Da die Eurozone bis zu negativen Zinsen geht und der IWF seine Erwartungen für das US-Wirtschaftswachstum verspätet nach unten korrigiert, ist Deflation nun das bevorzugte Schlagwort. Es ist an der Zeit, Mythos und Wirklichkeit zu entwirren und die Deflation einzuordnen.
Keynesianische und monetaristische Ökonomen verwenden das Wort üblicherweise, um das Phänomen fallender Preise zu beschreiben, oder alternativ einen steigenden Wert des Geldes. Deflation soll dabei grob das Gegenteil von Inflation sein. Der Begriff Inflation bezog sich jedoch ursprünglich auf eine Zunahme der Geld- und Kreditmenge, nicht auf den Preisanstieg, der darauf folgen dürfte. Die Definition ist von der Ursache zur vermeintlichen Wirkung gewandert. Dieser Verschiebung folgend, beschreibt Deflation heute fallende Preise, meist verbunden mit nachlassender Nachfrage, und nicht eine Verringerung der umlaufenden Geldmenge.
Keynes kam zu dem Schluss, dass fallende Preise die Verbraucher entmutigen, weil sie ihre Käufe wahrscheinlich aufschieben. In seinem Werk „A Tract on Monetary Reform“ führte er zudem an, dass die Deflation die Rentiersklasse auf Kosten der Schuldner begünstige, was das Bild müßiger Reicher heraufbeschwört, die auf Kosten der hart arbeitenden Armen einen Zufallsgewinn einstreichen. Keynes und seine Anhänger entwickelten dieses Argument gegen fallende Preise anschließend weiter, um staatliche Eingriffe als Abhilfe zu rechtfertigen. Der normale Vorgang, bei dem stabiles Geld zu niedrigeren Preisen führt, das Kennzeichen echten wirtschaftlichen Fortschritts, blieb unbeachtet. Solides Geld wurde mit dem Makel der Deflation behaftet und als erstrebenswertes Ziel ausgeschlossen.
Das Problem der Deflation besteht nach Ansicht eines anderen Ökonomen, Irving Fisher, darin, dass die Verluste der Unternehmen durch fallende Preise dazu führen können, dass Banken Sicherheiten verwerten, was eine Spirale der Schuldenliquidation und letztlich das Scheitern von Banken nach sich zieht. Fisher beschrieb die natürliche Reaktion der Banken auf einen weitverbreiteten Einbruch, nicht den normalen Geschäftsverlauf in einem Umfeld soliden Geldes.
Während Zentralbanker die Argumente von Keynes und Fisher schlucken, ignorieren sie jedoch das Gesetz der Märkte, gemeinhin als Saysches Gesetz bezeichnet. Es besagt, dass wir Dinge herstellen, um Dinge zu kaufen, sodass sich Konsum nicht von Produktion trennen lässt und Geld nur das vorübergehende Schmiermittel des Vorgangs ist. Das Herumdoktern am Geldwert löst nichts. Dies war die anerkannte Lehrmeinung, bevor Keynes sie in den 1930er Jahren auf den Kopf stellte. Heute glauben Regierungen und Zentralbanken, sie könnten es mit geldpolitischen Eingriffen und staatlicher Lenkung besser als die Märkte. Das Ergebnis: Unternehmen, die scheitern sollten, werden gestützt, und unwirtschaftliche Tätigkeiten werden gefördert. Und wenn diese Stützungsaktion Anzeichen des Zusammenbruchs zeigt, wird uns gesagt, es sei Deflation.
Falls das Wort überhaupt eine Bedeutung hat, dann keineswegs diese: Die Märkte versuchen lediglich, die Wirklichkeit anzunehmen und sich von den angesammelten Verzerrungen zu reinigen. Dass dieser Reinigungsprozess mindestens seit der Reagan-/Thatcher-Ära der frühen 1980er Jahre ausgesetzt ist, warnt uns, dass die Anhäufung von Verzerrungen groß ist, so groß, dass sich Irving Fishers Warnung vor Einbrüchen bewahrheiten wird, wenn sie korrigiert werden.
Der Indikator ist natürlich die Anhäufung von Schulden, die alles erdrosselt. Mein Fazit lautet: Mit dem Begriff Deflation werden die wachsenden Probleme, die durch staatliche und geldpolitische Eingriffe entstanden sind, als Versagen der Märkte ausgegeben.