die über die Zukunft des Pfund Sterling entscheiden werden.

Das Pfund Sterling ist für eine systemische Bankenkrise außerordentlich anfällig, da europäische Banken unter den global systemrelevanten Banken (GSIBs) den höchsten Verschuldungsgrad aufweisen. Indem sich die britische Regierung entschieden hat, sich auf die Seite Amerikas zu stellen und die Beziehungen zu China abzubrechen, hat sie wahrscheinlich die einzige nennenswerte Chance vertan, nicht zusammen mit dem Dollar einen Zusammenbruch des Pfunds zu erleben.

Eine mögliche Rettung könnte darin bestehen, sich an Deutschland zu hängen, falls es angesichts seiner beträchtlichen Goldreserven einen sinkenden Euro verlässt, um einen eigenen Hartwährungsblock zu bilden. Doch vorerst ist das eher unwahrscheinlich.

Und schließlich hat die Bank of England, ebenso wie die Fed und die EZB, mehr Macht in geldpolitischen Angelegenheiten an sich gezogen, als den Politikern tatsächlich bewusst ist, da diese in Gelddingen im Allgemeinen ahnungslos sind.

Fazit: Das Pfund wird einen Zusammenbruch des Dollars wahrscheinlich nicht überleben, der für jeden ernsthaften Kenner des Geldwesens zunehmend zur Gewissheit wird.

Einleitung

In den vergangenen Artikeln habe ich dargelegt, warum der Dollar vor seinem Niedergang steht. Mit beschleunigtem Gelddrucken wird derzeit in der Coronakrise alles gestützt, und dies kommt zu einer möglicherweise verheerenden Wende im Kreditzyklus hinzu, die durch die Behinderung des internationalen Handels mittels Zöllen noch verschärft wird. Nur Blinde können übersehen, dass das von allen geforderte Ende der Globalisierung nun tatsächlich eintritt und Folgen nach sich ziehen wird. Als Schmiermittel des Welthandels wird der Dollar von Ausländern in geringeren Mengen benötigt und von ihnen verkauft werden; sie halten rund 27 Billionen US-Dollar in Wertpapieren, Schuldtiteln und Bargeld, etwa 125 % des US-BIP des Jahres 2019. [i]

Das macht den Dollar doppelt verwundbar gegenüber zwei Entwicklungen, die sich auf die Binnenwirtschaft auswirken: eine globale Bankenkrise und eine ausgewachsene Depression. Erstere garantiert einen teuren Rettungsversuch, da die Fed keine andere Wahl hat, als zu versuchen, sämtliche Bankverbindlichkeiten abzusichern; letztere wird eine Reaktion in Form eines Keynesschen Inflationismus auf Steroiden hervorrufen. Darüber hinaus wird eine solche Krise zwangsläufig dazu führen, dass Dollar-Long-Positionen an den Devisenmärkten aus den oben dargelegten Gründen aufgelöst werden und nur jene verbleiben, die für den unmittelbaren Liquiditätsbedarf erforderlich sind.

Die sich abzeichnende Wirtschaftskrise unterscheidet sich von Lehman, weil es sich um einen weltweiten Zusammenbruch nichtfinanzieller Unternehmen handelt, der den größten Teil der Bankensicherheiten untergräbt, während die Lehman-Krise im Wesentlichen auf die Abwicklung der Spekulation mit Wohnimmobilien, vorwiegend in Amerika, beschränkt war. Es ist daher ein grundlegenderes Liquidationsproblem, das erheblich größere Schuldenmengen betrifft. Übermäßige Spekulation lässt sich weitaus leichter aus dem System herauswaschen als die Pleite realer Unternehmen in großer Zahl.

Eine neue Systemkrise steht bevor, weil die Politik, Finanzvermögenswerte durch Gelddrucken zu stützen, früher oder später scheitern wird. Schon jetzt ist es für unabhängige Beobachter unmöglich, steigende Aktienmärkte mit zusammenbrechenden Unternehmen in Einklang zu bringen, wobei sich deren Lage täglich unwiderruflich verschlechtert. Die Geschäftsbanken stecken mitten in dieser Krise fest: Man erwartet von ihnen, Kredite zu vergeben, während ihre faulen Kredite in Rekordtempo zunehmen.

Die Spannungen, die durch die Marktmanipulation der Behörden entgegen den fundamentalen Faktoren entstehen, können nur in einer Systemkrise samt einem Einbruch der Preise für Finanzvermögenswerte münden. Indem die Behörden ihre Zukunft an eine Inflation der Vermögenspreise binden, wird sich ein Zusammenbruch der Fiat-Währungen nicht vermeiden lassen. Zumindest lautet so die Lehre aus John Law, dessen Mississippi-Projekt 1720 binnen etwa sechs Monaten zusammenbrach und dessen Livres-Währung völlig wertlos wurde.

Der Grund ist nicht schwer zu erkennen. Ein Ereignis wie eine Bankenkrise stört die Selbstzufriedenheit der Anleger. Eine Bankenkrise wird kurzfristig stets dadurch gelöst, dass die Kreditgeber letzter Instanz den Geldhahn aufdrehen. Die Fed kann versuchen, die Liquidität zu sichern, doch sie kann keine Insolvenz verhindern. Die Folge ist, dass Risikoanlagen, allen voran Aktien, verkauft werden, wenn die Insolvenzen zunehmen. Und wenn das Stützungsprogramm der Zentralbanken für die Vermögenspreisinflation sich auflöst, werden die Anleiherenditen neu bewertet. Ausfälle werden alltäglich. Ramsch wird zu Ramsch im Quadrat, und Anlagen mit Investment-Grade-Rating sinken zu Ramsch herab. Als Nächstes folgt die Neubewertung des staatlichen Finanzierungsbedarfs, und angesichts der offengelegten Kosten für die Rettung der nichtfinanziellen Wirtschaft entziehen sich schließlich auch die Renditen von Staatsanleihen der manipulativen Kontrolle der Zentralbank.

Geld und Schulden sind wie Materie und Antimaterie: Wenn sie in einem finanziellen Schwarzen Loch aufeinandertreffen, hören sie auf zu existieren. Ein finanzieller Zytokinsturm wird zwangsläufig zuerst den übermäßig gehaltenen US-Dollar treffen, da er die internationale Fiat-Währung aller ist. Seine Kaufkraft sinkt zunächst gegenüber anderen Währungen und dann gegenüber Rohstoffen, Energie und den lebensnotwendigen Gütern. Der Indikator für dieses Ergebnis ist der Goldpreis, der stark steigt und zunehmend eine eigene Krise für die Edelmetallbanken auslösen dürfte, die allein beim Comex-Goldfuture derzeit Verluste von 38 Mrd. US-Dollar eingegangen sind. Die einzige Lösung für die USA besteht darin, eine Rückkehr zum Gold zu akzeptieren. Doch das widerspricht vollkommen der DNA der Fed und des US-Finanzministeriums, und es würde den Chinesen, die den physischen Goldmarkt in ihre Hand gebracht haben, inakzeptable Macht verleihen.

Wir stehen daher an der Schwelle zu einer weltweiten Zerstörung des Fiat-Geldes, beginnend mit dem US-Dollar, denn dieses Geld ist Ausdruck des Vertrauens in unsere Regierungen, die in den Bankrott abgleiten. Und wenn die Bevölkerung eines Landes erkennt, dass der Grund für steigende Preise nicht, wie ihre Regierung vermutlich behaupten wird, die Gier der Kapitalisten ist, sondern der Verlust der Glaubwürdigkeit ihrer ungedeckten Währung, wird es unmöglich sein, diese zu stabilisieren.

Während das Schicksal des Dollars zunehmend besiegelt scheint, stellt sich die Frage nach dem Schicksal anderer Währungen. In größerem oder geringerem Maß wirken dieselben zugrunde liegenden Faktoren auf alle Fiat-Währungen, und der Niedergang des Dollars wird von den überlebenden Währungen verlangen, zumindest ein gewisses Maß an Solidität in ihrer Deckung einzuführen. In diesem Artikel konzentrieren wir uns darauf, wie es dem Pfund Sterling in diesem Szenario ergehen könnte und ob die britischen Währungsbehörden es vor dem Schicksal des Dollars bewahren können.

Täuschungen in Westminster und Whitehall

Für ein internationales Publikum lohnt es sich, den Unterschied zwischen diesen beiden Bezeichnungen für denselben Ort zu erläutern: Westminster steht für das Parlament und die Politiker, während Whitehall für die großen Staatsämter steht, also für die bürokratische Beamtenschaft, deren Büros in der gleichnamigen Straße in Westminster liegen. Die Beamtenschaft berät die Politiker, sodass beide Arme der Regierung die Lösung jeder Krise verstehen und akzeptieren müssen. In Geldfragen haben sie die Zuständigkeit vollständig an die Threadneedle Street abgegeben, den Sitz der Bank of England in der City.

Die räumliche Trennung zwischen Westminster und der City ist von Bedeutung. Nicht nur wurden die geldpolitischen Angelegenheiten vollständig an die Bank of England delegiert, es haben sich auch unterschiedliche Kulturen herausgebildet, wobei Westminster und das Finanzministerium in Whitehall davon ausgehen, dass die Geldpolitik kompetent gesteuert wird. Doch wie man sagt: Macht korrumpiert, und absolute Macht korrumpiert absolut. Es gibt keine wirksamen Kontrollinstanzen für die Bank of England und ihre Geldpolitik. Und den Gouverneur kann man nicht entlassen, ohne eine Währungskrise auszulösen.

Die BoE steht kulturell der EZB, der Fed und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich näher als Westminster. Die Geldpolitik richtet sich nicht mehr am nationalen Interesse aus; stattdessen hat ein Kreis nicht gewählter Zentralbanker, der mehr Macht besitzt als die politische Klasse, eigene Ziele ausgearbeitet. Vor langer Zeit hat Mayer Amschel Rothschild es treffend formuliert: „Lasst mich das Geld einer Nation ausgeben und kontrollieren, und es kümmert mich nicht, wer die Gesetze schreibt.“

Die Lage in Großbritannien erinnert an die der USA in den 1920er-Jahren. Calvin Coolidge war der letzte Laissez-faire-Präsident. Er erkannte jedoch nicht, was Benjamin Strong bei der noch relativ neuen Fed tat. Strong beaufsichtigte gemeinsam mit Norman Montague von der Bank of England die Manipulation von Gold, die rasche Ausweitung der Bankkredite und den Aufbau eines Marktes für diskontierte Wechsel, mit dem Ziel, den Erfolg der Londoner Diskonthäuser zu kopieren. Die Abwicklung dieser ungedeckten Kredite führte zum Börsencrash an der Wall Street und zur Depression der 1930er-Jahre.

Ähnlich wurde im vergangenen Jahr in Großbritannien eine quasi-libertäre Regierung gewählt, die entschlossen ist, sich eines übermäßig bürokratischen Whitehall anzunehmen, das sich an Verfahren statt an Zielen orientiert. Allerdings liegt die tatsächliche Macht, und das erkennen sie wie Coolidge nicht, beim heutigen Montague Norman im Bunde mit dem heutigen Benjamin Strong – Andrew Bailey und Jay Powell.

Wir müssen die Bedeutung der Beziehung zwischen der BoE und den Politikern verstehen. Sie macht es für die Regierung praktisch unmöglich, die geldpolitischen Entwicklungen zu kontrollieren. Nehmen wir an, wichtige Minister der Regierung verstünden tatsächlich die Bedeutung einer Rückkehr zu einem Metallstandard und wären bereit, auf die Möglichkeit zu verzichten, Staatsausgaben mit inflationären Mitteln zu finanzieren. Bei den Beamten, die allesamt überzeugte Neo-Keynesianer sind, würde dies auf taube Ohren stoßen. Und die BoE würde sich entschieden widersetzen, da ein Goldstandard der Bank ihre Macht nehmen würde. Dadurch ist es äußerst unwahrscheinlich, dass sich Großbritanniens marktwirtschaftlich orientierte Regierung von der inflationären Finanzierung lösen kann, selbst bei einem Währungskollaps. Zudem verschlechtert sich die aktuelle Lage rasch, zu rasch, als dass die uneinige Kombination aus Westminster, Whitehall und der BoE die Kontrolle über eine kollabierende Währung zurückgewinnen könnte.

Ein möglicher Fluchtweg ist in den vergangenen Wochen versperrt worden, da sich die Briten auf die Seite Amerikas und damit des Dollars gegen China mit seiner grundsätzlich aussichtsreicheren wirtschaftlichen Lage gestellt haben. Chinas Wirtschaftspolitik ist im marktwirtschaftlichen Sinne weit vom Ideal entfernt. China verlässt sich wie alle anderen großen Nationen auf inflationäre Finanzierung, um die eigene Infrastruktur sowie panasiatische Kommunikations- und Verkehrseinrichtungen auszubauen. Doch immerhin ist seine Währung durch eine hohe Sparquote von rund 45 %[ii] gestützt, die nicht nur die aus der Geldmengenausweitung herrührende Tendenz zur Preisinflation verringert, sondern auch das nötige Kapital für Produktionsinvestitionen bereitstellt.

Eine Neigung zum Sparen war das prägende Merkmal der Mark im Nachkriegsdeutschland und des japanischen Yen und gilt nun auch für Chinas Yuan. Und anders als Großbritannien und seine Verbündeten hat China nur minimale Sozialverpflichtungen, sodass sich die künftigen Staatsausgaben leichter kontrollieren lassen.

Das Vereinigte Königreich hat sich aus demokratischen und kulturellen Gründen sowie wegen der Verlockung der „besonderen Beziehung“ auf die Seite der Macht von gestern geschlagen, die im Niedergang begriffen ist. Es hat ein Bündnis mit der dynamischsten der großen Mächte abgelehnt, die mit Russland als Juniorpartner rasch zur Supermacht der Welt wird und Eurasien und Afrika dominiert. Wenn die Geschichte unserer Zeit geschrieben wird, werden wir ohne Zweifel feststellen, dass die aktuellen Ereignisse, von Amerika angestoßen, China das verschafft haben, was es wirklich will: die Freiheit von der amerikanischen Hegemonie und von seiner überbewerteten Währung zu einem entscheidenden Zeitpunkt. Dank seiner Sparer kann es nun seine Wirtschaft voranbringen, während Amerika die seine durch maximalen Konsum und Geldinflation weiter zerstört.

Darüber hinaus hat China den physischen Goldmarkt faktisch in seine Hand gebracht; ein Schachmatt für Papierwährungen. Und nicht nur wird es für Amerika intellektuell schwierig sein, zu Gold zurückzukehren, und praktisch unmöglich, zu den dafür nötigen ausgeglichenen Haushalten zurückzufinden, sondern alles, was Gold als Geld fördert, spielt Chinas Stärke in die Hände, und Amerika verliert dann jede Hoffnung in dem gegen China geführten Finanzkrieg.

Britanniens Banken sind besonders verwundbar

Aufgrund ihrer herausragenden Rolle bei der Finanzierung des Handels ist die City of London seit rund 200 Jahren ein bedeutendes Zentrum der internationalen Finanzwirtschaft in Europa. Die Hälfte dieser Zeit entfiel auf die Goldstandardperiode zwischen den Napoleonischen Kriegen und dem Ersten Weltkrieg. Nach Letzterem gewann New York zunehmend an Macht, während London an Bedeutung verlor. Nach dem Zweiten Weltkrieg und Großbritanniens Abgleiten in den Sozialismus und in Devisenkontrollen wurde London weniger relevant, bis in der Ära Thatcher die Aufhebung der Devisenkontrollen und die Big-Bang-Umstrukturierung der City London wieder zu einem vollwertigen Akteur der globalen Finanzwelt machten.

Die massive Ausweitung des Finanzgeschäfts seit Mitte der Achtzigerjahre spiegelte die im Allgemeinen nicht nationalistische britische Geschäftsauffassung wider. Im europäischen Kontext ist dies der Grund, warum die Nationalisten in Frankfurt und Paris, die nationale Champions bevorzugten, nie konkurrieren konnten, und weshalb europäische Banken London als Standort für ihr grenzüberschreitendes Kredit- und Investmentbankgeschäft wählten.

Ein allgemeiner Zusammenbruch der Fiat-Währungen wird praktisch das gesamte bestehende Finanzgeschäft Londons auslöschen: außerbörsliche Derivate, Handelsfinanzierung, Anleihen und Eurobonds, Aktien – dies sind nur einige der Opfer. Was die britische Regierung betrifft, so machen die Steuereinnahmen aus diesen Aktivitäten über 10 % ihrer Gesamteinnahmen aus, und ihr Wegfall würde sofort ein entsprechendes Haushaltsdefizit verursachen, das sich unter diesen Bedingungen praktisch nicht finanzieren ließe. Die andere Seite der Medaille ist die Frage, was mit dem britischen Bankensystem bei einem globalen systemischen Zusammenbruch geschieht, dem das Vereinigte Königreich aufgrund seiner herausragenden Rolle in der Finanzierung stark ausgesetzt ist.

Laut der Datenbank der Bank of England beliefen sich die ausstehenden Vermögenswerte der Finanzinstitute in Pfund Sterling und Fremdwährung zum 31. Mai insgesamt auf 8,12 Billionen £ (10,2 Billionen $), das 3,6-Fache des britischen BIP. In einer Bankenkrise hätte die Regierung keine andere Wahl, als diese Vermögenswerte zu übernehmen oder alternativ die Kreditverluste vollständig abzusichern. Ohne die fortgesetzte Stützung stabiler Werte der Finanzanlagen – was nach einer systemischen Krise von irgendeinem Ausmaß undenkbar ist – würden zudem Nettoverbindlichkeiten ungedeckt bleiben und sich Verluste anhäufen. Mit anderen Worten: Sollten in diesem inflationären Umfeld die Aktienmärkte einbrechen und die Anleiherenditen steigen, wird die Regierung weiteren katastrophalen Verlusten ausgesetzt sein.

Die Datenbank der Bank of England enthält nicht die Aktiva und Passiva der ausländischen Tochtergesellschaften von Finanzinstituten, die eine weitere erhebliche Summe ausmachen. Man sollte nicht erwarten, dass sie automatisch in ein Rettungspaket einbezogen werden. Diese Verluste werden in anderen Finanzzentren aufgefangen werden müssen, und da Offshore-Zentren keine Sicherheitsnetze für Einleger haben, werden die Verluste und Folgen erheblich sein. Ebenso wenig enthalten sind Schattenbanken, die das Office for National Statistics 2018 auf weitere 2,2 Billionen £ schätzte, wobei diese Zahl stark schwankt.[iii]

Hinzu kommt eine weitere Komplikation, nämlich die Entkopplung der China-Aktivitäten von der angelsächsischen Welt, die sowohl HSBC als auch Standard Chartered betrifft, zwei große britische Banken mit umfangreichen Geschäften in China und im Fernen Osten. Die politische Lage steht im Widerspruch zur finanziellen Realität, und Kritik am nicht demokratischen Regime Chinas birgt das Risiko, dass es zu einem Rettungsversuch dieser Banken durch die BoE und das Finanzministerium kommt, während das rasch wegbrechende Geschäft den Briten die verbleibenden Verbindlichkeiten hinterlässt.



Der Brexit-Kontext

Das Vereinigte Königreich verhandelt mit der EU über Handelsbedingungen, die nach Ablauf der Übergangsphase am Ende dieses Jahres gelten sollen. Das Versprechen einer goldenen Zukunft, das beim Premierminister sicherlich auf Zustimmung stößt, liegt im Freihandel. Freihäfen sind vorgeschlagen. Mit Mitgliedern des Commonwealth lassen sich Freihandelsabkommen bei gutem Willen auf beiden Seiten leicht aushandeln, und Abkommen mit Japan und Südkorea können einfach aus bestehenden EU-Abkommen übernommen werden. Doch die Aussicht auf ein beschleunigtes Abkommen mit den USA könnte schwinden, da Präsident Trump in diesem Wahljahr zunehmend von innenpolitischen Themen abgelenkt wird.

Das Fehlen eines Handelsabkommens mit der EU stellt für das Vereinigte Königreich eine geringere Bedrohung dar, als gemeinhin behauptet wird; die weitaus größeren Verlierer wären die EU. Allerdings bleibt das Vereinigte Königreich finanziell an EU-Wirtschaftsprogramme gebunden. Laut Brexit Central könnte Großbritannien im Rahmen des aktuellen Mehrjährigen Finanzrahmens für Forderungen von bis zu 478 Mrd. € haften, auch wenn dies umstritten ist. Wichtiger ist das Kontrahentenrisiko des britischen Bankensystems im Falle einer Bankenkrise in der EU.



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In Abbildung 1 sind global systemrelevante Banken (G-SIBs) in Europa und im Vereinigten Königreich gelb hervorgehoben. Die am höchsten verschuldeten Banken befinden sich in der Eurozone, wenn man die Bilanzsumme mit der Marktkapitalisierung des Eigenkapitals der Banken vergleicht. Von den fünfzehn am höchsten verschuldeten Banken sind nur drei nicht europäisch, und alle drei britischen G-SIBs gehören dieser Kategorie an.

Das extremste Beispiel unter den G-SIBs ist die Société Générale, deren Aktiva derzeit mehr als das 100-Fache ihrer Marktkapitalisierung betragen. Die Schwierigkeiten der großen deutschen Privatbanken, der Deutschen Bank und der Commerzbank (keine G-SIB), sind ebenso breit publik gemacht worden wie die italienischer, spanischer und griechischer Banken. Wenn eine systemische Krise die globalen Märkte trifft, besteht eine gute Chance, dass sie in der europäischen Zeitzone beginnt, für die London weiterhin das Finanzzentrum ist.

Es geht nicht nur um COVID-19

Die bislang geplanten Ausgaben im Zusammenhang mit dem Coronavirus belaufen sich auf geschätzte 190 Mrd. £ – etwa 7 % der Geldmenge M1. Die Hoffnung ist, dass sich die Wirtschaft nach dem Ende der Krise wieder normalisiert – die sogenannte V-förmige Erholung. Je weiter diese Aussicht in die Ferne rückt, desto eher werden Unternehmer ihre Prognosen überprüfen, und die Mehrheit wird ihren Betrieb entweder schließen oder verkleinern.

Das Kurzarbeitsprogramm („Furlough“) sollte eine V-förmige Erholung überbrücken und Massenarbeitslosigkeit verhindern. Es endet jedoch im Oktober, nachdem es über neun Millionen Menschen aus der Arbeitslosenstatistik herausgehalten hat. Sofern kein Wunder geschieht, werden viele von ihnen arbeitslos sein, wenn das Programm ausläuft, oder sogar schon davor.

Die zusätzlichen Ausgaben für das Kurzarbeitsprogramm und andere Maßnahmen wurden einmalig durch das Anleihekaufprogramm (Quantitative Easing) der Bank of England in Höhe von 200 Mrd. £ gedeckt. Mit der weiteren Entwicklung der Lage wird zweifellos eine zusätzliche Finanzierung auf diesem Weg erforderlich sein, andernfalls werden die Finanzierungskosten sprunghaft steigen.

Nachdem die Regierung alles auf eine V-förmige Erholung gesetzt hat, ist unklar, wie sie ihren Ausstieg plant. Regierungen begehen fast immer den Fehler zu glauben, es gebe eine wirtschaftliche Normalität, zu der eine frühere Lage zurückkehren könne. Dies ist die zugrunde liegende Annahme der statistischen Messung und der volkswirtschaftlichen Modellierung. Tatsächlich sind Volkswirtschaften dynamisch – außer in einem totalitären Regime, in dem alles von einem Zentralkomitee rationiert wird. Doch wir wissen, dass dies nicht funktioniert, wie der Fall der Berliner Mauer gezeigt hat.

Es gibt daher keine „Normalität“, zu der man zurückkehren könnte. Die Subventionierung bestehender Unternehmen und die Kurzarbeit behindern notwendige Anpassungen der Produktion an die Bedürfnisse und Wünsche der Verbraucher, die sich verändert haben werden. Wenn beispielsweise das Coronavirus besiegt ist und der gesamte soziale Austausch zurückkehrt, ist davon auszugehen, dass die Verbraucher nicht mehr in gleichem Maße in großer Zahl Luxus-SUVs nachfragen werden, obwohl die Hersteller ihre Produktion in den letzten zwanzig Jahren stark in diese Richtung ausgerichtet haben. Vor dem Lockdown hielten es Einzelhändler für notwendig, in jeder Stadt und jedem Einkaufszentrum eine Filiale zu unterhalten, um Marktanteile zu sichern und zu halten. Ihre Prioritäten haben sich von diesen strategischen Zielen nun auf den Kapitalerhalt verlagert.

Fairerweise muss man sagen, dass Rishi Sunak, der Schatzkanzler, diesen Punkt offenbar versteht und kleinen und mittleren Unternehmen zinslose Finanzierungen zur Verfügung gestellt hat. Teilweise werden die Unternehmen diese Mittel zur Stabilisierung ihrer Finanzen nutzen, doch sie bieten Unternehmern auch die Gelegenheit, neue Vorhaben zu finanzieren. Doch selbst dann wird subventioniertes Kapital meist allein wegen der sich bietenden Gelegenheit in Anspruch genommen und nicht, um ein sorgfältig durchdachtes Vorhaben zu finanzieren, was zu Fehlinvestitionen führt, die bei der Wende des nächsten Kreditzyklus offengelegt werden.

Eines ist jedoch klar: Selbst bei einer Regierung, in der Minister dominieren, die libertärer sind als jede andere seit der Thatcher-Ära und daher marktwirtschaftlichen Lösungen aufgeschlossen gegenüberstehen, gibt es keinen Ausstiegsplan, der die Rolle freier Märkte uneingeschränkt anerkennt. Die Staatsausgaben als Anteil am BIP sind gestiegen, werden weiter steigen und dürften kaum zurückgehen. Ebenso fehlt jede Anerkennung des globalen Bankkreditzyklus und seiner Folgen. Vergessen ist der Rückgang des Welthandels, der für eine Handelsdrehscheibe wie Großbritannien von entscheidender Bedeutung ist. Aus anderen Gründen zeichnet sich die sich entwickelnde Krise des Dollars auch für das Pfund Sterling ab.

Kann das Pfund Sterling dem Schicksal des Dollars entgehen?

Die wirtschaftliche Lösung zum Erhalt der Währung lässt sich leicht beschreiben. Die Frage ist, ob die Verantwortlichen sie nach Jahrzehnten keynesianischer Eingriffe und inflationistischer Politik überhaupt verstehen. Nicht nur Keynes’ Theorien müssen verworfen werden, sondern das gesamte makroökonomische Paradigma. Zudem muss unmissverständlich anerkannt werden, dass die Rolle des Staates wieder auf die Landesverteidigung, die Gewährleistung von Recht und Ordnung sowie ein klares, einfaches Vertragsrecht zurückgeführt werden muss. Die Steuern müssen erheblich gesenkt werden, und zugleich müssen ausgeglichene Haushalte erhalten bleiben. Der Sozialismus muss aufgegeben werden, und den Menschen muss es erlaubt sein, ihr eigenes Vermögen aufzubauen und zu bewahren.

Dass dies auch ohne Rückkehr zum Goldstandard möglich ist, zeigte sich in Deutschland nach dem Zusammenbruch der Papiermark im Jahr 1923 und erneut 1948, als Ludwig Erhard das Land aus der Zerstörung der Nachkriegszeit führte und es bis zur Wiedervereinigung zur wohlhabendsten Nation Europas machte. Sein Rezept war einfach: Er nahm den alliierten Militärverwaltungen die Kontrolle über die Wirtschaft und gab sie an die Menschen zurück.

Deutschland hatte Währungsstabilität ohne Gold, doch unter dem Abkommen von Bretton Woods war der Dollar ein Rettungsanker, unmittelbar (oder mittelbar im Fall der Kolonien Großbritanniens und Frankreichs). Deutschland nutzte diesen Spielraum, um eigene Goldreserven aufzubauen. Niedrige Staatsausgaben, eine wachsende Sparkultur und steigende Exporte erlaubten es den Devisenmärkten, mit Zuversicht einen Kurs für die Mark festzulegen. Das verlieh ihr zusätzliche Glaubwürdigkeit bei den Deutschen, die die Gelegenheit begrüßten, aufwertende Mark zu sparen. Wenn der Dollar jedoch heute zusammenbricht, wird es keine solche Wechselkursstabilität geben, es sei denn für jene Staaten, die geeignete geldpolitische Maßnahmen ergreifen.

Eine Voraussetzung für die Stabilisierung der Währung ohne Gold ist daher, dass es andere stabile Währungen gibt. Nachdem diese Krise die rein papiergedeckten Währungen (Fiat-Währungen) vernichtet hat, wird für die wenigen Überlebenden eine Rückkehr zur Golddeckung erforderlich sein. Großbritannien hat den Großteil seines Goldes töricht verkauft, als Gordon Brown Schatzkanzler war, und verfügt nur noch über 310 Tonnen. Als Faustregel ergibt das 8.600 £ an Geldmenge M0 je Unze Gold, was im Vergleich zu Großbritanniens europäischen Nachbarn schlecht abschneidet.

Bemerkenswert ist, dass Deutschland, Frankreich und Italien über beträchtliche Goldreserven verfügen. Eine suboptimale Lösung für sie wäre, diese Reserven auf die EZB zu übertragen, die sie dann zur Stabilisierung des Euro einsetzt. Es gibt bessere Lösungen. Die EZB hat mit ihrer Geldpolitik gezeigt, dass sie sich vollständig auf unsolides Geld stützt, womit sie das Bankensystem der Eurozone zerstört. Ihr Management ist nicht umerziehbar. Als Institution sollte sie aufgelöst werden, bevor sie weiteren Schaden anrichtet.

Unterdessen wurde die Bundesbank in dieser Frage zum Schweigen gezwungen; in ihrem Kern verbleiben einige einflussreiche Verfechter solider Währungspolitik, die an einer Lösung verzweifeln. Würden sie jedoch die Kontrolle über die EZB-Politik übernehmen, wäre das politisch spaltend und es wäre praktisch unmöglich, Währungsstabilität herzustellen.

Die praktische und politische Wahl wäre der Austritt. Die deutsche Politik, geprägt von zwei Währungszusammenbrüchen in den letzten hundert Jahren, legt nachdrücklich nahe, dass Deutschland den Alleingang mit einer eigenen, goldgedeckten Währung wählen würde. Für Deutschland wäre es weit besser, die währungspolitische Seite des europäischen Projekts aufzugeben. Dies wäre eine bedeutende Entwicklung und würde zur Zerstörung des Euro führen. Doch angesichts des Zusammenbruchs des Dollars und des derzeitigen EZB-Managements würde dies ohnehin als zunehmend wahrscheinliches Ergebnis für den Euro angesehen.

Hätte eine neue D-Mark eine Golddeckung, würden sich wahrscheinlich die Niederlande anschließen und den Kern eines goldgedeckten Blocks bilden. Frankreich und Italien haben die Goldreserven, aber keine Haushaltskontrolle. Wie auch immer es ausgeht, in Europa könnte solides Geld entstehen. In diesem Fall hätte die richtige Wirtschaftspolitik im Vereinigten Königreich eine Chance, das Pfund zu stabilisieren, weil es an den Devisenmärkten eine Grundlage für einen vergleichenden Wert gäbe und ein vollständiger Währungszusammenbruch vermieden werden könnte. Verglichen mit dem Besitz und Einsatz glaubwürdiger Goldreserven wäre es jedoch, als spielte man Fußball auf Ligaebene mit zusammengebundenen Schnürsenkeln.

Fazit

Obwohl die Regierung der letzten vierzig Jahre die libertärste war, gibt es kaum Anzeichen dafür, dass hochrangige Minister die Geldpolitik wirklich verstehen. Zudem herrscht in Westminster und Whitehall, da die Verantwortung für das Geld an die Bank of England übertragen wurde, das Gefühl, man müsse sich nicht darum kümmern, wie die Bank die vereinbarten Ziele bei Arbeitslosigkeit und Preisinflation erreicht. Das Ergebnis ist, dass die Bank inzwischen wohl mächtiger ist als die Exekutive und ihre Geldpolitik mit anderen Zentralbanken abstimmt, statt zum unmittelbaren Nutzen der Britischen Inseln zu planen.

Großbritannien steht in den kommenden Monaten eine schwierige Zeit bevor. Eine globale Bankenkrise kann als gegeben angenommen werden; sie wird die Regierung und die BoE zwingen, sämtliche Bankverbindlichkeiten abzusichern. Die zerstörerische Geldpolitik der EZB, an der die BoE mitgewirkt hat, dürfte Deutschland dazu bringen, die Mark wieder einzuführen und sie hoffentlich mit Gold zu decken, um den Kern einer neuen europäischen Ordnung soliden Geldes zu bilden. Dafür gibt es jedoch keine Garantie.

Außerdem hat Großbritannien sich mit seiner Unterordnung unter die amerikanische Anti-China-Politik der einen möglichen wirtschaftlichen und währungspolitischen Rettungsleine beraubt, die ihm zur Verfügung stand. Offensichtlich hält niemand in der Regierung dies wirklich für wichtig, was einen Mangel an strategischer Weitsicht zeigt.

Es wird ein mutiger Brite sein, der sich in diesen außergewöhnlichen Zeiten auf den Fortbestand seiner Währung verlässt.







[i] Siehe https://home.treasury.gov/news/press-releases/sm994 und außerdem https://ticdata.treasury.gov/Publish/bltype.txt

[ii] Daten der Weltbank für 2018

[iii] https://www.telegraph.co.uk/business/2018/07/02/uk-shadow-banking-sector-worth-least-22-trillion/

 

 

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