Die Wahrheit über den Handel

Das eine Thema, das im vergangenen Jahr zu einem Schlagzeilenthema wurde und sogar Experten spaltet, ist der Handel. Er wird 2018 zunehmend an Bedeutung gewinnen, da die USA ihre Handelspolitik entwickeln, insbesondere gegenüber China, und das Vereinigte Königreich seine Brexit-Bedingungen mit der EU aushandelt.

Unwissenheit beherrscht dieses Thema. Die Industrie, so heißt es, müsse doch vor unlauteren Handelspraktiken geschützt werden, etwa vor Waren aus ausländischen Ausbeuterbetrieben oder vor unfairem Dumping von Rohstoffen wie Stahl. Wenn Präsident Trump die amerikanische Wirtschaft vor unfairem Wettbewerb schützen kann, sei das gut für die amerikanische Volkswirtschaft. Dann ist da die Frage der Wechselkurse. Hilft eine niedrigere Währung nicht dabei, die Handelsbilanz wieder auszugleichen, indem sie Exporte billig und Importe teuer macht? Und birgt der Austritt Großbritanniens aus der EU nicht das Risiko, dass Handelszölle gegen britische Unternehmen errichtet werden? Das bedeute, das Pfund müsse gegenüber dem Euro fallen, um den Handel wieder ins Gleichgewicht zu bringen.

Dies sind allesamt Irrtümer, die durch überprüfbare Geschichte widerlegt werden. Warum bestanden vor dem Euro die deutschen Exportüberschüsse trotz einer steigenden D-Mark fort, und warum sind ihre Überschüsse nach dem Beitritt zu einer schwächeren Währung, dem Euro, nicht nennenswert weiter gestiegen? Und warum hatte Japan wie Deutschland ab den 1960er-Jahren ebenfalls eine starke Währung und einen anhaltenden Handelsüberschuss? Warum hatte Großbritannien in den Nachkriegsjahren trotz einer fallenden Währung ein dauerhaftes Handelsdefizit? Und warum verschärfte der amerikanische Protektionismus in den 1930er-Jahren die Depression?

Die Antworten auf diese Fragen sind heute für die Entwicklung sowohl der US-Handelspolitik als auch der Handelspolitik nach dem Brexit von Bedeutung. Es ist kein Zufall, dass Handelsungleichgewichte erst zu einem bedeutenden Merkmal wurden, seit Fiat-Währungen die Disziplin des soliden Geldes auf Goldbasis ersetzt haben.

Zweck dieses Artikels ist es, die Wahrheit über den Handel darzulegen, indem er den Zusammenhang zwischen Handelsungleichgewichten und Wechselkursen behandelt, und den Schaden aufzuzeigen, den die Erhebung von Zöllen verursacht.

Warum Handelsungleichgewichte bei solidem Geld nicht von Dauer sein können

Der häufigste Fehler der Neo-Keynesianer und der übrigen Kommentatoren besteht in der Annahme, ein Handelsdefizit lasse sich durch einen niedrigeren Wechselkurs beheben. Das widerspricht sämtlichen empirischen Befunden, dennoch hält sich dieser Mythos. Der Fehler liegt darin, dass die Folgen einer Geldmengenausweitung in einer Volkswirtschaft mit relativ fester Produktionskapazität außer Acht gelassen werden. Um zu verstehen, warum eine Geldmengenausweitung zu Handelsdefiziten führt, müssen wir jedoch zunächst die Rolle des Geldes in einer Volkswirtschaft klären.

Geld ist in allen auf Arbeitsteilung beruhenden Volkswirtschaften die vorübergehende Brücke zwischen Produktion und Konsum. Das bedeutet: Alle wirtschaftlichen Akteure, einschließlich Unternehmen, Angestellten und Selbstständigen, stellen mit ihren speziellen Fähigkeiten oder ihrer Arbeit etwas her, um sich alles andere kaufen zu können, was sie brauchen und wünschen. Die Arbeitslosen, die sich nicht an der Produktion beteiligen, werden von anderen unterstützt, entweder von ihren Familien oder vom Staat. Ihre fehlende Produktion wird also stets durch die Überschussproduktion anderer gedeckt.

Alle wirtschaftlichen Akteure gehen standardmäßig davon aus, dass das Geld für ihre Transaktionen grundsätzlich solide ist, selbst wenn es sich um eine staatlich ausgegebene Währung handelt. Dies geschieht trotz der allgemein bekannten Tatsache, dass sich die Kaufkraft langfristig verändert. Dass eine Währung die Umwandlung von Produktion in Konsum erleichtert und als Grundlage der Buchführung dient, ist eine Voraussetzung für ihre Gültigkeit.

Der Konsum ist entweder unmittelbar, also der Kauf von Gütern des täglichen Bedarfs, oder aufgeschoben. Aufgeschobener Konsum ist eine andere Bezeichnung für Ersparnisse und das Halten von Barliquidität; deren Rollen werden weiter unten in diesem Artikel beschrieben. Wir alle weisen als Einzelpersonen zwischen unserer Produktionsleistung und unseren Ausgaben Handelsüberschüsse oder -defizite auf, wobei der Unterschied durch Veränderungen unserer Kassenbestände und unseres Gesamtersparnisses ausgeglichen wird. Betrachten wir Personengruppen, sei es die Bevölkerung einer Stadt, einer Region oder sogar eines Landes, so gilt das, was für uns als Einzelne zutrifft, auch im größeren, aggregierten Sinne.

Den klassischen Ökonomen war dies offensichtlich, insbesondere zu der Zeit, als Gold Geld war und Bargeld und Bankguthaben für die Zwecke der Wirtschaftstheorie vollständig durch Gold gedeckt waren. Verschiedene Gemeinschaften und Länder, die ja aus einer Vielzahl einzelner Akteure bestehen, beglichen ihren Handel mit anderen Gemeinschaften und Ländern stets mit solidem Geld, also mit Gold oder vollständig gedeckten Ersatzmitteln, über die sie verfügten.

Schwankungen der Handelsbilanzen waren tendenziell relativ gering und konnten nie einen Trend begründen, weil niemand auf Dauer über seine Verhältnisse leben konnte und die Menschen stets einen Puffer an Liquidität und Ersparnissen vorhalten mussten. Was auf der Makroebene geschah, spiegelte die Mikroebene wider, denn beide unterlagen und unterliegen noch immer denselben grundlegenden Regeln.

Zugegeben: Gemeinschaften, die solides Geld verwenden, auch solche, die durch Staatsgrenzen definiert sind, können unterschiedliche Lebensstandards, Spargewohnheiten und Geldbedürfnisse haben. Wegen der Zahlungsbeschränkungen wirkt sich dies nicht unmittelbar auf die Gesamthandelsbilanz zwischen ihnen aus. Die Auswirkung auf die Aufteilung zwischen aufgeschobenem und gegenwärtigem Konsum muss jedoch ebenfalls betrachtet werden.

Abgesehen vom Halten von Barliquidität bedeutet aufgeschobener Konsum, Gewinne und Einkommen den Ersparnissen zuzuführen, die über Banken und Finanzmärkte den Produzenten zur Verfügung gestellt werden, welche damit die Produktionsfaktoren finanzieren. Und wenn ein Unternehmen seine Produktionskapazität aufbaut, gleichgültig, ob die Komponenten vor Ort oder von außerhalb seiner Gemeinschaft oder seines Landes bezogen werden, muss es sie bei solidem Geld bezahlen, genau wie jeder andere, der Waren und Dienstleistungen kauft.

Eine Gemeinschaft oder ein Land, das seinen unmittelbaren Konsum erhöht, indem es den Anteil der Ersparnisse verringert, schränkt seine eigene Produktionskapazität ein. Wird das für die Produktion verfügbare Kapital begrenzt und werden Ersparnisse in zusätzliche Konsumausgaben umgelenkt, müssen die Importe im Verhältnis zu den Exporten zwangsläufig steigen. Deshalb können Unterschiede in den Sparquoten zwischen Handelspartnern zu erheblichen Handelsungleichgewichten führen, wenn sie fortbestehen; dies ist derzeit die Ursache für Chinas Überschuss gegenüber den USA.

Zwischen Volkswirtschaften mit solidem Geld gibt es in der Praxis eine strikte Grenze für die Umlenkung von Ersparnissen in den unmittelbaren Konsum. Wird Kapital knapp, passen sich die Zinsen an, bis ein neues Gleichgewicht gefunden ist. Verändert sich das Sparniveau in einem Land im Verhältnis zu einem anderen, so müssen sich diese Veränderungen in einer rein marktbasierten Volkswirtschaft mit solidem Geld wegen der begrenzenden Faktoren auf relativ geringe kurzfristige Schwankungen beschränken und können nie ein anhaltender Trend sein. Ein dauerhaftes Handelsungleichgewicht kann daher nicht entstehen.

Unsolide Währung verändert alles

In einer Volkswirtschaft, in der Handel und Preise durch Papierwährung (Fiat-Geld) verzerrt werden, sieht das ganz anders aus. Der Kapitalmangel, der aus einem Rückgang der Ersparnisse und einem Anstieg des Konsums folgt, wird durch die Ausweitung der Bankkredite gedeckt. Mit anderen Worten: Geld wird aus dem Nichts geschaffen und verdrängt damit die korrigierenden Kräfte der oben beschriebenen freien Marktordnung mit solidem Geld. Da die Produktionskapazität der Volkswirtschaft Zeit braucht, um sich an diese zusätzliche Währungsmenge anzupassen, führt die aus der Geldmengenausweitung entstehende Überschussnachfrage zwangsläufig zu einem Anstieg der Importe.

Letztlich ist zu erwarten, dass eine Zunahme der Fiat-Geldmenge in einer Volkswirtschaft im Zuge der Anpassung mit der Zeit zu einer höheren Produktion führt. Die Faktoren für diese zusätzliche Produktion müssen erst zusammengestellt werden, was ohne Preissteigerungen zu einer erhöhten Nachfrage nach importierten Rohstoffen und anderen Gütern führt, die im Inland nicht leicht zu beschaffen sind. Ob die zusätzliche Fiat-Währung also von Verbrauchern oder von Produzenten aufgenommen wird, die Sparfrage einmal beiseite gelassen, die Folge ist stets eine Tendenz zu einem Überschuss der Importe gegenüber den Exporten.

In einer modernen Fiat-Währungswirtschaft kommt als weiterer Faktor der Kapitalverkehr hinzu, der nicht mit Handelszahlungen zusammenhängt. Unternehmen und Regierungen finanzieren ihre Ungleichgewichte häufig durch Kreditaufnahme im Ausland. In dem Maße, in dem Zentral- und Geschäftsbanken zufließende Investitionen durch Geldmengenausweitung begleiten, muss die inländische Nachfrage das verfügbare Produktionsangebot übersteigen, was zu einem Handelsdefizit tendiert.

Unter sonst gleichen Bedingungen schlägt sich auch ein staatliches Haushaltsdefizit in einem Handelsdefizit nieder. Staatsdefizite werden entweder im Inland, durch ausländische Investoren oder durch reine Geldmengenausweitung finanziert. Kapitalzuflüsse von ausländischen Investoren haben wir im vorangegangenen Absatz behandelt. Bei der inländischen Schuldenfinanzierung unterscheiden Währungsanalysten zwischen Staatsschulden, die aus vorhandenen Ersparnissen finanziert werden, und solchen, die durch die Ausweitung von Bankkrediten finanziert werden.

Die Ausweitung der Bankkredite ist unmittelbare Geldinflation. Der Rückgriff auf vorhandene Ersparnisse zur Finanzierung der Staatsausgaben wirkt deflationär, bis das Geld wieder in die Wirtschaft ausgegeben wird; in der Praxis stellt eine Zentralbank daher über die Finanzmärkte Ersatzwährung bereit. Im Ergebnis spielt es somit keine Rolle, woher das Geld für inländische Käufe von Staatsschulden stammt, da es im Grunde inflationär wirkt. Alternativ weitet die Zentralbank die Basisgeldmenge einfach durch Instrumente wie quantitative Lockerung aus, um Staatsschulden zu erwerben.

Wie bereits gezeigt, führt die zusätzliche Nachfrage in der inländischen Wirtschaft, die durch die Geldmengenausweitung entsteht, tendenziell zu einem Überschuss der Importe gegenüber den Exporten. Deshalb wird das Phänomen der „Zwillingsdefizite“, also das gleichzeitige Bestehen von Handels- und Haushaltsdefiziten, so häufig beobachtet.

Handelsungleichgewichte haben daher wenig oder nichts mit dem bestehenden Wechselkurs zu tun. Wenn der Emittent einer Fiat-Währung ein Handelsdefizit aufweist, führt die gestiegene Menge seiner Währung im Verhältnis zum geringeren Zuwachs der Menge einer anderen Fiat-Währung selbstverständlich tendenziell zu einem Rückgang des Wechselkurses zwischen beiden. Der Rückgang des Wechselkurses ist das Symptom einer übermäßigen Währungsausgabe, die zu einem Handelsdefizit führt; er ist nicht das Heilmittel. Deshalb behebt ein niedrigerer Währungskurs Handelsdefizite nicht.

Die Folgen von Zöllen

Die grundlegende Botschaft lautet, dass Handelsdefizite nur durch monetäre Expansion entstehen können, was heutige Makroökonomen offenbar nicht mehr verstehen. Stattdessen stützt sich das moderne Verständnis von Handel und Handelsungleichgewichten auf die Geschichte, und in dieser Hinsicht ist das Smoot-Hawley-Debakel der 1930er-Jahre von zentraler Bedeutung. Die grundlegenden Zusammenhänge, die die Mikroebene der Wirtschaft mit der Makroebene verbinden müssen, werden jedoch ignoriert, und zwar in der Annahme, dass sich menschliches Verhalten im Aggregat von dem des Einzelnen unterscheide. Kurz gesagt liegt die eigentliche Ursache in der Verwerfung des Say’schen Theorems.[i]

Was inzwischen als Say’sches Theorem bezeichnet wird, ist die Erkenntnis, dass wir als Einzelne unsere Arbeit teilen und daher zuerst produzieren müssen, um anschließend konsumieren zu können. Und für Gruppen von Einzelpersonen und Unternehmen gilt: Unsere gesamte Produktion ist die Voraussetzung für unseren gesamten Konsum.

Unternehmen investieren in die Produktion und müssen die Kosten über den Zeitraum tragen, den die Herstellung ihrer Waren oder Dienstleistungen und deren anschließender Verkauf benötigen. Abgesehen vom zeitlichen Abstand zwischen der Planung und dem Aufbau der Produktion und dem Zeitpunkt, an dem Waren und Dienstleistungen schließlich hergestellt und verkauft sind, entspricht die Produktion der Summe aus Konsum und aufgeschobenem Konsum, wobei Letzterer das für die Produktion nötige Kapital bereitstellt. In seiner General Theory diskreditierte Keynes das Say’sche Theorem, indem er es zunächst falsch definierte (Das Angebot schafft sich seine eigene Nachfrage, eine falsche Definition, die bis heute zitiert wird)[ii] und dann behauptete, wer glaube, dass „ein individueller Akt des Sparens zwangsläufig zu einem parallelen Akt der Investition führt“, leide „unter einer optischen Täuschung“.[iii]

Wirklich? Wo sonst sollten die Ersparnisse nach Keynes’ Vorstellung eingesetzt werden? Werden sie lediglich in der Bilanz einer Bank gehalten, als Verbindlichkeit der Bank, die auf der Aktivseite nur Bargeld finanziert, während die Bank dem Sparer Zinsen zahlt? Jeder, der die reale Welt kennt, weiß, dass das Unsinn ist. Ebenso abwegig ist die Ansicht, Menschen horteten Bargeld über ihren Liquiditätsbedarf hinaus, es sei denn, staatliche Maßnahmen veranlassen sie dazu. Dennoch war dies die gesamte Grundlage für die Abspaltung der neuen Wissenschaft der Makroökonomie von der klassischen Ökonomie.

Das stellt uns vor ein Problem. Indem sie das Say’sche Theorem aufgegeben hat, hat die gesamte makroökonomische Fachwelt einen Weg eingeschlagen, der in eine Sackgasse führt. Sie hat den Weg zum Verständnis dafür verloren, warum Handelsungleichgewichte entstehen. Ökonomen sind inzwischen nicht mehr in der Lage, die Zusammenhänge herzustellen. Sie wissen lediglich aus dem desaströsen Smoot-Hawley Tariff Act von 1930, der die Zölle auf rund 20.000 Importgüter erhöhte, dass Zölle nach hinten losgehen können. Und sie wissen auch, dass der grenzüberschreitende Handel ein wichtiger Bestandteil des globalen BIP ist, der ihrer Ansicht nach nicht schrumpfen soll. Doch was die wahren Gründe für die Entstehung von Defiziten betrifft, tappen sie offenbar völlig im Dunkeln.

Dieser Mangel an intellektueller Strenge verleitet die ökonomische Fachwelt zu der Annahme, ein Handelsungleichgewicht lasse sich durch eine Anpassung des Wechselkurses beheben. Über den Versuch, eine Währung nach unten zu manipulieren, um die Exporte gegenüber den Importen zu stärken, lässt sich nur sagen, dass dabei eine Gruppe von Unternehmen gegenüber den anderen begünstigt wird, und zwar nur so lange, bis die Märkte die Preise in der abgewerteten Währung nach oben angepasst haben. Und man sollte es der Belegschaft lieber nicht verraten: Die Abwertung zielt gerade darauf ab, die Lohnkosten zu senken, oder anders gesagt, die Kaufkraft dessen, was Arbeitnehmer verdienen, ohne dass diese es bemerken.[iv]

Warum billige ausländische Waren für eine Volkswirtschaft von Vorteil sind

Bei der Gestaltung der Handelspolitik werden Politiker von Lobbyisten und makroökonomischen Analysen geleitet. Der eigentliche Nutznießer des freien Handels, der Verbraucher, ist in dieser Debatte nicht vertreten. Wir haben uns bereits mit den Irrtümern der Makroökonomie befasst, nun müssen wir uns den Lobbyisten zuwenden. Die Lobbyarbeit für Handelszölle und Importbeschränkungen ist die Domäne der Wirtschaft, meist der großen Unternehmen. Sie spielen die nationalistische Karte und argumentieren, ausländischer Wettbewerb schade dem Land und führe zu Arbeitslosigkeit in den heimischen Branchen.

Zwischen die Trugschlüsse des modernen Protektionismus und jene des verheerenden Smoot-Hawley Tariff Act von 1930 passt kein dünnes Blatt Papier. Es ist nur eine Frage des Ausmaßes. Smoot-Hawley richtete so großen Schaden an, wie es der Protektionismus auch heute tut, weil die Zölle nicht nur auf importierte Konsumgüter erhoben wurden, sondern ebenso auf importierte Rohstoffe, Halbfertigwaren und Investitionsgüter.

Es dauerte nicht lange, bis die amerikanische Industrie in den 1930er-Jahren ins Stocken geriet. Die Bankkredite gingen zurück, Banken brachen zusammen, doch das Geld war solide, und jeder konnte für Dollar-Einlagen Gold verlangen, zumindest bis 1933. Als die Inlandspreise durch Einfuhrzölle und andere Maßnahmen zur Preisstützung künstlich gestützt wurden, stieg die Arbeitslosigkeit auf nie zuvor gekannte Werte. Produkte blieben unverkauft. Anders ausgedrückt: Die Kaufkraft des Goldes stieg, eine Tatsache, die im Januar 1934 durch die Abwertung des Dollars um 40 % auf 35 $ je Unze offiziell anerkannt wurde, ebenso wie durch das frühere Verbot des Goldbesitzes für amerikanische Bürger.

Darüber hinaus löste Smoot-Hawley protektionistische Gegenmaßnahmen der Handelspartner der USA aus, die viele Exportmärkte für amerikanische Unternehmen zerstörten. Es ist nicht übertrieben zu sagen, dass dies das schädlichste einzelne Gesetz der amerikanischen Politik der Zwischenkriegszeit war. Schon vor Smoot-Hawley waren die Zölle hoch und lagen auf zollpflichtige Waren im Durchschnitt bei etwa 40 %. Der Einbruch des Handels nach Einführung der zusätzlichen Zölle hat Schätzungen zufolge die Zolleinnahmen des Staates insgesamt verringert und war ein wesentlicher Faktor dafür, dass der Welthandel von 5,3 Mrd. $ im Jahr 1929 auf unter 2 Mrd. $ im Jahr 1933 sank.

Haben wir die Lehre aus den Einfuhrzöllen gezogen? Leider lautet die Antwort in Demokratien, die von Lobbyinteressen getrieben werden, ein entschiedenes Nein. Wettbewerb wird als unfair oder gar als Dumping eingestuft, Vorwürfe, die leicht zu erheben und bequem emotional aufgeladen sind. Wenn beispielsweise chinesischer Stahl billig ist, muss der Markt geräumt werden. Jemand wird von den Schnäppchenpreisen profitieren, warum also den eigenen Bürgern und Unternehmen dies verwehren? Man kann kurzfristig die Stahlwerke des eigenen Landes schützen, indem man hohe Zölle auf Stahleinfuhren erhebt, benachteiligt aber die nachgelagerten Unternehmen, in der Automobilindustrie und im gesamten schweren und leichten Maschinenbau, weil ausländische Wettbewerber weiterhin Zugang zu dem billigeren Stahl haben. Und wenn höhere Preise nicht an die Verbraucher weitergegeben werden können, ist Arbeitslosigkeit die Folge.

Die Vorteile des zollfreien Handels

Bisher haben wir gezeigt, warum eine schwächere Währung die Folge von Handelsdefiziten und kein Mittel gegen sie ist. Durch den Vergleich der Funktionsweise einer Volkswirtschaft mit solidem Geld und der heutigen Volkswirtschaft mit Fiat-Währung haben wir die Ausweitung der Geldmenge als Grundursache der Handelsdefizite identifiziert, und wir haben dargelegt, dass Zölle keine Lösung und wirtschaftlich schädlich sind. Nun ist es an der Zeit, die positiven Aspekte des Freihandels zu betrachten.

Der beste empirische Beleg stammt aus Großbritannien, nachdem Robert Peel 1846 die Corn Laws (Getreidegesetze) schließlich aufgehoben hatte. Die Folge waren sinkende Weizen- und Mehlpreise, wovon insbesondere die Armen profitierten. Die Fabriklöhne reichten dadurch ein wenig weiter, was die Nachfrage nach anderen Gütern erzeugte und wiederum zu mehr Beschäftigung im produzierenden Gewerbe führte.

Peel wurde 1841 Premierminister und sah sich mit Kriegen in China und Afghanistan sowie angespannten Beziehungen zu Amerika und Frankreich konfrontiert. Im Inland gab es Agitation aus Irland für die Unabhängigkeit, die Reformbewegung der Arbeiter, die Chartisten, und eine Anhäufung von Haushaltsdefiziten. Die Parallelen zur heutigen Lage Großbritanniens sind bemerkenswert. Immerhin verfügte Peel über eine ordentliche Mehrheit im Unterhaus, die Theresa May leider fehlt.

Neben der Wiedereinführung einer moderaten Einkommensteuer senkte Peel die Zölle auf Nahrungsmittel und Rohstoffe, die ins Land kamen, umfassend und schaffte sie schließlich ganz ab. Die Anti-Corn-Law League hatte ihn davon überzeugt, dass die Abschaffung aller Zölle dem einfachen Bürger erheblich nützen würde, und so kam es auch. Zollfreier Handel verbesserte den Lebensstandard des einfachen Bürgers und ermöglichte es Geschäftsleuten und Unternehmern, durch die Gründung neuer Unternehmen persönlichen Wohlstand zu schaffen. Die Agitation der Chartisten und anderer Unzufriedener ebbte ab, als sich die Arbeits- und Lebensbedingungen verbesserten.

Frankreich folgte dem britischen Beispiel und schaffte 1860 alle seine Handelszölle ab. Der französische Ökonom Frédéric Bastiat formulierte es so: Zollfreier Handel führt zu

„einer Fülle von Gütern und Dienstleistungen zu niedrigeren Preisen; mehr Arbeitsplätzen für mehr Menschen bei höheren Reallöhnen; höheren Gewinnen für Hersteller; einem höheren Lebensstandard für Landwirte; mehr Einnahmen für den Staat in Form von Steuern auf gewohntem oder niedrigerem Niveau; dem produktivsten Einsatz von Kapital, Arbeit und natürlichen Ressourcen; dem Ende des ‚Klassenkampfes‘, der vor allem auf wirtschaftlichen Ungerechtigkeiten wie Zöllen, Monopolen und anderen gesetzlichen Marktverzerrungen beruhte; dem Ende der ‚selbstmörderischen Politik‘ des Kolonialismus; der Abschaffung des Krieges als nationaler Politik; und der bestmöglichen Bildung, Unterbringung und medizinischen Versorgung für alle Menschen.“[v]

In der Tat. Das ist das Gegenteil all der Ratschläge des Establishments, die den Brexit zu vereiteln versuchten und dies bis heute weiter tun.

Brexit

Aus unserer Analyse, wie Handelsdefizite tatsächlich entstehen und welche negativen wirtschaftlichen Auswirkungen Zölle haben, wissen wir, dass der Brexit ein klarer Bruch mit der zollbehafteten EU sein sollte und dass die Abschaffung aller Zölle das beste Ergebnis ist. Alle Produktvorschriften, abgesehen vielleicht von denen zu Gesundheit und Sicherheit, sind unnötig und sollten aufgehoben werden, da sie den Markt behindern. Großbritannien kann dann seinen bemerkenswerten wirtschaftlichen Fortschritt der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in einem modernen Umfeld wiederholen. Darüber hinaus kann das Finanzministerium, wie Bastiat im obigen Auszug anmerkte, mit höheren Steuereinnahmen rechnen, was das anhaltende Haushaltsdefizit Großbritanniens beseitigen würde.[vi]

Was Amerika betrifft, wissen wir, dass die Einführung neuer Zölle auf Importgüter durch Präsident Trump der Wirtschaft schaden wird. Statt einem vernünftigen, zollfreien Kurs zu folgen, steht Amerika nun kurz davor, einen Handelskrieg mit China zu beginnen. Die folgende, von Zerohedge veröffentlichte Grafik veranschaulicht die politische Motivation.

Chinas Handelsüberschuss gegenüber den USA


Wir wissen aus unserer Analyse, dass die Ursache des amerikanischen Handelsdefizits teilweise in den die Steuereinnahmen übersteigenden Staatsausgaben liegt. Zudem werden Trumps Steuersenkungen das Haushaltsdefizit zumindest auf absehbare Zeit weiter vergrößern. Die Handelsdefizite Amerikas gegenüber seinen Handelspartnern insgesamt werden daher zwangsläufig zunehmen, und wenn chinesische Importe mit Strafzöllen belegt werden, werden sie einfach durch Importe aus anderen Ländern ersetzt.

Es erscheint wahrscheinlich, dass Trumps Fehler in Handelsfragen zu einer Eskalation protektionistischer Maßnahmen durch Amerika führen könnten und nicht zu einem Rückgang des gesamten Handelsdefizits. Die Folge werden höhere Verbraucherpreise für die Amerikaner und höhere Preise für die Produktionsfaktoren sein. Und wie weiter oben in diesem Artikel erläutert, wird sich daraus ein fallender Dollar gegenüber anderen Währungen ergeben.

Nichts könnte verfehlter sein. Eine solche Politik dürfte die amerikanische Wirtschaft mit Sicherheit schwächen, und das zu einer Zeit, in der es geopolitisch darauf ankommt, den Handel auszuweiten und sicherzustellen, dass der Dollar weiterhin die bevorzugte Währung für die Abwicklung von Handelsgeschäften bleibt.

Im Gegensatz dazu spart die Bevölkerung Chinas, das sich der Geldentwertung ebenso schuldig macht, einen erheblichen Teil ihrer Gewinne und Einkommen. Chinas zuletzt erfasste Bruttosparquote lag bei über 40 %. Das bedeutet, dass die Kreditausweitung auf die Produktion und nicht auf den Konsum ausgerichtet ist. Die Produktionskapazität hält besser mit dem inländischen Konsum Schritt, und während die Ausweitung der Produktion zur Einfuhr von Rohstoffen und anderen Produktionsgütern führt, führt die Kreditausweitung nicht in demselben Maße zu Handelsdefiziten wie in einer konsumgetriebenen Volkswirtschaft. Außerdem ist ein erheblicher Teil der gesamten Ersparnisse für die Bildung inländischen Vermögens vorgesehen, etwa in Immobilien, deren Bau überwiegend eine inländische Angelegenheit ist.

Es besteht kein Zweifel, dass die Spargewohnheiten Chinas im Vergleich zu denen der USA, deren Sparquote nur etwa 5 % beträgt, der Hauptfaktor für Chinas Handelsüberschuss gegenüber Amerika sind, zumal beide Länder Haushaltsdefizite aufweisen (wenngleich das amerikanische in nominalen Zahlen größer ist) und beide Länder ihre Volkswirtschaften durch die Ausweitung der Bankkredite angekurbelt haben. Und tatsächlich beruhte die Stärke der Handelsüberschüsse Deutschlands und Japans in der Vergangenheit auf demselben Grund.




[i]Jean-Baptiste Say, französischer Ökonom, 1767–1832

[ii]Keynes, General Theory of Employment, Interest and Money, Palgrave, S. 18.

[iii] Ebenda, S. 18

[iv] Das klassische Beispiel hierfür war die britische Abwertung von 1967, als Premierminister Harold Wilson der Nation im Fernsehen erklärte: „Ab sofort ist das Pfund im Ausland gegenüber anderen Währungen 14 % weniger wert. Das bedeutet natürlich nicht, dass das Pfund hier in Großbritannien, in Ihrer Tasche, Ihrem Portemonnaie oder auf Ihrem Bankkonto abgewertet worden ist.“

[v]Economic Sophisms, Frédéric Bastiat, aus dem Französischen übersetzt (Irvington-on-Hudson, N.Y.: Foundation for Economic Education, 1966).

[vi] Der Nutzen für die Staatseinnahmen wird von allen Ökonomen des Establishments bestritten. Dies war die Grundlage der „Project Fear“-Kampagne, in der das britische Office for Budget Responsibility, die Bank of England, der IWF und die OECD allesamt zu dem Schluss kamen, dass der Brexit zu einem Rückgang des Wirtschaftswachstums und damit zu geringeren Steuereinnahmen führen würde.



Die in diesem Artikel geäußerten Ansichten und Meinungen sind die des Autors bzw. der Autoren und geben nicht die Ansichten von Goldmoney wieder, sofern dies nicht ausdrücklich angegeben ist. Der Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information und stellt weder durch Goldmoney noch durch den Autor bzw. die Autoren eine Rechts-, Finanz-, Steuer-, Anlage- oder Buchhaltungsberatung dar. Sie sollten sich nicht auf Informationen in diesem Artikel stützen oder entsprechend handeln, ohne zuvor unabhängigen fachlichen Rat einzuholen. Es wurde Sorgfalt darauf verwendet, die Verlässlichkeit der Informationen im Artikel sicherzustellen; Goldmoney übernimmt jedoch keine Gewähr dafür, dass sie richtig, vollständig und aktuell sind und/oder als Hinweis auf zukünftige Ergebnisse verstanden werden können, und sie sollten nicht als solcher herangezogen werden. Goldmoney haftet nicht für Ansprüche, Verluste, Schäden oder Unannehmlichkeiten, die sich aus den in diesem Artikel enthaltenen Informationen oder Meinungen ergeben, und jede Handlung auf Grundlage der in diesem Artikel enthaltenen Meinungen und Informationen erfolgt auf eigenes Risiko.

Zurück zu den Goldmoney Analysen