Die wirtschaftlichen Folgen der Schrumpfung der Bankkredite

Neben der Finanzierung der stark steigenden Staatsdefizite stehen die Zentralbanken vor einem zusätzlichen Problem: Sie müssen die schrumpfenden Bankkredite an den nichtfinanziellen Privatsektor ersetzen, wenn ein Konjunktureinbruch vermieden werden soll. Das Problem tritt zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt im Bankkreditzyklus auf, da die Bilanzen der Geschäftsbanken so stark verschuldet sind wie nie zuvor.

Die Banken reduzieren bereits ihre Kreditvergabe an den nichtfinanziellen Privatsektor. Wie dieser Artikel darlegt, ist es für die Zentralbanken jedoch nahezu unmöglich, die Geschäftsbanken dazu zu bewegen, die echte Produktion stärker zu finanzieren. Der Grund: Die Banken müssen sich vor zunehmenden Insolvenzen schützen, wenn die pandemiebedingten Hilfen bei maximaler Bilanzverschuldung auslaufen.

Der Rückzug der Bankkredite, während die Konsumnachfrage nach dem Lockdown freigesetzt wird, wird die Produktion und Lieferung von Waren an die Verbraucher behindern. Das treibt die Preise im Einzelhandel in die Höhe, die ohnehin schon steigenden Rohstoffpreisen und anderen Kosten unterliegen. Eine weitere Ausweitung der Geldmenge wird das Problem nur verschärfen, da die Kaufkraft der Papierwährungen untergraben wird. Für Zentralbanken und Regierungen ist die Ausweitung der Geldmenge jedoch die einzige verbleibende Möglichkeit, einen umfassenden Konjunktureinbruch hinauszuzögern.

Einleitung

Überall ist von einer kräftigen wirtschaftlichen Erholung nach dem Ende der Lockdowns die Rede. Es wird erwartet, dass die Flut nicht ausgegebener Konjunkturhilfen alle großen westlichen Volkswirtschaften überschwemmt, sobald der normale Geschäftsbetrieb wieder aufgenommen wird.

Darüber hinaus werden Regierungen und Zentralbanken uns weiterhin durch Stimulierung zurück zu wirtschaftlicher Gesundheit führen. Die extremste Variante sind die Pläne von Präsident Biden, die bislang ein Corona-Hilfspaket von 1,9 Billionen US-Dollar, einen American Families Plan von 1,8 Billionen US-Dollar und einen weiteren Infrastrukturplan von 2,3 Billionen US-Dollar umfassen. Das sind 6 Billionen US-Dollar an zusätzlichen Ausgaben zu den regulären gesetzlich vorgeschriebenen Ausgaben von rund 4 Billionen US-Dollar jährlich, bei einer Steuerbasis von nur 3,5 Billionen US-Dollar. Biden erklärt, er werde die Reichen besteuern, um einen Teil davon zu finanzieren. Das hat in der Vergangenheit nie nennenswerte Mehreinnahmen gebracht, daher ist anzunehmen, dass alles auf Kredit finanziert wird, und zwar fast vollständig mit inflationierten Dollar.

Andere fortgeschrittene Volkswirtschaften folgen einem ähnlichen, wenn auch weniger extremen Weg. Gemessen wird all dies am BIP, das im Laufe dieses Jahres mit Sicherheit deutlich steigen wird. „Wachstum“ wird zurück sein. Diese Kolumne hat ihre Leser wiederholt davor gewarnt, sich vom BIP täuschen zu lassen, das lediglich eine Geldsumme ist. Bei all der geldpolitischen Stimulierung überall werden die Geldsummen offensichtlich erheblich steigen, wodurch der Begriff „Wachstum“ im wahren wirtschaftlichen Sinne bedeutungslos wird. Wäre das BIP in den 1920er-Jahren erfunden worden, hätte der europäische Block aus Deutschland, Österreich, Ungarn und Polen ein spektakuläres Wachstum ausgewiesen, und ein damaliger Verbraucherpreisindex hätte ein „reales BIP“ gezeigt, das sich mehr als verdoppelt, ja sogar vervierfacht oder noch mehr gesteigert hätte. Ein Wirtschaftswunder nach dem Ersten Weltkrieg wäre verkündet worden, obwohl die Realität leider eine ganz andere war.

Das ist das Problem der Makroökonomie und ihrer Statistiken. Sie ist eine Nicht-Wissenschaft, die im BIP eine gleichmäßig rotierende Wirtschaft beschreibt und eine als unveränderlich angenommene Wirtschaft mit einer dynamischen verwechselt, die die menschlichen Lebensumstände verbessert. Das BIP ist für Regierungen wichtig, weil es ihre Einnahmebasis beziffert, was seine staatsgläubige Beliebtheit rechtfertigt, doch für unabhängige Prognostiker ist es nutzlos. Stattdessen ist ein rationalistischer Ansatz der Ökonomie, der erkennt, dass ökonomische Gesetze existieren und dass sie apriorisch sind, der einzige Weg, die gegenwärtige Lage und die Gefahren eines totalen Inflationismus zu verstehen.

Die Analysen, die aus Investmentbanken und Vermögensverwaltungen hervorquellen, sind, da sie ausschließlich makroökonomisch sind, aus diesen und weiteren Gründen fehlerhaft und müssen bei der sorgfältigen Suche nach wirtschaftlichen und monetären Ergebnissen ignoriert werden. Sie lenken von den eigentlichen Problemen ab: den zugrunde liegenden Faktoren, die das Leben nach dem Ende der Lockdowns bestimmen, und der Rolle der Banken bei der Kreditvergabe.

Das Leben nach den Lockdowns

Wenn die Lockdowns enden, ist zu erwarten, dass diejenigen, die nicht ausgegebene Mittel angesammelt haben, ihre Barbestände voraussichtlich auf das übliche Niveau zurückführen werden. Doch das Ende der Lockdowns ist keine Schwarz-Weiß-Frage. Manche Länder und Regionen werden erst später aus den Beschränkungen hervorgehen. Andere, namentlich Indien, verzeichnen weiterhin tragische Anstiege der Covid-19-Fälle. Wieder andere in der unterentwickelten Welt werden gar nicht erfasst. Vielen Ländern dürften neue Reisebeschränkungen auferlegt werden, und es gibt keine Garantie, dass Länder, die bei der Einführung von Impfungen langsam waren, nicht neue Wellen mit neuen Varianten erleben.

Wir wissen zudem, dass die Personen, deren Bankguthaben in den Lockdowns gestiegen sind, überwiegend der Mittelschicht angehören, also der Gruppe, die Zugang zu Hypotheken und Verbraucherkrediten hat. Und es sind ihre Mitglieder, die Häuser auf dem Land kaufen, Anbauten errichten, Yachten und Wohnmobile erwerben. Sie sind die Zielgruppe der Werbetreibenden und das Rückgrat der Mainstream-Medien. Mit dieser Leserschaft als Informationsgeber verkünden die Mainstream-Medien lautstark die Erholungsaussichten. Unbeachtet bleiben die Geringverdiener, die auf staatliche Unterstützung angewiesen sind und entweder ihre Arbeit verloren haben oder sie voraussichtlich verlieren werden, je länger die Pandemie andauert. Vor der Pandemie wurde häufig berichtet, dass etwa 70 % der angestellten Amerikaner und Briten von Gehaltsscheck zu Gehaltsscheck lebten, was ein bedrohliches schwarzes Loch für die Wirtschaft nach dem Lockdown darstellt.

Da die Lieferketten weiterhin im Chaos sind, ist es unwahrscheinlich, dass Waren und, in geringerem Maße, Dienstleistungen die vorhergesagte freigesetzte Nachfrage bedienen können. Heute sind Automobilhersteller aufgrund von Mikrochip-Engpässen gezwungen, die Produktion auszusetzen. Hersteller aller Güter und Montagebetriebe für Komponenten sind in ähnlicher Weise von Lieferstörungen bedroht. Container sind falsch positioniert, um einen Anstieg der Verbrauchernachfrage zu bewältigen, und einige Branchenexperten glauben, dass die globale Logistik vor Jahresende nicht in Ordnung gebracht sein wird.

Die Preise im Einzelhandel steigen bereits schneller als zuvor.

Das vermutlich wichtigste Thema, das von Makroökonomen abgetan wird, ist der Zustand des Bankkreditzyklus. In Verbindung mit erhöhten Handelszöllen gegenüber China erinnert er an die Weltwirtschaft unter ähnlichen Bedingungen wie jenen, die die Wall Street zwischen 1929 und 1932 zusammenbrechen ließen. In jüngerer Zeit stieß das US-Bankensystem im September 2019 sichtbar an die Grenzen seiner Bilanzkapazität, was sich in einer Krise am Repo-Markt zeigte. Kurz darauf, ab Februar 2020, ließen Liquiditätsengpässe den US-Aktienmarkt einbrechen, was an die Phase September–Oktober 1929 neunzig Jahre zuvor erinnert. Abbildung 1 zeigt diesen Zyklus im Vergleich zu heute. Der Unterschied besteht darin, dass die Preise im früheren Zyklus über den Dollar mit 20,67 $ je Unze in Gold ausgedrückt waren, während die heutigen Dollar reines Fiatgeld sind.
 
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Vor neunzig Jahren führten die Fiat-Exzesse der Bankkreditausweitung, gepaart mit den durch den Smoot-Hawley Tariff Act erhöhten Zöllen, schließlich zum Preisverfall bei allem, von Aktien bis zu Rohstoffen. Diese Erfahrung führte dazu, dass eine Vielzahl von Ökonomen zu dem Schluss kam, der Preisverfall selbst sei das Problem, und dabei die offensichtliche Tatsache ignorierte, dass er die Folge früherer Kreditexzesse in Verbindung mit Handelszöllen war. Die anschließende Entwicklung von Statistik, mathematischer Ökonomie und Makroökonomie in den Vorkriegsjahren führte dann zu einem Prozess der Demonetisierung des Goldes, das durch reine, vom Staat ausgegebene Fiat-Währungen ersetzt wurde.

Die am 20. März 2020 angekündigte monatliche Aufstockung um 120 Mrd. $ an inflationärem QE erklärt, warum der Dow-Index seinen Anstieg wieder aufnahm, statt weiter dem Muster von 1929–32 zu folgen. QE ist eine Geldzufuhr an Pensions- und Versicherungsfonds, die in risikoreiche Anlagen investiert werden soll, überwiegend in höher verzinste Unternehmensanleihen und Aktien.

Dies ist eine bewusste Politik der Zentralbank in der Annahme, dass ein steigender Aktienmarkt das Vertrauen in die Wirtschaft stärkt, wobei die langfristigen Folgen außer Acht gelassen werden. Obwohl dies bislang funktioniert und eine anhaltend optimistische Erwartung gefördert hat, verschleiert es die zugrunde liegende Lage eines gefährlich überbewerteten Aktienmarkts zu einem Zeitpunkt, an dem sich die wirtschaftlichen Aussichten verschlechtern.

Die Fiat-Blase beschränkt sich nicht auf die Aktienmärkte. Abbildung 2 zeigt, wie eine Reihe von Preisen verschiedener Anlagen seit dem breiten Ausverkauf bis März 2020 gestiegen ist, als die Fed ihren Leitzins auf null senkte und monatliches QE von 120 Mrd. $ ankündigte. Vor diesem Ereignis waren die Preise all dieser Anlagen, mit Ausnahme der Währungen, gefallen.

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Seither haben sich Kryptowährungen spektakulär entwickelt, gefolgt von Rohstoffen und Aktien. Die neue Version der Geldmenge M2 (M2SL) ist um 22,8 % gestiegen, was weitaus größere Preisanstiege in den drei zuerst genannten Kategorien ausgelöst hat, während der Dollar auf seinem handelsgewichteten Index gegenüber anderen Währungen 11 % verlor.

Wir sehen, dass jede wirtschaftliche Erholung, sollten wir in eine kontraktive Phase des Bankkreditzyklus eintreten, statistischer und nicht realer Natur sein wird, weil das Kapital zur Finanzierung der Produktionssteigerung nicht verfügbar sein wird. Berücksichtigt man die drei Faktoren – eine schmale Basis von Berufsgruppen, die angesammelte Bankguthaben abbauen, Störungen der Lieferketten sowie die Auswirkungen der Preisinflation auf Rohstoffe und andere Kosten –, mögen die wirtschaftlichen Ergebnisse anders aussehen als vor neunzig Jahren, doch der einzige wahre Unterschied liegt im Geld.

Die Bankkredite schrumpfen tatsächlich

Üblicherweise gibt es zwei Quellen für eine Ausweitung der Geldmenge: von der Zentralbank geschaffenes Geld und Bankkredite. Historisch betrachtet war die Menge des breit gefassten Geldes, die auch die Einlagenseite der Bankkredite umfasst, etwa zehnmal so groß wie die Zentralbank-Basisgeldmenge. Nach dem Zusammenbruch von Lehman, als die Zentralbanken ihre Bilanzen durch quantitative Lockerung ausweiteten, veränderte sich dieses Verhältnis aufgrund der geschaffenen Überschussreserven. Heute liegt das Verhältnis in den USA bei weniger als dem Vierfachen und fällt weiter.

Nach dem Zusammenbruch von Lehman, der den Beginn des letzten Abschwungs im Bankkreditzyklus markierte, stiegen die Bankkredite zunächst, fielen dann aber bis 2010, als die Wirtschaft einen Schlag erlitt und die ausstehenden Bankkredite an den nichtfinanziellen Sektor um 731 Mrd. US-Dollar bzw. 10,5 % schrumpften. Ein anfänglicher Anstieg lässt sich mit der ersten Reaktion eines Bankers auf eine unerwartete Krise erklären: Er glaubt, dass sie rasch vorübergehen wird, während der unmittelbare Kreditbedarf durch den Schock steigt und bedient werden sollte.

Dieses Mal stiegen die Bankkredite und die Kreditvergabe an den nichtfinanziellen Sektor zunächst wie 2009, sind seither jedoch um knapp über 500 Mrd. US-Dollar gesunken, wie Abbildung 3 zeigt.

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Das Volumen der Bankkredite ist um 64 % größer als nach der Lehman-Krise, und das Ausmaß der wirtschaftlichen Probleme in der nichtfinanziellen Wirtschaft ist heute weitaus größer. Im Vergleich zur Vergangenheit scheint der Rückzug der Bankkredite aus der Realwirtschaft daher, selbst ohne Bankenkrise, gerade erst begonnen zu haben und noch einen weiten Weg vor sich zu haben. Wir müssen darauf gefasst sein, dass eine Kombination aus verstärkter inflationärer Finanzierung und staatlichen Garantien, die zwangsläufig überwiegend Zombie-Unternehmen stützen, beschleunigt werden muss, um die Tendenz der Bankkredite zu weiterer Kontraktion auszugleichen und eine Schuldendeflations-Rezession zu vermeiden.

Statt Geld an risikoreiche nichtfinanzielle Kunden zu verleihen, wurden die Bankbilanzen im vergangenen Jahr zunehmend in risikoarme Staats- und Agenturanleihen umgeschichtet. Dies zeigt sich besonders bei den großen Banken, deren Bilanzen nur noch zu 61 % gegenüber Nichtfinanzunternehmen engagiert sind, verglichen mit 71 % im Oktober 2010 auf dem Höhepunkt der Rezession nach der Krise. In den 1970er-Jahren sprach man in diesem Zusammenhang davon, dass die Wirtschaft „verdrängt“ werde („crowding out“), wobei Unternehmensinvestitionen und wirtschaftliche Erholung durch den Geldbedarf des Staates behindert wurden. Diesmal sind es der Staat und ein spekulierender, hochgradig überschäumender Finanzsektor, die verdrängen.

Ebenso stellen wir fest, dass sich das Bankkreditwachstum in Großbritannien verlangsamt. Dies zeigt Abbildung 4. Die britische Wirtschaft teilt viele angelsächsische Merkmale der USA und einige ihrer regulatorischen Eigenschaften. Der relative Umfang der inflationären Unterstützung für die britische Wirtschaft während der Pandemie war geringer als in den USA. Mit einer durchschnittlichen Bilanzhebelung von 16,8 bei den drei global systemrelevanten Banken Großbritanniens ist die mögliche Kontraktion der Bankkredite jedoch weitaus größer als in den USA, deren sieben G-SIBs im Schnitt auf das 11-Fache kommen.

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Das Bankensystem der Eurozone unterscheidet sich von dem der Angelsachsen dadurch, dass die Unternehmen im Allgemeinen weniger auf riesige Banken angewiesen sind. Besonders in den beiden deutschsprachigen Ländern und in Frankreich stehen Netzwerke kleinerer lokaler Banken den kleinen und mittleren Unternehmen näher, die den Großteil jeder Volkswirtschaft ausmachen, und solche genossenschaftlichen Banken gibt es in gewissem Umfang auch in den meisten anderen Ländern der Eurozone. Folglich besteht weniger Spielraum dafür, dass die gesamte Bankengruppe der Eurozone von der Kreditvergabe an nichtfinanzielle Sektoren auf die an finanzielle Sektoren umschwenkt. Ein Streifzug durch die Eurostat-Statistiken zeigt für den nichtfinanziellen Sektor, dass die Bankkredite weiterhin in gemäßigtem Tempo zunehmen, die Neukredite jedoch zurückgehen, wie Abbildung 5 veranschaulicht.

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Derzeit liegt das Problem weniger bei den genossenschaftlichen Bankennetzwerken als bei den großen G-SIBs, von denen die Eurozone sieben hat, mit einer durchschnittlichen operativen Hebelung von 20,5. Das bedeutet, dass im Schnitt bereits Kreditausfälle und Marktwertabschreibungen von weniger als 5 % das Eigenkapital der Aktionäre aufzehren.

Teilen Geschäftsbanken die Interessen ihrer Zentralbanken?

Es wird weithin und fälschlicherweise angenommen, dass Geschäftsbanken faktisch von ihren Zentralbanken kontrolliert werden und dass ihre Interessen mit denen der Zentralbanken übereinstimmen. Die Steuerung der Zinssätze und die Bereitstellung von Liquidität verstärken diese Sichtweise. Doch im Euroraum decken sich selbst die Interessen der nationalen Zentralbanken nicht mit denen der EZB: Sie sind zuerst sich selbst, an zweiter Stelle ihren nationalen Aufsichtsbehörden und Regierungen und erst zuletzt der EZB verantwortlich. Dies zeigt sich daran, wie die nationalen Zentralbanken in den PIGS-Staaten das Zahlungsverkehrssystem TARGET2 ausnutzen, um uneinbringliche und zweifelhafte Forderungen zu verbergen, die andernfalls in ihren nationalen Bankensystemen verbucht würden.

Zwar sind Geschäftsbanken für ihre Lizenzen auf aufsichtsrechtliche Systeme angewiesen, doch ihre vorrangige Verantwortung gilt ihren Aktionären und nicht ihren Zentralbanken. An der Schöpfung von Bankkredit sind Zentralbanken überhaupt nicht beteiligt, und obwohl die Aufsichtsbehörden Risikoparameter und andere operative Vorgaben festlegen, haben sie keine Führungsrolle in Geschäftsbanken. Bankiers treffen ihre Entscheidungen nach kaufmännischen Gesichtspunkten, um Gewinne zu erzielen, und reagieren empfindlich auf mögliche Verluste. Zudem reagieren sie als Gruppe auf dieselben Markteinschätzungen, was ihr zyklisches Verhalten bestimmt.

Trotz aller Versuche der Zentralbanken, die Wirkung abzuschwächen, gibt es aus diesem Grund Bankkreditzyklen mit einer ungefähren Periodizität von rund zehn Jahren. Wir können die Hoffnung verwerfen, dass Bankiers dann, wenn sie die Kreditrisiken als hoch einschätzen und durch den operativen Verschuldungshebel am stärksten exponiert sind, mitspielen und tun, was die Zentralbanken wollen. Man stelle sich vor, die Fed riefe die Vorstandsvorsitzenden der US-G-SIBs zu einem Treffen zusammen, um sie zu beruhigen: Angesichts einer erwarteten starken Wirtschaft nach der Pandemie sollten sie Unternehmen leichter Kredite zur Verfügung stellen, damit diese ihre Umsätze steigern können. Was würden sie sich nach dem Treffen untereinander sagen? Würden sie,

  1. sich beruhigt und erleichtert zeigen und der Bitte nachkommen, oder
  2. hinterher annehmen, dass die Fed sehr besorgt über die wirtschaftlichen Aussichten sein muss, wenn man sie zu einem solchen Treffen einbestellt?
Auch wenn ihre Gedanken nicht offen geäußert würden, muss man kein Zyniker sein, um zu dem Schluss zu kommen, dass ein solches Treffen erhebliche Zweifel weckte, statt die Bankiers zu beruhigen. Und dass sie nach ihrer Rückkehr in ihre Büros ihre Kundenbetreuer einzeln anweisen würden, bei der Kreditvergabe mehr Vorsicht walten zu lassen.

Geschäftsbanken sind keine bloßen Durchleitungsbetriebe, die Einleger mit Kreditverpflichtungen zusammenbringen. Außerdem gibt es Einlagen gar nicht. Diejenigen, die wir Einleger nennen, sind lediglich Gläubiger der Bank und eine Finanzierungsquelle. Folglich haben das Geschäft und die Beweggründe von Geschäftsbankern fast nichts mit denen von Zentralbankern gemein.

Die Bilanzen der Geschäftsbanken sind für die aktuelle wirtschaftliche Lage zu stark gehebelt, und selbst wenn der Staat Kreditgarantien anbietet, werden ihre Führungskräfte mit hoher Wahrscheinlichkeit dennoch versuchen, das gesamte Kreditengagement gegenüber dem nichtfinanziellen Sektor zu verringern.

Schrumpfender Bankkredit führt zu mehr Inflation

Dass die Bankkredite zu einer Zeit schrumpfen, in der die Zahl der Insolvenzen steigt, zum Teil aufgrund der Pandemie-Lockdowns, sollte nicht überraschen. Erst heute Morgen berichtete The Daily Telegraph, dass die EU-Bankenaufseher offiziell vor einem Tsunami von Insolvenzen warnen, sobald die Corona-Hilfsprogramme auslaufen. Der Europäische Ausschuss für Systemrisiken (ESRB) erklärte: „In einem Worst-Case-Szenario würden die aufgeschobenen Insolvenzen plötzlich zutage treten und eine rezessive Dynamik auslösen, die möglicherweise zu weiteren Insolvenzen führt.“ Er fügte hinzu, der sprunghafte Anstieg der Unternehmenspleiten könne die Banken der Region lähmen, da steigende Kreditausfälle ihre Fähigkeit beeinträchtigten, die Erholung zu finanzieren, und er könne sogar das europäische Projekt selbst untergraben.

Man sollte sich von der Konditionalformulierung nicht täuschen lassen. Es ist bemerkenswert, dass selbst die staatsgläubigsten Aufseher dem Tenor dieses Artikels zustimmen. Und es kann kaum Zweifel daran geben, dass anderswo ähnliche Entwicklungen wahrscheinlich sind.

Das Problem reicht jedoch weiter, als der ESRB einräumt. Wie oben dargelegt, ist zudem der Bankkreditzyklus zu berücksichtigen. Er wird mit hoher Wahrscheinlichkeit dazu führen, dass Banken Unternehmen, die ohnehin Mühe haben, die erwartete Zunahme der Verbrauchernachfrage nach dem Lockdown zu bedienen, Betriebskapital entziehen. Der Grund ist einfach: All dies geschieht zu einer Zeit, in der ihre Bilanzen stark gehebelt sind und die Bankiers zunehmend ihr Engagement in möglichen uneinbringlichen Forderungen fürchten, allein schon aus zyklischen Gründen. Deshalb investieren sie stattdessen in vermeintlich risikolose Staatsanleihen.

Es mag widersinnig erscheinen, doch schrumpfende Bankkredite werden kurzfristig, indem sie das Güterangebot einschränken, zu erheblich höheren Preisen für diese Güter führen, zusätzlich zu den steigenden Kosten für Rohstoffe und Vorprodukte.

Im Einklang mit der keynesianischen Lehre scheinen die politischen Planer zu glauben, dass schrumpfende Kredite und fallende Preise zusammengehören, und werden daher verwirrt sein, wenn dies nicht eintritt. Es wird interessant sein zu sehen, wie sie auf eine fatale Kombination aus schrumpfenden Krediten, steigenden Insolvenzen und steigenden Preisen zur gleichen Zeit reagieren. Die traditionelle Reaktion von Regierungen in solchen Lagen besteht in der Regel darin, strikte Preiskontrollen einzuführen, eine Praxis mit einer langen Geschichte des Scheiterns.

Im Jahr 301 n. Chr. erließ der römische Kaiser Diokletian ein Höchstpreisedikt. Dem war eine lange Phase der Münzverschlechterung vorausgegangen, beginnend mit Nero, der als erster Kaiser das Heer mit verschlechterten Münzen bezahlte. Doch die Auswirkungen auf die Preise, von dem, was zu Diokletians Zeit, etwa 240 Jahre später, zu reinem Fiat-Geld geworden war, fielen schließlich auf ihn zurück. Die Folge seines Edikts war, dass in römischen Städten die Geschäfte schlossen und die Bürger gezwungen waren, aufs Land zu ziehen und dort Nahrung zu sammeln, um zu überleben. Trotz des ausnahmslosen Scheiterns von Preiskontrollen seither und obwohl sie im Voraus wissen, dass diese erneut scheitern werden, dürften Politiker mit hoher Wahrscheinlichkeit versuchen, sie wieder einzuführen. Die Warnzeichen werden ein öffentlicher Aufschrei gegen unaufhaltsame Preissteigerungen sein, gefolgt von Schuldzuweisungen der Politiker an Profiteure. Die Preise steigen weiter, und an diesem Punkt werden Preiskontrollen angedroht und dann umgesetzt.

Der moderne Staat und seine Zentralbank werden auf das Problem der Kreditverknappung im nichtfinanziellen Sektor wahrscheinlich reagieren, indem sie Bankkredite garantieren, die Eigenkapitalanforderungen ändern, um die Bankbilanzen zu stärken und Spielraum für deren Ausweitung zu schaffen, und sogar, indem sie den Banken zusätzliches Kapital durch direkte Beteiligungen zur Verfügung stellen. Die Vorschläge für digitale Zentralbankwährungen, die lediglich eine weitere Form von Fiat-Geld sind, machen deutlich, dass die Zentralbanken beginnen, andere Lösungen für das Bankkreditproblem zu verfolgen, indem sie die Geschäftsbanken ganz umgehen und die direkte Kontrolle über Geld- und Kreditströme übernehmen wollen. Zum Glück für Bürger, die ihre persönliche Freiheit schätzen, wird jedoch wahrscheinlich nicht genug Zeit bleiben, um diese Lösung für die Kreditverknappung umzusetzen.

Die Märkte werden über die Ergebnisse entscheiden

Die Suche nach makroökonomischen Lösungen kennt stets nur ein einziges Heilmittel: jedes Problem mit mehr Geldinflation zu überdecken. Eine Zeit lang scheint sie zwei gegensätzliche Ziele zu erfüllen, nämlich die Finanzierung der Staatsdefizite und die Stimulierung der Wirtschaft. In seiner ursprünglichen Form sah Keynes eine monetäre Stimulierung in Rezessionen vor: Regierungen sollten ihre Ausgaben bewusst über ihre Steuereinnahmen hinaus steigern und sich dafür verschulden, mit dem Ziel, die Haushalte über den Konjunkturzyklus hinweg auszugleichen. Seit der Lehman-Krise haben die USA und viele andere Regierungen jedoch über den gesamten Zyklus hinweg weiter Defizite gemacht, was, falls es eines Beweises bedurfte, belegt, dass der Staatseingriff in die Wirtschaft überall gescheitert ist.

Wenn zyklische Faktoren die wirtschaftlichen Ergebnisse zunehmend bestimmen, dürfte in Regierungskreisen wachsende Verzweiflung aufkommen. Ihr Dilemma besteht darin, dass Steuern nicht erhöht werden dürfen, um die Produktion zu erhalten, und dass Kürzungen der Staatsausgaben ebenfalls nicht in Betracht kommen. Es scheint unmöglich, die Staatsfinanzen wieder in ein gewisses Gleichgewicht zu bringen. Der Inflationismus muss daher in immer schnellerem Tempo weitergehen.

Es hilft den politischen Planern, die Auswirkungen der Geldmengenausweitung auszublenden. Während Staat und Banken vom Schlagschatz aus Geld und Kredit profitieren, sind die Verlierer insgesamt die wirklich produktiven Teile der Wirtschaft sowie Geringverdiener und Rentner, die allesamt durch Vermögenstransfer und die Entwertung ihrer Gewinne, Einkommen und ihres Kapitals verlieren. Die Besteuerung, die offenkundig wirtschaftsschädigend ist, wird zunehmend durch die Entwertung der Währung ergänzt. In der Europäischen Union entfallen im Durchschnitt inzwischen etwa 50 % des BIP auf den Staat. Das heißt, der Staat entzieht den Menschen im Schnitt 50 % ihrer Produktion und ihrer Ausgaben. Hinzu kommt die unsichtbare Besteuerung durch Währungsentwertung, und sie nimmt zu. Ist es da verwunderlich, dass die EU ein scheiterndes Gebilde ist und dass inzwischen sogar der Risikoregulator des europäischen Establishments davor warnt?

Und nun gibt es auch unwiderlegbare Belege für steigende Preise, auch wenn die Fed, wie wir an der gestrigen FOMC-Erklärung gesehen haben, bestreitet, dass diese mehr als vorübergehend sein werden. Währenddessen läuft das QE, die eigentliche Inflation hinter der Entwertung der Währung, mit 120 Mrd. US-Dollar pro Monat weiter. Bald wird es durch noch mehr Inflation monetärer Art ergänzt werden müssen, um den Rückgang der Bankkredite zur Finanzierung der Produktion auszugleichen. Zur Orientierung sollten wir bedenken, dass diese Aufgabe in den USA noch immer viermal so groß ist wie die Geldbasis.







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