Definition: Hyperinflation ist der Zustand, in dem die Währungsbehörden die Ausweitung der Geldmenge so weit beschleunigen, dass es ihnen unmöglich wird, die Kontrolle zurückzugewinnen.
Sie endet, wenn die staatliche Fiatwährung schließlich wertlos ist. Sie ist eine sich entwickelnde Krise und nicht bloß ein einzelnes Ereignis auf dem Höhepunkt.
Zusammenfassung
Dieser Artikel definiert Hyperinflation in einfachen Worten und macht deutlich, dass die meisten, wenn nicht alle Regierungen ihre ungedeckten Währungen bereits der Zerstörung durch Hyperinflation preisgegeben haben. Die Belege werden nun offensichtlich.
Das Phänomen wird durch den Überschuss der Staatsausgaben über die Steuereinnahmen angetrieben, der in den USA und anderswo bereits außer Kontrolle geraten ist. Die erste Welle des Coronavirus hat das Problem lediglich für jene offensichtlicher gemacht, die bereits verstanden hatten, dass die Expansionsphase des Bankkreditzyklus ihrem Ende entgegenging. Zusammen mit den wirtschaftlichen Folgen des Handelszollkriegs zwischen China und Amerika sind wir dazu verurteilt, die Bedingungen zu wiederholen, die zum Börsencrash an der Wall Street von 1929–32 führten.
Für Wirtschaftshistoriker sollten dies selbstverständliche Aussagen sein. Tatsache ist, dass die Steuerbasis, die durch das BIP quantifiziert wird, real stark rückläufig ist, wenn man sie an der tatsächlichen Rate des Kaufkraftverlusts des Dollars misst und durch die beschleunigte Zunahme der weit gefassten Geldmenge in den letzten zehn Jahren bestätigt sieht, während die staatlichen Ausgabenverpflichtungen weiter steigen.
In diesem Artikel wird dies für den Dollar dokumentiert, doch dieselbe hyperinflationäre Dynamik betrifft nahezu alle anderen Fiatwährungen.
Einleitung
In den letzten zehn Jahren habe ich zwei Kreuzzüge geführt, um die Aufmerksamkeit auf Themen zu lenken, die meiner Überzeugung nach im öffentlichen Interesse liegen. Ab 2011 schrieb ich eine Reihe von Artikeln über Chinas Goldpolitik; China hatte bereits seit 1983 physisches Gold angehäuft. Die Vorstellung, dass Gold von West nach Ost wandert, wurde allgemein verstanden und beinahe zum Klischee. Der zweite Kreuzzug galt dem Ziel, die Öffentlichkeit darüber zu informieren, dass der Konjunktur- bzw. Wirtschaftszyklus nur das Symptom eines Bankkreditzyklus ist, der unweigerlich in einer Krise der Kreditverknappung endet.
Nun ist es Zeit für eine neue Kampagne zu einem Thema, über das ich in den vergangenen Monaten geschrieben habe: die breitere Öffentlichkeit darüber zu informieren, dass sich ihre Regierungen und ihre Fiatwährungen inzwischen in einem Zustand der Hyperinflation befinden. Es ist keine Entwicklung am fernen Horizont, wie viele vielleicht denken; sie ist bereits da.
Was ist Hyperinflation?
Um zu verstehen, warum die Hyperinflation bereits da ist, muss man wissen, was Hyperinflation ausmacht. Es sind nicht steigende Preise, und auch kein Zustand, der eintritt, wenn die Preise über eine vorab festgelegte Rate hinaus steigen: Steigende Preise sind die Folge sowohl von Inflation als auch von Hyperinflation. Milton Friedman formulierte es so: Inflation sei immer und überall ein monetäres Phänomen, auch wenn er es durch die Fortsetzung verdarb: „…in dem Sinne, dass sie nur durch eine schnellere Zunahme der Geldmenge als der Produktion hervorgerufen werden kann und wird.“[i] In diesem letzten Teil irrte er, da er die Preiswirkung mit der Zunahme der Geldmenge vermengte. Wenn selbst sogenannte Monetaristen bei der Inflation ungenau sind, von der Hyperinflation ganz zu schweigen, überrascht es kaum, dass die Verwirrung in der Öffentlichkeit weit verbreitet ist.
Es kann nur eine Definition von Hyperinflation geben, nämlich die oben in der Überschrift genannte, die Sie in keinem Lehrbuch finden werden. Selbst in von Mises’ Nationalökonomie gibt es keine Definition davon, nur von der Inflation, und diese ist eher eine Beschreibung als eine Definition. Und da es sich um ein relativ junges Phänomen ungedeckter Fiatwährungen handelt, wurde Hyperinflation von den klassischen Ökonomen nie getrennt von der Inflation definiert. Auch lassen sich Inflation und Hyperinflation nicht nach dem Grad unterscheiden.
Werfen Sie einen Blick auf die US-Geldmenge M1, die Menge des Zentralbankgeldes in der amerikanischen Wirtschaft, dargestellt in Abbildung 1.

Die Entwicklung der annualisierten Geldinflation von unter 6 % vor der Lehman-Krise über 9,6 % danach bis März dieses Jahres bis hin zu 65 % in den seither vergangenen dreißig Wochen geht eindeutig aus der Grafik hervor. Verfügten die Währungsbehörden über das Wissen, das Mandat, die Befugnis, die Fähigkeit und den Willen, die Ausweitung der Geldmenge zu beenden, würden wir dies nicht als Hyperinflation bezeichnen, sondern als eine kurze Phase außergewöhnlicher Inflation vor der Rückkehr zu einer soliden Geldpolitik.
Doch solides Geld wurde 1971 unmissverständlich verworfen, als das Bretton-Woods-Abkommen der Nachkriegszeit endgültig aufgegeben wurde – wobei das damalige Geldsystem keineswegs solider war, als Adams Feigenblatt ein Kleidungsstück war. Tatsache ist nämlich, dass solides Geld in Amerika wohl schon lange zuvor aufgegeben wurde, nämlich mit der Gründung der Fed auf Jekyll Island vor dem Ersten Weltkrieg.
Als Mittel zur Finanzierung von Staatsdefiziten lässt sich Inflation durch Kürzungen der Staatsausgaben und/oder Steuererhöhungen beenden. Nun aber soll auf eine einmalige Ausweitung der Geldmenge M1 um 65 % bereits die nächste massive Ausweitung folgen. Man hofft, dass diese ausreichen wird, so wie man hoffte, dass die ursprüngliche Ausweitung von M1 um 65 % ausreichen würde, damit auf eine V-förmige Rezession die Rückkehr zur Normalität folgt.
Die Anfangsphasen einer Hyperinflation werden von den Währungsbehörden stets als die einzig mögliche Politik angesehen. Sie reden sich ein, dass es entweder keine Folgen gibt oder dass diese beherrschbar sind. Ein Beispiel dieser Gattung findet sich in einem Aufsatz von Michael T. Kiley, einem leitenden Ökonomen der Fed.[ii] Im August gelangte er zu dem Schluss, dass der fehlende Spielraum für weitere Zinssenkungen zur Bewältigung des Coronavirus quantitative Lockerungen im Umfang von insgesamt 30 % des BIP bzw. 6,5 Billionen US-Dollar erfordere, um den fehlenden Zinsspielraum auszugleichen. Kiley schreibt, zwischen Ende Februar und Ende Juni seien bereits rund 3 Billionen US-Dollar umgesetzt worden, sodass weitere 3,5 Billionen US-Dollar folgen müssten. Nimmt man an, dass das gesamte Stimulierungsvolumen von 6,5 Billionen US-Dollar bis zum kommenden Februar umgesetzt wird, könnte sich die Geldmenge im engeren Sinne mehr als verdoppeln.
Kiley verfasste seinen Aufsatz, bevor die zweite Coronawelle einsetzte. Er modellierte einen Wirtschaftseinbruch, gemessen am realen BIP, von lediglich 10 % im zweiten Quartal (tatsächlich 9,5 % – nicht zu verwechseln mit der annualisierten Rate von 32,9 %). Doch wie ich im Artikel der vergangenen Woche dargelegt habe, ist bei einer derartigen Geldinflation ein Dollar vom vergangenen Februar nicht derselbe wie ein inflationierter Dollar im kommenden Februar, der nach Kileys Zahlen um 6,5 Billionen US-Dollar verwässert wird. Die Folge sind äußerst schädliche intertemporale Verschiebungen, wie sie der Cantillon-Effekt beschreibt: Letztlich verlieren sowohl produktive Arbeitnehmer als auch die Ärmsten der Gesellschaft Ersparnisse, Gehälter und Sozialleistungen durch den Verlust der Kaufkraft des Dollars, zugunsten des Staates, seiner Behörden und der Großunternehmen.
In seinem Wirtschaftsmodell flacht Kiley die Phillips-Kurve ab, offenbar in dem Bestreben, ein bevorzugtes Ergebnis gezielt herbeizurechnen. Die Phillips-Kurve soll grafisch den Zusammenhang zwischen Inflation und Arbeitslosigkeit abbilden, wobei die Vorstellung lautet, dass ein Anstieg der Preisinflation mit einem Rückgang der Arbeitslosigkeit einhergeht. Sie abzuflachen kommt der Annahme gleich, dass die Preise bei einem als Vollbeschäftigung geltenden Niveau weniger stark steigen als zuvor modelliert. Es ist jedoch eine Sache, einen solchen Zusammenhang zu prognostizieren, wenn der Inflations-„Impuls“ im Bereich weniger Prozentpunkte liegt und sich die Öffentlichkeit vermutlich der anregenden Wirkung der Geldinflation stärker bewusst ist als ihrer verwässernden Wirkung auf das Geld; eine ganz andere Sache ist es, wenn sie so dramatisch ausfällt wie heute.
Wir müssen der Versuchung widerstehen, einen mathematischen Zusammenhang zwischen den Preisen für Waren und Dienstleistungen und der Beschäftigungsquote anzunehmen, wie ihn die Phillips-Kurve vorhersagt. Unabhängig vom Beschäftigungsniveau passt sich die Produktion aufgrund der Arbeitsteilung an. Mit ihrer Ablehnung des Sayschen Theorems verkennen moderne Ökonomen, dass Produktion und Konsum im Großen und Ganzen gemeinsam steigen oder fallen. Abgesehen davon, dass die Nutzer der Währung von den anfänglichen Wirkungen der Geldstimulierung vorübergehend getäuscht werden, besteht kein dauerhafter Zusammenhang zwischen der Geldmenge und der Beschäftigung.
Fehler, die mathematische Ökonomen durch Kunstgriffe wie die Phillips-Kurve einführen, verschleiern anfangs die Folgen von Politikmaßnahmen, die auf ihren Prognosen beruhen. Folglich vermitteln die Empfehlungen leitender Ökonomen der Fed, die auf Wirtschaftsmodellen mit makroökonomischen Annahmen beruhen, den Ausschüssen, die sie beraten, ein trügerisches Gefühl der Sicherheit. Zudem betrug die annualisierte Rate des Haushaltsdefizits seit März rund 4,4 Billionen US-Dollar; sie wurde vollständig durch Geldmengenausweitung finanziert und lag deutlich über dem, was durch die sinkenden Steuereinnahmen gedeckt war.
Sollten diese Bedingungen im neuen Haushaltsjahr fortbestehen – was zunehmend sicher erscheint –, unterschätzt Kileys Berechnung der weiteren Stimulierung von 3,5 Billionen US-Dollar das Problem. Laut einem Kommentar von Allister Heath im heutigen Daily Telegraph glaubt Larry Summers, der US-Ökonom und entschiedene Inflationsbefürworter, dass die Kosten von Covid-19 90 % des US-BIP erreichen werden, deutlich mehr als Kileys Schätzung von 30 %. Vielleicht ist das übertrieben; doch können wir uns vorstellen, dass das bevorstehende Konjunkturpaket und dann zweifellos das darauffolgende die Normalität wiederherstellen und das Haushaltsdefizit nachhaltig in Richtung Ausgleich lenken werden? Lautet die Antwort Nein, dann haben wir bereits eine Hyperinflation.
Abkehr von den Annahmen der mathematischen Ökonomen
Der Fehler der Phillips-Kurve bestand darin, nicht zu verstehen, warum es im Verlauf einer Inflation einen Punkt gibt, an dem die Nutzer der Währung vermuten, dass die Preise weiter steigen werden, und sich daraufhin von persönlicher Liquidität und Ersparnissen ab- und dem Konsum zuwenden. Dass dies ab einem gewissen Punkt zwangsläufig geschieht, bedeutet nicht, dass sich dieser Punkt und die anschließende Wirkung auf das allgemeine Preisniveau vorhersagen lassen – das hängt vom menschlichen Handeln ab, von der unvorhersehbaren Reaktion einzelner Akteure auf ihre sich verändernden Umstände.
Die Phillips-Kurve ist nicht der einzige Irrtum, wenn es darum geht, die Wirkungen der Geldmengenausweitung zu verstehen. Als die mathematischen Ökonomen feststellten, dass der Zusammenhang zwischen der Ausweitung der Geldmenge und ihrer Wirkung auf die Kaufkraft schwankte, führten sie einen variablen Faktor ein, damit die Gleichung, die das Verhältnis des Geldes zu den Preisen beschreibt, stets aufgeht. Die Geldgleichung lautet wie folgt:

Doch indem ein variabler Faktor V eingeführt wird, damit die Gleichung stets aufgeht, wird der Nutzen der Gleichung selbst aufgehoben: Alles, was zwei ungleiche Seiten hat, lässt sich mit diesem Kunstgriff in eine Gleichung verwandeln. Die Vorstellungskraft der Monetaristen überspielt diese Tatsache, indem sie der Variablen einen beschönigenden Namen gibt. Die Bezeichnung „Umlaufgeschwindigkeit des Geldes“ erzeugt das Bild eines Geldkreislaufs. Von dort aus ist es leicht anzunehmen, dass die Umlaufgeschwindigkeit sinkt, wenn Geld zu wenig genutzt wird, und die Wirtschaft als stagnierend gilt; steigt die Umlaufgeschwindigkeit hingegen, heißt es, Geld werde stärker nachgefragt und zirkuliere wirksamer. Eine sinkende Umlaufgeschwindigkeit wird damit mit fallenden Preisen verbunden, für die das nominale BIP der Stellvertreter ist (P x T in der Gleichung), und eine steigende Umlaufgeschwindigkeit mit steigenden Preisen und steigendem BIP. Dieses Konzept ist grundlegend fehlerhaft, erklärt aber die Grundprinzipien der heutigen Geldpolitik.
Die Folgen veränderter relativer Präferenzen
Das nominale BIP ist nicht bloß die andere Seite der Geldgleichung. Es ist auch die Gesamtproduktion, und die andere Seite der Gesamtproduktion ist die Summe aus Konsum und aufgeschobenem Konsum. Die richtige Sichtweise auf das Geld führt nicht über die Geldgleichung und die angebliche Rolle der Umlaufgeschwindigkeit, sondern darüber, das nominale BIP sowohl als Summe aller Einkommen und Gewinne als auch als Summe der Ausgaben und der Nettoersparnisse zu betrachten. Erst dann können wir die Auswirkungen von Änderungen der Geldmenge auf die Preise untersuchen.
Geld ist lediglich eine Form der Vermittlung zwischen der Produktion und dem Konsum von Gütern. Die Menschen halten ein gewisses Maß an persönlicher Geldliquidität, das bei stabilem Geld insgesamt kaum schwankt. Diese Liquidität darf nicht mit Ersparnissen verwechselt werden, die als aufgeschobener Konsum nicht in erster Linie wegen ihrer Liquidität, sondern wegen erwarteter Erträge gehalten werden. Persönliche Liquidität wird als Reserve für den persönlichen Konsum vorgehalten.
Das allgemeine Niveau der persönlichen Liquidität ergibt sich aus den jüngsten Erfahrungen mit dem Wert des Geldes in Gütern, angepasst um die Erwartungen hinsichtlich einer Veränderung des relativen Werts künftiger Güter. Wenn Menschen also glauben, der Preis eines Guts könnte steigen, neigen sie dazu, es früher zu kaufen, als sie es sonst täten; erwarten sie einen Preisrückgang, neigen sie dazu, den Kauf aufzuschieben. Unter im Allgemeinen stabilen monetären Bedingungen ist dies der Grund, weshalb manche Preise steigen und andere fallen.
Schwierig wird es, wenn die Menschen insgesamt aus irgendeinem Grund einen Anstieg des allgemeinen Preisniveaus erwarten. In diesem Fall verschieben sie das Verhältnis zwischen ihrer Geldliquidität und den Gütern allgemein zugunsten der Güter, wodurch die Kaufkraft des Geldes sinkt und das allgemeine Preisniveau steigt.
Die Wirkung von Änderungen des allgemeinen Niveaus der persönlichen Liquidität auf das Preisniveau ist möglicherweise bedeutender als die Geldmenge selbst. Es dürfte offensichtlich sein, dass eine erhöhte umlaufende Geldmenge das allgemeine Preisniveau nicht beeinflusst, wenn sie schlicht gehortet wird. Entscheidet sich die Öffentlichkeit dagegen, eine staatlich ausgegebene Währung aufzugeben, verliert diese unabhängig von der umlaufenden Menge ihre gesamte Kaufkraft.
Die Abkehr der Öffentlichkeit von einer staatlich ausgegebenen Währung beendet alle Hyperinflationen, und sobald dieser Prozess in Gang gekommen ist, verläuft er in der Regel rasch. Im Deutschland der Weimarer Republik soll diese Flucht in die Sachwerte und aus dem Geld im Mai 1923 begonnen und bis Mitte November gedauert haben. In den anderen europäischen Ländern, die in den frühen 1920er Jahren einen Zusammenbruch ihrer Währungen erlitten, verlief der Schlussprozess ebenso schnell.
Die Form des heutigen Währungszusammenbruchs
Als Erstes ist das aktuelle Verhältnis der Geldmenge zur Wirtschaft zu betrachten. Die US-Dollar-Geldmenge M3, die weiteste Definition von Geld, ist zusammen mit dem US-BIP gestiegen: M3 lag im vergangenen Juli bei 18,327 Billionen US-Dollar[iii], während das BIP des zweiten Quartals auf 19,52 Billionen US-Dollar geschätzt wurde[iv]. Die enge Beziehung zwischen diesen beiden Zahlen erklärt sich dadurch, dass das nominale BIP durch die Zunahme der Geldmenge aufgebläht wird. Die Übereinstimmung ist nie perfekt, da es stets Konsumausgaben gibt, die auf Schätzungen beruhen, späteren Revisionen unterliegen oder vom BIP schlicht nicht erfasst werden. Hinzu kommen statistische Fehler. Außerdem hätte es zu Beginn der Inflation einen Basiswert für das BIP gegeben, als das Geld noch solide war und von dem aus die späteren Inflationen stattfanden.
Das Ausmaß des Kaufkraftverlusts des Dollars wird in den amtlichen Statistiken absichtlich zu niedrig ausgewiesen. Ursprünglich sollte die Politik die Kosten senken, die den US-Regierungen und anderen Regierungen durch die nach dem Jahrzehnt der Preisinflation in den 1970er Jahren eingeführte Indexierung entstanden. Es ist bemerkenswert, dass die statistische Unterdrückung von Veränderungen des allgemeinen Preisniveaus, die inzwischen in allen fortgeschrittenen Volkswirtschaften übernommen wurde, kaum hinterfragt wird. Folglich wurde das Ausmaß des Kaufkraftverlusts der Fiat-Währungen ignoriert, mit einigen wichtigen Folgen, zumindest für die Regierungen und ihre Zentralbanken, die damit Belege für das Scheitern der Geld- und Wirtschaftspolitik verbergen.
Abbildung 2 vergleicht den kumulierten Anstieg des allgemeinen Preisniveaus, gemessen am Verbraucherpreisindex (VPI), mit dem Chapwood-Index, der sich aus „den 500 wichtigsten Posten zusammensetzt, für die Amerikaner in den 50 größten Städten des Landes ihre versteuerten Dollar ausgeben“.[v] Die in der Grafik verwendeten Chapwood-Zahlen zur Preisinflation sind der arithmetische Durchschnitt der fünfzig Städte; die letzten Datenpunkte stammen von Ende Juni 2020. Zusätzlich ist das Wachstum der Geldmenge M3 enthalten.

Es sollte klar sein, dass Veränderungen des allgemeinen Preisniveaus ein theoretisches Konzept sind, das sich nicht messen lässt, weil es für jeden Einzelnen anders ist. Ein Durchschnitt ist daher nicht mehr als ein Anhaltspunkt, selbst wenn man davon ausgeht, dass die Daten nicht von Interessengruppen manipuliert werden. Vor diesem Hintergrund ist der VPI der betrachteten Städte in den letzten zehn Jahren kumuliert um nur 19 % gestiegen, verglichen mit dem Chapwood-Index, der um 159 % zulegte, was einer jährlichen Aufzinsung von etwa 10 % entspricht. Als Bestätigung dafür, dass die Chapwood-Zahlen der Wahrheit näher kommen, sehen wir, dass USD M3 den Dollar verwässert hat, indem es im selben Zeitraum um 109 % stieg.
Der geringere Anstieg von USD M3 im Vergleich zum Chapwood-Index deutet darauf hin, dass neben der Verwässerung der Kaufkraft des Dollars im Allgemeinen auch die Geldbestände im Verhältnis zu den im Chapwood-Index enthaltenen, häufig gekauften Gütern geschrumpft sind. Mit anderen Worten: Die Verbraucher scheinen bei ihren Ausgaben die gewöhnlichen Käufe relativ gegenüber den weniger gewöhnlichen zu bevorzugen. Dies könnte als Beleg für die frühesten Anfänge eines Abbaus der Geldbestände zugunsten alltäglicher Käufe gewertet werden. Es steht im Widerspruch zur offiziellen Darstellung, auf der die Geldpolitik beruht, wonach die Währungsbehörden und ihre Epigonen sich der Illusion hingeben, die Preisinflation werde durch das jährliche Zwei-Prozent-Ziel eingedämmt, wobei einige von ihnen sogar behaupten, die Preisinflation sei für immer verbannt.
Abbildung 3 verdeutlicht darüber hinaus die Wirkungslosigkeit der Geldpolitik, indem sie das BIP in Preisen von 2010 darstellt, bereinigt um den VPI (die staatliche Version des realen BIP), um den Chapwood-Index und schließlich um die Geldmenge M3.

Die Währungsbehörden behaupten, sie hätten die US-Wirtschaft vor der Coronakrise nach der Lehman-Krise stabilisiert. Gemessen am Verbraucherpreisindex (VPI) war die Wirtschaft bis Ende 2019 über neun Jahre „real“ um knapp 22 % gewachsen. Da der VPI jedoch ein stark unterdrücktes Maß der Preisinflation ist, sieht die Wahrheit anders aus. Der Chapwood-Index und USD M3 zeigen: Um diese Größen bereinigt, hat sich das BIP von 15.241 Mrd. $ mehr als halbiert, nämlich auf 6.818 bzw. 7.309 Mrd. $, bezogen auf die Basis von Dollar des Jahres 2010.
Um es klarzustellen: Das BIP ist lediglich die Geldsumme aller erfassten Transaktionen. Es sagt nichts über deren Qualität aus und zeigt weder den Grad des wirtschaftlichen Fortschritts noch dessen Ausbleiben an. Wie immer gab es Gewinner und Verlierer. Wir können nur ganz allgemein schließen, dass der Rückgang der realen Werte das Scheitern der geld- und wirtschaftspolitischen Maßnahmen offengelegt hat.
Von wirklicher Bedeutung ist dies für die Regierungen und die Kaufkraft der Steuern, die sie einnehmen.
Eine moderne, sozialisierende Regierung senkt ihre Ausgaben nie, und Haushaltsdefizite entstehen, weil man zögert, die Steuern passend zu den Ausgaben zu erhöhen. Prima facie ist dies ein Beleg für eine aufkommende Hyperinflation: Der Verlust an Kaufkraft der Währung treibt den Rückgang des realen Wertes der Steuereinnahmen, während zugleich erkannt wird, dass Steuererhöhungen der Produktion, dem Konsum und damit den Staatsfinanzen schaden würden.
Dann kam das Coronavirus, ein unerwarteter Schlag für das nominale BIP, von dem die Steuereinnahmen des Staates abhängen. Und nun haben wir eine zweite Covid-19-Welle, deren wirtschaftliche Folgen sich nur erahnen lassen. Vergessen wir nicht, dass sich schon vor alledem, im vergangenen September, eine Liquiditätskrise abzeichnete, belegt durch das Versagen des Dollar-Repomarktes, was aller Wahrscheinlichkeit nach das Ende der Bankkreditausweitung anzeigt. Und wir sollten auch daran denken, dass der Handelszollkrieg zwischen den beiden größten Volkswirtschaften der Welt das Wachstum des internationalen Handels abrupt zum Stillstand brachte.
Wer die wirtschaftlichen Folgen all dieser Entwicklungen im Blick hat, kann nur folgern: Zusätzlich zur ohnehin wachsenden Lücke zwischen Staatsausgaben und Steuereinnahmen müssen die Regierungen nicht nur ihre Steuerbasis vor einem ein- oder zweimaligen Schlag durch das Coronavirus retten, sondern es werden weitere inflationäre Ausweitungen in zunehmendem Tempo folgen. Allein gemessen an den Geldmengen ist die Hyperinflation beim US-Dollar und allen anderen Fiat-Währungen, die denselben politischen und tatsächlichen Dynamiken unterliegen, bereits fest verankert.
Wenn die Öffentlichkeit aufwacht …
Nur wenige sind sich bewusst, dass die Hyperinflation bereits da ist; die meisten Menschen werden sich ihrer erst bewusst, wenn die Folgen für die Preise offensichtlich werden. Und wie oben erwähnt, ist es kein linearer Prozess, bei dem gilt:
M x V = P x T.
V, die Umlaufgeschwindigkeit, muss durch den menschlichen Faktor ersetzt werden, bei dem sich die Präferenzen zwischen dem Halten einer Geldliquiditätsreserve und dem Kauf von Waren verschieben. Die endgültige Flucht in Sachwerte ist ein rascher Prozess, der sich, einmal begonnen, nicht mehr aufhalten lässt. Wir haben gesehen, dass das Verhältnis zwischen dem Preisanstieg, gemessen am Chapwood-Index, und dem Anstieg von Dollar-M3 darauf hindeutet, dass die Präferenz für das Halten von Geld in den frühesten Stadien zugunsten üblicherweise gekaufter Waren abnimmt: Der Prozess scheint seit einer Reihe von Jahren unterschwellig im Gange zu sein.
Skeptiker der Hyperinflationsthese könnten einwenden, das US-Finanzministerium besitze über 8.000 Tonnen Gold und könne dem Verfall jederzeit durch die Rückkehr zum Goldstandard Einhalt gebieten. Man möchte es hoffen, doch nichts deutet darauf hin, dass die Verantwortlichen auch nur die geringste Ahnung von der wahren Lage haben. Zudem ist es undenkbar, dass die Fed und das Finanzministerium die Uhr freiwillig zurückdrehen, nachdem sie das Gold vor neunundvierzig Jahren als Deckung des Dollars aufgegeben haben. Und wenn ich Recht habe, dass der chinesische Staat nicht nur die physischen Goldmärkte kontrolliert, sondern auch über einen beträchtlichen Bestand an nicht deklarierten Edelmetallen verfügt, würde die Wiedereinführung der monetären Rolle des Goldes Amerikas Feinden enorme Macht in die Hände legen. Überdies dürften Ausländer, solange der Dollar noch einen Wert hat, ihre Dollar beim US-Finanzministerium gegen Gold eintauschen.
Und das wäre noch bevor sich die neokeynesianischen Makroökonomen umschulen ließen und sich von all ihren Irrtümern befreiten. Nein, das marode Schiff USS Dollar wird wahrscheinlicher mit Mann und Maus untergehen.
Unterdessen kündigte die Fed am 23. März unbegrenzte Geldmengenausweitung an. Kurz darauf begann China, Dollar verstärkt zu verkaufen und stattdessen Rohstoffe zu horten. Das ist die Verhaltensänderung, die wir von der breiteren amerikanischen Öffentlichkeit erwarten können, wenn sie gemeinsam erkennt, dass das Geld fällt und nicht die Preise aller Dinge steigen. Markierte der 23. März, nach dem China Berichten zufolge Dollar in höherem Tempo gegen Rohstoffe abgestoßen hat, den Beginn der endgültigen Flucht in Sachwerte?
Es ist durchaus möglich; in diesem Fall dürfte die Hyperinflation des Dollars und der meisten anderen Papierwährungen in einem endgültigen, unerwarteten Einbruch der Kaufkraft innerhalb von nur wenigen Monaten enden.
[i] Friedman (1970) The Counter-Revolution in Monetary Theory.
[ii] Kiley, Michael T. (2020). „Pandemic Recession Dynamics: The Role of Monetary Policy in Shifting a U-Shaped Recession to a V-Shaped Rebound“, Finance and Economics Discussion Series 2020-083. Washington: Board of Governors of the Federal Reserve System, https://doi.org/10.17016/FEDS.2020.083
[iii] https://fred.stlouisfed.org/series/MABMM301USM189S
[iv] https://www.bea.gov/news/2020/gross-domestic-product-third-estimate-corporate-profits-revised-and-gdp-industry-annual
[v] Siehe www.chapwoodindex.com
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