Versicherungsgesellschaften und Pensionsfonds haben in der Vergangenheit gern mit dem Vorteil der Zinseszinsrechnung für Sparer geworben.
In den letzten 30 bis 40 Jahren wurde die Rendite durch die Inflation angehoben. Um die Kosten der Inflation zu verstehen, muss man jedoch den gesamten Sparzyklus betrachten: nicht nur die Ansparphase, sondern auch den Wert von Leibrenten im Ruhestand. Zudem sollte die historische Erfahrung eines typischen Erwerbslebens mit einer theoretischen Alternative auf Basis soliden Geldes verglichen werden.
Nehmen wir an, ein Mann arbeitet 40 Jahre lang und legt in dieser Zeit jährlich einen festen Betrag an. Dieser wird überwiegend in Anleihen investiert, mit einer Rendite, die ihm bei Renteneintritt eine Einmalzahlung verschafft. Hier hören die Marketingleute auf, wir hingegen machen weiter. Diese Einmalzahlung wird in eine Leibrente umgewandelt, die für die Lebenserwartung des Ruheständlers ein festes Einkommen liefert. Nehmen wir ferner an, dass jährlich 1.000 US-Dollar angelegt werden, und verwenden wir als Maßstab die durchschnittliche Rendite zehnjähriger US-Staatsanleihen. Das Ergebnis zeigt die Tabelle unten unter der Überschrift „Papiergeld“.
Der nominale Wert unseres Altersvermögens beträgt bei Renteneintritt attraktive 224.150 US-Dollar. Während der Ansparphase lag die Preisinflation jedoch im Durchschnitt bei 4,44 %, sodass der inflationsbereinigte Wert nur 74.056 US-Dollar beträgt. Die Differenz (150.094 US-Dollar) ist demnach eine versteckte Inflationssteuer, und dem Sparer bleibt real nur ein Drittel seiner Ersparnisse.
Wird die Einmalzahlung anschließend bei einer fortbestehenden Anleiherendite von 7,18 % für einen Ruhestand von 25 Jahren in eine Leibrente umgewandelt, ergibt dieser inflationsbereinigte Betrag ein Jahreseinkommen von 6.458 US-Dollar. Bleibt die Inflation im Durchschnitt auf dem historischen Niveau, wird die letzte Zahlung inflationsbereinigt nur noch 2.075 US-Dollar wert sein. Man beachte, dass die Kaufkraft der Leibrente im Zeitverlauf sinkt, während die Gesundheits- und Pflegekosten des Ruheständlers voraussichtlich steigen, und zwar dann, wenn er sie sich am wenigsten leisten kann.
Der Grund, die Inflation aus der Rechnung herauszunehmen, ist der Vergleich der inflationären Vergangenheit mit einer Alternative auf Basis soliden Geldes. Diese Berechnung fällt unter den vernünftigen Annahmen in der letzten Spalte der Tabelle dramatisch anders aus: eine durchschnittliche Anleiherendite von 2,5 % und eine Preisdeflation von jährlich 1 %. Das deflationsbereinigte Ergebnis ist deutlich besser als im Papiergeld-Beispiel. Außerdem steigt die Kaufkraft der Leibrente im Einklang mit dem Gesundheits- und Pflegebedarf eines alternden Ruheständlers.
Unser Beispiel ist stark vereinfacht: Die Anleiherenditen haben sich seit 1971 erheblich verändert, und wir haben Verwaltungsgebühren und Steuern außer Acht gelassen. Wir haben auch nicht berücksichtigt, dass die Anleiherenditen heute außergewöhnlich niedrig sind. Leibrenten, die jetzt abgeschlossen werden, werfen daher deutlich weniger ab, als unser Beispiel zeigt.
Unter dem Strich wird der Sparer durch die Inflation stärker verarmt, als allgemein angenommen wird. Der Staat hat von der Übertragung von Vermögen aus den Ersparnissen seiner Bürger profitiert, einer Folge der Geldmengenausweitung, allerdings zu erheblichen künftigen Kosten. Dem Staat bleiben die Kosten für Sozialleistungen, Gesundheit und Pflege einer alternden Bevölkerung, die sich nicht selbst versorgen kann und eine steigende Lebenserwartung hat.
Die Kosten für die Versorgung einer wachsenden Zahl verarmter Rentner werden in den kommenden Jahren sichtbar werden und die Staatsdefizite schneller als erwartet erhöhen. Wir wissen nicht, wann die Märkte das enorme Ausmaß dieser künftigen Verpflichtungen widerspiegeln werden.