Die Konjunkturaussichten trüben sich ein

Viele Jahrzehnte keynesianisch inspirierter wirtschaftlicher und monetärer Verfehlungen haben den fortgeschrittenen Volkswirtschaften ein Erbe aus Schulden und geringer Sparquote hinterlassen. Kurz gesagt, das ist das Problem, das uns in eine weitere Finanzkrise treibt. Dieser Moment könnte näher rücken, wie der jüngste Einbruch der Anleiherenditen signalisiert.

Dies geschah 2008 beinahe. Es wurde durch eine unbegrenzte Garantie der Zentralbanken für unendliche Mengen an Bargeld und Krediten abgewendet, zunächst durch die Fed, rasch gefolgt von allen anderen großen Zentralbanken. Sechs Jahre später wird die geldpolitische Medizin weltweit noch immer in beispiellosen Mengen verabreicht. Und in einigen Ländern wächst die Bankkreditvergabe endlich wieder schneller als zuvor.

Das Gegenstück zum Bankkredit ist die Verschuldung, die überall dort, wo sie zu finden ist, das Wirtschaftswachstum antreibt. Selbst die Exporte werden auf Pump finanziert, denn auch die letztlichen Käufer rund um den Globus sind stark von Krediten abhängig. Tatsächlich ähnelt der aktuelle Konjunkturzyklus bei näherer Betrachtung immer mehr den Jahren 2007/08 und davor 2000/01.

Kreditzyklen, denen keine reale Substanz zugrunde liegt, beginnen so: Man druckt Geld, um die Vermögenspreise aufzublähen. Die Werte der Sicherheiten steigen, was die Kreditvergabe der Banken anregt. Kreditnehmer kaufen Immobilien und Aktien, wodurch die Preise steigen und sich ein Wohlgefühl ausbreitet. Da die privaten Bilanzen nun „saniert“ sind, kaufen sie neue Autos, buchen neue Urlaubsreisen und erwerben Zweitwohnungen, alles auf Pump. Willkommen im heutigen Zeitpunkt: Die Anhäufung von Schulden hat verhindert, dass wir die Nachfrage weiter steigern können. Der weitere Verlauf der Ereignisse kann unterschiedlich sein, doch das Ergebnis ist leicht vorherzusagen: Dem Zyklus geht die Kraft aus, und er mündet in eine Finanzkrise.

Wie können wir diesem deprimierenden und vorhersehbaren Ablauf also entkommen? Die Antwort ist einfach: Wir müssen aufhören, uns auf die Ausweitung von Geld und Krediten zu verlassen. Wir haben vergessen, dass Schulden, bevor Keynes uns riet, uns zum Konsum zu verschulden, nur von Unternehmern und Betrieben für ganz bestimmte Zwecke aufgenommen wurden, als letztes und nicht als erstes Mittel, und gewiss nicht für den alltäglichen Konsum.

Dies war die Überlegung hinter dem Sayschen Theorem, das ganz einfach besagt, dass Menschen Dinge herstellen, um andere Dinge kaufen zu können. Keynes ersetzte diese Logik durch eine andere Erzählung: Man müsse nichts herstellen, um Geld auszugeben, solange der Staat dafür sorgt, dass das Geld zur Verfügung steht.

Keynes’ Irrtum zu verstehen, ist der Schlüssel, um den Kurs weg von sich wiederholenden Zyklen wirtschaftlicher Zerstörung zu ändern. Statt Geld zu drucken und zur Kreditaufnahme zu ermutigen, sollte man die Menschen zum Sparen ermutigen. Dann kann die Wahrheit des Sayschen Theorems wirken, und die Menschen geben nur aus, was sie sich wirklich leisten können. Stattdessen werden klamme Regierungen voraussichtlich die Steuern auf Ersparnisse erhöhen, obwohl sie diese ganz abschaffen sollten.

Nach sechs Jahren geld- und steuerpolitischer Maßnahmen, die kaum besser darauf ausgelegt sein könnten, Ersparnisse und die Sparkultur zu zerstören, sollte man meinen, die Regierungen hätten irgendeine Lehre gezogen. Davon wollen sie jedoch nichts wissen. Stattdessen ist Japan auf einen geldpolitischen Kamikazekurs versessen, und die EZB stimmt uns nun auf negative Zinsen und/oder quantitative Lockerung ein.

Das Problem ist bei Weitem nicht verstanden: Wenn überhaupt, werden die Zerstörung, ja sogar die Konfiszierung von Ersparnissen sowie die Schaffung von noch mehr Geld sich beschleunigen, in dem vergeblichen Versuch, das Unvermeidliche abzuwenden. Und die Anleiherenditen mahnen uns, uns für die nächste Krise zu wappnen: Sie könnte schlimmer ausfallen als 2008.

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