Die Ölmärkte befinden sich bereits in der Rezession

Die Ölpreise sind angesichts makroökonomischer Sorgen auf ein Dreijahrestief gefallen. Die Lagerbestände an Rohöl und Ölprodukten bleiben jedoch auf gefährlich niedrigem Niveau, während sich der rezessionsbedingte Nachfragerückgang noch nicht gezeigt hat.

Der Preis für Brent-Öl fiel zuletzt auf 69 $/Barrel und damit an das untere Ende der Handelsspanne seit 2021 (siehe Grafik 1). 

Grafik 1: Der Preis für Brent-Rohöl fiel zuletzt bis auf 69 $/Barrel

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Quelle: Goldmoney Analysen

Der jüngste Rückgang der Ölpreise war vor allem auf ein pessimistisches makroökonomisches Umfeld zurückzuführen. Insbesondere die US-Wirtschaft scheint sich zu verlangsamen, und die Rezessionswahrscheinlichkeit steigt. So sank beispielsweise die BIP-Schätzung der Atlanta Fed für das erste Quartal 2025 praktisch über Nacht von +3 % auf -2 % (siehe Grafik 2). Obwohl sich ein Großteil dieser Bewegung auf einen plötzlichen Anstieg der Importe (überwiegend Gold) infolge der Zölle von Präsident Trump zurückführen lässt, hat dies an den Rohstoffmärkten zunächst Schockwellen ausgelöst.

Grafik 2: Die GDPNow-Schätzung der Atlanta Fed zeigte einen starken Rückgang der BIP-Erwartungen für das erste Quartal 2025

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Quelle: Atlanta Fed

Ein weiterer Indikator, der sich weiter verschlechtert, ist das Verbrauchervertrauen. Daten des Consumer Conference Board zufolge sank das Verbrauchervertrauen im Februar auf nur noch 92,9 und damit auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren.

Grafik 3: Das Verbrauchervertrauen fiel auf den niedrigsten Stand seit vier Jahren

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Quelle: Consumer Conference Board

Eine genauere Analyse des Index zeigt, dass die Verbraucher vor allem um die Zukunft besorgt sind: Die Erwartungskomponente des Verbrauchervertrauens fiel deutlich auf den niedrigsten Stand seit über zehn Jahren.

Grafik 4: Die Erwartungen der Verbraucher sind stark gesunken …

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Quelle: Consumer Conference Board

Die aktuelle Lage bereitet den Verbrauchern hingegen weniger Sorgen.

Grafik 5: … während die Beurteilung der aktuellen Lage weiterhin hoch bleibt

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Quelle: Consumer Conference Board

Ein weiterer Grund zur Sorge sind die nachlassenden Konsumausgaben. In einem aktuellen Bericht von Reuters (US consumers’ slow spending as inflation bites, Synchrony says, 25. März 2025) teilte das Verbraucherfinanzierungsunternehmen Synchrony Financial, das mehr als 100 Millionen Verbraucherkreditkonten führt, mit, dass die Verbraucher begonnen haben, ihre Ausgaben zu kürzen. Laut dem Finanzvorstand des Unternehmens sind die Verbraucher durch Inflation und hohe Schulden belastet. Die Kunden des Unternehmens bedienen ihre Schulden weiterhin, gehen aber bedachter mit Ausgaben um. Die Kreditkartenschulden liegen auf einem Rekordhoch (siehe Grafik 6).

Grafik 6: Die Kreditkartenschulden liegen auf einem Rekordhoch

in Mio. $, Kreditkarten und andere revolvierende Kredite, alle Geschäftsbanken

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Quelle: FRED

All dies hat die Ölpreise von 84 $ im Januar auf 69 $ vor zwei Wochen gedrückt. Obwohl sich das makroökonomische Bild verschlechtert, hat dies jedoch bislang nicht zu einem Rückgang der Ölnachfrage geführt. Laut der US-Energiebehörde (EIA) liegt die gesamte Ölnachfrage im bisherigen Verlauf des Jahres 2025 höher als 2024 (siehe Grafik 7).

Grafik 7: Wöchentliche Gesamtlieferungen von Ölprodukten in den USA

Tausend Barrel/Tag, 4-Wochen-Durchschnitt

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Quelle: EIA, Goldmoney Analysen

Auch die Benzinnachfrage zeigt sich robust und liegt trotz zunehmender Effizienzgewinne und eines größeren Anteils an Elektrofahrzeugen leicht über dem Vorjahresniveau (40 kb/d seit Jahresbeginn).

Grafik 8: Auch die Benzinnachfrage liegt leicht über dem Niveau von 2024

Tausend Barrel/Tag

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Quelle: EIA, Goldmoney Analysen

Die Ölmärkte preisen daher eine Rezession ein, die noch gar nicht eingetreten ist. Zudem ist Öl in einer Rezession ein Spätzykliker. Zu Beginn einer Rezession wird die Nachfrage nur geringfügig beeinträchtigt. Zuerst geht vor allem die Nachfrage im Lkw-Verkehr zurück, gefolgt vom Flugverkehr. Die Hälfte der US-Nachfrage entfällt jedoch auf Benzin, und diese sinkt erst, wenn Arbeitnehmer entlassen werden. Daher kann sich Öl in den ersten Monaten einer Rezession sogar gut entwickeln, wie es 2008 der Fall war (siehe Abbildung 9).

Abbildung 9: Die Ölpreise stiegen in den ersten sechs Monaten des Jahres 2008 stark an, obwohl sich die US-Wirtschaft in einer Rezession befand

Brent in $/Barrel

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Quelle: Goldmoney Analysen

Im Jahr 2008 herrschte am Ölmarkt eine gravierende Knappheit an leichtem, schwefelarmem Rohöl, und die Nachfragevernichtung infolge der globalen Finanzkrise erreichte erst zur Jahresmitte ein ausreichendes Ausmaß. Diesmal ist das Risiko einer gravierenden Knappheit deutlich geringer, da die OPEC über erhebliche freie Kapazitäten verfügt und die weltweite Nachfrage seit einem Jahr relativ schwach (aber weiterhin wachsend) ist. 

Die weltweiten Lagerbestände an Rohöl und Erdölprodukten sind jedoch niedrig, und in den vergangenen Monaten sind die OECD-Bestände entweder stärker gesunken als im saisonalen Durchschnitt oder weniger stark gestiegen als im saisonalen Durchschnitt.

Die OPEC hat begonnen, einen Teil der vom Markt genommenen Barrel wieder zurückzubringen. Sie tat dies zögerlich, da die Mitglieder des Kartells zur Deckung ihres Haushaltsbedarfs wahrscheinlich Preise von über 80 $/Barrel bevorzugen. Die schrittweisen Erhöhungen sind jedoch gering – etwa 150 kb/d pro Monat –, während gleichzeitig aufgrund von Sanktionen Barrel aus Venezuela und dem Iran wegfallen. Der kombinierte Ausfall dürfte in den kommenden Monaten 1 Mb/d übersteigen.

Darüber hinaus würde selbst ein Friedensabkommen zwischen Russland und der Ukraine nicht zu einer höheren russischen Produktion führen, da Russland an die OPEC-Vereinbarungen gebunden ist (die Sanktionen hatten keine Auswirkungen auf die Fähigkeit Russlands, Rohöl zu produzieren und zu exportieren). 

Daher dürften sich die Ölmärkte in den kommenden Monaten voraussichtlich verknappen, bevor zusätzliche neue Nicht-OPEC-Projekte die Produktion hochfahren. Der Markt scheint jedoch zu stark auf mögliche Nachfrageverluste aufgrund einer Rezession fixiert zu sein. 

Die Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich oft. Im Jahr 2008 wurde die Wirkung des Kreditschocks auf die Wirtschaft nach unserer Einschätzung durch den Ölpreisschock zusätzlich verschärft, da die Preise innerhalb sehr kurzer Zeit um 50 % stiegen. Ein Ölpreisanstieg um 50 % ist diesmal zwar weniger wahrscheinlich, doch besteht ein erhebliches Risiko stark steigender Ölpreise, falls die erwartete Nachfragevernichtung nicht bald eintritt. Das könnte ironischerweise genau das sein, was die Wirtschaft letztlich in eine Rezession drängt.

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