Die Revolution der rohstoffgedeckten Währungen

Wir werden auf die aktuellen Ereignisse zurückblicken und erkennen, dass sie den Wechsel von einer dollarbasierten Weltwirtschaft, die durch Finanzanlagen gestützt wird, hin zu rohstoffgedeckten Währungen markierten. Wir stehen vor einem Wandel: Sicherheiten, die bislang rein finanzieller Natur waren, werden künftig auf Rohstoffen beruhen. Es sind die Sicherheiten, die das gesamte Finanzsystem absichern.

Das Ende des finanzbasierten Systems wird durch geopolitische Entwicklungen beschleunigt. Der Westen versucht verzweifelt, Russland durch Sanktionen wirtschaftlich zur Unterwerfung zu zwingen, treibt damit jedoch lediglich die Energie-, Rohstoff- und Nahrungsmittelpreise zu seinem eigenen Nachteil in die Höhe. Den Zentralbanken wird keine andere Wahl bleiben, als ihre Währungen auszuweiten, um all dies zu bezahlen. Russland koppelt den Rubel stattdessen mit einer beweglichen Goldbindung an die Rohstoffpreise, und China hat bereits gezeigt, dass es das Inflationsspiel des Westens durchschaut: Das Land hat in den vergangenen zwei Jahren Rohstoffe und wichtiges Getreide gehortet und seine Währung gegenüber dem Dollar aufwerten lassen.

China und Russland folgen nicht dem Weg des Westens mit seinen sich entwertenden Währungen. Stattdessen bewegen sie sich auf eine solidere Geldpolitik zu, die stabile Zinsen und Preise in Aussicht stellt, während der Westen sich in die entgegengesetzte Richtung beschleunigt.

Der Analyst der Credit Suisse, Zoltan Pozsar, nennt dies Bretton Woods III. Dieser Artikel untersucht, wie sich diese Entwicklung voraussichtlich vollziehen wird, und kommt zu dem Schluss, dass nicht der Rubel, sondern der Dollar und die westlichen Währungen die größten Schwierigkeiten haben werden, das Ende von fünfzig Jahren wirtschaftlicher Finanzialisierung zu bewältigen.

Reine Finanzwirtschaft wird durch Rohstofffinanzierung ersetzt

Die Mainstream-Medien haben es noch nicht aufgegriffen, sie berichten weiterhin über die Schlacht von gestern. Doch im März hat die US-Regierung in einem letzten verzweifelten Wurf mit den Dollar-Würfeln das Todesurteil über ihre eigene Hegemonie gesprochen. Sie hat nicht nur die Lage der russischen Wirtschaft falsch eingeschätzt, sondern sich auch irrtümlich auf ihre eigene Macht verlassen, als sie Russland und Putins Oligarchen mit Sanktionen belegte.

Möglicherweise ist es ihr gelungen, die russischen Exportmengen teilweise zu blockieren, doch höhere Stückpreise haben dies ausgeglichen. Davon profitiert Russland, während die westliche Allianz die Kosten trägt.

Die Folge ist eine finale Schlacht im Finanzkrieg, der sich seit Jahrzehnten anbahnt. Man kann nicht den weltweit wichtigsten Energieexporteur und den marginalen Lieferanten einer breiten Palette von Rohstoffen, darunter Getreide und Düngemittel, mit Sanktionen belegen, ohne allen zu schaden außer dem beabsichtigten Ziel. Schlimmer noch: Das beabsichtigte Ziel hat in China einen äußerst mächtigen Freund, mit dem Russland im größten Wirtschaftsbündnis der Welt, der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit, verbunden ist, das einen Wachstumsmarkt von über 40 % der Weltbevölkerung umfasst. Das ist die Zukunft, nicht die Vergangenheit: Die Vergangenheit ist westliche „Wokeness“, Strafbesteuerung, von Staat und Bürokratie dominierte Volkswirtschaften, antikapitalistischer Sozialismus und Geldbäume, die das alles finanzieren helfen sollen.

Trotz dieses enormen Lochs im Sanktionsnetz hat sich der Westen politisch keine andere Option gelassen, als die Sanktionen noch weiter zu verschärfen. Doch Russlands Antwort ist für das westliche Finanzsystem verheerend. Mit zwei einfachen Ankündigungen, nämlich der Bindung des Rubels an Gold für inländische Kreditinstitute und der Forderung, Zahlungen für Energie nur noch in Rubel anzunehmen, läutet es das Ende der Ära des Fiat-Dollars ein, die die Welt von der Aufhebung von Bretton Woods im Jahr 1971 bis heute beherrscht hat.

Vor gut fünf Jahrzehnten übernahm der Dollar die Rolle der globalen Reservewährung von Gold. Nach den Siebzigerjahren, einem Jahrzehnt der Volatilität bei Währungen, Zinsen und Finanzanlagen, richteten wir uns alle in einer Welt zunehmender Finanzialisierung ein. Der „Big Bang“ in London Anfang der 1980er-Jahre ebnete den Weg für regulierte Derivate, und in den 1990er-Jahren erlebten Hedgefonds und Dotcoms ihren Aufstieg. Es folgte eine Explosion nicht regulierter außerbörslicher Derivate in Höhe von Hunderten von Billionen sowie von Verbriefungen, die mit der Lehman-Pleite auf eine Bremsschwelle trafen. Seither war die Ausweitung der globalen Kreditvergabe für rein finanzielle Aktivitäten bemerkenswert und hat eine Finanzanlageblase erzeugt, die alles in der Geschichte finanzieller Exzesse Dagewesene in den Schatten stellt. Zusammen mit der statistischen Unterdrückung der Auswirkungen auf die Verbraucherpreise hat die Verlagerung wirtschaftlicher Ressourcen von der Main Street zur Wall Street die inflationären Belege der Kreditausweitung dem Blick der Öffentlichkeit entzogen.

All dies geht mit einer neuen Rohstoffbindung (Commoditisation) zu Ende, die der angesehene Analyst für Kapitalflüsse Zoltan Pozsar von der Credit Suisse als Bretton Woods III bezeichnet. Nach seiner Zählung wurde das erste System 1971 von Präsident Nixon ausgesetzt, und das zweite lief von da an bis heute, wobei der Dollar unbestritten dominierte. Damit gelangen wir zu Bretton Woods III.

Dass Russland darauf besteht, dass Importeure seiner Energie in Rubel und nicht in Dollar oder Euro zahlen, ist eine bedeutsame Entwicklung und eine direkte Herausforderung für die Rolle des Dollars. Für Russlands „Unfreundliche“, so Russlands Bezeichnung für die gegen es vereinte Allianz, gibt es keine Optionen. Die EU, der größte Importeur von russischem Erdgas, muss entweder in den sauren Apfel beißen oder sich um unzureichende Alternativen bemühen. Die Option besteht darin, Erdgas und Öl zu vernünftigen Rubelpreisen zu kaufen oder die Preise in Euro in die Höhe zu treiben und trotzdem nicht genug zu bekommen, um die Volkswirtschaften am Laufen und die Bürger warm und mobil zu halten. So oder so scheint Russland zu gewinnen, und auf einem Weg verliert die EU.

Was Pozsars Überzeugung betrifft, dass wir am Vorabend von Bretton Woods III stehen, so ist die Logik seiner Argumentation nachvollziehbar. Die stark aufgeblähte Finanzblase markiert das Ende einer Ära, die fünfzig Jahre lang herangewachsen ist. Negative Zinsen in der EU und in Japan sind nicht bloß eine Anomalie, sondern der letzte Wurf mit den Würfeln für Yen und Euro. Die EZB und die Bank von Japan haben Anleihebestände, die ihr Eigenkapital aufgezehrt haben, und mehr. Alle westlichen Zentralbanken, die sich quantitative Lockerung (QE) gegönnt haben, haben dasselbe Problem. Demgegenüber haben die russische Zentralbank und die Volksbank von China kein QE betrieben und verfügen über saubere Bilanzen. Steigende Zinsen in westlichen Währungen werden durch Russlands aggressive Reaktion auf die westlichen Sanktionen noch wahrscheinlicher, und ihre Höhe wird noch größer ausfallen. Dies beschleunigt den Bankrott des gesamten westlichen Bankensystems und wird durch das Platzen der stark aufgeblähten Finanzblase kaum mehr als ausgehöhlte Volkswirtschaften zurücklassen.

Putin hat sich die Vereinbarung von Nixon und Kissinger mit den Saudis aus dem Jahr 1973 zum Vorbild genommen, Öl nur gegen US-Dollar zu akzeptieren und die dominierende Rolle des Landes in der OPEC zu nutzen, um andere Mitglieder zur Gefolgschaft zu zwingen. Als größter Energieexporteur der Welt erklärt Russland nun, es werde nur Rubel akzeptieren, und wiederholt damit für den Rubel die Petrodollar-Strategie. Und selbst Saudi-Arabien beugt sich inzwischen dem Wind und akzeptiert für sein Öl den chinesischen Renminbi, womit es symbolisch das Ende der Petrodollar-Vereinbarung von Nixon und Kissinger einläutet.

Der Westen, worunter wir Amerika, die EU, Großbritannien, Japan, Südkorea und einige wenige andere verstehen, hat sich selbst zum Sündenbock gemacht. Diese Aussage beschreibt die strategische Dummheit kaum; ein Schmähpreis (Ig-Nobelpreis) kommt der Wahrheit näher. Dadurch, dass fossile Brennstoffe abgeschafft wurden, bevor sie vollständig durch grüne Energiequellen ersetzt werden konnten, ist eine enorme Lücke in der Energieversorgung entstanden. Mit fast religiösem Eifer hat Deutschland die Kernenergie zurückgefahren. Und noch im vergangenen Monat schloss es eine Verlängerung der Laufzeiten seiner Kernkraftwerke aus. Alle G7-Mitglieder waren nicht nur unvorbereitet darauf, dass Russland den Spieß umdreht, sondern haben bislang auch keine angemessene Antwort gefunden.

Russland hat seine Währung faktisch rohstoffgebunden gemacht, insbesondere für Energie, Gold und Nahrungsmittel. Es folgt dabei China auf einem ähnlichen Weg. Damit hat es die Hegemonie des Dollars untergraben, möglicherweise tödlich. Als treibende Kraft hinter den Währungswerten werden Rohstoffe die Sicherheiten sein, die Finanzanlagen ersetzen. Interessant ist die Stärke des mexikanischen Pesos gegenüber dem Dollar (plus 9,7 % seit November 2021) und des brasilianischen Reals (plus 21 % binnen eines Jahres). Und selbst der südafrikanische Rand ist in den letzten fünf Monaten um 11 % gestiegen. Dass diese unsteten Währungen steigen, zeigt uns, dass eine Rohstoffdeckung von Währungen auch jenseits von Rubel und Renminbi ihren Reiz hat.

Doch nachdem sie dem Gold den Rücken gekehrt haben, fehlt den Amerikanern und ihren westlichen Epigonen eine angemessene Antwort. Wahrscheinlich werden sie eher den Kampf um die Dollar-Hegemonie fortsetzen, als die Realität zu akzeptieren. Und je mehr Amerika darum ringt, seine Autorität zu behaupten, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit einer Spaltung der westlichen Partnerschaft. Europa braucht russische Energie dringend, Amerika nicht. Europa kann es sich nicht leisten, die amerikanische Politik bedingungslos zu unterstützen.

Darauf setzt Russland natürlich.

Russlands Sichtweise

Zum zweiten Mal innerhalb von acht Jahren muss Russland erleben, dass seine Währung durch westliche Maßnahmen im Zusammenhang mit der Ukraine unter Druck gerät. Nach den Erfahrungen von 2014 war die russische Zentralbank diesmal besser vorbereitet. Sie hatte ihre Reserven diversifiziert, sich vom Dollar abgewandt und die offiziellen Goldreserven aufgestockt. Das Geschäftsbankensystem wurde umgebaut, und die Gouverneurin der russischen Zentralbank, Elvira Nabiullina, hat die Folgen des Krieges in der Ukraine eingedämmt, indem sie eine klassische Geldpolitik verfolgte statt des Keynesianismus ihrer westlichen Zeitgenossen. Wie Abbildung 1 zeigt, halbierte sich der Rubel in einer Kurzschlussreaktion gegenüber dem Dollar, bevor er sich wieder auf das Vorkriegsniveau erholte.

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Die Verbindung zu den Rohstoffen ist das Gold. Die russische Zentralbank hat angekündigt, bis Ende Juni Gold von russischen Banken zu 5.000 Rubel pro Gramm anzukaufen. Erklärter Zweck war es, den Banken zu ermöglichen, Kredite gegen die Minenproduktion zu vergeben, da auch in Russland gefördertes Gold von den Sanktionen erfasst wird. Der Schritt hat jedoch Spekulationen genährt, der Rubel bewege sich hin zu einer Art Quasi-Goldstandard, auch wenn ein Goldstandard genau umgekehrt funktioniert: Die Nutzer der Währung können sie in Gold umtauschen.

Gold ist nicht nur zusammen mit Silber die internationale rechtliche Definition von Geld (der Rest sind Währung und Kredit), sondern auch ein guter Näherungswert für Rohstoffe, wie Abbildung 2 unten zeigt.[i] In Goldgramm gerechnet liegt der Rohölpreis heute 30 % unter dem Stand der 1950er-Jahre, lange bevor Nixon das Abkommen von Bretton Woods aussetzte. In an Wert verlierenden Papierwährungen gemessen ist der Preis dagegen stark gestiegen und war auf dem Weg dorthin extrem volatil.

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Bei anderen Rohstoffpreisen zeigt sich ein ähnliches Bild: Die größte Stabilität findet sich bei Preisen, die in Goldgramm gemessen werden. Greift man Pozsars Gedanken auf, dass Währungen in Bretton Woods III zunehmend an Rohstoffe gekoppelt sind, so scheint Russland Gold als Stellvertreter für Rohstoffe nutzen zu wollen, um den Rubel zu stabilisieren. Statt eines festen Goldwechselkurses hat sich die russische Zentralbank klugerweise die Option offengehalten, den Preis, den sie für Gold zahlt, nach dem 1. Juli regelmäßig anzupassen.

Tabelle 1 zeigt, wie sich der aktuelle feste Rubel-Goldkurs der russischen Zentralbank in US-Dollar umrechnet.

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Zwar haben nicht-russische Kreditinstitute keinen Zugang zu dieser Fazilität, doch scheint nichts eine russische Bank daran zu hindern, Gold an einem anderen Handelsplatz, etwa in Dubai, zu kaufen und gegen Rubel an die russische Zentralbank zu verkaufen. Erforderlich ist lediglich, dass der Dollar/Rubel-Kurs für die Arbitrage günstig ist und dass die Abwicklung in einer nicht sanktionierten Währung wie dem Renminbi möglich ist oder dass Zugang zu Eurodollars besteht, die sich bei einer Bank außerhalb der Rechtsräume der „unfreundlichen“ Staaten in Euro-Rubel (siehe unten) umtauschen lassen.

Der Dollar/Rubel-Kurs lässt sich von der russischen Zentralbank nun leicht steuern, denn der Umgang mit der knappen Nachfrage nach Rubeln wird zu einer Frage der Politik. Die Zahlungsabwicklungstochter von Gazprom (Gazprombank) ist derzeit von den westlichen Sanktionen ausgenommen, und die Zahlungen der EU für Gas und Öl werden über sie geleitet.

Grundsätzlich gibt es vier Wege, auf denen ein westlicher Verbraucher Rubel erwerben kann:

Letzteres der vier genannten Punkte ist durchaus möglich, denn darauf beruhen die Eurodollars, die außerhalb des New Yorker Geldsystems zirkulieren und für die internationale Liquidität zentral geworden sind. Um die Entstehung von Eurodollars und damit die Möglichkeit eines sich entwickelnden Euro-Rubel-Marktes zu verstehen, müssen wir uns mit der Welt der Kreditschöpfung befassen.

Ausländer können Dollarguthaben auf zwei Arten halten. Die allgemein bekannte Art läuft über das Korrespondenzbankensystem. Ihre Bank, beispielsweise in Europa, unterhält Einlagenkonten bei ihren Korrespondenzbanken in New York (JPMorgan, Citi usw.). Wenn Sie also eine Einzahlung in Dollar vornehmen, wird die Gutschrift auf Ihrem Konto mit der Veränderung des Korrespondenzkontos Ihrer Bank in New York abgeglichen.

Nehmen wir nun an, Sie bitten Ihre europäische Bank um einen Dollarkredit. Wird der Kredit bewilligt, erscheint er als Dollar-Aktivposten in der Bilanz Ihrer Bank, dem durch doppelte Buchführung eine Dollar-Verbindlichkeit zu Ihren Gunsten als Kreditnehmer gegenübersteht. Anders kann es nicht sein, und es ist die Grundlage jeder Kreditschöpfung der Banken. Beachten Sie jedoch, dass das amerikanische Bankensystem bei der Schaffung dieser Guthaben in keiner Weise beteiligt ist. Genau deshalb und auf diese Weise zirkulieren Eurodollars: Sie sind mit den Dollars in den USA austauschbar, aber in ihrem Ursprung von ihnen getrennt.

Nach derselben Methode ließen sich die Entstehung und die rasche Ausweitung eines Euro-Rubel-Marktes beobachten. Erforderlich ist nur, dass eine Bank einen Kredit in Rubel schafft, dem nach den Regeln der doppelten Buchführung eine Einlage gegenübersteht, die für Zahlungen verwendet werden kann. Es spielt keine Rolle, in welcher Währung die Bank ihre Bilanz führt, sondern nur, dass sie über Bilanzspielraum und Zugang zu Rubel-Liquidität verfügt und eine glaubwürdige Gegenpartei ist.

Dies deutet darauf hin, dass Banken der Eurozone und Japans nur begrenzt teilnehmen können, weil sie bereits sehr stark verschuldet sind. Am besten geeignet, Euro-Rubel-Bestände zu führen, sind die amerikanischen und die chinesischen Banken, da sie konservativere Verhältnisse von Aktiva zu Eigenkapital aufweisen. Zudem befinden sich die großen chinesischen Banken mehrheitlich in Staatsbesitz und haben bereits Geschäfts- und Währungsinteressen mit Russland, was ihnen bei der Rubel-Liquidität einen Vorsprung verschafft.

Uns ist aufgefallen, dass die großen amerikanischen Banken trotz der politischen Lage keine Scheu haben, mit den Chinesen Geschäfte zu machen, und vermutlich gern die Gelegenheit hätten, sich an Euro-Rubeln zu beteiligen. Doch erst in dieser Woche hat die US-Regierung ihnen untersagt, Inhabern russischer Staatsanleihen mehr als 600 Millionen US-Dollar zu zahlen. Wir sollten daher davon ausgehen, dass die US-Banken nicht teilnehmen können, was das Feld den chinesischen Großbanken überlässt. Und jeder Versuch, die Sanktionen gegen Russland zu verschärfen, etwa indem man die Gazprombank auf die Sanktionsliste setzt, erreicht nichts, schließt amerikanische Banken definitiv vom Geschehen aus und verstärkt die finanzielle Integration zwischen Russland und China. Die Kluft zwischen rohstoffgedeckten Währungen und dem Finanz-Fiatgeld von gestern wird einfach größer.

Weitere Sanktionen sind vorerst Gegenstand von Spekulationen. Die Gazprombank wird jedoch mit Unterstützung der russischen Zentralbank eine Schlüsselrolle dabei spielen, den internationalen Rubelmarkt mit Großhandelsliquidität zu versorgen, zumindest bis der Markt eine ausreichende Liquiditätstiefe erreicht hat. Im Gegenzug kann die Gazprombank als Recycler von Dollar und Euro fungieren, die durch Handelsüberschüsse erzielt wurden, ohne dass diese in die offiziellen Reserven gelangen. Dollar, Euro, Yen und Pfund Sterling sind die Währungen der „unfreundlichen“ Staaten, sodass wohl nur Renminbi und Gold behalten werden.

Auf diese Weise dürften Rubel, Gold und Rohstoffe tendenziell gemeinsam steigen. Wir können den Prozess erkennen, durch den, wie Zoltan Pozsar es ausdrückte, Bretton Woods III, ein globales Währungsregime auf Rohstoffbasis, Bretton Woods II ablösen kann, das von der Finanzialisierung der Währungen geprägt war. Und es geht nicht nur um Russland und seinen Rubel. China verfolgt dieselbe Richtung.

Die wirtschaftlichen Auswirkungen einer starken, rohstoffgedeckten Währung widersprechen den im Westen vorherrschenden geld- und wirtschaftspolitischen Überzeugungen. Die Folgen einer stärkeren Währung sind jedoch wünschenswert: sinkende Zinsen, im Privatsektor verbleibendes Vermögen und ein Ausweg aus dem unvermeidlichen Scheitern der westlichen Währungen und ihrer Kapitalmärkte. Die Argumente für eine Abkopplung vom dollardominierten Geldsystem sind plötzlich zwingend geworden.

Die Folgen für den Westen

Der Großteil der westlichen Kommentare befürwortet nachdrücklich weitere Sanktionen gegen Russland. Verhältnismäßig wenige unabhängige Kommentatoren haben darauf hingewiesen, dass Amerika seine eigene Hegemonie zerstört, indem es Russland sanktioniert und dessen Devisenreserven einfriert. Auch die Vorteile von Goldreserven sind denjenigen, die über solche verfügen, deutlich vor Augen geführt worden. Zudem setzt die Lagerung von Goldreserven bei westlichen Zentralbanken die jeweiligen Zentralbanken Sanktionen aus, sollte ein Land bei den USA in Ungnade fallen. Zweifellos wird das Thema weltweit erörtert, und einige Anträge auf Rückführung von Edelmetall dürften folgen.

Hinzu kommt das Problem der Goldleihe und der Goldswaps, die für die Liquidität an den Edelmetallmärkten unverzichtbar sind, jedoch zu einer fehlerhaften Erfassung der Reserven führen. Nach den Rechnungslegungsverfahren des IWF werden verliehene und getauschte Goldbestände nämlich so verbucht, als stünden sie weiterhin im Eigentum und unter der Kontrolle einer Zentralbank, obwohl das Edelmetall auf nicht zugeteilten Konten auf eine andere Partei übertragen wurde.[ii]

Niemand kennt den Umfang der Swaps und Leihgeschäfte, er dürfte jedoch erheblich sein, wenn man die Belege für Eingriffe in den Goldpreis während der letzten fünfzig Jahre berücksichtigt. Länder, die gern Gebühren und Zinsen vereinnahmt haben, um ihre Lagerkosten zu decken und die Lagerung von Edelmetall in eine (in Fiat-Währung gemessen) profitable Tätigkeit zu verwandeln, werden Swap- und Leihvereinbarungen nun am Rand voraussichtlich nicht mehr verlängern und die Umwandlung des Edelmetalls in gesondert verwahrte Konten verlangen, was den Edelmetallmärkten Liquidität entziehen würde. Ein steigender Goldpreis wäre dann die zwangsläufige Folge.

Seit der Aussetzung von Bretton Woods im Jahr 1971 versucht die US-Regierung, Gold im Verhältnis zum Dollar niedrig zu halten, und fördert das Wachstum von Goldderivaten, um die Nachfrage aufzufangen. Dass Gold von 35 $ auf heute 1.920 $ gestiegen ist, belegt die Vergeblichkeit dieser Politik. Zumindest emotional ist das US-Establishment jedoch weiterhin erbittert gegen Gold eingestellt.

Wie Abbildung 2 oben deutlich zeigt, hat die Verbindung zwischen Rohstoffpreisen und Gold über die gesamte Zeit Bestand gehabt. Genau dieser Faktor entgeht der gängigen Analyse vollständig: Jeder Rohstoffanalyst unterstellt in seinen Berechnungen einen konstanten, objektiven Wert für den Dollar und andere Währungen, wobei die Preissubjektivität allein auf den Rohstoff beschränkt bleibt. Der Einsatz von Charts und anderen Methoden zur Prognose von Rohstoffpreisen setzt als eiserne Regel voraus, dass Preisänderungen bei Transaktionen ausschließlich aus Schwankungen des Rohstoffwerts herrühren.

Die Wahrheit hinter den in ungedeckten Währungen gemessenen Preisen zeigt sich daran, dass der in Gold bemessene Ölpreis seit den 1960er-Jahren um etwa 30 % gesunken ist. Das ist angesichts neuer Fördertechnologien plausibel und steht im Einklang damit, dass die Preise unter einem Goldstandard im Laufe der Zeit tendenziell nachgeben. Nur in Fiat-Währungen sind die Preise in die Höhe geschnellt. Gold ist für Transaktionszwecke eindeutig deutlich objektiver als Fiat-Währungen, die es keineswegs sind.

Wenn sich also, wie das Diagramm im untenstehenden Tweet nahelegt, der Dollarpreis für Öl von hier aus verdoppelt, dann nur, weil die Menschen am Rand Öl dem Dollar vorziehen – nicht weil sie über ihren unmittelbaren Bedarf hinaus Öl wollen, sondern weil sie weniger Dollar wollen.

Illustration accompanying Die Revolution der rohstoffgedeckten Währungen
China erkannte diese Zusammenhänge nach der Geldpolitik der Fed vom März 2020, als diese ihren Leitzins auf die Nullgrenze senkte und monatliche Anleihekäufe (QE) von 120 Mrd. $ einführte. Das Signal für die künftige Entwertung des Dollars war eindeutig, und China begann, Öl, Rohstoffe und Nahrungsmittel zu horten – allein um Dollar loszuwerden. Dies trug zum Anstieg der Rohstoffpreise in Dollar bei, der ab diesem Zeitpunkt einsetzte, trotz sinkender Nachfrage infolge von Covid und trotz Lieferkettenproblemen. Die Wirkung der Dollar-Entwertung spiegelt sich in Abbildung 3 wider, die einen beliebten Rohstoff-ETF zeigt.
 
Illustration accompanying Die Revolution der rohstoffgedeckten Währungen

Sinnvoller wäre es, den Wertanstieg dieses Rohstoffkorbs nicht als nahezu Verdopplung seit März 2020 zu betrachten, sondern als nahezu Halbierung der Kaufkraft des Dollars in Bezug auf diesen Korb.

Darüber hinaus waren die Chinesen vorausschauend genug, Getreidevorräte anzulegen. Das Ergebnis: 20 % der Weltbevölkerung haben Zugang zu 70 % der weltweiten Maisbestände, 60 % des Reises, 50 % des Weizens und 35 % der Sojabohnen. Die übrigen 80 % der Weltbevölkerung werden in diesem Jahr mit ziemlicher Sicherheit akute Engpässe erleben, da die Getreide- und Düngemittelexporte aus der Ukraine und aus Russland faktisch zum Erliegen kommen.

Chinas Handeln zeigt, dass das Land seine Währung bereits bis zu einem gewissen Grad an Rohstoffe gebunden hat, weil es erkannt hat, dass der Dollar an Kaufkraft verlieren würde. Dies spiegelt sich teilweise im Wechselkurs des Yuan gegenüber dem US-Dollar wider, der seit Mai 2020 um mehr als 11 % zugelegt hat.

Folgen für Dollar, Euro und Yen

In diesem Artikel wurde der enge Zusammenhang zwischen Gold, Öl und den Rohstoffen insgesamt aufgezeigt. Es scheint, dass Russland einen Weg gefunden hat, seine Währung nicht an den Dollar, sondern über Gold an Rohstoffe zu binden, und dass China im Grunde seit zwei Jahren dasselbe tut, allerdings ohne Goldbindung. Die Logik dahinter besteht darin, den Folgen der Währungs- und Kreditausweitung für den Dollar und andere westliche Währungen zu entgehen, da deren Kaufkraft untergraben wird. Die Verwendung einer Goldbindung ist in diesem Zusammenhang eine interessante Entwicklung.

Wir sollten bedenken, dass sich laut dem TIC-System des US-Finanzministeriums 33,24 Billionen US-Dollar an Finanzwerten und kurzfristigen Vermögenswerten, einschließlich Bankeinlagen, in ausländischem Besitz befinden. Hinzu kommen möglicherweise einige Billionen an Eurodollars, die in den TIC-Statistiken nicht erfasst sind. Diese Mittel sind nur wegen der Finanzialisierung der westlichen Währungen in solchen Mengen vorhanden, einer Situation, deren Ende wir nun erwarten. Von einem Wandel der weltweiten Währungsordnung hin zu Pozsars Bretton Woods III ist ein erheblicher Einfluss auf diese Mittel zu erwarten.

Um Verkäufe der 6,97 Billionen US-Dollar an kurzfristigen Wertpapieren und Bargeld durch Ausländer zu verhindern, müssten die Zinsen angehoben werden, und zwar nicht nur, um steigenden Verbraucherpreisen zu begegnen (ein keynesianisches Missverständnis über die wirtschaftliche Rolle der Zinsen, das durch das Gibson-Paradoxon widerlegt ist[iii]), sondern um die Währung an den Devisenmärkten zu schützen, insbesondere gegenüber dem Rubel und dem Yuan. Leider würden Zinsen, die hoch genug sind, um kurzfristiges Geld und Einlagen im Land zu halten, die Werte der in ausländischem Besitz befindlichen langfristigen Wertpapiere von 26,27 Billionen US-Dollar, also Anleihen und Aktien, destabilisieren.

Als Steuerungsinstanz der US-Dollar-Zinsen steht die Fed vor einem Dilemma, das sich dadurch verschärft, dass die Sanktionen gegen Russland die Schwäche der Position des Dollars offenlegen. Der Rückgang seiner Kaufkraft wird durch stark steigende Dollarpreise für Rohstoffe verstärkt, und der Anstieg der Verbraucherpreise wird dadurch größer ausfallen und früher eintreten. Man kann zunehmend überzeugend argumentieren, dass die Zinsen für einjährige Dollar-Einlagen bald im zweistelligen Bereich liegen sollten, statt bei den etwa drei Prozent, die Verfechter einer straffen Geldpolitik für angemessen halten. Wie auch immer die Zahlen am Ende aussehen, die Folgen werden für Finanzwerte und für die Zukunft finanzorientierter Währungen, in denen Finanzwerte die wichtigste Form der Sicherheiten sind, zwangsläufig katastrophal sein.

Es scheint, dass Bretton Woods II tatsächlich beendet ist. In diesem Fall wird es für die USA nahezu unmöglich sein, die internationalen Kapitalzuflüsse zu halten, die ihnen die Finanzierung der Zwillingsdefizite, also der Haushalts- und der Handelsbilanzlücke, ermöglicht haben. Und da die Wertpapierkurse mit steigenden Zinsen fallen, wird die Fed mit einer verstärkten quantitativen Lockerung (QE) einspringen müssen, sofern die US-Regierung ihre Ausgaben nicht in einer Phase stagnierender oder sinkender Wirtschaftstätigkeit sehr drastisch kürzt.

Das Argument, QE stimuliere die Wirtschaft, wird sich dann erschöpft haben und als das entlarvt sein, was es ist: die Entwertung der Währung als Mittel verdeckter Besteuerung. Und das ausländische Kapital, dem es gelingt, einer Dollarkrise zu entkommen, wird sich voraussichtlich anderswo eine Heimat suchen. Doch die beiden anderen großen Währungen im Lager des Dollars, der Euro und der Yen, gehen von einer noch schlechteren Ausgangslage aus. Dies zeigt Abbildung 4. Obwohl ihre Kaufkraft sichtbar einbricht, haben die EZB und die Bank of Japan weiterhin negative Zinsen und scheinen unter der Nullgrenze gefangen zu sein. Die Entscheidungsträger sehen sich zwischen der Skylla der Verbraucherpreisinflation und der Charybdis sinkender Wirtschaftstätigkeit hin- und hergerissen. Ein weiteres Problem ist, dass diese Zentralbanken zu bedeutenden Anlegern in Staats- und andere Anleihen geworden sind (die BOJ hält sogar Aktien-ETFs), und steigende Anleiherenditen richten in ihren Bilanzen verheerende Schäden an, löschen ihr Eigenkapital aus und erfordern eine systemweite Rekapitalisierung.

Illustration accompanying Die Revolution der rohstoffgedeckten Währungen
Nicht nur sind die EZB und die BOJ ohne massive Kapitalzufuhr technisch insolvent, auch ihre Geschäftsbankensysteme sind stark überschuldet: Ihre global systemrelevanten Banken, die G-SIBs, weisen ein durchschnittliches Verhältnis von Vermögenswerten zu Eigenkapital von mehr als zwanzig auf. Und anders als der brasilianische Real, der mexikanische Peso und sogar der südafrikanische Rand verlieren der Yen und der Euro gegenüber dem Dollar an Wert.

Die BOJ reagiert, indem sie verzweifelt an der aktuellen Politik festhält. Sie manipuliert den Markt, indem sie die Rendite der zehnjährigen japanischen Staatsanleihe (JGB) bei 0,25 % deckelt, wo sie derzeit liegt.

Diese Währungsentwicklungen deuten auf große Umwälzungen und eine nahende Krise hin. Finanzblasen werden zweifellos bald platzen und dabei die Werte der Fiat-Finanzwirtschaft samt allem, was mit ihnen segelt, versenken. Staatsanleihen werden eine Geschichte von gestern sein, denn weder China noch Russland, deren Währungen den Übergang von einer finanz- zu einer rohstofforientierten Ausrichtung voraussichtlich überstehen werden, weisen große Haushaltsdefizite auf. Das wird in der Tat Teil ihrer Stärke sein.

Der Finanzkrieg, der in meinen Aufsätzen für Goldmoney so lange vorhergesagt und beschrieben wurde, scheint seinen Höhepunkt zu erreichen. Am Ende läuft es darauf hinaus, wer Geld und Währungen am besten versteht. Der Westen unter Führung der USA hat die rechtliche Definition von Geld ignoriert und stattdessen Fiat-Dollars an ihre Stelle gesetzt. Die Geldpolitik verlor ihre Verankerung in der Realität und treibt stattdessen auf einem Meer abwegiger inflationärer Überzeugungen.

Russland und China haben jedoch nicht denselben Fehler gemacht. China spielte das keynesianische Spiel mit, solange es ihm nützte. Daher scheint der Westen, auch wenn Russland militärisch Schwierigkeiten haben mag, den Finanzkrieg zu verlieren, sofern kein Wunder geschieht, und wir gehen tatsächlich in Pozsars Bretton Woods III über.




[i] Die Grafik wurde freundlicherweise von James Turk aus seinem jüngsten Buch Money and Liberty (Verlag: Wood Lane Books) zur Verfügung gestellt.

[ii] Siehe Treatment of Reserves and Fund Accounts – Balance of Payments Division, IMF Statistics Department.

[iii] Das Gibson-Paradoxon zeigte, dass die Preiskorrelation mit den Zinsen sich auf das allgemeine Preisniveau bezog, nicht auf die Rate der Preisänderungen. Da Keynes und andere dies nicht erklären konnten, ignorieren moderne Ökonomen diesen Zusammenhang in Bezug auf die Geldpolitik. Siehe https://www.goldmoney.com/research/goldmoney-insights/gibson-s-paradox
 






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