Indien hat eine lange Tradition des Goldbesitzes, die durch die langjährige Erfahrung mit einer schwachen Rupie gefördert wurde. Nur ein Narr lässt Rupien auf einem Konto liegen, denn sie kaufen in der Regel jedes Jahr weniger. Alternative Wertspeicher wie Aktien sind erst im Zuge des Wirtschaftsbooms in der Breite angekommen, und ihre Wertentwicklung war insgesamt bei Weitem nicht so gut oder verlässlich wie die von Gold.
Seit der Unabhängigkeit ist Gold mit Abstand der beste Speicher des Familienvermögens. Die heutigen Großeltern kauften es 1965 zu 170 Rupien pro Unze, und seitdem gab es Feste, Geburten, Hochzeiten der Kinder und auch Enkelkinder. Das verantwortungsvolle Familienoberhaupt hat für das Wohlergehen und die Zukunft seiner Familie gespart, und Gold stand im Mittelpunkt seiner Ersparnisse. Und wie weise er war: Gold kostet heute etwa 75.000 Rupien pro Unze und ist zu seinen Lebzeiten, gemessen in Rupien, um das 440-Fache gestiegen.
Er weiß etwas, das die Menschen im Westen nicht wissen: Der Anstieg des Goldpreises beruht auf dem Wertverfall der Währung. Und solange die Währung fällt, ist es sinnvoll, weiter Gold anzusammeln, damit die Ersparnisse der Familie ihren Wert behalten. Nichts anderes bietet diesen Schutz, und der heute oder morgen gezahlte Preis ist zweitrangig.
Regierungen mögen das vor allem aus ideologischen Gründen nicht. Sie mögen den Gedanken nicht, dass einige Menschen reich werden, ohne etwas zu tun. Außerdem sind sie damit befasst, Vermögen von Sparern und Arbeitnehmern umzuverteilen, um politische Ziele zu finanzieren und ihnen genehme Interessengruppen zu unterstützen. Neben den Einnahmen aus Steuern auf legalem Wege drucken Regierungen Geld. Das Gelddrucken entwertet die Kaufkraft der Einkommen und Ersparnisse der Menschen, ohne dass sie merken, was geschieht. Der Vorteil des Goldbesitzes besteht darin, dass er die Menschen vor dieser versteckten Steuer der Geldinflation schützt, die mit der Zeit zu einer immer schwächeren Währung führt. Und je tiefer die Rupie fällt, desto mehr Gründe gibt es, mehr Gold zu kaufen.
Bis vor Kurzem hat die indische Regierung es Familien erlaubt, importiertes Gold zu kaufen, nachdem sie 1990 den Gold Control Act aufgehoben hatte. Die Lehre aus diesem Gesetz war, dass es den Goldhandel lediglich in den Schwarzmarkt trieb und nichts dagegen ausrichtete, dass Einzelne an Gold gelangten, wenn sie es wollten.
Die indische Regierung ist jedoch nicht uneingeschränkt für freie Märkte und versucht, viele Bereiche des indischen Lebens zu kontrollieren, einschließlich des Goldbesitzes. Deshalb ermutigen der Staat und der Finanzsektor (der vom Staat lizenziert wird) die Bevölkerung nun, börsengehandelte Fonds (ETFs) und E-Gold anstelle von physischem Edelmetall zu kaufen.
Dies läuft auf den Versuch hinaus, westliche Kapitalmarktpraktiken in den indischen Alltag einzuführen. Dadurch entstehen jedoch neue Risiken, die die Eigeninteressen von Regierung und Finanzanbietern nicht offenlegen. ETFs und E-Gold erfordern keine Deckung durch physisches Gold, sondern nur ein Versprechen, dessen Wert zu zahlen. Statt durch Gold gedeckt zu sein, müssen diese Finanzersatzprodukte nicht mehr sein als ein Buchungseintrag auf einem Computer, solange der Emittent das Vertrauen des Anlegers behält.
Dies wird an den westlichen Kapitalmärkten voll ausgenutzt, wo Berge von Papiergold gehandelt werden, ohne dass physisches Metall geliefert wird. In diese Welt sollen nun auch gewöhnliche indische Sparer gelockt werden: Statt tatsächlich physisches Gold zu besitzen, wird ihnen ein Papieranspruch angeboten. Physisches Gold gehört Ihnen und niemandem sonst. Ein ETF oder E-Gold (was auch immer das sein mag) hängt dagegen vollständig von der Integrität der Finanzintermediäre ab, und deren Integrität wiederum hängt von den staatlich vorgegebenen Regeln ab.
Die Absichten der Regierung
Was ist also die eigentliche Absicht der Regierung? Es kommen drei Überlegungen in Betracht. Die offensichtlichste und am häufigsten genannte lautet, dass die Regierung in steigenden Goldimporten einen Beitrag zum Handelsdefizit sieht. Kann sie die Goldimporte eindämmen, so glaubt sie, werde sich die Handelsbilanz korrigieren.
Diese wirtschaftliche Deutung ist uninformiert und, offen gesagt, naiv. Logisch betrachtet liegt die Ursache von Handelsdefiziten nicht im privaten Sektor, sondern stets in staatlichen Eingriffen. Einfach gesagt: Wenn Privatpersonen oder ihre Unternehmen etwas importieren, bezahlen sie dafür, entweder aus ihrem Einkommen oder aus ihren Ersparnissen. Finanzieren sie den Kauf durch einen Kredit, sorgen sie stets für die Rückzahlung, sodass ein Defizit nur vorübergehend ist. Regierungen unterliegen diesen Beschränkungen nicht: Sie können Handelsdefizite durch Handelsabkommen auf zwischenstaatlicher Ebene finanzieren, durch Kredite, die sie nicht zurückzuzahlen beabsichtigen, oder schlicht durch das Drucken von Geld. Goldimporte sind daher nichts weiter als eine Verwendung privater Ersparnisse, keine zusätzlichen Ausgaben. Das Argument des Handelsdefizits ist somit falsch.
Der zweite Grund ist die Auffassung der Regierung, Ersparnisse ließen sich zum Wohl der Nation besser einsetzen, wenn sie für Konsumgüter ausgegeben oder in Staatsanleihen oder Unternehmen investiert würden. Die Vorstellung, dass die Regierung entscheidet, wie viel Menschen ausgeben und wie viel sie sparen sollen, ist ein wirtschaftlicher Eingriff in das Familienleben, und wie wir gesehen haben, waren die Erträge alternativer Anlagen im Vergleich zu Gold unattraktiv.
Der dritte Grund ist weniger offensichtlich, aber wahrscheinlich der wichtigste. Die Goldnachfrage aus asiatischen Ländern hat zu einer erheblichen Verlagerung von physischem Metall aus den USA und Europa in Länder des asiatischen Kontinents wie Indien und China geführt, und diese Verlagerung hat sich mit wachsendem Wohlstand in Asien beschleunigt. Die Nachfrage nach Gold aus Indien und anderen asiatischen Ländern hat daher zu Goldknappheit an den westlichen Kapitalmärkten geführt. Jahrzehntelang haben die westlichen Zentralbanken Gold an den Markt geliefert, um den Preisanstieg aufzuhalten – eine Strategie, die irgendwann zwangsläufig scheitern musste.
Wir können nicht wissen, wie viel Gold den amerikanischen und europäischen Zentralbanken noch bleibt, doch es ist eine berechtigte Vermutung, dass es weniger als die Hälfte der 19.000 Tonnen ist, die sie offiziell als Teil ihrer Währungsreserven angeben. Ihnen geht schlicht das Edelmetall aus, das sie verkaufen könnten, um den Preis niedrig zu halten. Es ist daher nahezu sicher, dass die Reserve Bank of India von den westlichen Zentralbanken unter Druck gesetzt wurde, die Goldimporte indischer Bürger zu begrenzen.
Aus Sicht der Reserve Bank ist es vergebliche Mühe, den indischen Mittelschichten zu sagen, sie sollten auf das Sparen in Gold verzichten; die Lösung besteht deshalb darin, sie zur Anlage in Papieralternativen zu bewegen. Damit diese Strategie aufgeht, müssen sie nicht nur zum Kauf von Papiergold ermuntert, sondern auch davon abgehalten werden, sich das physische Metall liefern zu lassen. Genau das geschieht derzeit.
Die Ironie liegt darin, dass die indische Regierung die Entwicklung von Papiergoldmärkten fördert, während diese Märkte im Westen inzwischen erheblich unter Druck stehen. Die Bullion-Banken in London und New York haben ihren Handel mit Papiergold in den 1990er Jahren ausgeweitet und sich nicht auf die rasch steigende Nachfrage aus Indien, China und anderswo einstellen können, die einen Großteil des verfügbaren Goldes aufgenommen hat. Die Kombination aus großen Mengen Papiergold und nur sehr wenig physischem Edelmetall als Deckung droht eine Liquiditätskrise auszulösen, die auch Papiergoldprodukte andernorts erfassen wird, selbst in Indien.
Wir bei GoldMoney beobachten diese Entwicklungen mit wachsender Sorge und halten Versuche, irgendjemanden zum Wechsel zu synthetischem Gold zu bewegen, für eine Falle. Da sich die Probleme in der Weltwirtschaft und im Bankensystem häufen, erwarten wir, dass westliche Regierungen die Wahlfreiheit ihrer Bürger weiter einschränken werden. Setzt sich dieser Trend fort, nimmt die Wahrscheinlichkeit von Steuern auf Gold oder sogar einer regelrechten Beschlagnahmung in Europa und Nordamerika zu. Unter diesen Umständen ist es für jede Regierung zudem einfacher, Papiergold wie ETFs oder E-Gold zu besteuern, als anonymen Besitz von Edelmetall aufzuspüren.
Indem Papiergold an die Stelle von physischem Metall gesetzt wird, sollen die Menschen in Indien den Preis für die Torheiten des westlichen Bankensystems zahlen. Dies steht im Gegensatz zur Haltung der chinesischen Behörden, die nicht so schwach sind, dass sie westlichen Forderungen nachgeben. Der indische Mittelstandsangehörige mag finanziell nicht versiert sein, wird aber sehr wahrscheinlich die Versprechen von ETFs und E-Gold durchschauen.
Schließlich vertraut er deshalb auf Gold und nicht auf Papier der Regierung. Versuche, verschiedene Formen von Papiergold zu etablieren, dürften daher scheitern.
Dieser Artikel wurde erstmals veröffentlicht auf http://www.bullionbulletin.in/.